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Tristes Leben über Generationen?

  • Starter*in Starter*in Gelöscht 126135
  • Datum Start Datum Start
@Gwynneth
Ich glaube, ich kann Dich verstehen. Ich denke, es geht dir gar nicht so sehr um die Hinterlassenschaften, sondern du würdest gerne mehr darüber erfahren, warum deine Grossmutter so geworden ist, wie sie war. Und damit das Leben deiner Mutter und dein eigenes so beeinflusst hat, wie sie es hat. Sie scheint ja kein Kriegsflüchtling gewesen zu sein, sondern hatte anscheinend ein recht privilegiertes Leben - während und auch nach dem Krieg. Wenn du mehr wissen willst, versuche es vielleicht einmal über das Bundesarchiv, welche Tätigkeit genau sie dort inne hatte. Diese ganze Geheimnistuerei mit dem Müll macht mich schon stutzig.

Was ich noch anmerken möchte: nicht alle Kriegsflüchtlinge waren verbittert, auch wenn sie nach der Flucht oft nicht gut behandelt wurden. Meine Grosseltern gehörten zu dieser Generation. Opa als Soldat im Krieg, anschliessend in amerikanischer Kriegsgefangenschaft, Oma mit 2 Kindern auf der Flucht. Als sie starben gab es keine Reichtümer, die hinterlassen wurden. Aber es gab die liebevollen Front-Briefe, die sie sich geschrieben haben und es gab den Fotoapparat meiner Oma (sie war tatsächlich gelernte Fotografin) und natürlich diverse Fotoalben.

Meine Eltern sortieren auch immer kräftig aus - eben aus dem Grund, das wir Kinder so wenig Arbeit wie möglich mit ihren Hinterlassenschaften haben - aber persönliche Dinge wie Briefe, Fotos etc. - werden nicht weggeschmissen.
 
geht dir gar nicht so sehr um die Hinterlassenschaften, sondern du würdest gerne mehr darüber erfahren, warum deine Grossmutter so geworden ist, wie sie war. Und damit das Leben deiner Mutter und dein eigenes so beeinflusst hat, wie sie es hat
Ja genau! Das meinte ich.
Wenn du mehr wissen willst, versuche es vielleicht einmal über das Bundesarchiv, welche Tätigkeit genau sie dort inne hatte. Diese ganze Geheimnistuerei mit dem Müll macht mich schon stutzig.
Das ist eine super Idee! Ich mach mich mal schlau ob es so was hier bei uns in Österreich auch gibt. Ich weiß nur dass sie Sekretärin eines ziemlich hohen Generals war…

und ja-meine Oma hatte so was von viel Zeugs in der Wohnung-aussortiert war da nichts. Nur eben rein gar nichts wirklich persönliches, keine Fotos, Dokumente oder Erinnerungen.
Nachbarschaftstratsch gabs sowieso nie weil sie lt ihrer Überzeugung nur von blöden und bösen Menschen umgeben war…
 
Besitz belastet in jeder Hinsicht. Man sollte sein Leben so gestalten, dass alles in zwei Koffer reinpasst.
Schon klar-das sehe ich ähnlich. Nur sollte in den zwei Koffern nicht irgendein anonymer Kram sein der jedem gehören könnte sondern eher etwas persönliches oder zumindest Dokumente oder von mir aus die Familienjuwelen…
 
Sei froh, daß Du nicht den Scheiss meiner Eltern geerbt hast. Ganzen Speicher voll mit Ordnern von deren Geschäftsleben und Mist
Oh je das ist natürlich das andere Extrem… in der 2 Zimmer Wohnung meiner Oma war zwar auch eine Unmenge an Zeug aber so viel natürlich nicht… ich wäre vor Freude ausgeflippt wenn unter dem ganzen Zeug auch nur ein einziges Familienfoto oder eine Geburtsurkunde gewesen wäre. Stattdessen nur Kram-Vasen, Dekozeug, tonnenweise Kleidung usw…
 
Es scheint, als würden solche Menschen nur dasitzen und warten, dass das Leben vorbeigeht.
So ähnlich (nicht so extrem) denke ich mir das bei meinen Eltern manchmal.
Interessant ist dass Oma/Opa viel aktiver waren.
Es ist für mich eine Warnung dass ich versuche mein Leben zu genießen damit ich nicht genau so ende!
😴
 
Vielleicht hilft es auch ein wenig, über Paranoia zu lesen.

Und vielleicht hat deine Oma während des Krieges bzw. Dritten Reiches Schuld auf sich geladen und hatte Angst, es könnte rauskommen? Bzw. wenn sie selber noch zu jung dafür war, ihre Eltern?

Mein Eindruck ist, dass diese Generation teilweise einen sehr problematischen Umgang mit Gefühlen und Zwischenmenschlichem hat(te). Da steckte oft der Nazi-Geist noch drin.
 
Dann kann ich immer besser verstehen, wieso meine Oma so dermaßen verbittert war, und zwar schon Jahrzehnte vor ihrem Tod. Sie hatte offenbar psychische Probleme.
Ihr Leben war so weit ich weiß nicht hart oder schwer - sie ist sehr behütet in gutbürgerlichem Haus aufgewachsen und im Krieg auch relativ behütet gewesen als Sekretärin bei der Wehrmacht. Danach Hochzeit, Hausfrau und 2 Kinder in einer Stadtwohnung. Keine Rede von harter Arbeit.
Die Werte meiner Oma waren eher, möglichst wenig Kontakt zur feindlichen Außenwelt, alle sind böse
meine Oma hatte so was von viel Zeugs in der Wohnung-aussortiert war da nichts. Nur eben rein gar nichts wirklich persönliches, keine Fotos, Dokumente oder Erinnerungen.
Nur sollte in den zwei Koffern nicht irgendein anonymer Kram sein der jedem gehören könnte sondern eher etwas persönliches oder zumindest Dokumente oder von mir aus die Familienjuwelen…

Hast du dich nie getraut zu fragen?
Sie hätte von ihrer Vergangenheit berichten können.
Vielleicht war da aber ein großes Stoppschild von ihr errichtet worden, das auch nahestehende Menschen und deren Fragen fernhielt, aus Selbstschutz?

Du weißt sehr wenig und nur das, was du wissen durftest. Das bedeutet nicht, dass es nicht einschneidende Erfahrungen gegeben haben kann.
Einen Krieg zu durchleben, das macht etwas mit Menschen.
Auch über ihre Kindheit weißt du nichts.
Psychische Probleme kommen nicht von nichts. Über ihre Ehe, Wünsche, Träume weißt du nichts.

Vielleicht kannst du versuchen, deinen Anspruch, was sich in Koffern befinden SOLLte, ein Stück loszulassen.
Möglicherweise konnte sie all das, was du finden wolltest, aus sehr persönlichen Gründen nicht um sich ertragen. Du weißt es nicht.

Möglicherweise war sie schwer traumatisiert, hatre eine PTBS, was z. B. mit extremer Erschöpfung einhergehen kann, großem Ruhebedürfnis, negativer Sicht, Ängsten und tausend anderen Dingen. Du weißt es nicht.

Vielleicht bist du in mancher Hinsicht deiner Oma ein wenig ähnlich, ohne dir dessen bewusst zu sein?
Ich könnte mir vorstellen, dass es für dich besser wäre, dich ein wenig aus deiner negativen Sicht, einer verurteilenden Haltung zu lösen und zu sehen, dass deine Oma vielleicht nicht nur sich, sondern auch ihre (Enkel-)Kinder schützen wollte. Auf eine nicht offensichtliche, vielleicht eigenartige, aber evtl. die einzige ihr mögliche Weise. Und vielleicht keine Kraft für ein anderes Leben hatte.
Du weißt es nicht.

Dir fehlt ein Stück Vergangenheit, ein paar kleine Teilchen lassen sich vielleicht recherchieren.
Eine Lücke wird immer bleiben.
Da bleibt nur Akzeptanz zu lernen.
 
@ ausnahmsweise
Vielen Dank für deine tiefgründigen Worte... Ja es ist wohl so, ich weiß nur was ich wissen darf.
Ich komme aus einer Familie, wo alles totgeschwiegen wurde, tiefgehende Themen anzusprechen war absolut tabu. Viel "blabla" aber nix dahinter...
Gefragt hab ich meinen Opa öfter nach dem Krieg und er sagte jedesmal nur "ich kann dir nur sagen, Krieg ist nichts schönes". Mehr kam einfach nicht. Meine Oma hingegen hat alles schön geredet, nach ihren Worten hat sie vom Krieg fast gar nichts mitbekommen.
Ich werde natürlich versuchen, zu recherchieren und die Lücke wohl akzeptieren müssen wie Du schreibst...
 

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