Die Einstellung, über sein Gehalt nicht zu sprechen, ist ziemlich deutsch und leider mit einer der Gründe, warum es hier vielen Arbeitgebern so leicht fällt, Arbeitnehmer gegeneinander auszuspielen.
Ich selbst spreche mit meinen Freunden und vielen ehemaligen Komilitonen offen über mein Gehalt... und nicht nur das, sondern auch über andere Konditionen des Arbeitsvertrages (Urlaub, Kündigungsfristen, Betriebsrente etc.).
Das ist ungemein hilfreich, wenn man nicht übers Ohr gehauen werden möchte.
Natürlich weiß auch meine Familie, was ich verdiene und ich weiß es von ihnen.
Dass bestimmte Klauseln über Gehaltsverschwiegenheit im Arbeitsvertrag ungültig sind, wenn nicht gerade ganz besondere Umstände vorliegen, wurde ja nun schon mehrfach gesagt.
Ich beobachte diese Verschwiegenheit tatsächlich eher bei den einfacheren Angestellten und Arbeitern, welche dann nicht selten im Falle eines Karrieresprungs unter Durchschnitt bezahlt werden, weil sie die Vergleichswerte nicht kennen, aber wohl auch nicht kennen wollen.
Mit Personen, die finanzielle Probleme haben, spreche ich nicht über Geld.
Aber mit Freunden & Kollegen, die in ähnlich bezahlten Jobs arbeiten, spreche ich offen darüber.
Joah... so ungefähr halte ich es auch.
Das zeigt ganz eindeutig die Spaltung unserer Gesellschaft. Genauso wie Führungskräfte meist zusammen in die Mittagsause gehen ohne die Nicht-Führungskräfte da mit einzubinden.
Ich finds schrecklich.
Nicht ganz... wir haben in der Firmenkantine sogar noch ein kleines Separee "Führungskräftekasino". Das dient nicht der Spaltung unserer Gesellschaft und auch nicht geheimen Gehaltsverhandlungen untereinander sondern eher der Tatsache, dass man sich auch beim Essen beispielsweise über Personalthemen, Unternehmensziele, Konkurrenz-Strategien, Forschungsthemen unterhalten kann, die tatsächlich der Verschwiegenheit unterliegen.
Oder auch ganz profan über Privatkram, den die Mitarbeiter nicht unbedingt mitbekommen sollten. Auch Vorgesetzte sind nämlich nur Menschen... und eine gewisse Distanz zu den Mitarbeitern ist immer zu empfehlen, spätestens wenn unangenehme Entscheidungen getroffen werden müssen.
Aus dem gleichen Grund gibt es beispielsweise an Schulen auch das "Lehrerzimmer" und du wirst die Lehrkräfte eher selten in der Schülercafete zum Mittagsplausch antreffen.
Ich wüsste keinen Grund, mich mit anderen über mein oder deren Gehalt zu unterhalten. Warum auch? Ich definiere weder mich noch andere darüber.
Es geht dabei nicht um Definition oder Angeberei oder dergleichen sondern um Information. Das Schaffen eines realistischen Bildes, wo man selber und andere steht. Hilft ungemein dabei, die eigene Leistung einzuordnen und ob eine faire Bezahlung dafür vorliegt.
Ich kann nur jedem raten, mehr über Gehaltsthemen zu sprechen, speziell dann, wenn ein Jobwechsel oder eine Beförderung anstehen.