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Tagebücher; Recht auf Privatssphäre

Kohlenhydrat

Neues Mitglied
Mir fällt es schwer ruhig zu bleiben und freundlich, oder in Gesprächen nicht zu "oversharen", meine Meinung für mich zu halten.

Ich glaube nicht, dass es immer einen Wert hat meine Meinung zu sagen; es kann mir auch zum Nachteil werden ohne dass die Kommunikation etwas nutzt.

Es gibt auch Eigenschaften, die von sehr vielen Menschen sehr negativ bewertet werden, ich vermute sogar großen Teilen der Bevölkerung: Neid, Pessimismus, Opferhaltung fallen mir gerade ein.
Wenn man es schon nicht schafft sie zu verändern, vielleicht ist es schon eine Fortschritt, diese Eigenschaften so wenig wie möglich zu zeigen.

Aber dann brauche ich ein Ventil zB. Tagebuch schreiben.
Das könnte jemand eines Tages lesen. Außerdem ist es wahrscheinlich nur eine hinreichend gute Lösung. Menschen lieben Authentizität; heißt sie mögen es nicht wenn sie das Gefühl bekommen jemand verstellt sich.

Oft habe ich die Angst, vielleicht irgendwann in eine Situation zu kommen, in der ich keine Privatsphäre mehr habe, obwohl das überhaupt nicht ansteht und es keinen Grund gibt zu glauben dass das passieren wird.
Aber ich will über WasewärewennSzenarien sprechen und auch über das Thema allgemein damit ich besser verstehe wie wichtig Ehrlichkeit in der Gesellschaft gesehen wird und wie sich das kontextbezogen unterscheidet.
Es geht mir hier ausdrücklich nicht um juristische Beurteilung.

Was findet ihr unangenehmer? Jemanden, der negativ drauf ist und es raushängen lässt, Verantwortung nicht übernehmen will oder jemanden, der so tut als sei er nicht so aber evtl. sieht man es ihm an seiner Mimik und Körpersprache an?

Ist das dreister Betrug? Mal angenommen ihr wärt ein Arbeitgeber, ihr hättet einen unauffälligen Mitarbeiter aber würdet irgendwie herausfinden dass er Arbeit eigentlich hasst, dir dein Vermögen nicht gönnt, dich am liebsten enteignen lassen würde lol, würdet ihr euch dann verraten/ verarscht fühlen?

Oder stellt euch vor ihr wärt ein Elternteil von eine*r Teenager*in, die Probleme hat, deshalb Therapie bekommt, aber sie will sich nicht drauf einlassen und lügt deshalb über ihre wahren Gedanken. Ist das moralisch nicht ok?

Gibt es sowas wie eine gesellschaftliche Pflicht zur Authentizität?

Was wenn man ins Gefängnis käme, sollte es Grundrecht sein dass man ein Tagebuch besitzen darf(+Stift) (vorausgesetzt es spricht kein Sicherheitsgrund dagegen) und sollte es Konsequenzen geben dürfen, wenn zum Beispiel ein Insasse sich über einen Wärter in seinem Tagebuch beschwert? Also sollte ein Wärter das dann ignorieren oder den Insassen auch anders behandeln, wenn er feststellt dass alle Freundlichkeit des Inhaftierten rein strategisch ist?

Was ist mit Jugendlichen die mit Beschluss in geschlossener Unterbringung sind? Sollten sie die Pflicht haben zu sagen was sie denken und wäre es schlimm wenn sie über ihre Einstellung zum Leben lügen würden?
In der Haasenburg gmbh (geschlossene Einrichtung für Jugendliche mit Problemen; Schließung wurde als nicht zulässig beurteilt vor Gericht) mussten Kinder und Jugendliche Aufsätze über ihre Einstellungen schreiben (warum glaubst du bist du hier?, was bedeutet für dich Freundschaft?) usw.?
Hat ein Straftäter oder ein Jugendlicher der vllt. Mist gebaut hat (teilweise waren das damals in der Haasenburg auch nur Menschen die Schule geschwänzt haben)
sein Recht auf private Gedanken und Tagebuch verwirkt?
 

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