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Unschlüssig, ob bleiben oder gehen

Iberiana

Neues Mitglied
Mein Job ist ein ständiges Auf und Ab. Ich arbeite als Sekretärin in einer Einrichtung des öffentlichen Dienstes und weiß nicht so richtig, was ich davon halten soll. Manche Vorgesetzte und Kollegen in höheren Positionen vermitteln mir das Gefühl, als ob sie sich im Vergleich mit mir für etwas Besseres halten. Das ist nicht nur mein Problem, meine Kollegin im Sekretariat und andere Angestellte in niedrigeren Positionen erleben das auch immer wieder.

Nach außen wirkt unsere Belegschaft wie eine echte Einheit, ein sehr harmonisches und prima funktionierendes Team. Innerhalb der einzelnen Sachgebiete passieren aber Dinge, die nicht jeder mitbekommt. Z. B. ist unsere stellvertretende Chefin nach außen eine sehr freundliche Person mit einer sympathischen Ausstrahlung. Im ganzen Haus ist sie sehr beliebt. Meine Kollegin und ich kennen sie aber auch von einer anderen Seite. Wenn sie schlechte Laune hat, schnauzt sie uns von der Seite an und gibt uns die Schuld für irgendwelche Fehler, die wir nicht begangen haben. Ich habe mal versucht, mit meiner Chefin darüber zu reden. Leider hat sie mir nicht geglaubt, weil ihre Stellvertreterin wirklich zu allen sehr nett ist, nur zu mir und meiner Kollegin nicht.

Aktuell werde ich bisweilen von einer Hilfskraft unterstützt. Das ist ein junger Mann mit Handicap, der in verschiedenen Bereichen bei uns eingesetzt wird, wo gerade jemand gebraucht wird. Mit seiner Chefin (sie gehört zu einer anderen Abteilung) kam ich immer prima klar, die Beiden wirken sehr harmonisch zusammen. Heute hat er mir aber erzählt, dass auch sie eine sehr launische Person ist und ihn nicht immer gut behandelt.

Mich stört es auch sehr, dass unbeliebte Aufgaben, auf die manche Leute keinen Bock haben, auf Arbeitskräfte wie mich abgewälzt werden und die Zuständigkeit von jetzt auf gleich auf mich übertragen wird, ohne mich zu fragen, ob ich das stemmen kann/will.

Wenn ich in der Rücksprache mit meiner Chefin Dinge anspreche, die mir nicht so gut gefallen, wirft sie mir Meckern und Undankbarkeit vor. Ihrer Meinung nach müsse ich dankbar sein, weil ich viele interessante Aufgaben habe, Seminare besuchen, teilweise im Homeoffice arbeiten und an Behörden-Events teilnehmen kann. Sowas gäbe es schließlich nicht an jedem Arbeitsplatz.

Bisher habe ich mich nicht getraut, mich anderweitig zu bewerben. Vor diesem Job war ich lange bei einer Zeitarbeitsfirma angestellt und hatte große Probleme, überhaupt eine feste Anstellung zu finden. Ich möchte auch ungern das Risiko eingehen, zu kündigen, woanders anzufangen und dort die Probezeit nicht zu überstehen. Das ist mir nämlich schon mal passiert, auch wenn es lange her ist. Was meint ihr, muss man im Job auch mal Unannehmlichkeiten aushalten oder wie seht ihr das?
 
Hast du schon versucht konkret, wenn das Anschauen passiert, zu reagieren? Also quasi direkt deiner Chefin höflich zu sagen, dass dir diese Behandlung nicht gefällt? Ich glaube das wäre wichtig.
Das Thema, dass Kritik deinerseits nicht ernst genommen wird, ist schwieriger. Wie waren die Gespräche? Hast du konkrete Themen angesprochen (Projekt xyz wurde mir ohne Rücksprache übergeben) .
Ich denke du musst für dich entscheiden wie groß der Leidensdruck ist. In jeder Firma gibt es Dinge die gut laufen und Dinge die weniger gut sind, aber das weißt du sicher selbst. Die Frage ist, was überwiegt.
 
@Iberiana Du hast schon recht damit, dass manches nicht fair ist und das gilt wohl für jeden Job. Und leider gibt es Aufgaben, die einem selbst nicht liegen oder die man sogar verabscheut. Aber wenn sie erledigt werden müssen, sollte man dann immer eine Ausschreibung machen, wer gerade bock hat und darauf hoffen, dass sich jemand findet?

Das Kennzeichen eines guten Kompromisses soll sein, dass er ALLEN Beteiligten etwas bringt und alle Beteiligten etwas "zwickt". Nach Lust und Laune (ich weiß, dass ich das etwas überspitze, aber darauf läuft es nun einmal hinaus) vorzugehen, führt nach meiner Erfahrung immer über kurz oder lang zu hohen Reibungsverlusten und dazu, dass schlechte Qualität geliefert wird.
 
Was sagen denn die Kolleg:innen vom Personalrat dazu?

Und ja, die Punkte von Ysaia halte ich auch für bedenkenswert.
Insbesondere die Idee, direkt in der Situation zu widersprechen und Dich gegen den Tonfall und sachlich falsche Anschuldigungen zu verwahren, erscheint mir einen Versuch wert. Übe das am besten vorher im Rollenspiel mit Kolleginnen oder guten Freunden, damit Du sicher sein kannst, Dich selbst weder im Tonfall noch in der Wortwahl zu vergreifen.

Alles Gute!
 
Ich glaube nicht, dass du es da besonders schlecht angetroffen hast, sondern einfach normal. Überall gibt es Menschen, die sich über andere erheben und denken, sie sind etwas Besseres. Sofern sie weisungsbefugt sind muss man das aushalten können; aber eben nur dann, wenn es um die Sachebene geht.

Anders sieht es mit dem persönlichen Umgang aus. Anschnauzen zu lassen brauchst du dich nicht und kannst entsprechend um einen angemessenen Umgangston bitten.
Das alles kann man dezent, aber verbindlich einfordern und verschafft sich so Respekt.

Leider erkennt man das, was man an Positivem hatte, häufig erst, wenn man es nicht mehr hat. Wenn du im Großen und Ganzen zufrieden bist und dein Leidensdruck nicht zu hoch ist, würde ich das aushalten und eher Strategien überlegen, wie du die unliebsamen Aspekte abstellen oder reduzieren kannst.

Manchmal hilft schon eine Einstellungsänderung. In jungen Jahren erhielt ich mal den Tipp, mir Querulanten nackt vorzustellen, wenn sie ungerechtfertigt das Rumpelstilzchen geben. Also nicht einfach jede Kritik so nah an sich ranlassen, sondern einfach zu denken "Du kannst mich mal gern haben!"
 
Zuletzt bearbeitet:
Bei uns im Haus herrscht ein sehr freundlicher Umgangston. Wer uns nur oberflächlich kennt, hält uns für einen ziemlich harmonischen Haufen.

Nun sind die meisten Bürotüren aber während der Arbeitsplatz verschlossen. Und was dahinter passiert, entspricht oftmals so ziemlich überhaupt nicht dem ersten Eindruck. Z. B. ist die besagte stelltvertretende Chefin nach außen eine sehr sympathische Frau. Sie hat ein sonniges Gemüt, ist sehr freundlich und hat eine sehr positive Ausstrahlung. Nach dem Vorstellungsgespräch und dem Probetag damals war ich richtig begeistert von ihr. Ihre dunkle Seite bekommen nur zwei Personen zu Gesicht, meine Stellvertretung und ich. Wir sind nämlich die einzigen Personen im Team, die in der Hierarchie deutlich unter ihr stehen. Das lässt sie uns hier und da mal ganz schön spüren.

Meine Kollegin traut sich leider nicht, ihr zu widersprechen und sich zur Wehr zu setzen. Ich habe es einige Male versucht, woraufhin sie mir gedroht hat, mich in einen anderen Bereich versetzen zu lassen (auf den ich weniger Lust habe). Sie weiß auch ganz genau, dass mir niemand glauben wird, weil sie zu anderen Leuten bei uns immer sehr nett ist und alle eine positive Meinung von ihr haben.

Genau das ist das Problem bei Menschen mit zwei Seiten. Ihre dunkle Seite zeigen sie nur im Umgang mit wenigen einzelnen Personen, denen kaum jemand glaubt, weil diese Menschen nur zu ihnen so boshaft sind und zu anderen gar nicht. Leider haben wir einige Menschen von diesem Schlag in der Behörde.

Das mit der Aufgabenverteilung ist auch so eine Sache. In der Vergangenheit habe ich in einer Firma gearbeitet, in der den Mitarbeitern beigebracht wurde, dass keine Arbeitskraft mehr wert ist als andere und wir uns für nichts zu schade sein sollten. Also haben wir uns damals abwechselnd um die Kaffeeküche gekümmert. In meinem jetzigen Job gelten Aufgaben wie das Ein- und Ausräumen der Spülmaschine, die Reinigung des Kühlschranks, alles in Verbindung mit der Kaffeemaschine, usw. als Sekretariatsaufgaben. Ich habe der Chefin mal gesagt, dass wir alle die Küche nutzen und deshalb auch alle für die Tätigkeiten dort zuständig sein sollten. Leider sieht sie das anders.
 
Es gibt Menschen, denen ist ihr sozialer Status wichtiger, als alles andere. Solange sie jemanden "unter sich" haben, ist alles gut. Andere sind Teamplayer, die lieber jemand neben sich haben. Diese "Motivatoren" (Status, Geld, Einfluss, Macht, Wissen, etc.) sind eher unbewusst und lassen sich nur schwer verändern. Daraus ergeben sich Ungerechtigkeiten, denn wenn ich weniger Geld bekomme wie Du, dann stinkt mir das vielleicht mehr, als ich es akzeptieren kann.

Schlussendlich musst Du Dir überlegen, was und ob es Dir etwas wert ist, die von Dir kritisierten Umstände zu ändern. Wenn Du das Geschirr Deiner Chefin stehen lässt und auch deine Kollegen dazu aufforderst, bis sie ihren Teil in der Küche mit erledigt, kann sie das tödlich beleidigen und Du wirst versetzt. Das machen Menschen, die Untergebene haben wollen.

Oder Du akzeptierst die Situation, in der Du so einige Vorteile genießt und siehst ihr Verhalten als etwas an, mit dem man leben kann, weil Du nicht nur in ihrem Schatten lebst, sondern auch so einige Sonnenseiten genießt und ihr dafür nicht dankbar sein musst. Also: was ist Dir wichtig und was bist Du dafür bereit zu tun und aufzugeben? Schließ damit Deinen Frieden oder ändere es. Alles dazwischen macht einen zu einem "Nörgler".
 
Zuletzt bearbeitet:
Du scheinst eine Teamsekretärin zu sein.
Dazu gehört im Normalfall laut Stellenbeschreibung das Zuarbeiten für einen festgelegten Kreis. Das heisst - Weisungsbefugnis dir gegenüber haben so einige Herrschaften. Normalerweise gehört zu deinen Aufgaben auch, die Küche in Schuss zu halten und bei Besprechungen zu servieren. Danach den Besprechungsraum wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen.
Deine Chefin hat vollkommen recht - die Teilnahme an diversen Seminaren etc sind eine Chance für dich. Die Chance, dir ein Netzwerk aufzubauen um evtl. irgendwann aufzusteigen. Dann hast du auch weniger "Chefs". Die Launenhaftigkeit musst du eben teilweise ertragen - solange es im Rahmen bleibt. Und wenn du Mist baust, dann ist es die Aufgabe deiner Chefin, dich dafür zu rügen. Unsympathen gibt es immer und überall. Damit muss man in jeder Position leben.

Und zu Bewerbungen - kannst du dich nicht im Rahmen des ÖD bewerben ? Eine interne Versetzung bzw Beförderung wäre eine Änderung - aber kein Neuanfang.
 
Ja, im Job sollte man auch mal Unannehmlichkeiten hin nehmen.
Vor allem, weil jeder das anders interpretiert und damit umgeht.
Mach Deinen Job so , wie es in Deinem Vertrag steht.
So wie ich das beurteile, ist es möglichweise schwierig für Dich einen neuen Job zu bekommen?

Wer ist Dir gegenüber weisungsbefugt?
Wenn Dir andere Kollegen Arbeit zuschustern solltest Du sagen, dass Du genug zu tun hast und es leider nicht schaffst.
Wie lange bist Du schon dort und wie alt bist Du?

Nach anderen Stellen kannst Du Dich natürlich umgucken.
 

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