Geht mir ähnlich. Mit den engeren Kollegen oder auch Freunden im selben Berufsfeld rede ich durchaus über mein Gehalt (in dem Fall über das Jahresbrutto und das, was netto im Monat davon über bleibt). Nur so kann ich doch herausfinden, ob ich a) für dieselbe Arbeit auch tatsächlich zumindest ähnlich entlohnt werde und b) ob ich anderswo für dieselbe Arbeit nicht deutlich mehr bekommen könnte (was auch der Grund für meinen letzten Wechsel war). Hätte ich das nicht gemacht, würde ich immer noch vollkommen unterbezahlt auf meiner alten Stelle hocken ohne zu merken, dass ich woanders jeden Monat über 1000€ mehr verdienen könnte.
Auch mit ganz engen Freunden, die ihre Finanzen halbwegs im Griff haben, rede ich darüber. Die dürfen ruhig wissen, wo sie sich in Notfällen was leihen könnten. Da hieße der Notfall auch eher "mein Haus ist abgebrannt, kannst du mir was leihen, bis das mit den Versicherungen geklärt ist?" und nicht "hups, aber das neue iPhone war mir wichtig, zahlst du mir meine Miete, ich zahle es dir zurück sobald ich kann (also nie)?".
Bei Freunden mit Geldproblemen oder der sonstigen Verwandtschaft rede ich aber nicht über genaue Summen. Die wissen nur "es reicht, um jeden Monat ein wenig zur Seite zu legen". Sonst käme direkt wieder Neid auf, weil die Leute einerseits meist weniger verdienen (weil schlechter ausgebildet, aber auch bei ihnen würde es reichen, jeden Monat ein paar Hunderter zur Seite zu legen), andererseits aber auch schlechter im Sparen sind. Während ich den Großteil meines Einkommens im Monat zur Seite lege und mir 10x überlege, ich ich diesen neuen Pullover wirklich brauche oder ob ich nicht doch nochmal die alten auftrage, wird dort das Geld bis in die Untiefen des Dispo für allerlei nutzloses Zeug rausgeworfen.
Soll heißen: erst wird darüber gelästert, dass ich schon seit mehr als 10 Jahren denselben Lieblingspullover anziehe und "immer gleich rumlaufe", aber wehe, ich erwähne auch nur, dass ich diesen Monat wieder (wie jeden Monat) durch emsige Sparsamkeit einen 4-stelligen Betrag zur Seite legen konnte. Wenn die dann noch wüssten, was ich mir dank kontinuierlicher Weiterbildung (in der Zeit, in der sie weiteres Geld für "feiern" ausgeben) in den letzten Jahren an Gehaltserhöhungen hereingeholt habe, wäre der Teufel los.
Da wird dann meist erwartet, dass man was "leiht" und entweder man gibt was und sieht das Geld nie wieder oder man wird als arrogantes Miststück beschimpft, das nicht bereit ist zu helfen, obwohl das Geld doch im Überfluss ( = keine Schulden) vorhanden sei. Da verheimliche ich meine Einkünfte lieber, dann kann ich mich nämlich auf "sooo viel verdiene ich gar nicht und ich habe auch nur einen Notgroschen, den ich für mich selber brauche" berufen.