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Soziale Phobie?

smith

Neues Mitglied
Hallo,

weil mein Schultag heute eher bescheiden war, hab ich mich jetzt mal hier angemeldet. Und zwar habe ich das Gefühl, ich habe eine leichte soziale Phobie oder irgendetwas in der Richtung. Ich weiß, dass das hier keine psychologische Beratung ist, aber ich wollte gerne mal eine Meinung dazu hören.

Kurz zur "Vorgeschichte": ich bin 14 Jahre alt und im Moment in der 9. Klasse (muss also noch 3,5 Jahre in die Schule gehen). In der Grundschule war ich auch schon nicht besonders beliebt, in den letzten Jahren auf dem Gymnasium wurde und werde ich teilweise gemobbt/ausgeschlossen/... Damit bin ich zwar natürlich nicht glücklich, aber da ich für meine Mitschüler eh nicht viel übrig habe (die Gründe dafür lass ich jetzt mal weg, würde zu lang werden), kann ich damit leben bei ihnen nicht beliebt zu sein.
Freunde habe ich nicht, mit drei Mädchen verstehe ich mich zumindest soweit, dass ich bei Gruppenarbeiten etc. einen Anlaufspunkt habe (was nicht bedeutet, dass ich sie mag, im Gegenteil).

Ich bin ohne Freunde allerdings nicht unglücklich oder einsam, ich würde behaupten, ich bin ohne Menschen um mich herum glücklicher. Ich höre Musik, spiele am Computer, habe ein paar sehr lose Bekanntschaften übers Internet, lese Bücher und so weiter.
Ich war eigentlich schon immer introvertiert/ruhig, allerdings:

  1. Wenn Menschen um mich herum sind, es müssen gar keine Massen sein, werde ich nervös oder manchmal leicht panisch. Wenn ich an Menschen vorbeigehen muss, bin ich unsicher. (z.B. morgens auf dem Schulweg gehe ich an einer Arztpraxis vorbei, vor der meistens Leute warten => unsicher. Ich stehe vom Sofa im Wohnzimmer auf und muss an meinem Vater vorbeigehen, weil ich in die Küche will => unsicher.)

    Heute Mittag musste ich ca. 15 Minuten im Bus stehen. Ich schlucke häufig und hätte am liebsten keine Zähne mehr im Mund (schwer zu beschreiben). Ich zupfe pausenlos an meiner Jacke oder meinen Haaren herum. Ich hatte das Gefühl, die Leute auf den Sitzplätzen, die in meine Richtung zeigen, würden mich anstarren oder über mich reden. Ich wechsle ständig von einem Bein aufs andere. Als ich aus dem Bus stieg, habe ich mich auf nichts mehr gefreut als nach Hause zu kommen und endlich alleine zu sein.
    Sobald ich zuhause war, war alles wieder gut. Momentan bin ich auch recht glücklich.
  2. Menschen machen mich aggressiv, allerdings nur innerlich, meistens sage ich gar nichts. Dazu reicht es eigentlich schon, wenn sie sich ständig bewegen oder ununterbrochen Lärm/Geräusche machen.
  3. Ich kann nicht essen oder trinken, wenn andere in der Nähe sind. (z.B. nehme ich nie Essen/Trinken in die Schule mit; wenn wir Nachmittagsunterricht haben und alle anderen kaufen Pizza oder Döner, kaufe ich nichts; wenn mir jemand was zu Essen anbietet, lehne ich meistens ab.

    Oder ich sitze mit meinen Eltern abends auf dem Sofa, sie schauen Fernsehen und ich esse Pudding: ich werde nervös, unsicher. (Ja, das ist albern.))
  4. Sportunterricht in der Schule: beim Gedanken daran wird mir übel, mein Herz rast und ich zittere.
    Es besteht die Möglichkeit, dass ich gleich vom Lehrer drangenommen werde (ich melde mich von mir aus quasi nie): das gleiche.
    Ich muss einen längeren Text vorlesen: mein Herz rast, ich verlese mich leichter, meine Stimme wird nervös.
und so weiter.

Dass ich lieber alleine als in Gesellschaft bin würde ich einfach als Charaktereigenschaft ansehen (damit bin ich sicher auch nicht die einzige), aber diese ständige Angst und Nervosität ist zum Kotzen.

Das war erstmal alles, was ich loswerden wollte. (Ich hoffe es ist nicht zu lang.)

Und jetzt kommt ihr. :)

smith
 

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das Gefühl

Aktives Mitglied
Hallo Smith,

ja, jetzt kommen wir:).
Also ich finde es schon sehr phantastisch, dass Du mit 14 Jahren so klar und präzise formulierst, wo Deine Probleme liegen (ich staune!). Das aber nur nebenbei.
Deine Überschrift lautet: Soziale Phobie?
Meine Antwort: ich denke ja, auch wenn ich weiß, dass solche Unsicherheiten in der Pubertät häufig vorkommen. Ich glaube, dass Dein Selbstbewußtsein auf jeden Fall noch reifen wird, aber Deine Ängste sind schon ein bißchen "viel".

Was mir auffällt ist, dass vieles, was Du schilderst mit einer Überaufmerksamkeit Deinen Empfindungen gegenüber zusammenhängt. Das heißt, dass Du quasi schon nach möglichen Gefahrenquellen suchst, die Dich in den Mittelpunkt stellen könnten. Und das ist das Problem. Du bist so auf Dich und Deine Ängste fixiert, dass Du alle guten Gedanken gar nicht mehr zulässt. Um es jetzt mal überspitzt zu sagen: "Du drehst Dich nur um Deine Ängste und um Dich".
Das hört sich böse an, ist aber nicht so gemeint. Gemeint ist, dass Du lernen musst, Deine Konzentration auf andere Menschen zu lenken.
Nicht die schlechten Gedanken, sondern die Guten.
Nimm Dich selber (Deine Ängste) in schwierigen Situationen nicht so wichtig, sondern konzentriere Dich auf Dein Gegenüber. Suche Dinge, die von Dir ablenken, sieh andere Menschen genau an. Versuche Gleichheiten und interessante Züge in anderen Menschen zu sehen, dann lenkt es Deine Angst um. Du schreibst ja auch, dass Du andere Menschen nicht notwendiger Weise magst. Und da liegt der Knackpunkt. Andere Menschen sind nicht nur böse oder uninteressant. Andere Menschen sind überlebenswichtig, wenn Du nicht in Einsamkeit erstarren möchtest. Laß Dich auf nette Menschen ein.
Wenn Deine Ängste aber Überhand nehmen, dann schau zu, dass Du Gespräche führst. Dafür gibt es Menschen, die entweder sehr viel Lebenserfahrung haben oder die professionell geschult sind. Angst ist immer etwas, wovor Dich Dein Gehirn warnt. Es sagt, sei vorsichtig mit Dir und vermeide Dinge, die Dir nicht gut getan haben. Aber das Gehirn irrt, wenn sich Ängste festigen. Es warnt, wo es nichts mehr zu warnen gibt. Aber das ist dann auch immer das Zeichen dafür, Hilfe zu suchen.
Ich wünsch Dir Freunde und Kraft!
LG
 
P

Pinochio

Gast
als ob ich in einen spiegel schaue und meine jugend an mir vorbei kuschen sehe ^^
hatte und hab das selbe problem, nur bei mir äußert sich die nervösität etwas anders als bei
dir. unsicherer gang ist bei mir das selbe wie bei dir.
früher hat mich das allein sein und das leben ohne freunde auch nicht gestört,
doch jetzt würd ich sehr gerne menschen die mich verstehen und so akzeptieren wie
ich bin um mich haben, leute vor denen ich keine angst haben muss.

aber ich denke bei mir ist es eher eine sehr ausgeprägte schüchternheit, liegt wohl
daran das ich nicht umbedingt als attraktiv gelte, was mir mehr als einmal auf sehr viele
verschiedene arten und weisen beigebracht wurde.
zumindest hoffe ich das ich das auch ohne therapie irgendwann in meinem
leben überwinden werd *wunschdenken*

so jetzt hab ich schon wieder komplett den faden verloren :confused:

wünsch dir auf jeden fall das du das überwindest und nicht wie ich dein restliches
leben als aussenseiter verbringen wirst.

ich werd dir jetzt nicht den ratschlag geben eine therapie zu machen,
das überlass ich den leuten die bereits eine hinter sich haben und aus
erster hand berichten können.
 
G

Gast

Gast
zitat von das Gefühl: "Also ich finde es schon sehr phantastisch, dass Du mit 14 Jahren so klar und präzise formulierst, wo Deine Probleme liegen (ich staune!). Das aber nur nebenbei."
ja, das finde ich auch. ich bin 15 und könnte es nicht so wie du.
ja, auch das mit dem mund - omg. ich wäre gar nicht auf die idee gekommen, das zu beschreiben. bei mir ist es genau das gleiche.
zu deinem problem weiß ich leider nichts, aber ein dickes fettes lob für deine ausdruckskraft. das würde ich auch gern können :)
 

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