Also ich komme aus dieser Branche (im weiteren Sinne) und kann nur bestätigen: Ohne Kontakte und vor allem ohne viel "Klinkenputzen" ist es schwer. Das studium an sich ist nicht so entscheidend, wie die Frage ob man die richtigen Leute kennt, bzw wenn man die nicht kennt, sich mit sehr viel Schweiß und Zeitaufwand hocharbeitet: Also im fall eines Dramaturgen: Da werden nicht einfach so Stellen ausgeschrieben und auf die bewirbt man sich und der beste bekommt den Job: Das kann man vergessen. (wenn Stellen ausgeschrieben werden, dann sind die oftmals schon vorher besetzt oder werden taktisch besetzt)
Oftmals geht dem ein langer langer Weg als Regieassitent (bzw als 2.3. oder 4ter Regieassistent in irgendwelchen Provinzproduktionen) vorraus: also Jobs mit viel Arbeitszeit (vor allem Abends und am WE), die man mehr oder weniger für lau macht. Der Posten des Intendanten ist weniger ein künstlerischer Job, als mehr ein politischer: Also realistischerweise unerreichbar.
Also das mal zu den harten Fakten, die man einfach kennen sollte: Theaterbetriebe sind zwar oftmals staatlich, aber die strukturen, die man dort antrifft sind teilweise eher mafiös. Am ehesten kann man noch über eine Verwaltungsstelle in ein Theater rutschen: Also zb in einem KBB arbeiten (nur arbeitet man dann halt nicht künstlerisch)
Also bitte verabschiede Dich von dem Gedanken, dass an solchen Häusern der "beste" einen Job bekommt: Das ist nicht so- nicht bei den Leuten auf der Bühne und auch nicht hinter der Bühne.
Dennoch ist das Studium der Theaterwissenschaft natürlich nicht brotlos oder sinnlos, denn es gibt ganz viele Nischen, in die man rein kann, wenn der Weg zu den Theatern doch nicht klappt. zB auch im Bereich Theaterpädagogik (da empfiehlt sich zB ein Kombistudium). Auch im Cochingbereich und an wer weiß wie vielen Nebenschauplätzen kann man als Theaterwissenschaftler Fuß fassen: Man muss nur Ideen haben.
Meine Erfahrung: Wer denkt, es liefe da wie bei anderen Jobs, wo man ein Fach lernt und sich dann auf Stellen in diesem Fach bewirbt, der liegt meist falsch: Es ist eher so, dass man eine Basis erwirbt auf der man seine eigenen Ideen entfalten und seine eigenen Nischen finden kann. Hast UD konkrete Vorstellungne, welche Projekte Du angehen willst und welche Ziele du verfolgst? Das solltest Du unbedingt haben. Aber wenn man das hat und den nötigen "Drive" mitbringt, kann man ne Menge erreichen.
Dazu empfiehlt es sich zb auch einige Praktika zu machen und bei kleinen Produktionen als Regieassistent anzuheuern. GUTE Regieassistenten sind Gold wert. Wer da wirklich was auf dem Kasten hat und das beherrscht (das ist kein Zuckerschlecken!) der wird auch oftmals "weitergereicht" und gelangt mit etwas Glück auch an eine gute Stelle.
Also wenn man es WIRKLICH will und auch viel dafür zu opfern bereit ist, dann sollte man sich nicht von denen abschrecken lassen, die sagen, das wäre brotlos (die wenigsten die das sagen, haben auch nur dne Hauch einer Ahnung). Aber man sollte sich auch nicht der Illsuion hingeben, das ganze wäre ein Zuckerschlecken.