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Studium abbrechen oder dabeibleiben?

  • Starter*in Starter*in Gast
  • Datum Start Datum Start
Ja das mit der Ausbildung habe ich auch schon gehört, ein heiden Geld kostet das.. Darf ich fragen ob Du selber ausgebildeter Psychotherapeut bist oder weshalb Du das weißt?

Die Zusatzausbildungen kosten nicht nur viel Geld, sondern
auch Zeit. Hintergrund ist, dass sich da offenbar die Lobby
der Ausbildungsinstitute einen Markt erschaffen hat und ihn
gut verteidigt. Eine Bekannte von mir hatte z.B. ihr Psycho-
logie-Studium mit 1,0 und Auszeichnung bestanden, dann
in einer Klinik zu arbeiten begonnen, aber wegen Kinderzeit
eine Pause eingelegt. Als sie zurückkam, eröffnete man ihr,
dass sie jetzt die Zusatzausbildung machen müsse, da sie
sonst nicht mehr als Therapeutin arbeiten dürfe. Das geht
über Jahre, da sie es ja nebenher macht, kostet inzwischen
in Richtung 30.000 Euro und sie muss noch hunderte von
Praxisstunden im Institut ableisten, für die sie nur wenig
Geld bekommt, das Institut rechnet aber voll mit der Kasse
ab. Ähnliche Geschichten höre ich immer wieder und die
Betroffenen machen es mit, weil sie ja nach der ganzen Zeit
nicht mit leeren Händen dastehen wollen.

Ich kann zur Zeit niemand raten, den Therapeutenberuf an-
zustreben, es sei denn, man hat Geld in der Hinterhand,
einen extrem langen Atem und die Fähigkeit, nach dem
Studium mit Arbeitslosigkeit oder einem Job klarzukommen,
der nicht viel mit dem zu tun hat, was man gelernt hat.

Früher habe ich Psychotherapeuten und Berater ausgebildet,
bzw. Kurse für Gesprächsführung an einem Ausbildungsin-
stitut geleitet, daher meine Kenntnisse und Kontakte. Die
besten Chancen, das zu tun, was als Wunsch beschrieben
hast, sehe ich in einem Studium Soziale Arbeit und parallel
einer oder zwei Zusatzausbildungen (da gibt es auch preis-
lich attraktive, wenn du auf dem freien Markt suchst und
nicht auf die von der Krankenkasse akzeptierten angewiesen
bist), z.B. in Richtung Beratung von Familien oder Jugend-
lichen. Sozialarbeiter mit diesen Zusatzqualifikationen werden
ständig gesucht - idealerweise mit Sprachkenntnissen die über
die schulischen hinausgehen oder mit interkultureller Kompe-
tenz. Ein Buch würde ich dir gerne empfehlen, das ich vor
zehn Jahren geschrieben habe, das von beratend Tätigen
viel gekauft wird und das es inzwischen als preiswertes E-book
bei Amazon gibt: Es heißt "99 Lösungswerkzeuge" und bietet
dir allerlei praktische Vorgehensweisen, wie man hilfreiche Ge-
spräche führt. Kannst ja mal reinschauen und probelesen 🙂

Gruß, Werner
 
Hi Werner, entschuldige die späte Antwort. Ich habe mir soziale Arbeit mal ein wenig angeschaut aber fast überall steht geschrieben dass man mit diesem Studienfach meistens nur auf dem Amt arbeiten kann. Die Beschreibungen haben bei mir den Anschein erweckt als ob man dann später auf der Straße mit Problemkindern oder Obdachlosen zusammenarbeitet und das wäre eigentlich eher nichts für mich. Was wären das denn für Zusatzausbildungen die du nennst, könntest Du mir darüber vllt etwas erzählen?

Du sagst du hast selbst mal Kurse zur Gesprächsführung gegeben, entschuldige dass ich so viel wissen möchte aber darf ich noch erfahren was Du beruflich machst, denn Kurse in Gesprächsführung klingt ja schommal auch nach der Richtung in die ich möchte, deswegen interessiere ich mich dafür.

Grüße
 
Wenn du dich schon mal über die Ausbildungen informieren
möchtest, die du machen musst, um als Psychotherapeutin
(vielleicht) arbeiten zu dürfen - hier ist eine Liste von Aus-
bildungsinstituten: Ausbildung in Verhaltenstherapie | therapie.de

Den Weg, den ich selbst gegangen bin, kannst du nicht ab-
sichtlich "nachgehen", da gibt es auch kein Studium dafür.
Vor vielen Jahren sollte mal (an der Uni Münster, ich glaube,
das war so 1996) ein Studiengang "Lösungsorientierte Psy-
chologie" etabliert werden. Wenn ich mich richtig erinnere,
wurde der nach zwei Semestern aufgegeben mit der Begrün-
dung "Davon kann ja kein Therapeut leben"; was auch inso-
fern stimmt, da man mit Verhaltenstherapie 20 oder 50 Std.
bezahlt bekommt oder mit Psychoanalyse 100-200. Da lohnt
sich jeder Klient. Mit der Lösungsorientierten Kurztherapie
weiß der Klient nach wenigen Sitzungen (bei mir meist nach
einer einzigen), was er tun kann, um sein Problem zu lösen.
Das ist natürlich nicht ökonomisch, ganz klar. Wenn ich diese
Methodik aber bei denen unterrichten darf, deren ökonomi-
scher Erfolg nicht vom fortbestehen ungelöster Probleme ab-
hängt, kommt er sehr gut an.

Als Sozialarbeiterin kannst du z.B. in Richtung Familienbe-
ratung gehen und dich entsprechend weiterbilden - nur mal
ein Beispiel einer Kollegin, die das gemacht hat auf dieser
Webseite: Nadine Fornaçon - Lösungsorientierte Beratung & Psychotherapie- Seminare- Psychographie- ILP

Gruß, Werner
 
Das klingt ja ganz solide.. Habe mir die Website deiner Kollegin mal angeschaut und das sieht ganz gut aus. Naja es wird auf jeden fall noch dauern bis ich eine Wahl treffen kann bzw. mich entschieden habe. Vorher gilt es erstmal noch sich ausgiebiger über alle Möglichkeiten zu informieren. Ich danke Dir sehr für die ganzen Informationen die ich jetzt erhalten habe, das gibt mir auf jeden Fall schon einmal eine eventuelle Alternative.

Grüße
 
Wäre interessant zu hören, wie du dich entschieden
hast und wie es dir dann damit erging - vielleicht
magst du ja ein paar Zielen dazu schreiben später?

Alles Gute!
Werner
 
Hi Werner,

ein kleines Update meinerseits, in meine Entscheidung fließen nun neben Sozialer Arbeit und Psychologie wohl auch noch Ausbildungen mit ein! Bin momentan ein wenig am zweifeln, ob ein Studium momentan für mich geeignet ist, einfach weil ich das Gefühl habe noch nicht bereit bzw reif genug dafür zu sein, bin erst 20 (Selbstmanagement, bzw Organisation liegt mir zB. nicht sehr gut). Ich möchte momentan eigentlich lieber etwas konkret tun anstatt zu erforschen, zu lernen. Denke auch dass eine Ausbildung immer eine sehr gute Grundlage ist um ein Studium darauf aufzubauen.

Dies sollte nur einmal angemerkt sein! Wie ich mich entscheiden werde weiß ich trotzdem noch nicht 🙂 Werde wahrscheinlich Praktika anstreben und Vorlesungen in Soz. Arbeit und Psychologie besuchen.

Gruß
 
Dies sollte nur einmal angemerkt sein! Wie ich mich entscheiden werde weiß ich trotzdem noch nicht 🙂 Werde wahrscheinlich Praktika anstreben und Vorlesungen in Soz. Arbeit und Psychologie besuchen.

Das klingt vernünftig! Ich kenne einige Leute, die mit einer
"normalen" Ausbildung angefangen haben und später noch
ein Studium draufgesattelt. Gerade die Kombinationen he-
ben dich später von der Masse ab. Vergiss bei deinen Prak-
tikas mal die Erzieherin nicht - da gibt es inzwischen viele
Studiengänge im Anschluss und die Chancen auf dem Ar-
beitsmarkt sind und bleiben voraussichtlich sehr gut.

P.S. Ich finde, du fängst schon mit dem Studium an, so
wie du schreibst ... mit dem Fach "Selbsterkenntnis" - und
das brauchst du dein ganzes Leben 😉
 
Guten Abend,
Also ich habe heute mal ein Anschreiben für ein Praktikum verfasst und restliche Unterlagen erstellt. Der Plan meinerseits tendiert jetzt primär doch zu Psychologie, ich habe mir Soziale Arbeit, Psychologie und Pädagogik mal genauer angeschaut und muss sagen dass die Inhalte der Psychologie nachwievor mein brennendstes Interesse wecken, bei Pädagogik und Soziale Arbeit war das eher nicht so, beziehungsweise dort haben mich verhältnismäßig weniger Themen angesprochen. Zudem kann ich in Psychologie auf - für mich denkbarere - Berufsalternativen zur Beratung ausweichen (nicht nur Therapie, sondern auch Forschung, oder im Gebiet Arbeits-& Organisationspsychologie) was bei P. Und Soz. A. nicht der Fall wäre.
Ich plane nun einen Platz über die Aufnahmeprüfung in Psychologie zu bekommen oder per Losverfahren. Meine Alternative dazu ist eine Ausbildung (welche weiß ich nicht genau, habe nur eine kleine Vorauswahl im Kopf, daher Praktika) um die Zeit in der ich Wartesemester sammeln kann für Psycho. sinnvoll zu überbrücken. Vielleicht nehme ich mir dann auch ein Urlaubssemester von meinem BWL Studium um alles nochmal genau zu überdenken und in diesem Urlaubssemester möchte ich dann eben entweder Praktika oder FSJ machen um mich ein wenig zu orientieren falls der gewünschte Psychologieplatz nicht meiner werden sollte.

Grüße
 

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