In seiner
Metapsychologie ("
Das Ich und das Es" 1923) unterscheidet Freud
drei „Instanzen“ des psychischen Apparats:
- Das Es, die naturnahe Triebinstanz,
- das Ich, und
- das Über-Ich
Das Über-Ich kann im Freud'schen
Strukturmodell der Psyche vereinfacht als die
moralische Instanz oder auch das
Gewissen angesehen werden und stellt den Gegenspieler für die elementaren Lusttriebe des ES dar. Es wird in der frühen
Kindheit (bis zum 6. Lebensjahr) gebildet und enthält die (moralischen)
Normen und verinnerlichten Wertvorstellungen der kulturellen Umgebung, in der das
Individuum aufwächst (insbesondere die der Eltern). Das Über-Ich entsteht durch Angleichen der eigenen Person an andere, mit denen sich dieser Mensch identifiziert. Dieser Prozess wird fachsprachlich als
Introjektion bezeichnet.
Wenn ein Mensch zu denken beginnt, geschieht dies bereits unter dem Einfluss des Über-Ichs und der darin enthaltenen grundsätzlichen Wertvorstellungen. Da er diese als seine ureigenen empfindet und er seine persönliche
Identität aus ihnen bezieht, kann er sich durch
rationales Denken nur sehr bedingt von ihnen distanzieren oder
emanzipieren.
Ist es nicht ein Resultat unser speziellen Gesellschaft, dass das Über-Ich gegenüber dem Es keinen Konsens findet. Dass die Wertvorstellungen meiner Eltern unvereinbar mit meinen Trieben/Lüsten sind?
Das ist doch eine Frage der Erziehung: Inwiefern man das Es/das triebhafte seines Kindes gestattet bzw. inwiefern später unsere Gesellschaft das ES mit seinen Wünschen nach Lustbefriedigung zu integrieren weiß.
In anderen Kulturen ist das m.E. anders. Anpassen muß sich das ES schon, aber eben anders als bei uns.