V.a. war ich früher der Meinung, dass Studenten allesamt kluge, gebildete, reflektierte, kritische und interessante Leute sind und hatte regelrecht Komplexe.
Die Erkenntnis der wahren Umstände ist sehr drastisch ausgefallen 😀
Da gebe ich dir Recht!
Bei uns an der Uni laufen auch viele totale Einzelgänger herum. Bei vielen würde ich sogar so weit gehen und sagen, dass die Tendenzen zur Sozialphobie aufweisen (wem das kein Begriff ist: googeln). Die gehen zwar zum Lernen dort hin, aber scheuen so ungefähr jedwede Art von Kontakt, sprich sind sogar schon mit Begrüßungsformeln absolut überfordert. Z.T. hatte ich Kommilitonen, mit denen mich pro Semester 6-7 gemeinsame Seminare verbunden haben, und die aber im Flur nicht dazu in der Lage waren, mich zu grüßen. Der eine Kunde hat sich in der Mensa, obwohl er mich gesehen hat, sogar 10 m weiter gesetzt. Dabei saß ich an einem großen Tisch, an dem alle Plätze frei waren. Ich hatte ihm sogar noch Hallo gesagt und er geht munter weiter mit seinem Tablett.
Ferner hatte ich auch noch mal eine Kommilitonin, die irgendwie fand, dass wir zu weit auseinander wohnen. Sie südlich von Hamburg und ich nördlich. Hallo? Was für ein Quark ist das denn bitte? Und wisst Ihr, was das Amüsante daran ist? Wir haben uns eigentlich richtig gut verstanden. Dann kam aber ad hoc von ihr diese Mail, so von wegen die Entfernung sei das totale Hindernis etc. Aber wenn wir beide täglich an der Uni SIND, kann man sich doch notfalls auch immer in der Uni treffen. :mad:
Des Weiteren habe ich jetzt drei Kommilitonen dabei gehabt, die wirklich wortwörtlich zu mir meinten, sie hätten bereits einen großen Freundeskreis und wollen darin niemanden mehr aufnehmen. Ich kann mir das für mich persönlich gar nicht vorstellen, dass man wirklich so viele Bekannte und Freunde hat, dass man nicht doch noch mal 1-2 Personen hinzunehmen kann. Man kann doch der Person zumindest die Chance geben, sich zu bewähren. Vielleicht passt eine neue Person freundschaftlich sogar besser zu einem, als die bestehenden Kontakte? Das kann es doch immer geben. Vielleicht bin ich für neue Kontakte tatsächlich aufgeschlossener.
Dann hatte ich einen langjährigen Bekannten, der praktisch täglich von Kiel nach Hamburg gependelt ist. Wir haben ausschließlich Telefonkontakt gehabt. Der hat es geradezu abgelehnt, sich außerhalb von der Uni zu treffen. Und dann hatten wir tragischerweise mehrere Semester dabei, in denen wir uns nicht mal an der Uni gesehen haben. Also der hat den Telefonkontakt sozusagen bevorzugt.
Was ich bei vielen Kommilitonen erlebt habt ist außerdem, dass viele schnell dazu neigen, einem das individuelle Lebenskonzept anzukreiden. Ich hatte wirklich mal eine dabei, die dann zu mir auch meinte, sie wolle nicht mit Studierenden befreundet sein, die wirklich noch mit 24 bei den Eltern wohnen (wie das bei mir der Fall ist). lol???
Wenn es darum geht, mal Antworten auf Mails bzgl. studivz oder Facebook oder Mailaccounts zu erhalten, brauchen viele meiner Kommilitonen häufig 4-6 Wochen, um überhaupt mal eine Antwort zu schicken. Viele halten somit den Kontakt ja auch total in der Schwebe.
Privat mal mit irgendwem was zu machen, kann man quasi vergessen. Wenn die mir andauernd erzählen wollen, sie seien wegen der universitären Komponente oder wegen ihres Partners oder wegen des Nebenjobs so eingespannt, dass sie sozusagen nonstop keine Zeit haben???
Ein Bekannter an der Uni von mir sagt im Übrigen genau das Gleiche wie ich auch: bei uns ist man tendenziell isoliert. Es herrscht eine richtiggehende soziale Kälte. Komischerweise hätte ich immer eher gedacht, dass es mehr bei Jura, BWL etc. so sei.
Der Bekannte von mir hat sogar gemeint, dass viele Leute bei uns an der Uni totale Asoziale sind.
Liebe Grüße
Insel