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Tristes Leben über Generationen?

  • Starter*in Starter*in Gelöscht 126135
  • Datum Start Datum Start
Meine Gedanken dazu:
Ich möchte Euch fragen, ob das normal ist bei der älteren Generation (meine Oma wurde 96 Jahre alt)
Sie kommt aus einer ganz anderen Welt, sie hat mindestens einen Krieg überlebt, das hinterläßt seine eigene Art von Sorgen, seinem Weltbild.
Hat man sich wirklich für nichts interessiert und keine Hobbies gehabt?
Vielleicht war ihr Interesse zu überleben ?
Nach dem 2. Weltkrieg der Wiederaufbau !
Habt Ihr so etwas auch schon erlebt, dass jemand irgendwie nichts persönliches in der Wohnung hat außer Kleidung, Dekokram, Geschirr etc.?
Ja, meine Eltern hinterlassen Materiell auch wenig...
Ok, eine Urkunde von Herrn Kretschmann für 60 Jahre Ehe...
Dafür haben sie mir etwas besonderes hinterlassen
WERTE 🙂

Womit verbringen solche Menschen ihre Zeit?
Mit Leben 🙂
Ich meine, bei mir findet man alles mögliche von Instrumenten, die ich spiele, über Strick- und Häkelzeug, diverseste Bücher, Tagebücher, Notizbücher, Fotos.
Das machen viele 🙂
Man muss doch irgendwie die Freizeit verbringen...?
Ja, genau...
"man... muß... Irgendwie"
Bist du damit zufrieden, das ist die Vorstufe zu Glücklich 😉
 
Finde ich der Oma gegenüber nicht ganz fair.
Ja und ich finde es nicht ganz fair, wenn Leute ihre dunklen, nicht aufgearbeiteten Altlasten an ihre Nachkommen weitergeben, die sich dann lebenslang damit herumschlagen dürfen.
Schließlich wurde ich von der Tochter dieser Frau großgezogen und es hat bestimmt gute Gründe warum meine Mutter dermaßen gefühlskalt und bösartig wurde. Ich habe meine narzisstische Mutter früher als Täterin gesehen, mittlerweile sehe ich sie auch eher als Opfer.
Und das zweite Kind dieser Oma, meine Tante, ist gerade verstorben und hatte zeitlebens schwerste psychische Probleme. Sie konnte sich offenbar nicht so schützen wie meine Mutter, mit Gefühlskälte.
 
Ja, meine Eltern hinterlassen Materiell auch wenig...
Ok, eine Urkunde von Herrn Kretschmann für 60 Jahre Ehe...
Dafür haben sie mir etwas besonderes hinterlassen
WERTE 🙂
Es ist schön dass das bei dir so ist - bestimmt bei sehr vielen Menschen.
Bei mir ist es eher so, dass meine Werte von meinem Vater kommen oder von mir selbst. Die Werte meiner Oma waren eher, möglichst wenig Kontakt zur feindlichen Außenwelt, alle sind böse, selbst den Müll hat sie in 2 oder 3 schwarze Übersäcke verpackt weil sie Angst hatte jemand könnte herausfinden was darin ist....Manchmal mussten wir ganz besonderen Restmüll mit zu uns nach Hause nehmen und dort wegwerfen, damit ihn bei ihr keiner sehen konnte....
Kleine Anekdote und nur ein Beispiel von vielen....
 
Ich möchte Euch fragen, ob das normal ist bei der älteren Generation (meine Oma wurde 96 Jahre alt). Hat man sich wirklich für nichts interessiert und keine Hobbies gehabt? Habt Ihr so etwas auch schon erlebt, dass jemand irgendwie nichts persönliches in der Wohnung hat außer Kleidung, Dekokram, Geschirr etc.? Womit verbringen solche Menschen ihre Zeit?
Ich meine, bei mir findet man alles mögliche von Instrumenten, die ich spiele, über Strick- und Häkelzeug, diverseste Bücher, Tagebücher, Notizbücher, Fotos. Man muss doch irgendwie die Freizeit verbringen...?

Liebe TE,
ich denke man kann das so pauschal nicht sagen. Mein Mutter wurde 88 Jahre alt. Die wohnte bis 79 Jahre in ihrem Haus mit Garten, um den sie sich kümmerte. Auch gab es Hobbies wie Töpfern. Freunde und Bekannte hatte sie auch. Mit 78 hatte sie einen Oberschenkelhalsbruch, versuchte dann noch ein Jahr in ihrem Haus zu wohnen. Musste dann feststellen, dass der Garten nur noch mit Hilfe anderer zu bewältigen war. Im Haushalt lief es etwas besser. Kleine Gerichte kochen ging noch, ebenso der Abwasch. Tische saubermachen, Fegen und Feudeln irgendwie auch noch. Aber an Fensterputzen war nicht zu denken. Und wir Kinder und Enkel hatte zu wenig Zeit. Dann entschied sie sich zu meiner Schwester zu ziehen in Haus, aber in einer separaten Wohnung (war ein Mehrfamilienhaus). Leider in den ersten Stock ohne Fahrstuhl. Ging noch eine Weile gut bis zum nächsten Oberschenkelhalsbruch.
Sie kam ohne Hilfe nicht mehr aus ihrer Wohnung raus. Freunde und Bekannte besuchten sie zwar hin und wieder mal, aber die brauchten selber einen Fahrdienst (Tochter oder Sohn), weil sie eben auch in der Altersklasse meiner Mutter waren. Das wurde auch weniger. Und irgendwann musste man die alte Mama doch mehr besuchen. Irgendwann war es 1x die Woche, was für mich häufig schwierig war, da ich arbeiten musste und mein jüngster Sohn (mehrfachbehindert durch Autismus) mehrmals die Woche zur Therapie musste. Meine Woche war mit dem Besuch bei der Mutter immer rappelvoll. Da blieb man manchmal selber auf der Strecke. Und was ich am meisten hasste, dass meine Mutter eine Wohnung ohne Fahrstuhl genommen hatte.
Was ich damit sagen möchte, manchmal kann man sich das leider nicht so aussuchen. Mein Mutter war dann auch pflegebedürftig. Sie war gar nicht in der Lage, selbständig aus dem Haus zu kommen.
Häufig war dann auch Streit mit der Schwester angesagt, weil sie dann mal der Meinung war, es kümmert sich keiner genug um die alte Mutter. Ich hatte schon häufig das Wort auf der Zunge, warum zieht dann unsere Mutter hier in dieses Haus ohne Fahrstuhl? Nicht missverstehen, ich besuchte meine Mutter gerne, aber dann bitte schön nach meinen Regeln (meiner Schwester war 1x die Woche wohl zu wenig). Meine Mutter wollte zur meiner Schwester, ich hinterfragte einmal, ob es nicht auch ein Haus in der Nähe mit Parterre oder wenigstens mit Fahrstuhl sein konnte? Antwort nein ist meine Sache. Sie wohnte dort gut 4 Jahre, dann musste sie ins Pflegeheim (was übrigens sehr gut war). Dort war sie sehr gut aufgehoben. Es gab viele Angebote, die sie wahrnehmen konnte und es auch teilweise
über Jahre machte. Die letzten 1,5 Jahre bis zu ihrem Tod allerdings selten bis garnicht mehr. Wir holten sie aber häufig auch mal ab. Und Besuch bekam sie 1x die Woche von mir.

Ich bin Ende 50. Und ich möchte wenn ich noch älter werde nicht ohne Hobby sein. Dann suche ich mir lieber eine ehrenamtliche Tätigkeit und vielleicht noch ein zusätzliches Hobby. So wie mancher alte Mensch möchte ich nicht sein. Ich verkaufe lieber unser Haus und ziehe mit meinem Mann in eine
altersgerechte Wohnung.

LG Jedi
 
Es ist schön dass das bei dir so ist - bestimmt bei sehr vielen Menschen.
Bei mir ist es eher so, dass meine Werte von meinem Vater kommen oder von mir selbst. ..
Das ist doch schön, daß du trotz vieler Erlebnisse die den Blick auf das Positive nicht verloren hast.

Versuche zunächst daraus das Beste zu machen, über diesen Weg wirst du vermutlich auch,
die Mißstände verstehen, die es in deiner UND auch in meiner oder auch anderen Familien gibt/gab

Somit musst du diese nicht an deine Nachkommen vergeben 👍

Es macht dich freier !
 
Es ist verständlich, dass du daran knabberst, dass deine Mutter nicht gut zu dir war. Das kann durchaus in der Beziehung zu ihrer eigenen Mutter gelegen haben. Das ist aber eine ganz andere Nummer als ein belangloses Leben.

Die Generation unserer Großeltern (meine sind schon lange verstorben, wären aber in etwa so alt wie deine Oma war) hat den Krieg mitgemacht. Und wenn ich mir vorstelle, welche Traumata die da teilweise durchgestanden haben, wundert mich vieles auch nicht. Meine Oma war auch - zumindest nach außen - recht gefühlskalt. Es ging ihr hauptsächlich um materielle Werte, sie blieb bis zum Schluss bei ihrem gewalttätigen Mann, Hauptsache, die Wohnung konnte gekauft werden. Aber das hat sicher auch Gründe, sie musste als junge Frau unter Beschuss aus ihrer Heimat fliehen, ihre Mutter verschwand spurlos, sie wurden hier als Flüchtlinge nicht gut aufgenommen... Und es gab damals keinerlei psychische Versorgung, im Gegenteil, sowas durfte man gar nicht laut äußern. Viele dieser Generation waren wahrscheinlich ihr restliches Leben manchmal einfach froh, in Frieden gelassen zu werden und ihr beschauliches Leben zu leben. Sie hatten ja auch vor und nach dem Krieg ganz andere Existenzsorgen als wir. Ich denke, das kann man einfach nicht vergleichen. Nur daraus lernen und versuchen, das beste aus seinem eigenen Leben mit den eigenen Voraussetzungen zu machen.
 
Beide haben nichts, aber auch rein gar nichts persönliches hinterlassen - keine Tagebücher, keine persönlichen Notizen, vor allem meine Oma hatte offenbar keinerlei Interessen oder Hobbies. Es scheint, als würden solche Menschen nur dasitzen und warten, dass das Leben vorbeigeht.
Ich möchte Euch fragen, ob das normal ist bei der älteren Generation (meine Oma wurde 96 Jahre alt). Hat man sich wirklich für nichts interessiert und keine Hobbies gehabt? Habt Ihr so etwas auch schon erlebt, dass jemand irgendwie nichts persönliches in der Wohnung hat außer Kleidung, Dekokram, Geschirr etc.? Womit verbringen solche Menschen ihre Zeit?
Ich meine, bei mir findet man alles mögliche von Instrumenten, die ich spiele, über Strick- und Häkelzeug, diverseste Bücher, Tagebücher, Notizbücher, Fotos. Man muss doch irgendwie die Freizeit verbringen...?
Manche alten Leute verbringen ihre Zeit nur mit anderen. Kaffeeklatsch, Klatsch überm Zaun, Klatsch über die letzte Episode irgendeiner Seifenoper im Fernsehen ... füllt auch den größten Teil des Tages, wenn genug andere Klatschbasen, gelangweilte Hausfrauen, ältere und arbeitslose Nachbarn ringsum wohnen, mit denen man täglich abhängt. Tagebuch führen viele Leute nicht, weil sie ihr eigenes Leben dazu für viel zu belanglos halten, um irgendwas festhalten zu müssen, weil sie schlicht zu faul sind und alles was wichtig ist nur im Kopf spazieren tragen, andere weil sie nicht ständig an vergangene Fehler erinnert werden wollen, sich für manches schämen oder weil sie Angst haben, das Tagebuch könne in falsche Hände geraten. Wenn meine Mutter stirbt, wird von ihr auch kaum was übrig bleiben außer ein paar offiziellen Dokumenten, denn außer dem Dorfklatsch hatte sie keine Hobbys, die tägliche Arbeit war zu beanspruchend. Ein paar Fotos vielleicht noch, die irgendwann mal gemacht wurden, aber keine minutiöse Dokumentation ihres Lebens.
 
Das nennt man ein geordnetes Leben. Sei froh, daß Du nicht den Scheiss meiner Eltern geerbt hast. Ganzen Speicher voll mit Ordnern von deren Geschäftsleben und Mist, den sie nicht wegwerfen konnten. Der ganze Keller voll bis unter die Decke mit Krempel, den ich entsorgen musste. Die haben alles aufgehoben. Jede Postkarte, jeden Brief, jedes Kinderbild, jede Briefmarke, die konnten sich nicht mal von kaputten Sachen trennen. Was ich erlebt habe, hat mich paralysiert. Ich habe ein ganzes Lebensjahr damit verbracht, deren Scheiss zu ordnen. Völlig verrückt. Die haben gelebt, nach mir die Sinnflut oder so, ohne Rücksicht auf die, die den ganzen Scheiss später an der Backe haben. Das Erdgeschoss ist voll mit Antiquitäten und Sachen, die man verkaufen könnte. Doch letztlich kauft das keine Sau, weil in Deutschland die Häuser voll davon sind. Letztlich stelle ich alles an die Straße und dann kann sich jeder mitnehmen, was gefällt. Hätte ich vorher gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich das Erbe abgelehnt.
 
Was erwartest Du? Ein Tagebuch wie Walter mein Geheimes Leben, 6000 Seiten nonstop Liebschaften.
Sei froh, daß Du keine Garage mit Säurefässern gefunden hast, wo Leichen drinliegen oder irgendwelchen kranken Scheiss wie der Fall von dem Typ, der die Hinterlassenschaften eines Pastors entdeckt hat. Das braucht kein Mensch.

Besitz belastet in jeder Hinsicht. Man sollte sein Leben so gestalten, dass alles in zwei Koffer reinpasst.
 

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