Hallo!
Ich habe übrigens - zur Klarstellung - Betrug auch von der anderen Seite erlebt.
Ich kenne also beide Seiten. Ich habe "fremdgeknutscht", mein Ex-Partner hat mich vor einigen Jahren betrogen. Ich bin auch ein anderer Mensch als früher. Jedoch mache ich mir immer Gedanken aus einer gewissen Distanz heraus.
Wenn etwas schiefläuft in einer Partnerschaft, dann meist deshalb, weil einer etwas vermisst, was der andere im Moment nicht gibt (sicherlich meist unabsichtlich) und dann irgendeiner einen Ausbruch wagt, etwas neues, was dieses vermisste eben einstellen lässt.
Ich glaube, dass Menschen deshalb fremdgehen, weil sie etwas vermissen und es ist sicherlich die falsche Art und Weise damit umzugehen, weil man vielmehr sich unterhalten sollte und darüber sprechen sollte. Nur:
Sobald man über "Erwartungen" spricht, ist ein Druck aufgebaut. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Auch nicht, wenn tatsächlich einer verarscht hat und der andere Schmerz empfindet. Das ist ja die ganze Problematik an der Geschichte. Dass der Betrogene selbstverständlich einen gewissen Druck durch Erwartung aufbaut, der aber leider in den meisten Fällen nicht das gewünschte Erfolgserlebnis mit sich bringt, weil auch fremdgegangene Menschen eine Würde haben, die sie sich nicht nehmen lassen. Alles andere wäre ja Auge-um-Auge Zahn-um-Zahn!
Man muss schon bei aller Problematik und allem Schmerz eines nicht außer Acht lassen (und ich habe Trauermaus den Schmerz nicht abgesprochen! Sie hat ein Recht darauf, ihn zu empfinen, wie ich ihn auch empfunden habe!!!):
Auch ein Mann, der fremdgegangen ist, hat hinterher (vor allem, wenn er die Frau, die er betrogen hat noch liebt) Probleme, einfach so Liebe zu zeigen bzw. Zuneigung, da er immer das Gefühl hat (und ich weiß das, da ich mit meinem Partner, der mich betrogen hat, heute eine gute Freundschaft habe - sehr selten, ich weiß. Aber es stimmt wirklich, da sowohl er als auch ich wieder vergeben sind und recht selbstbewusste Menschen sind), es wird erwartet und er hat Erwartungen zu erfüllen und jedes Zeichen von Zuneigung und Liebe wird ihm aufgerechnet. Beispiel:
Der Mann hat betrogen und merkt, dass seine Frau Kontakt braucht, um zu verarbeiten. Er braucht jedoch noch ein bisschen Distanz, da er sich ganz schlecht fühlt für das was er getan hat und, um die Liebe wieder neu zu leben, die Chance aus einer gewissen Entfernung wieder zu der Frau, die er liebt zurück zu finden. Denn (immer noch fiktives Beispiel mit Erlebnisgehalt aus meinem eigenen Leben) er fühlt sich schlecht, sofort und umgehend wieder den treusorgenden Mann bzw. Partner zu spielen. Er ist für sich der Ansicht, dass es wieder langsam wachsen muss - die Liebe und das Vertrauen!
So: Er schreibt aber, da er das Kontaktbedürfnis seiner Frau kennt und davon mitbekommt, welche Erwartungen sie an ihn hat, eine SMS mit der Botschaft was er gerade macht und dass die Arbeit stressig ist und so weiter uns so fort.
Er hofft damit zu zeigen, dass er in dem Moment an seine Frau denkt und Kontakt sucht bzw. anbietet. Er hofft, dass er auch ohne die von ihm gerade so verhassten Floskeln wie "ich liebe dich" und so weiter seiner Frau ein Zeichen geben kann, dass er an sie denkt.
Sie jedoch liest die SMS und denkt: Na toll! Er erzählt von der Arbeit, aber um uns geht es nicht in der SMS. Er schreibt noch nicht einmal "Liebe Grüße" oder "HDL", etc....
Merkt ihr, was die Problematik ist?!?!?!??!
Man kann oft in seinem Hass, Zorn und Schmerz die Verhaltensweisen des anderen nicht richtig deuten!
Und zu oft wird die Chance auf eine Wiederbelebung der Beziehung dadurch kaputt gemacht, dass man dem "Täter" nicht die Chance gibt aus freien Stücken und mit ehrlicher Intention und Liebe etwas zu tun, sondern dass man ihn unter Erwartungsdruck setzt und Anforderungen hat, die man nicht haben kann, da eben die Beziehung so erschüttert wurde und man davon ausgehen muss, dass ein reuiger Mann auch leidet!
Es gibt genügend Täter, die hinterher bereuen! Und ich bin der Meinung, dass man - sollte man Interesse an einer weitergehenden Partnerschaft haben - trotz allem Schmerz und Verarsche die Würde des Täters nicht Auge-um-Auge und Zahn-um-Zahn vernichten darf. Er muss mit geradem Rücken aus der "Tat" herausgehen, sonst hat gleichberechtigte Liebe keine Chance! Und das kann nicht im Interesse der Frau sein!
Ich hoffe, dass ich jetzt richtig verstanden wurde und nicht so angegriffen werde wie Daniela. Denn:
Liebe Trauermaus! Dass wir alle hinter dir stehen ist vollkommen klar!
Ich zumindest! Denn ich habe es von beiden Seiten erlebt!
Ich weiß dass du leidest und ich gönne dir eine positive Wendung von ganzem Herzen! Wirklich!!!!!
Ich finde es nur schade, wenn man vor lauter Schmerz dem Partner die Chance vertut, mit geradem Rücken aus seiner Schandtat herauszugehen. Denn das ist die Voraussetzung für eine neue gute Liebe!
Was hat man denn davon, wenn man einen geprügelten Hund an der Seite hat, der Kontrolle über sich ergehen lässt, alle Gefühlserwartungen erfüllt, nur um wieder bei seiner Frau zu sein? Ich würde das nicht wollen, weil ich dennoch trotz allem einen starken Partner wollte.
Es wäre total lieb von dir, wenn du mir eine Antwort schreibst. Sicherlich fühlst du dich angegriffen von Posts, die nicht 100%ig hinterstehen. Vielleicht siehst du das aber nach einiger Zeit auch aus einem anderen Blickwinkel.
Der Betrogene hat nicht das Recht trotz allen Schmerzen den anderen mit Erwartungen zu überhäufen. Das geht meist nicht gut.
Melde dich doch mal! Ich denke fest an dich und hoffe, dass du das mit deinem Mann gut in den Griff bekommst!
Liebe Grüße,
Deine Marion