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Tränen und immer wieder Tränen

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G

Gast

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Wer kann mir denn einen Rat geben?
Meine Frau ist nach langjähriger Ehe im Dezember gestorben. Ich schlafe mit Tränen ein und wache mit Tränen auf.
Spricht mich jemand auf den Tod meiner Frau an, muss ich sofort weinen. Ich habe keine Angehörige, keine Freunde.
wir haben immer gesagt, wir haben uns, das reicht. Wie kann ich diese Trauer bewältigen?
 
Du wirst die Trauer nicht "bewältigen" können. Akzeptiere sie einfach.
Klingt vielleicht dämlich, ich weiß, aber m. E. geht es nur so.
Ich habe Tränen immer als etwas Erleichterndes empfunden.
Und mich bemüht, mir vor Augen zu halten, was ich alles schon durch- und überlebt habe und daß das abgedroschen klingende Wort vom "Licht am Ende des Tunnels" tatsächlich auch etwas Wahres hat.
Du hast den besten Anfang gemacht, den Du in dieser Situation nur machen kannst: Sprich drüber, schreibe drüber. Hier wirst Du bestimmt auf viele offene Ohren treffen.
Alles Liebe.
 
Sei dankbar, stolz, traurig, unzufrieden - bewegungslos.
Werde stark, glücklich, zufrieden - lebensfroh!

Denke immer daran, wir, die Angehörigen, leben weiter. Auch unsere Verstorbenen Lieben würden nie wollen, dass wir mit ihnen sterben. Wir sollen weiter machen, was sie nicht mehr können. Sollen leben, atmen und denken können.

Wir sollen sie einfach nur nicht vergessen. Und das tun wir auch nicht. Sie begleiten uns auf all unseren Wegen, am Tage und in der Nacht.

Steck den Kopf also nicht in den Sand und bewahr dir Kraft. Gehe vorwärts.
Weine wenn du es brauchst, lass es raus. Aber lebe! Das ist das letzte Geschenk, was du deiner verstorbenen Frau noch machen kannst. Und glaub mir, ich weiß wovon ich spreche. Ich überstehe jeden Tag auch nur, weil ich es meiner Mutter am Totenbett versprach!

Such dir Abwechslung, so schwer das klingt. Verändere was, wenns sein muss - zieh um?!

Dein neues Leben beginnt genau jetzt, sei bereit es zu leben - egal wie schwer es zu sein scheint!

dreamy
 
Hallo Gast,

ihr hattet ein sehr inniges Verhältnis und dadurch ist der Abschied besonders schwer. Die Tränen gehören dazu, das ist völlig normal. Es dauert eine Zeit, bis man akzeptieren kann, dass dieser Lebensabschnitt nun zu Ende ist. Wenn es zu schlimm wird, scheue Dich nicht zum Arzt oder Psychtherapeuten zu gehen. Es gibt Medikamente, die Dir vorübergehend Erleichterung verschaffen, die Dir helfen, das Erlebte zu verarbeiten.

Dieses Verarbeiten ist wichtig. Verdrängen hilft nicht! Versuche, Dich mehr an die schönen Dinge zu erinnern, die Ihr erleben durftet. Suche Kontakt zu anderen. Manchmal ist es hilfreich, eine Weile von zu Hause zuflüchten, weil alles in der Wohnung an Sie erinnert. Dann fahre einfach mal 3-4 Wochen in Urlaub.

Achte darauf, dass der Kummer nicht zuviel wird. Plane Aktivitäten und tägliche Entspannung ein. Suche Dir ein Hobby oder lasse ein früheres wieder aufleben. Gehe einfach mal ins Cafe. Oder höre ein paar Stunden Musik. Vllt hilft Dir auch der Aufenthalt in der freien Natur. Es ist ein Weg der vielen kleinen Schritte.

Alles Gute

John
 
Dezember ist noch nicht so lange her.
Lass dir Zeit und suche dir therapeutische Unterstützung, Selbsthilfegruppe o.ä.
 
Ganz lieben Dank für Eure Antworten.
Ich komme schon zu der Einsicht, dass die 63 Tage, die ich nun allein bin, nicht reichen, um eine 29-jährige Ehe
ohne Emotionen in der Rückschau betrachten zu können.
Urlaub, schaut nach Flucht aus, wenn ich zurückkomme hat hat sich nichts verändert.
Umziehen, geht nicht, wenn das Haus verkauft ist, gibt es kein Zurück mehr.
Die schlechteste Lösung wäre ein Wohnortwechsel aber vermutlich nicht, denn überall wohin ich nun gehe, jeder Platz ist mit Erinnerungen besetzt.
Es bleibt die Hoffnung, dass die vergehende Zeit hilft.
Vermutlich würde mir nicht alles so schwer fallen, wäre meine Frau in der Klinik gestorben. Ich habe ihre Hand gehalten, bis es vorbei war, und ich ihre die Augen schliessen musste.
Nochmals danke und herzliche Grüße
 
Es bleibt die Hoffnung, dass die vergehende Zeit hilft.

Ich glaube zwar auch, daß es hilft, wenn man dies und das unternimmt, "raus"kommt (müssen ja keine irren, lauten Aktivitäten sein), aber dass Dich beim Heimkommen doch immer wieder der Schmerz überfällt. Deshalb bleibt m. E. wirklich nur die Hoffnung, daß die vergehende Zeit helfen wird. Mir hat dieser Gedanke gleichzeitig Trost gegeben und Angst gemacht. Angst, weil ich das Nachlassen des Schmerzes gleichsetzte mit Vergessen. Ist aber nicht so.
Das gewohnte Umfeld (Haus - Umzug) zu verlassen, kann für manche hilfreich sein, bei manchen aber auch das Gefühl des nun völligen Entwurzeltseins verursachen.
Ich wünsche Dir, daß Du Dir Zeit lässt. Für die Trauer, für den Schmerz, für weitere Pläne.
 
hallo gast

Auch wenn die eventuell schon viele gesagt haben das sie sich vorstellen können wie es dir gerade geht schätze ich das die meisten es sich nicht einmal annähernd vorstellen können. Nur wer selbst schon in deiner Situation war kennt dieses Gefühl, ein Gefühl was ich nichtmal meinem schlimmstem Feind wünschen würde!

Ich kann sehr gut nachvollziehen wie du dich zurzeit fühlst und wie es dir geht, da meine Freundin am 22.11.2011 einen tödlichen Verkehrsunfall hatte und ich darunter zurzeit auch sehr leide (dazu mehr wenn mein Profil hier freigeschaltet wurde).

Es tut mir sehr leid für dich und ich wünsche dir alle Kraft der Welt, du wirst sie in der kommenden zeit brauchen.
Deine Tränen sind meinermeinung nach ein Zeichen dafür das du zurzeit mehr Gefühle erlebst als du ertragen kannst und für diese Gefühle einfach keine Worte findest.

Einen wirklichen Rat geben kann ich dir leider nicht, wenn es da einen geben sollte habe ich ihn selbst noch nicht gefunden.

Einige sagen unternehme was um dich abzulenken.
Klar hilft das eventuell kurze zeit, wobei ich selbst dann nicht abgelenkt bin/war weil ich genau wusste das ich es eigendlich nur gemacht hab um auf andere Gedanken zu kommen.

Was ich allerdings mittlerweile begriffen habe ist das es nichts bringt wenn man versucht stark zu sein und nicht zu weinen. Lass deine Tränen zu, auch wir Männer dürfen weinen.
Ich glaube oder hoffe das diese wunde irgendwann verheilen wird aber eine Narbe wird bleiben und immer wieder an das erinnern was einmal war. Vergessen wird man wohl nie aber das finde ich persönlich auch gut. Sie war ein teil deines Lebens und die Erinnerung daran kann dir niemand nehmen.
Ich hoffe das du irgendwann dankbar für das sein kannst was ihr gemeinsam erleben durftet und dadurch eventuell die Trauer besser ertragen kannst.

Solltest du mal jemanden zum reden brauchen dem es ähnlich wie dir geht kannst du dich gerne an mich wenden. Ich weis zwar nicht ob es dir (oder auch mir) hilft, weil ich selbst noch nicht mit jemandem reden konnte der seinen Partner verloren hat aber eventuell hilft es ja doch....

Liebe Grüße Morki
 
So groß ist die Liebe.

Es ist eine Diskrepanz zwischen Trost suchen und alleine trauern wollen, weil es tatsächlich niemand nachvollziehen kann, dass man selber zur Hälfte stirbt, außer diejenigen, die sich in derselben Phase befinden.

Von daher wäre es vielleicht ein Möglichkeit, Mittrauernde, die gerade dasselbe empfinden, aufzusuchen, via SHG oder so was. Ablenkung hilft nicht wirklich und die Zeit wohl auch nicht so wirklich.

Womöglich wird der Rhythmus: Vernichtungsschmerz-Verdrängung mit der Zeit etwas moderater, mehr ist wohl nicht drin, denke ich.

Viel Glück!
 

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