Mir geht es genauso. Ich bin Mediengestalterin, arbeite in einem Verlag und dachte meinen Traumjob gefunden zu haben. Drei Jahre lang im sich immer schneller drehendem Hamsterrad. Und ich bin gut. Man erlaubt es mir meine kreative Ader ab und an pulsieren zu lassen - 1x/Monat für 2-3 Stunden, der Rest ist schematische Routine, was gut ist, aber dermaßen stumpfsinnig macht... Es gibt Projekte, die ich gerne mache, weil diese orthogonal sind und meinem Perfektionismus Genugtuung verschaffen. Die anderen finde ich für diese vergängliche, verwöhnte Welt wohl sinnvoll, allerdings stehe ich nicht dazu, weil es nur dem verwöhntem Gaumen der Gesellschaft dient, die mit ihrem Geld um sich schmeißen und durch die Produktion und Müll die Umwelt belasten (dies gibt es wohl in jedem Beruf...?). Zudem noch, es gibt immer sinnlose Diskussionen um 0,2mm Abstand oder andere Korrekturvorgänge, die ein Leser niemals merken würde. Zeitraubend, nervig und sinnlos. Anstatt, dass die Leute sich um das "Gemeinsame" Gedanken machen, wird hier die Hierarchie auch noch stark aufgebauscht, ohne dass man den Respekt verdient hat, bevor die Hierarchie-Leiter besteigen werden kann. (Wie wäre die Welt ohne Hierarchie...?)
Dass ich evtl falsche Firma habe, mag wohl sein, nur sehe ich die Welt etwas objektiver und weitsichtiger, und die Nachhaltigkeit ist erschreckend. Atomkraftwerke; der verschwenderischer, unnötiger Luxus; verlorene Seelen und kalte Herzen der verkorksten, sexistischen, maßlosen Gesellschaft; Massentierhaltung und Umweltverschmutzung - was soll ich arbeiten, denn fast alles dient ja dem "Wohl" des Menschen in perversen Ausmaß! Nach dem ich auch noch den Film "Earthlings" sah, änderte sich meine Weltanschauung deutlich stärker. Soll ich zu Greenpeace gehen? Dort sitze ich auch vor der Glotze und habe machsüchtige und egozentrische Kollegen. Meine Sehstärke hat in den letzen zwei Jahren so stark abgebaut, dass ich weine.
Meine männlichen Kollegen sind eifersüchtig, da ich die kreativen Projekte machen darf, diese besser mache, falls es zum Vergleich kommt, und dazu noch eine Frau bin - was momentan zu einem Mobbing ausgeartet ist. Ich bin immer mit Männern gut klar gekommen, schon als Kind war ich lieber mit dem direkten, mutigen und einfachem Geschlecht zusammen. Jetzt habe ich ein Neandertalergehabe durch den Tag und hasse es im Büro zu sein.
Ausgebrannt von zu viel Arbeit.
Ausgelaugt von dem alltäglichen Kampf um Recht und Unrecht.
Abgestumpft in kreativer Hinsicht.
Abgeschottet im Herzen, trage Unzufriedenheit, bin unglücklich
Mit 33 bin ich zu alt für manche Schulen. Die meisten Ausbildungen muss ich selber finanzieren. Eine mit 2,5 abgeschlossene Umschulung habe ich hinter mir, ein Fachabitur und eine Berufsausbildung im Lebensmittelbereich. ...Ich würde gerne Menschen helfen. Psychologiestudium wäre schön, dann könnte ich z.Bsp. im Gefängnis mit Menschen arbeiten um die Gesellschaft zu verbesseren (was zu hoch gegriffen ist, aber das Bedürfnis ist da) - nur kann ich fast eine Phobie zu Mathematik und kann kein Englisch (was zwingend ist). Ich würde so gerne der Gesellschaft verhelfen eine bessere zu werden, stärker, bewusster und sicherer zu werden - aber welche Berufe sind es?
Ich will raus aus dem ewigen sinnlosen und stumpfsinnigen Kreis.