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Studiert jemand von euch an einer Massenuniversität (wie z.B. Hamburg oder Berlin?)

  • Starter*in Starter*in Dr. Island
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V.a. war ich früher der Meinung, dass Studenten allesamt kluge, gebildete, reflektierte, kritische und interessante Leute sind und hatte regelrecht Komplexe.

Die Erkenntnis der wahren Umstände ist sehr drastisch ausgefallen 😀
 
V.a. war ich früher der Meinung, dass Studenten allesamt kluge, gebildete, reflektierte, kritische und interessante Leute sind und hatte regelrecht Komplexe.

Die Erkenntnis der wahren Umstände ist sehr drastisch ausgefallen 😀

Da gebe ich dir Recht!

Bei uns an der Uni laufen auch viele totale Einzelgänger herum. Bei vielen würde ich sogar so weit gehen und sagen, dass die Tendenzen zur Sozialphobie aufweisen (wem das kein Begriff ist: googeln). Die gehen zwar zum Lernen dort hin, aber scheuen so ungefähr jedwede Art von Kontakt, sprich sind sogar schon mit Begrüßungsformeln absolut überfordert. Z.T. hatte ich Kommilitonen, mit denen mich pro Semester 6-7 gemeinsame Seminare verbunden haben, und die aber im Flur nicht dazu in der Lage waren, mich zu grüßen. Der eine Kunde hat sich in der Mensa, obwohl er mich gesehen hat, sogar 10 m weiter gesetzt. Dabei saß ich an einem großen Tisch, an dem alle Plätze frei waren. Ich hatte ihm sogar noch Hallo gesagt und er geht munter weiter mit seinem Tablett.

Ferner hatte ich auch noch mal eine Kommilitonin, die irgendwie fand, dass wir zu weit auseinander wohnen. Sie südlich von Hamburg und ich nördlich. Hallo? Was für ein Quark ist das denn bitte? Und wisst Ihr, was das Amüsante daran ist? Wir haben uns eigentlich richtig gut verstanden. Dann kam aber ad hoc von ihr diese Mail, so von wegen die Entfernung sei das totale Hindernis etc. Aber wenn wir beide täglich an der Uni SIND, kann man sich doch notfalls auch immer in der Uni treffen. :mad:

Des Weiteren habe ich jetzt drei Kommilitonen dabei gehabt, die wirklich wortwörtlich zu mir meinten, sie hätten bereits einen großen Freundeskreis und wollen darin niemanden mehr aufnehmen. Ich kann mir das für mich persönlich gar nicht vorstellen, dass man wirklich so viele Bekannte und Freunde hat, dass man nicht doch noch mal 1-2 Personen hinzunehmen kann. Man kann doch der Person zumindest die Chance geben, sich zu bewähren. Vielleicht passt eine neue Person freundschaftlich sogar besser zu einem, als die bestehenden Kontakte? Das kann es doch immer geben. Vielleicht bin ich für neue Kontakte tatsächlich aufgeschlossener.

Dann hatte ich einen langjährigen Bekannten, der praktisch täglich von Kiel nach Hamburg gependelt ist. Wir haben ausschließlich Telefonkontakt gehabt. Der hat es geradezu abgelehnt, sich außerhalb von der Uni zu treffen. Und dann hatten wir tragischerweise mehrere Semester dabei, in denen wir uns nicht mal an der Uni gesehen haben. Also der hat den Telefonkontakt sozusagen bevorzugt.

Was ich bei vielen Kommilitonen erlebt habt ist außerdem, dass viele schnell dazu neigen, einem das individuelle Lebenskonzept anzukreiden. Ich hatte wirklich mal eine dabei, die dann zu mir auch meinte, sie wolle nicht mit Studierenden befreundet sein, die wirklich noch mit 24 bei den Eltern wohnen (wie das bei mir der Fall ist). lol???

Wenn es darum geht, mal Antworten auf Mails bzgl. studivz oder Facebook oder Mailaccounts zu erhalten, brauchen viele meiner Kommilitonen häufig 4-6 Wochen, um überhaupt mal eine Antwort zu schicken. Viele halten somit den Kontakt ja auch total in der Schwebe.

Privat mal mit irgendwem was zu machen, kann man quasi vergessen. Wenn die mir andauernd erzählen wollen, sie seien wegen der universitären Komponente oder wegen ihres Partners oder wegen des Nebenjobs so eingespannt, dass sie sozusagen nonstop keine Zeit haben???

Ein Bekannter an der Uni von mir sagt im Übrigen genau das Gleiche wie ich auch: bei uns ist man tendenziell isoliert. Es herrscht eine richtiggehende soziale Kälte. Komischerweise hätte ich immer eher gedacht, dass es mehr bei Jura, BWL etc. so sei.
Der Bekannte von mir hat sogar gemeint, dass viele Leute bei uns an der Uni totale Asoziale sind.

Liebe Grüße
Insel
 
Hm...ja, ich glaube auch, viele Leute gehen fälschlicherweise davon aus, dass Studenten besonders kontaktfreudig und kommunikativ sind. Sie sind es aber wohl nicht mehr und nicht weniger als andere Leute auch.

Ich hab auch an ner Massenuni studiert - in Berlin. Aber ich geb gleich zu, ich war selber auch nicht so dolle kontaktinteressiert. Kommunikativ schon, aber mir haben so oberflächliche Kontakte echt oft gereicht. Aber da ist jeder - zum Glück - anders.

Vielleicht ist es aber in Großstädten auch wirklich so, dass die Leute mit den vielen Möglichkeiten da so beschäftigt sind, dass das Kaffeetrinken mit nem Freund ect. als vergleichsweise unspannend erscheint? Mag in überschaubaren Kleinstädten anders sein.

Man muss wirklich schauen, ob man Leute findet, die dasselbe wollen, wie man selbst. Ich denke, die Chance ist an einer Massenuni schon gegeben - man sollte aber ein paar "Fehlschläge" aus genannten Gründen einkalkulieren. Ich hatte in meiner Studienzeit auch oft den Eindruck, dass man schwer Leute findet, mit denen man auf einer Wellenlänge ist. Die einen sind zu karrieregeil, die anderen zu alternativ...was weiß ich🙂 Jeder zieht halt sein Ding durch - und guckt dabei nicht so auf Andere. Ich hab auch solche Tendenzen, ich gebs zu.

Die Sache mit der Mensa hätte mir übrigens auch passiert sein können. Aber andersrum. Ich bin auch eher so der Typ, der sich schon aus Prinzip alleine an einen Tisch setzt. Und wenn da jemand "Hallo" sagt, hätt ich wohl freundlich zurückgegrüßt - hätte das aber nicht als Aufforderung verstanden, mich dazuzusetzen😉
 
Ein Bekannter an der Uni von mir sagt im Übrigen genau das Gleiche wie ich auch: bei uns ist man tendenziell isoliert. Es herrscht eine richtiggehende soziale Kälte. Komischerweise hätte ich immer eher gedacht, dass es mehr bei Jura, BWL etc. so sei.
Der Bekannte von mir hat sogar gemeint, dass viele Leute bei uns an der Uni totale Asoziale sind.

Liebe Grüße
Insel


Bei den BWLern ist das aber auch häufig anzutreffen.
Die Studiengebühren wirken ganz gut und selektieren schön aus. Ich bin einer der letzten armen Schlucker an der Uni und ich mag die herablassende Art der BWLer nicht. Die BWLern, die ich kenne, fahren einen dicken BMW oder haben zumindest ein Auto, erfüllen das Klische der Leute, die rosa Polohenden tragen, bekommen 800 Euro Unterstützung von den Eltern, die super verdienen mit 2.500 Euro Netto + x im Monat, und aus mir nicht erklärbaren Gründen bekommen sie sogar noch Bafoeg obendrauf und dann haben sie noch Top-Nebenjobs und nehmen somit Leuten wir mir, die arbeitssuchend sind und nur das Bafoeg haben und davon die Eltern noch mit 50-100 Euro unterstützen müssen, damit man irgendwie über die Runde kommt, die Arbeit weg. Und was machen sie mit dem Geld? 3-4 mal pro Jahr Urlaub und der Rest wird verprasst. Ich kann sowas nicht verstehen, ich war noch nie im Urlaub, weil dafür einfach das Geld fehlte und lebe auch noch.
Und Leuten wir mir fehlt es dann an den finanziellen Mitteln, um benötigte Bücher zu kaufen und am Monatsende heißt es dann oft fasten, weil kaum noch Geld für Nahrung da ist.
Und dann unterhalten sich die herablassende und neureichen BWLer darüber, wie sie am Wochenende erstmal 100 Euro versoffen haben und sich ein Hemd für 170 Euro gekauft haben, dass früher mal 220 Euro gekostet hat.
Ich könnte kotzen, wenn ich sowas höre, ich habe Probleme mir mal ein Hemd bei Aldi einzukaufen, weil selbst das viel zu teuer ist. Und es ist jede Woche das gleiche. Wie man nur so viel Geld verprassen kann und anderen Leuten noch die Arbeit wegnehmen kann, das ist asozial. Aber die FDP-Wähler sehen das natürlich anders.
 
Ich weiß zwar keine genauen Zahlen an meiner ehemaligen Hochschule aber ich schätze mal so um die 10.000 Leute. Allein mein Jahrgang hatte damals mit 300-400 Leuten angefangen. Viele recht schnell aufgehört und gewechselt ... Die Leute mit denen ich da mehr als nur ein "Hallo" zutun hatte kann ich an 10 Fingern abzählen. Wobei auch 3 Stück richtig gute Kumpels geworden sind und wir auch nebenher viel unternehmen) wobei die auch in meiner Nähe wohnen.
 
Dass viele außerhalb der Uni einen Freundeskreis haben oder anderweitig beschäftigt sind, ist sicherlich so, aber das kann ja nun nicht auf jeden Student X zutreffen. Es muss ja an sich auch welche geben, denen das auch so geht wie mir. Immerhin bestätigen mir das an meiner Uni ja auch schon zwei Kommilitonen, mit denen ich lose Bekannt bin.

Na ja, Selah, du kannst ja in meinem Fall schon nicht mehr mit ein paar Fehlgriffen argumentieren. Ich habe das mit ca. 40-50 Leuten versucht und es ist jedes Mal so gewesen, dass entweder der Kontakt explizit abgebrochen worden ist oder so Kommentare kamen wie: "Ich bin in meinem Sozialleben bereits abgeschlossen." Die beiden Kommilitonen von mir haben in etwa die gleichen Erfahrungen gemacht, trotz Aufgeschlossenheit.

Speziell in der Anglistik bei uns laufen auch dermaßen arrogante Leute herum, die irgendwie meinen, bloß weil sie mal mehrere Jahre in den USA, Australien oder in GB gelebt haben und nun an der Uni HH Anglistik studieren, sind sie die Geilsten. Das merkt man einigen von denen richtig an. Die tun wirklich so, wie das so die 15-19-jährigen Obercoolen an der Schule praktizieren. Also ich meine damit Leute, denen du das auf 100 m anmerkst, wie geil die sich selbst finden. Wenn du dann eher mittelmäßiger Englisch sprichst, so wie ich z.B., dann bist du bei den Leuten direkt mal unten durch. Leider haben wir speziell in der Anglistik sehr viele von dieser Fraktion. In der Romanistik und in der Erziehungswissenschaft sind die Leute noch etwas offener und liberaler. 🙂

Dass einigen die sozialen Kontakte nicht vordergründig erscheinen, weiß ich auch, habe ich auch schon häufiger bei Kommilitonen erlebt. Ich habe z.B. eine Kommilitonin, die so viel an Hobbies in der Woche nachgeht (eigentlich besteht ihr Wochenplan zu 3/4 nur aus Freizeitbetätigung - weil sie dadurch, dass sie so durchfinanziert wird von ihren Eltern, nicht arbeiten gehen muss, und auch nur 10-12 SWS pro Semester macht). Die ist praktisch alleine schon an 5-6 Tagen ausgebucht. Und das dann auch ganztägig. So was geht mit meinen Freizeitvorstellungen eigentlich überhaupt nicht einher, weil ich auch zu den Leuten gehöre, die auch mal gerne zu Hause sind, weil ich mit der Uni und dem Nebenjob ohnehin schon so viel zu Gange bin und auch immer sehr viel Bahn und Bus fahre. Diese Freundin von mir könnte sich das überhaupt nicht vorstellen, dass man als Ausgleich zur Uni einfach nur daheim mal eine DVD anschaut oder in Internetforen hängt. Also, wenn ich mich mit ihr treffe, will die immer Programm haben, sonst laufen die Treffen maximal auf 2-3 h hinaus, was bei einer "engeren Freundschaft" ja schon wirklich wenig ist. Sie muss immer nur Sachen machen, die mit finanziellem Aufwand verbunden sind, z.B. Theaterbesuche, Kinobesuche, dann noch bei Subways o.ä. essen gehen usw. Ich kann mir das aber nicht leisten, so was ständig zu machen. Also sie bekommt von ihren Eltern im Monat 900 Euro für Wohnung und alles Sonstige, wohingegen ich von meinen Eltern keinen Cent bekomme.
Aber genau bei dem Aspekt merkt man auch schon, dass wir in total unterschiedlichen Welten leben.
Nur leider darf man nicht vergessen, dass Studierende, die aus sozial und finanziell schwachen Familien kommen, so wie ich, selten an der Uni zu finden sind.
Besagte Freundin z.B. kann sich das überhaupt nicht vorstellen, dass die Familie so wenig Geld hat, dass man das Kind nicht unterstützen kann bzw. man dann auf BAföG zurückgreifen muss und dass man auch nebenher arbeiten gehen muss. Und dass ich z.B. für meinen Lebensunterhalt, wie Essen, Uniangelegenheiten (wie Studien- und Verwaltungsgebühren) selbst aufkomme. Die bekommt ja Aspekte wie z.B. Bekleidung, Frisör etc. sogar noch extra.
Und was das Krasse ist. LEtztens kam sie bei mir an und jammerte mir vor, sie käme mit den 400-500 Euro nicht zurecht, die sie abzüglich der Miete und Nebenkosten hat. Ich hingegen muss von 400-600 Euro noch mal bissl mehr zahlen als sie, z.B. eben auch die genannten Aspekte, die sie noch mal zusätzlich bekommt.

Was ich sagen will ist: Kontakte können auch durch so was komplizierter werden.
Man kann nicht dementieren, dass die Freundin und ich in unterschiedlichen Welten groß geworden bzw. ganz anders jeweilig sozialisiert sind.
 
An meiner Uni sind über 80.000 Studenten. Alleine in meinem Studienfach haben mit mir über 1000 Leute angefangen...hier ist es verdammt schwer Anschluss zu finden, finde ich!
Anderen fällt das scheinbar leicht, weil ich viele Leute sehe, die nicht alleine, sondern in kleinen Gruppen von einer Vorlesung zur nächsten laufen...
Ich habe leider noch keine Freunde gefunden an der Uni. Zwar bin ich mit ein paar befreundet, aber die sind halt zufällig an der gleichen Uni.
Ich habe ein paar Leute mit denen ich immer mal wieder rede, Mitschriften austausche oder so, aber mehr nicht, weil wir einfach nicht auf einer Wellenlänge sind.
Finde das sehr schade, aber naja ich bin halt nicht so gut im Kontakte knüpfen und hab längst aufgegeben, es darauf anzulegen. Entweder ich finde Freude oder halt nicht...man kann ja auch ohne Freunde an der Uni studieren 😉
 
Hamburg hat laut Spiegel-Online 75.000 Studierende. Damit sind dann aber auch wirklich alle gemeint. Also nicht nur die von der Universität Hamburg, sondern auch HAW, TU Harburg etc.
 

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