Hey Leute!
Heute vor 2 Monaten gabs hier in diesem Thread den letzten Post, drum dachte ich mir, ich informiere euch mal, was sich seither so alles geändert hat. Ich kann euch sagen: Eine ganze Menge! Also schonmal im Voraus sorry für den langen Beitrag.
Ich hatte ja erklärt, wegen meine sozialen Phobie in Therapie zu gehen. Der Therapeut war mir völlig neu und ich wollte deswegen unbedingt vor Beginn der Therapie nochmal mit zwei Therapeuten reden, die mich schonmal behandelt haben und mich also gut kennen.
Den ersten habe ich am 22. August aufgesucht. Er war damals mein Schulpsychologe, leider konnten wir ihn nie oft besuchen, da er ziemlich weit weg wohnt. Aber er ist einer, dem ich vertrauen kann. Mir hat es schon gut getan, mit ihm ein bisschen über meine derzeitige Situation zu reden.
Am 9. September habe ich dann den Anderen aufgesucht. Bei ihm habe ich vor etwa 4 Jahren ein Therapie wegen meines Asperger Autismus gemacht (Davon habe ich in diesem Thread aus irgendwelchen Gründen noch nix erzählt 😕 ). Es war eine Mischung aus Einzel- und Gruppentherapie. Es hat mir extrem gut getan. Autismus ist ja nicht heilbar, der Therapeut meinte aber, dass man die Symptome des Autismus wegtrainieren kann, und das ist durch die damalige Therapie bei ihm geschehen. Was er dann sagte, erstaunte mich dennoch: Meine soziale Phobie ist das Resultat aus der damaligen Therapie! Weil man sich als Autist ja nicht in andere Leute hineinversetzen kann, mittlerweile kann ich es wegen der damaligen Therapie so gut, dass ich mir eben viele Gedanken mache, was andere Leute über mich denken, so ist mein Perfektionsanspruch entstanden, eines der größten Symptome der sozialen Phobie.
Am 11. September hatte ich dann meine erste Sitzung bei dem neuen Therapeuten. Ich musste leider zu einem Neuen, da ich volljährig bin und der Andere keine Kassenzulassung für mich hat. Der erste Eindruck war auf jeden Fall positiv, am Freitag habe ich die zweite Sitzung bei ihm. Ich bin relativ guter Dinge!
Soviel zum jetzigen Stand... Es hat sich aber noch mehr getan bei mir, das würde ich euch auch gerne noch schildern. Bezieht sich diesmal auf das "ernüchternde Singleleben" (aus der Überschrift des Threads), welches ich sehr gerne beenden würde.
Und zwar habe ich letzte Woche Montag in der Früh an der Bushaltestelle (ich muss mit dem Bus zur Schule fahren) ein wünderschönes Mädchen gesehen, bei dem ich mir einfach nur dachte: "Boah". Mir war sofort klar, dass ich mehr über sie herausfinden möchte. Die ganze Geschichte hier niederzuschreiben würde komplett den Rahmen sprengen, also versuche ich es in einer abgespeckten Version.
Auf jeden Fall habe ich sie noch am selben Abend auf einem sozialen Netzwerk, welches sich darauf spezialisiert, gezielt neue Leute kennenzulernen (also etwas anderes als Facebook), angeschrieben (ich hatte sie dort durch Zufall entdeckt). Dort gab sie als Beziehungsstatus sogar "Single" an. Dann habe ich sie dort einfach mal angeschrieben und gefragt, ob sie auf die selbe Schule geht wie ich, da ich meine, sie in der Früh an der Bushaltestelle gesehen zu haben. Es ergab sich ein kurzes, nettes Gespräch, mehr leider nicht mehr, da es schon spät am Abend war und ich bin dann auch bald ins Bett gegangen.
Dann am nächsten Morgen habe ich sie natürlich wieder an der Bushaltestelle gesehen, am Ende von der Busfahrt, als wir ausgestiegen sind, habe ich dann meinen ganzen Mut zusammengenommen, bin zu ihr hin und habe sie angesprochen... Etwas, was ich mir niemalsnienicht von mir erwartet hätte, wegen meiner "krankhaften Schüchternheit", wie die soziale Phobie ja auch genannt wird. Gut, wir haben zwar ein klein wenig miteinander geschrieben am Vorabend, somit ging es wohl etwas leichter von der Hand, aber trotzdem... ein Gespräch ergab sich leider nicht, da sie zur Sporthalle runter musste (was auch gestimmt hat, das war keine Ausrede, der Vertretungsplan in der Schule gab mir diese Auskunft). Am Nachmittag habe ich sie dann wieder angeschrieben, in ihrer Antwort auf meine Nachricht bemerkte sie dann aber beiläufig, dass sie einen Freund habe... dumm gelaufen. Zumal sie mit Sicherheit keinen hat, das war eher die höfliche Übersetzung von "Ich habe kein Interesse an dir, lass mich in Ruhe!". Denn ihre Aussagen in den folgenden Nachrichten waren doch sehr widersprüchlich.
Natürlich war ich enttäuscht, aber ich muss mir da an die eigene Nase fassen. Ich habe scheinbar zu schnell zu viel Interesse gezeigt und sie damit verschreckt. Man muss aber bedenken, dass es meine allererste Flirterfahrung in meinem Leben war (auch wenn es nicht direkt ein Flirt war, es dauerte ja nur ein paar Sekunden, weil sie ja dann zur Sporthalle musste, ich habe mein Interesse aber gezeigt). Und es kann nicht beim ersten Mal klappen und ich werde es jetzt als "Lehre" für meine weiteren Erfahrungen ansehen. Bei ihr brauche ich es denke ich nicht mehr weiter zu versuchen, wenn ich nur eine kleine Chance bei ihr hätte, würde ich es versuchen, aber diese kleine Chance habe ich mir selber verbaut...
Was ich aber zum Ausdruck bringen will: wenn ich diese Situation im Nachhinein betrachte, war es überhaupt nicht schlimm, sie anzusprechen und ich empfinde auch trotz des Korbes nicht den geringsten Selbstscham (Selbstscham ist der Grund für den Perfektionsanspruch bei der sozialen Phobie). Und in meinem Kopf ist irgendwie eine "Umprogrammierung" passiert, habe ich im Gefühl. Als ich diesen Thread hier gestartet habe, hatte ich Angst, aus der Haustür rauszugehen, ich hatte Angst vor sozialem Kontakt, ich hatte schon dann Angst, wenn ich nur aus meinem Zimmerfenster geschaut habe. Jetzt sitze ich hier, schaue raus und denke mir: "Wunderschön!". Das wirkt sich auch auf alle Situationen im Alltag aus. Auch auf das Flirten. Vor 2 Monaten hatte ich Panik davor, zu flirten, jetzt habe ich einen gewissen Willen und Ehrgeiz entwickelt, demnächst mal ein paar hübsche Mädels anzusprechen, und ich entwickle nicht das kleinste Gefühl der Angst, wenn ich daran denke, demnächst mal ein paar weitere Flirtversuche zu starten. Natürlich bin ich aufgeregt und nervös, aber nicht ängstlich oder gar panisch. Und ich kann mir selber nicht erklären, woran es liegt, aber es scheint so, als wäre mir eine tonnenschwere Last von den Schultern gefallen, als ich letzten Dienstag die Eine da angesprochen habe.
Mittlerweile merke ich es auch in der Schule: Gestern musste ich vor der Klasse und vor 2 (!) Lehrern einen kleinen Vortrag halten. Das, was ich hier auch schon im Laufe des Threads schon angesprochen habe, die Panik vor Referaten und Vorträgen vor kleinen Menschengruppen - nix davon habe ich gestern gespürt! Ich fühle mich irgendwie total freier...
Mir haben auch diverse Leute, die ich u.a. in diesem Forum kennengelernt habe (Chop), geholfen und mir in schwereren Zeiten beigestanden, ich danke euch vielmals für eure Unterstützung, ohne euch hätte ich es nicht so weit geschafft 🙂
Naja, das wars soweit. Ich hoffe, es haben sich einige diesen Post durchgelesen und vielleicht habt ihr ja noch den einen oder anderen Tipp für mich auf Lager! 🙂