Hallo miteinander,
jetzt habe ich doch noch ein paar Minuten Zeit, weil mein Mann weggegangen ist. Standhafter Du hattest Recht mit Deinen Worten, man kann wirklich immer nur für das hier und jetzt entscheiden und muß den Weg gehen, den man im Augenblick für richtig hält. Es kann sich auch alles wieder ändern. Bisher haben mein Mann und ich nicht sehr viel gesprochen. Ich habe ihn ein paar Sachen zu der Frau gefragt und er hat mir ein wenig erzählt. Mir war irgendwie wichtig, dass ich mit der Person an sich - natürlich nicht mit der Situation oder wie es passieren konnte etc. - anfangen kann abzuschließen. Diese Gedanken dass sie miteinander über Monate Zärtlichkeiten und sexuelle Dinge ausgetauscht haben, quälen mich so unsagbar. Ich habe nochmals versucht ihm zu beschreiben wie ich mich fühle (natürlich habe ich auch mit ihm gesprochen wie er sich fühlt usw.). Mein Mann hat sich sehr sehr verändert, ich hoffe, dass er was das sensible und feinfühlige anbetrifft, irgendwann wieder so wird wie er war - ich kannte ihn bisher so nicht und ich bin nun völlig verunsichert und fresse nur noch alles in mich rein. Er sagte mir, er könne nicht verstehen, dass ich mir schlecht bzw. würdelos vorkomme und ich kein Selbstwertbewußtsein (insbesondere als Frau) mehr habe. Er meinte, es würde doch nicht von ihm abhängen, dass ich mich würdelos fühle, er sei ja schließlich nicht der einzigste Mensch auf der Welt und wegen dem Selbstwertgefühl als Frau, das sei doch totaler Quatsch, nur weil er mit einer anderen geschlafen hätte, hätte doch das nichts mit mir zu tun und er wisse auch nicht, was er da tun solle, mir wieder Selbstwertgefühl zu geben. Er warf mir vor, ich sei kalt und er fühle sich wie ein Fremdkörper. Wißt ihr, ich habe so versucht, trotz der vielen Zweifel, alles zu tun um ihm die Rückkehr so unbeschwert wie möglich zu machen. Ich habe ihn willkommen geheißen und ihm gesagt, dass ich mich freue, dass er da ist. Ich hatte ihm auch gesagt - um zu vermeiden, dass er irgendwie einen anderen Eindruck erhält - dass ich ihn immer noch liebe aber dass ich vor lauter Angst gerade die Türe nicht aufkriege ihn wieder in mein Herz zu lassen und dass er ein wenig Geduld haben soll, dass ich ihm gerade nicht sagen kann dass ich ihn liebe usw. Ich habe trotzdem immer wieder seine Hand genommen oder seine Umarmungen zugelassen obwohl mir in Gedanken immer gleich die Frau aufblitzt. Da er mir mit seinen Worten und Reaktionen das Gefühl vermittelte, dass ihn meine quälenden Gedanken belasten und nerven und er dadurch keine Geborgenheit durch mich erfahren kann, habe ich nun die ganze Woche (das erzählte spielte sich alles letztes Wo-Ende ab) "heile Welt" gespielt und eine Fassade aufgesetzt, so nach dem Motto, es ist ja alles o.k. ich dramatisiere ja schon nichts mehr. Es tut sehr weh, wenn man seine Gedanken nicht äußern darf. Ich getraue mich nicht mehr was zu sagen, aus Angst ich mache alles falsch. So war nur kurz, muß aufhören. Umarme Euch. Eure Trauermaus