Das mit der Aufgabenverteilung ist auch so eine Sache. In der Vergangenheit habe ich in einer Firma gearbeitet, in der den Mitarbeitern beigebracht wurde, dass keine Arbeitskraft mehr wert ist als andere und wir uns für nichts zu schade sein sollten. Also haben wir uns damals abwechselnd um die Kaffeeküche gekümmert. In meinem jetzigen Job gelten Aufgaben wie das Ein- und Ausräumen der Spülmaschine, die Reinigung des Kühlschranks, alles in Verbindung mit der Kaffeemaschine, usw. als Sekretariatsaufgaben. Ich habe der Chefin mal gesagt, dass wir alle die Küche nutzen und deshalb auch alle für die Tätigkeiten dort zuständig sein sollten. Leider sieht sie das anders.
Das verstehe ich auch. Vorab: ich bin keine Führungskraft und hatte nie eine Sekretärin oder Assistenz oder wie das heute heißt.
Aber ich glaube, ich würde ziemlich pampig werden, wenn meine Sekretärin mich dazu auffordern würde, mich in gleichen Teilen daran zu beteiligen, die Teeküche aufzuräumen oder Post zu holen oder was dergleichen Dinge mehr sind.
Der Grund dafür wäre jetzt nicht, dass ich mich dafür zu erhaben fühlen würde oder was besseres. Die simple Tatsache, dass es heute auch häufig Teamassistenz oder Assistent/in von XX heißt und nicht Sekretärin, erklärt auch warum: die Idee dahinter ist ja, dass die Assistenz der zu assistierenden Person Arbeit abnimmt.
Natürlich kann deine Chefin Kaffee kochen. Wahrscheinlich kann sie auch die Spülmaschine benutzen und putzen, irgendjemand macht das ja auch bei ihr Zuhause. Ich gehe auch stark davon aus, dass sie Telefonate annehmen und Outlook bedienen kann oder Kopieren oder Post holen...
Das ist keine Frage der Fairness. Ihr seid bei der Arbeit, keine WG, wo man derartiges aushandelt und in die WG-Regeln schreibt. Wenn sie deine Vorgesetzte ist, dann ist sie weisungsgefügt. Gerade wenn du ihre Assistentin bist, sollst du ihr nach Möglichkeit die Dinge abnehmen, die du erledigen kannst, damit sie mehr Zeit dafür hat, die Dinge zu tun, für die sie ausgebildet wurde.
Dafür wirst du bezahlt.
Wenn du ehrlich der Ansicht bist, dass du ihren Job genau so gut machen könntest wie umgekehrt, dann finde raus, was für formale Qualifikationen sie dir voraus hat (z B Studienabschluss oder andere Zusatzqualifikationen). Dann kannst du die ebenfalls erwerben und dich dann auf entsprechende Stellen bewerben. Falls sie nicht qualifizierter ist als du, steht es dir selbstverständlich auch frei, das sofort zu tun.
Und wenn du dann in der entsprechenden Position bist, dann wirst du es zweifellos besser machen als deine aktuelle Vorgesetzte.
Natürlich ist die Idee mit dem 'Entlasten' kein Freibrief für sie, sich dir gegenüber unangemessen aufzuführen. Ein höflicher Umgangston steht dir selbstverständlich genau so zu wie jeder anderen Kollegin. Und wenn du Zusatzaufgaben bekommst, dann solltest du nicht nur, dann musst du sogar rückmelden, wenn das alles so viel wird, dass du es nicht mehr in der vereinbarten Arbeitszeit erledigen kannst.
Denn nicht nur hat der Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht gegen seine Angestellten, die Arbeit muss ja auch erledigt werden.
Übrigens solltest du auch in dieser Situation so höflich im Ton sein, wie du es von deiner Chefin ebenfalls mit Recht erwartest. Falls das dann nicht hilft, dann müsstest du anfangen, Überstunden zu dokumentieren, Rücksprache mit Personalrat halten usw. Aber solange diese magische Grenze nicht erreicht wird, bist du in der Tat verpflichtet zu tun, was eben anfällt, voraus gesetzt du kannst es erledigen und es wird dir von einer weisungsbefugten Person aufgetragen.
Das ist in der Tat in jedem Job so.