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Verdienst Erzieher

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Hallo,

wie ihr ja alle wisst mache ich eine Ausbildung als Sozialassistentin und wir hatten mal im Unterricht die Diskussion das die Erzieher zu wenig verdienen. Wenn ich ehrlich bin finde ich das nicht. 😕 Wenn die sogar mehr bekommen würden, was ist denn mit anderen Berufen. Z.B Altenpfleger? wenn die streiken würden, würde ich das eher verstehen. Es gibt doch viel härtere Berufe als Erzieher oder?

Was denkt ihr darüber?

Ich denke ein Mensch der seine Lebenszeit dafür verbraucht, im Dienste unserer Gemeinschaft zu arbeiten, der sollte damit so viel verdienen,dass er in einem bescheidenen Wohlstand bei optimaler sozialer Absicherung für sich und seine Familie, seinen Unterhalt bestreiten und sein Leben so frei wie möglich gestalten kann und darüber hinaus noch in der Lage ist seinen Beitrag an der Finanzierung unseres Gemeinwohls und des sonstigen Staatshaushalts zu leisten.

Da sprechen wir, denke ich, unter den aktuellen Verhältnissen über ein Bruttoeinkommen von mindestens 3000,- €. als Untergrenze für ein hinreichendes Einkommen.

Und dies ganz unabhängig davon ob ein Mensch im Rahmen des gesellschaftlichen Miteinanders Toiletten putzt oder Kinder betreut,ob er Brötchen backt oder Spargel sticht, in einer Arztpraxis arbeitet oder ein Theaterstück aufführt.

Die Grundversorgung einer menschlichen Gemeinschaft sollte kein"Geschäft" sein, sondern eine gemeinschaftliche Aufgabe die es zu erfüllen gilt.

Mit welcher Berechtigung erhält zum Beispiel ein Sozialarbeiter in einer etwas höheren Einstufung die 19,50 € pro Stunde die erforderlich sind um bei einer 38,5 - Stunden Woche auf diese 3000,- € zukommen, während ein anderer Mensch bei gleichem Verbrauch an Lebenszeit im Dienste der Gemeinschaft mit rund 1300,- € abgespeist wird, obwohl er dieselben Grundbedürfnisse zu befriedigen hat wie der Sozialarbeiter und auch nichts Anderes tut, als seinen Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander zu leisten?

Natürlich gibt es Tätigkeiten die den Arbeitenden härter belasten als andere Tätigkeiten und natürlich sollten besondere Anforderungen und Leistungen sich beim Lohn bemerkbar machen ..... jedoch erst jenseits jener Einkommenslinie, die für die Verwirklichung einer entspannten und umfassenden Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erforderlich ist.

Es ist doch völlig in Ordnung wenn beispielsweise in einem Büro Menschen arbeiten die mit ihrer Arbeit für sich einen Lohn erwirtschaften der weit über dieser in Deutschland als Durchschnitt geltenden Einkommenslinie liegen ..... wenn allerdings diejenigen die diese Büros reinigen für ihren Aufwand lediglich eine Vergütung erhalten die sie gerade noch über Wasser hält und sie auf absehbare Zeit niemals auf einen "grünen Zweig" kommen lassen wird,dann ist das höchst verwerflich und Jeder Gebäudereiniger sollte den Bürohengsten und Bürostuten den Lappen ins Gesicht schleudern und sie ihren Dreck alleine weg machen lassen.
 
Hier im Ort gibt es einen Kindergarten, in dem die Mitarbeiter nicht streiken.

Ich weiß, dass dort alle Mitarbeiter abgestimmt haben, ob gestreikt werden soll oder nicht. Sie haben sich im Vorfeld darauf geeinigt, dass die Mehrheitsentscheidung gelten soll.

Letztlich haben sie sich dagegen entschieden mit der Begründung, sie würden zwar nicht die Welt verdienen , aber , nach ihrer Auffassung , doch angemessen und genügend . Und deshalb nehmen sie am Streik auch nicht teil.

Und das ist hier, nach dem was man hört, der engagierteste Kindergarten im ganzen Umkreis, wenn man davon ausgeht , was die mit den Kindern alles unternehmen.
 
Ich denke, die Lohnvorstellung der Erzieher/innen muss man historisch betrachten. Früher waren Erzieher wirklich nur Erzieher, heute wird von ihnen auch Verwaltungsarbeit verlangt. Zum Beispiel müssen Stellungnahmen zum Entwicklungsstand der Kinder verfasst werden. Die frühkindliche Bildung rückt immer weiter in den Fokus. Die meisten Kommunen kommen dank des neuen Rechtsanspruches auf einen KITA Platz auch kaum mit Bau von KITAs und Einstellung der Erzieher hinterher, was zur Folge hat, dass vorhandene Erzieher oft überfordert sind.

Und Geld ist sowieso nicht da. Während der Bund die schwarze Null propagandiert, sind die Gemeinden pleite. Die Städte sind im Nothaushalt, die Belegschaft wird reduziert, Aufgaben gestrichen, Steuern erhöht. In meiner Stadt wurde in letzter Zeit die Grundsteuer und Parkgebühren erhöht. Unsere Theater zerfällt gerade und unsere Stelle für Touristeninformation wurde mangels Geld abgeschafft. Klar, die Eltern zahlen gebühren für einen KITA Platz, aber die sind nicht mal ansatzweise kostendeckend.

Ich finde das Gehalt der Erzieherinnen angemessen. Ich würde ihnen mehr gönnen, aber man muss auch die Rahmenbedingungen sehen. Solange sich KITAs noch im Ausbau befinden sind Erzieherinnen stark belastet, aber eben auch nur solange. Der Beruf Erzieherin ist nicht mit dem Richterberuf oder den Oberbürgermeister vergleichbar. Und ist es auch falsch pauschal Berufe, bei denen es um eine hohes Gut (unsere Kinder) geht, über Maßen gut zu entlohnen, letztlich geht es um die Tätigkeit.

Ich habe mal auf Lohnspiegel.de gesucht.
Erzieherinnen verdienen zb besser als Verkäufer, Altenpfleger und Hotelfachleute.
Erzieher verdienen etwa genauso gut wie Pflegeberufe generell, Sekretärinnen und Bürokaufleute.

Jeder mag Präferenzen für bestimmte Berufe haben. Ich zb finde die Altenpflege eher schlecht bezahlt. Der Beruf geht auf die Psysche und den Rücken. Noch dazu sind ambulante Pflegedienste ständig unter Zeitdruck. Auch steht jedem die Meinung zu, dass wir alle zu wenig verdienen 😀 aber der Fairnis halber muss die Relation stimmen. Ich kann als Stadt auch nicht endlos Steuern erhöhen nur damit die Erzieherinnen super bezahlt werden. Erzieherinnen finde ich relativ gesehen vernünftig eingruppiert.
 
Berufseinsteiger in Vollzeit beginnen laut Hocke nach vier bis fünf Jahren Ausbildung mit einem Verdienst von durchschnittlich 2069 Euro brutto. Netto hatten Erzieherinnen nach Zahlen des Mikrozensus 2008 im Schnitt 1365 Euro zur Verfügung, die wenigen Männer rund 230 Euro mehr (s. Tabelle unten). Auch, weil Teilzeit- und befristete Arbeitsverhältnisse seit Jahren auf dem Vormarsch sind, müssen nicht wenige Erzieher ihr Gehalt mit Hartz IV aufstocken, ein Drittel der Berufsanfänger gibt den Job nach kurzer Zeit auf.

Was Erzieher verdienen - Miese Bezahlung, kaum Anerkennung - FOCUS Online - Nachrichten

Das zum einen und zum anderen ...

Und zum anderen finde ich es irgendwie belustigend, dass man hier das ganze nun mit Juristen vergleichen will oder anderen Berufen und hat für mich eher den Anschein als würde man Birnen mit Plastik vergleichen wollen...

Aber am interessantesten ist hier der Umstand, dass man einfach unterstellt, dass Erzieher doch gar nichts leisten würden und ähnliches ... Würde es diese nicht geben, müsste man weiterhin nach dem klassischen Modell erziehen ... Mama bleibt zu Hause und schmeißt Kinder und Haushalt und Mann geht arbeiten ...

Irgendwie solltet ihr doch selbst merken, dass ihr euch mit einer solchen Argumentation vollkommen ins eigene Knie schießt ....
 
Aber am interessantesten ist hier der Umstand, dass man einfach unterstellt, dass Erzieher doch gar nichts leisten würden und ähnliches ...
Das hat niemand behauptet. Aber das heißt noch lange nicht, dass diese Leistungen ein Gehalt verdienen, das dem eines Richters oder sonstigen Akademikers entspricht. Die sind nämlich ausbildungsmäßig höher qualifziert und leisten im Beruf in der Regel auch noch Anspruchsvolleres als Erzieher/innen. Nur wird das von letzteren leider geleugnet.
 
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Nun. Ich nehme an, wenn die Erzieher tatsächlich bis zu 20% Lohnerhöhung bekommen und Du dann den erhöhten Kindergartenbeitrag bezahlen musst, wirst du auch jammern. Jedenfalls begeistert wirst Du nicht sein.
 
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Ich glaube die wenigstens von uns sind Richter und Erzieher, haben Kinder und kenne alles aus eigener Erfahrung, dennoch sind die Beiträge der User hier nicht weniger beachtenswert.

Unsere Gesellschaft hat gewisse Lohnstandards zb nach einem langen Studium verdient man in einem entsprechenden Beruf mehr. Das muss so sein, sonst würde ja keiner mehr studieren (und damit auch einige Zeit auf Einkommen verzichten). Um die Wichtigkeit der Sache geht es dabei gar nicht primär (aber auch), sondern eher um die Qualifikation der Tätigkeit.

Die Diskussion um Erzieher ist immer sehr hitzig weil Menschen die Kinder vor Augen haben. Lokführer haben unser Mitleid weit weniger. Ich denke, dass es der Diskussion besser täte, die Art der Tätigkeit von Erziehern als Maßstab zu nehmen. Diese hat anspruchsvolle Elemente, ABER eben auch: Spielen, mit den Kindern essen oder einfach "nur" aufpassen. Über Tätigkeiten sollte man sprechen und nicht darüber dass Kinder wichtig sind, denn letzteres ist ja wohl klar. Kinder sind das vielleicht wichtigste in unserer Gesellschaft, muss ich Erzieher deswegen jetzt 10.000 € im Monat geben? 😀
 
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Nun. Ich nehme an, wenn die Erzieher tatsächlich bis zu 20% Lohnerhöhung bekommen und Du dann den erhöhten Kindergartenbeitrag bezahlen musst, wirst du auch jammern. Jedenfalls begeistert wirst Du nicht sein.
Um so höhere Ansprüche werden Eltern dann an die Qualität der Betreuung, insbesondere aber Förderung ihrer Kinder stellen. Ob man dem ohne Fachhochschulstudium wird entsprechen können, wage ich zu bezweifeln.

Aber um solche Konsequenzen und Querverbindungen erkennen zu können, bevor man lauthals mehr Geld fordert, reicht eine solide Arbeit mit Kindern allein eben nicht aus. Dazu muss man schon einen etwas weiteren Horizont haben und sich auch noch für andere Themen als nur Erziehungsfragen interessieren.
 
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Wir sprechen hier auch von Riesensummen, nicht wahr?! Ein Ganztageskindergartenplatz kostet in meiner Gegend knapp 200 €. 20% mehr sind € 240.🙄
Das sind nach Adam Riese pro Jahr schon 480 €. Das entspricht mehr als zwei Monatsbeiträgen. Finde ich ganz schön happig. Hat man zwei Kinder in der Kita, sind es pro Jahr schon 960 € mehr, falls es keinen "Mengenrabatt" gibt. Darüber freuen sich junge Eltern dann ganz besonders.
 
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