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Temperamente

Hallo!
Ja es ist wieder so weit!!! Ich könnte echt ein paar aufmunternde Worte gebrauchen...im Moment habe ich mal wieder meinen periodisch wiederkehrenden "Suizidalen-Moment". Weil ich mich als Komplettpaket einfach grad nur besch..... finde.
Keine Angst...das sind immer nur sehr intensive Gefühle, aber die Tat an sich könnte ich nur schwer ausführen...wegen Gott, den Schmerzen und zu großen Überlebenschancen.
Also ich scheine wohl ein melancholisches Haupt-Temperament zu besitzen, natürlich mit was anderem gemischt, aber trotzdem.
Hey das ist echt manchmal ätzend....wie kann man heutzutage einigermaßen glücklich leben mit so einem Temperament???Ich mag Blogs mit ewiger Selbstbemitleidung überhaupt net, weil es nix bringt und andere auch runterzieht. Aber ich fühle mich einfach oft so und weiß nicht wohin mit diesen Gefühlen. Ich frage mich manchmal warum melancholische Menschen überhaupt existieren. Sind wir ein Evolutionsfehler, haben wir einen Sinn, warum wollte Gott uns haben? Überall werden wir negativ beschrieben, in fast allen Temperamentsbüchern sind wir diejenigen die schlecht wegkommen. Mensch das macht ja noch deprimierter.
Hey was denkt ihr???Ich brauche wirklich ein wenig Austausch darüber, weil man darüber mit wenigen konstruktiv reden kann!!!!Würde mich sehr freuen....auch grad über Antworten von glücklichen Melancholikern!!!!
Lg Eimi
 

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sandykuecken

Mitglied
Um dich etwas verstehen zu können musste ich nachlesen was melancholie eigentlich ist... Was für andere vielleicht auch wichtig ist...

Die Melancholie ist seelisch ausgezeichnet durch eine tief schmerzliche Verstimmung, eine Aufhebung des Interesses für die Außenwelt, durch den Verlust der Liebesfähigkeit, durch die Hemmung jeder Leistung und die Herabsetzung des Selbstgefühls, die sich in Selbstvorwürfen und Selbstbeschimpfungen äußert und bis zur wahnhaften Erwartung der Strafe steigert. Diese selbstzerstörerischen Aspekte sieht Sigmund Freud als Ursache für die Suizidgefährdung der Melancholiker.

Das trifft auf ich zu? War das schon immer so? Wann hat das bei dir angefangen? Wieso glaubst du nicht glücklich sein zu könnn?

Liebe Grüße Sandy
 

raaspo

Mitglied
Guten Abend Eimi Weinhaus!

Melancholie ist eine Erfahrung der Tiefe, würde ich meinen und damit sogleich mein eigenes Leben, dass von melancholischen Phasen begleitet wird, beschreiben.

Weniger gefestigt als ich es heute bin, hat ein Anflug von Melancholie früher meist auch depressives nach sich gezogen. Sinnfragen, neg. Selbstwert usw. waren wie kleine Satelliten, die solch einen Anflug begleiteten.

Negatives kann ich darin und daran nicht finden. Die Welt und sich selbst immer mal wieder in Frage zu stellen, Trauer zu empfinden anhand eigener Lebensumstände oder gesellschaftlicher Geschehnisse, dass ist für mich eindeutig menschlich und zeugt von innerer Bewegung, die Lebendigkeit bedeutet. Es bedarf natürlich keiner bleischwerer Selbstkritik, die in depressiven Anfällen ausartet, um sich lebendig zu fühlen ;).

Doch muss Mensch, zumal melancholischen Temperaments, durch diese Täler wohl hindurch wandern und sich darin erfahren. Und hier wirkt dieses Temperament dann auch wohl eher als inneres Erleben. Somit ist die Auseinandersetzung mit sich und der Welt auch weniger eine, die im ständigen Dialog mit Anderen Menschen verläuft, als in der Innenschau. Dazu gehört evtl. die Erfahrung einer tiefen Einsamkeit. Denn diesen "Innenraum" zu betreten und durchlaufen - dass lässt sich mit nur wenigen Menschen teilen.

Melancholie hat mit nichten etwas mit unausgeglichenem (und vor allem unreifen) Ertrinken in Selbstmitleid zu tun. Melancholie ist ein Teil der eigenen Persönlichkeit, der ausgelebt werden will. In einer stillen Stunde, durch und mit einem guten Musikstück, in der Natur, in jeglicher Form von Kunst und und und. Depression ist etwas anderes und eher einem allmählichen oder unmittelbaren Empfinden von totalem Stillstand vergleichbar. Melancholie ist sanft(er) und weit aus konstruktiver.

Letztlich würde ich Melancholie als "Innehalten" bezeichnen. Ein süsser Schmerz, der Verletzlichkeit ausdrückt. Und ein inneres Bewegtsein, dass in der Tiefe viel über die eigene Person erfahren lässt.

Ich möchte sie um nichts in der Welt eintauschen!

Herzliche Grüsse
Raaspo
 

Aquila

Mitglied
Hört, hört! Sehr schön ausgedrückt, raaspo. Wollte ähnliches schreiben, aber deine Ausführung dazu sagt eigentlich fast alles dazu.

Melancholie hat was "bittersüßes" an sich. Für mich ist das auch ein Zeichen von großer emotionaler und geistiger Lebendigkeit (auch wenn es von Außenstehenden wohl nicht so empfunden wird.). Im richtigen Moment sich seinen Gefühlen hingeben und in die Stimmung eintauchen... Ich würde dieses Gefühl auch um nichts in der Welt eintauschen wollen.

Habe ein Zitat dazu gefunden:

"Melancholie ist niemals Krankheit,sondern eine wunderbare Charaktereigenschaft, voll von Tiefgang, innerer Kreativität, Frieden und (stiller) Leidenschaft.
Melancholiker schöpfen aus aus dem tiefsten Fundus menschlischer Existenz, können in traurigem Glück schweben, können aber auch hinabstürzen in die tiefen ausweglosen Seins, in depressives Leiden.
Melancholie ist keine Krankheit, sondern eine Auszeichnung, die den von der Tiefe des Lebens durchschwebten Menschen aus den grauen Durchschnittsmassen hervorhebt, ob die Betroffenen dies wollen oder nicht."


Josef Zehentbauer
 
Hi!!!
Vielen Dank für eure Antworten!!!!!
Was ihr da geschrieben habt hört sich wunderschön an. Das sind wohl eindeutig die positiven Seiten der Melancholie.
Was ist aber auch mit dem damit einhergehndem Hang zur Unpraktischkeit, Träumerei, Verletzlichkeit, Unverständis von seiten anderer? Das sind dann wohl die Probleme die damit einhergehen.
Manchmal fühle ich mich so unnütze, weil ich mich nicht bei den schnellen, nützlichen, superpraktischen einreihen kann.
Es vergeht kein Tag, selbst kein glücklicher, an dem ich nicht mindestens einmal daran denke, dass es vielleicht doch besser wäre tot zu sein...
Bemerkungen können mich, unbemerkt durch andere, in regelrechte Sinnkrisen stürzen, die ich dann versuche schnell wieder zu überwinden.
Ich kann meinen melancholischen Hang sehr gut verbergen in der Öffentlichkeit...und bin gleichzeitig oft sehr fröhlich, lache gern, deshalb fällt es nicht so auf.
Aber diese Achterbahn der Gefühle...mit andauernden Bauchlandungen...macht mich manchmal echt fertig. Ich frage mich einfach oft zu was das alles nütze ist...?
Aber auf alle Fälle vielen Dank für die Antworten...sie haben mir schon sehr geholfen!!!!
Lg Eimi
 

Arktur

Sehr aktives Mitglied
Als gemäßigter Melancholiker kann ich mich bei Euch einreihen... Auch mit meinem Hang zu Träumereien und zu unpraktischem, uneffektivem Verhalten handele ich mir oft Unverständnis und Kritik von seiten anderer Leute ein. ("Wie kann man nur...?", "Wieso machst du nicht einfach....?", "Aber das ist doch ganz einfach, stell dich doch nicht so an!")

Als gemäßigt würde ich mich deswegen bezeichnen, weil ich meine Melancholie glücklicherweise meistens einigermaßen auf einem niedrigen Niveau halten kann, sodass mein Leben nicht zu unerträglich wird. Am besten funktioniert das mit Sport. Früher hab ich Sport immer gehasst, aber seitdem ich mich regelmäßig zum Besuch eines Sportstudios zwinge hat sich mein emotionaler Zustand stark verbessert und stabilisiert. Einerseits nervt mich zwar die Zeitverschwendung (immerhin 2-3mal je 1,5 Stunden pro Woche), aber andererseits bin ich sehr froh über den positiven Effekt, und mein Leben fühlt sich insgesamt nicht mehr so bleischwer an wie früher.

Naja, allerdings bin ich immer noch genauso unpraktisch wie früher. Daran hat sich nix geändert. Es macht mir nur nicht mehr so viel aus...
 
Hallo Knuddel!
Klar das mit dem Sport ist natürlich ne gute Idee, aber für mich wäre das keine Lösung. Ich will mcih aktzeptieren und zwar mit einem positiven Gefühl. Ich will als Melancholiker selbstbewusst sein und nicht ständig gegen mich selbst ankämpfen (was nicht bedeutet dass ich nicht an mir arbeiten will.) Verstehst du??? Ich möchte mich nicht ständig als 2. Klasse Mensch fühlen!
Mein Problem ist nämlich, dass ich sobald ich das Gefühl habe als Mensch keinen Sinn mehr zu machen, ich immer suizidal werde.
Na ja....zum Glück ist hier total schönes Wetter!!!
Lg Sarah
 

Aquila

Mitglied
Hey Eimi!

Versuche die Melancholie ein bisschen mehr als "Weltschmerz" zu verstehen. Stell dich nicht selber in Frage, sondern sieh dich als Zentrum tiefer Gefühle und einzigartiger Wahrnehmungen über deine Umwelt.

Folgende Behauptung meinerseits: Melancholiker, also im Sinne von Leuten, die innehalten können und gedanklich mal einen tiefen Seufzer ausstoßen haben eine tiefe Erkenntnis. Die Welt ist nicht nur "Fun und Spaß". Leute, die ausschließlich danach leben, werden mit der Zeit unsensibel, was ihre Mitmenschen angeht. Die Welt ist aber auch nicht nur "Böse und Schlecht". Wenn man offenherzig durch's Leben schreitet kann man eigentlich viele kleine Wunder erkennen.

Ok, das war jetzt wieder recht theoretisch. Ich glaube, dass du enormen Druck von außen verspürst, dass es mit dir "so nicht weiter gehen kann". Aber wie es mit dir weiter geht, entscheidest du selbst. Die Sinnsuche im Leben hat so viele negative als auch positive Aspekte. Vorschlag: Versuch den Selbstmord einfach mal ganz nüchtern als Option auszuschließen, denn ganz nüchtern betrachtet wäre er das Ende vom Lied und du nimmst dir damit die Chance, ein erfülltes Leben zu leben. Das ist zumindest ein Grund von vielen, warum du das ausschließen solltest.

Denk dran, es geht uns bzw. ist uns allen mal ähnlich wie dir ergangen. Aber wir sind immer noch hier, teilen unsere Gedanken, unsere Ängste mit anderen "Gleichgesinnten". Wir studieren alle nach wie vor das große Mysterium "Leben" und "Glück". Dieses Suchen ist zwar mühsam, aber es lohnt sich.

Du bist nicht Mensch 2. Klasse. Du bist du. Sowohl Individuum als auch soziales Wesen. Und was Sinn macht, ist nach wie vor ein Mysterium. Und die "Gesellschaft" hat wohl von allen das wenigste Recht, "Sinn" zu definieren. Du selbst gibst dir Sinn, sei stolz auf die Fähigkeit, nachdenken zu können. Verurteile die "Gesellschaft" nicht vorschnell, jeder kocht letztlich mit Wasser. Und die "Gesellschaft" verstehen zu wollen, versuchen Soziologen, Psychologen usw. usf. Verzweifel nicht daran!

Genieß das schöne Wetter!

Seele

PS: Ich klinge manchmal ein bisschen lehrmeisterlich, für das will ich mich entschuldigen. Glaub nicht, ich würde so souverän leben, wie ich schreibe. Bin nur eine Art Leidensgenosse, der seine Erfahrungen teilen will.
 
Hallo Verwirrte Seele!
Hey vielen Dank für deine Antwort. Hilft mir grad sehr!!!
Wenn man die Melancholische Tendenz von dieser positiveren Seite aus betrachtet...hat sie natürlich Sinn....das hilft mir sehr. Leider sieht man oft eben nur die negativen Seite der Medaille..nämlich die Tendenz zum Unpraktischen...oder nicht immer "total gut drauf" zu sein. Wahrscheinlich muß ich auch lernen, dass ich diesen Austausch wie hier wahrscheinlich immer brauchen werde.
Ich hatte nämlich mein ganzes Leben lang gehofft endlich das Allheilmittel zu finden, das mich zu dem " perfekt in die Gesellschaft passendenund allseits erfolgreichen und sympathischen"-Charakter macht;)und nie mehr
irgendjemanden um Rat fragen zu müssen.
Nach 23 Jahren dämmert es mir langsam, dass ich glaube ich mit mir selbser leben und zurechtkommen muß.
Mist;)
Na ja...schönen Pfingstsonntag denn noch!!!
Lg Eimi
 

Lola1

Aktives Mitglied
Hallo!
Ja es ist wieder so weit!!! Ich könnte echt ein paar aufmunternde Worte gebrauchen...im Moment habe ich mal wieder meinen periodisch wiederkehrenden "Suizidalen-Moment". Weil ich mich als Komplettpaket einfach grad nur besch..... finde.
Keine Angst...das sind immer nur sehr intensive Gefühle, aber die Tat an sich könnte ich nur schwer ausführen...wegen Gott, den Schmerzen und zu großen Überlebenschancen.
Also ich scheine wohl ein melancholisches Haupt-Temperament zu besitzen, natürlich mit was anderem gemischt, aber trotzdem.
Hey das ist echt manchmal ätzend....wie kann man heutzutage einigermaßen glücklich leben mit so einem Temperament???Ich mag Blogs mit ewiger Selbstbemitleidung überhaupt net, weil es nix bringt und andere auch runterzieht. Aber ich fühle mich einfach oft so und weiß nicht wohin mit diesen Gefühlen. Ich frage mich manchmal warum melancholische Menschen überhaupt existieren. Sind wir ein Evolutionsfehler, haben wir einen Sinn, warum wollte Gott uns haben? Überall werden wir negativ beschrieben, in fast allen Temperamentsbüchern sind wir diejenigen die schlecht wegkommen. Mensch das macht ja noch deprimierter.
Hey was denkt ihr???Ich brauche wirklich ein wenig Austausch darüber, weil man darüber mit wenigen konstruktiv reden kann!!!!Würde mich sehr freuen....auch grad über Antworten von glücklichen Melancholikern!!!!
Lg Eimi
Na, also Melancholie wird auch mit Dichtern und Denkern in Verbinding gebracht, das wird nicht nur negativ bewertet (es sei denn man bewertet jene als solches).

Was ich glaube, dass man tun kann ist schauen woher die Melancholie ihren Ursprung hat. Gab es das in der Familie ? Hat man es übernommen ? Hat man eine einschneidende negative Erfahrung gemacht, die Melancholie aufkommen lässt ? Sich vielleicht auf dem Weg zur Beanwortung der Frage machen und evtl. zu interessanten Ergebnissen kommen, die einem weiterhelfen...
 
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