Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Traurig

G

Gastro

Gast
Ich bin oft tagelang, wochenlang traurig. Ich fühle mich allein und irgendwie verloren. Nicht, weil ich tatsächlich allein bin. In meinem Umfeld leben nur wunderbare Menschen. Dennoch finde ich niemanden, mit dem ich über meine Gedanken und Gefühle auf einer gleichen Ebene reden kann. Nicht, weil niemand für mich Zeit hat, sondern weil ich mehr und mehr den Eindruck gewinne, dass es Menschen mit Tiefgang nicht mehr gibt. Das einzige, was ich zuweilen finde, sind die irgendwie existierenden Hüllen von Menschen, die auch vergeblich auf der Suche nach Antworten waren. Bei ihnen finde ich lediglich noch ausdruckslose Augen, die lange davor wenigstens noch mit Resignation bewohnt waren. Ist es tatsächlich so, dass filigrane Gefühle und tief empfundene Emotionen keinen Platz haben in dieser Welt? Oder bin ich möglicherweise eine Fehlkonstruktion, nur weil ich ein Gespür dafür habe, wenn ein Mensch in meiner Nähe - gleichgültig ob er mir bekannt ist oder nicht – in schlechter Verfassung ist oder ich in langen Nächten den Weltschmerz deutlich in mir zu spüren glaube. Ich möchte mich aber nicht mit Alkohol betäuben oder mich in einen Mikrokosmos flüchten, nur um Ruhe zu bekommen. Dazu liebe ich das Leben zu sehr. Auch wenn es mir viel zu oft nur wie eine Last vorkommt. So stürzte ich mich wie ein Wahnsinniger in Arbeit, um meinen Kopf zu beschäftigen. Diese Art die Eindrücke zu verdrängen bzw. zumindest zu reduzieren funktionierte nur ein paar Jahre lang gut. Dann hat es mich körperlich komplett zerbröselt. Bin innerhalb weniger Monate mehrmals komplett kollabiert. Hatte mit Schwindelattacken zu kämpfen und konnte nicht mal mehr Auto fahren. Ich musste die Arbeit zwangsläufig reduzieren und habe nun fast 4 Jahre gebraucht, mich Stück für Stück wieder aufzubauen. Was seither nicht mehr geht sind 10 bis 18 Stunden täglich und das oft 7 Tage die Woche. Seither habe ich eher normale Arbeitszeiten. Und leider viel mehr Zeit für meine Gedanken. Und gestern früh bin ich wieder zusammengeklappt und war kurz weg. Im Gegensatz zu früher, hatte ich aber keine Angst mehr, wenn es nun das letzte mal gewesen wäre. Früher hat es geholfen zu weinen. Das Weinen wirkte wie ein wohltuender Sommer-Regen, der den Staub aus der Luft wäscht, bis sie ganz klar und rein ist. Das verschaffte mir Luft und ich hatte wieder Ideen und Mut weiterzumachen. Heute würde ich gerne einmal tagelang nur weinen und kann es nicht. Heute sehe ich auch mehr und mehr die Dummheit und viel zu oft muss ich leider auch die Absicht erkennen, die hinter dem Schmerz steckt. Das macht mich wahnsinnig traurig und wütend.
Ich kann mich noch wage an eine Geschichte aus meiner Schulzeit erinnern, in der ein Mensch, der die Gabe hatte, mittels seiner Augen Dinge zu sehen, die kein anderer sehen konnte. Das was er da sah, hat ihn so betroffen gemacht, dass er sich die Augen ausgerissen hat. Das nutzt mir aber reichlich wenig, denn ich sehe mit geschlossenen Augen am besten. Was soll ich tun?
 

Hallo Gastro,

schau mal hier: Traurig. Hier findest du vielleicht was du suchst.

Hallo Gastro,

glaubst Du wirklich, Du bist der Einzige, dem es so geht ?
Selbstmitleid hilft da nicht.
Ich wurde mein lebenlang ausgegrenzt, fühlte mich überall deplaziert und nirgendwo verstanden und bin nie wirklich zu Hause.
Und das geht schon fast 48 Jahre so.

Sicher wirst Du Deine eigenen Erfahrungen haben, so wie ich die meinigen habe. Aber so ganz alleine bist Du nicht - ich verstehe Dich und gebe Dir den Rat - bleib hier im Forum und finde heraus, wie allein Du wirklich bist.

Liebe Grüsse
Petra
 
Hallo MagicSun,

es ist nun tröstlich zu wissen, dass ich nicht alleine bin. Wie geschrieben, fand ich bisher nur Menschen, die daran zerbrochen sind und habe einfach Angst auch auf der Pritsche zu landen.
Ich bin ein Mensch, der anderen gerne hilft, sei es mit Worten oder Taten - das Wort NEIN gab es eigentlich nicht in meinem Wortschatz. Ich habe leider nicht mehr die Kraft dafür wie vor ein paar Jahren noch. Ich finde einfach den Reset-Knopf nicht mehr. Aber ich jammer ja schon wieder - Sorry.
Ich werde mir das mit dem Forum überlegen. Schaden tut es auf jeden Fall nicht.

Liebe Grüße

Fred
 
Hey Gastro....
ich muss dir jetzt einfach mal antworten.
ich denke dass du einfach mal einsehen musst das du probleme in deinem leben hast und sie dir auch eingestehen.das ist natürlich jeder hat mit solche problemen zu kämpfen natürlich jeder mit seinen eigenen.
Nur gibt es Menschen wie du beschreibst "die nicht tiefsinnig" sind,da sie vielleicht einfach keine ahnung von den problemen haben die dir durch den kopf gegen.es kann doch gut sein dass sie damit überfordert sind.oder wartest du darauf dass dich jemand darauf anspricht obwohl du ihm nicht mal zeigst wie es dir geht 😕 .
wie dem auch sei es gibt immer noch therapien die dir helfen könnten mit deinen problemen umzugehen du musst handeln nicht tatlos dasitzen und dich selber bemitleiden.erfasse die initiative damit du etwas ändern kannst.
glaube einfach an dich,dann kannst du es schaffen!!!

liebe grüße anja 🙂
 
Hey Gastro!

Ich kenne dieses Gefühl, sehr gut sogar. Ich denke, dass es für die meisten Menschen schwer ist, sich in andere hineinzuversetzen, vor allem wenn du deine Gefühle nicht richtig zeigst. Leider...
Ich habe selbst bei meinem Therapeuten Probleme, wirklich über meine Gefühle zu reden und er hat mal gesagt, dass vermutlich niemand in meinem Umfeld weiß, wie schlecht es mir wirklich geht.
Die wenigsten erahnen das...

Lg Angel
 
Hallo Ihr Lieben,

zuerst einmal vielen Dank für eure Beiträge.
Über diese etwas "komisch garteten" Probleme zu reden ist für für viele von Euch und mich nicht wirklich einfach. Mit jemandem darüber zu reden erfordert, dass man sich zumindest ein Stück weit aus seiner "Rüstung" heraus traut. Bei den ersten "Gehversuchen" in dieser Richtung fängt man sich viel zu leicht destruktive Ratschläge ein. Was leider dazu führt, dass man es sich künftig lieber zweimal überlegt, sofern man überhaupt noch den Mut dazu hat.
Es ist wahnsinnig schwer, Gefühle und Gedanken in Worte zu fassen und die Möglichkeiten der Sprache sind einfach viel zu begrenzt. Die Emotionen, die man empfindet, wenn man sich an ein traumatisches Erlebnis erinnert, lassen sich nur dann vermitteln, wenn man die Situtation beschreibt. So kann ein anderer Mensch sich anhand der Beschreibung in diese Situation hineinversetzen. So funktioniert z. B. Musik oder Literatur. Je besser das gelingt, umso mehr fühlt dieser andere Mensch mit. Sie verbinden sich mittels des beschriebenen Erlebnisses auf einer emotionalen Ebene. Nicht selten bleiben diese Menschen dann in "Verbindung" und fühlen auch über Kontinente hinweg wie es dem anderen geht. Und genau dieses Mitfühlen und sich verbunden fühlen löst, glaube ich, einen immensen Informationsfluss aus. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Informationsfluss (Datenmenge) die Kapazität jedweder Computer-Festplatte mit Leichtigkeit übersteigt.
Das waren jetzt ein paar sehr technische Umschreibungen - will heißen: Es ist ein unvorstellbar großes Glück, wenn man Menschen findet, mit denen man Gedanken, Ängste und Sorgen teilen kann.

Anders ist es, so geht es mir zuweilen und bestimmt vielen hier im Forum, wenn man empfindet ohne dass es eine konkrete Situation dazu gibt. Da trifft einen der "Datenstrom" auf der vollen Breitseite und man leidet wie ein Hund und fühlt mit (?) - ja wie mit? - mit was oder wem?. Glück ist dann, wenn man während des "Beschusses" eine wage Vorstellung mitbekommt, worum es sich handelt. Dann hat man wenigstens einen ungreifbaren, latenten Grund für dieses emotionale Chaos. Meist ist das aber bei mir nicht der Fall und ich tappe und trauere völlig im Dunkeln.
Es Phasen, da fühle ich mich qietschfidel. Und dann gibt es Phasen, da hüte ich mich davor unter Leute zu gehen, weil ich mir vorkomme wie ein Magnet, der alle Gefühle der Trauer und Verzweiflung anderer in sich aufsaugt.

Die Möglichkeiten der Sprache sind begrenzt. Dazu bin ich, was den Umgang mit der Sprache angeht, also das formulieren und umschreiben von Gedanken recht ungeübt. Deshalb fällt es mir sehr schwer in so einer Situation zu beschreiben, was mir zu schaffen macht. Eben vielleicht auch deshalb, weil Empfindungen nur anhand ihrer Ursprungs-Situation erklärt werden können.

Heute ist es mir wieder leichter gefallen zu schreiben, denn heute bin ich glücklicherweise "schmerzfrei". Ich hoffe das bleibt für länger so und ich wünsche Euch allen viele viele "schmerzfreie Tage" und ich danke Euch allen für Eure teilnamevollen Zuschriften. Ich glaube, ich bin hier im Forum gut aufgehoben.

Liebe Grüße

Fred
 
Schön, dass es dir hier gefällt🙂
habe mich in einigem was du geschrieben hast wiedererkannt.
Bei mir ist es so, dass die Gefühle eines traumatischen Erlebnisses einfach so immer wieder hochkommen. Aber diese zu beshreiben...
manchmal denk ich, ich hab se nicht mehr alle. es ist schon über 5 jahre her und ich häng dem ganzen immer noch hinterher. ich will es auch nicht, aber es überkommt einen.

LG Angel
 
Hallo FallenAngel86,

Du hast keinen Grund anzunehmen, Du hättest sie nicht alle. Um Himmels willen ganz und gar nicht. Im Gegenteil kann ich Dich nur bewundern. Ich habe mir erlaubt mich durch das Forum zu blättern um Themen von Dir zu suchen damit ich Deine Situation etwas besser kennen lerne.
So viel Mut und Kraft wie Du sie in Deinem jungen Leben bewiesen hast. Wie Du trotz der denkbar widrigsten Umstände und Traumata deinen Weg gehst und dabei anderen Menschen noch Hilfe und Stütze bist, damit auch sie nicht im Abseits landen ist unbeschreiblich... entschuldige bitte, aber mir fehlen gerade die Worte... Ich drück Dich mal eben ...

Nein, Du hast Dir nichts vorzuwerfen oder anzulasten, geschweige denn an deinem Verstand zu zweifeln - nein, ganz bestimmt Du nicht.

Dass solche Erlebnisse nicht spurlos an Dir vorbeigehen ist mehr als verständlich und ich wünsche Dir alle Kraft dies zu überwinden und zu verarbeiten.

Liebe Grüße

Fred
 
Ups, da war wohl die Session beendet und der letzte Beitrag von mir rutschte als Gast hinein...
Dass solche Erlebnisse nicht spurlos an Dir vorbeigehen ist mehr als verständlich ...

Hallo FallenAngel86,

ich ich möchte da noch etwas ergänzendes hinzufügen:
Dein Unterbewusstsein hat das Erlebte eindeutig noch nicht ganz verarbeitet. Das geht nicht von heute auf morgen. Ich glaube das Unterbewusstsein ist in gewisser Weise träge. Ich stelle mir das vor wie ein großer Tanker auf See, der zig kilometer braucht, um die Richtung zu ändern. Unser bewusster Wille ist der Steuermann (gerne auch Steuerfrau). Wenn man auf diesem Tanker das Steuerrad dreht um die Richtung zu wechseln, passiert ewig lange gar nichts. Nun ist Geduld und Beharrlichkeit gefragt und siehe da nach etlichen Kilometern stellt man fest, dass sich der Koloss langsam in die richtige Richtung bewegt. Fatal wäre es, das Steuer ständig in eine andere Richtung zu drehen. Dann kommt man garantiert vom Kurs ab und landet irgendwo, nur nicht da wo man hin will. Du hast Dein Steuerrad in die richtige Richtung gedreht. Dein Wille zeigt in die richige Richtung und Dein Handeln folgt, wie ich lesen kann, deinem Willen. Dein Unterbewusstsein wird dir folgen und ganz bestimmt ins ruhigere Fahrwasser finden. Hab Geduld.

Liebe Grüße

Fred
 
hey!
danke für deine liebe Antwort.
Tut gut, dass zu hören.
ich will auf jeden Fall was ändern, auf keinen Fall so werden wie meine Eltern. Hoffe, dass mir meine Thera verlängert wird und sobald es geht, werde ich meine eigenen vier Wände beziehen. das wird aber wohl noch 2, 3 Jährchen dauern.
Bei uns zu Hause wird das immer alles so schön unter den Tisch gekehrt. Was mir passiert ist, gibt es nicht, war nie so, ich hab das natürlich alles frei erfunden, und Mama ist die liebe Tochter. Das hätte sie doch nie tun können...
na ja, leider weiß ich zu gut, was wirklich abgelaufen ist und find es echt schade, dass es alle nicht wahrhaben wollen. Genauso will meine Oma mich immer wieder dazu bringen, mit zu meiner Mutter und meinem Stiefvater zu fahren. Wenn ich es nicht mache, wird wieder gefratzt. Ich kann und werde das niemals tun. Ich würde es nicht schaffen, das Haus nochmals zu betreten. Also werde ich mit dem Gemotze leben müssen.
na ja, meine Kids(wenn es welche gibt), sollen es mal besser haben

Liebe Grüße,

Carina
 

Anzeige (6)

Thema gelesen (Total: 0) Details

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben