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Sozial aber unsensibel? Nicht gut.

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Gast

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Hi, ich bin seit einiger Zeit Sozialarbeiter. Das Studium habe ich damals notgedrungen gemacht. Habe scheinbar keine anderen Talente. Meine Familie war verwundert und glaubte nicht, dass ich da rein passe. An sich helfe ich Menschen wahnsinnig gern. Ich brauche nicht einmal ein Danke. Hauptsache, ich kann jemanden unterstützen.

Aber: Ich habe einen Charakter, der scheinbar zu schwierig ist für die Arbeit mit Menschen. Ich kann mit Kindern herumalbern, mittlerweile auch mit Eltern reden. Aber ich habe manchmal Hemmungen und galt schon immer als "ruhig" und teilweise "geheimnisvoll". Ein weiteres Problem ist, dass ich kein richtiges Privatleben habe. Ich habe nur noch wenige Freunde und bin seit der 8. Klasse ohne Partner. Das kann durchaus negativ sein, wenn man Soziales macht. Da ich mit Familien arbeite, werde ich oft nach eigenen Kindern oder einem Freund gefragt. Jedes Mal schäme ich mich, wenn ich sagen muss, dass ich im Grunde allein bin.

Jetzt arbeite ich seit zwei Jahren in dem Job und kriege auch Lob vom Chef. Allerdings finde ich, habe ich im Umgang mit Menschen noch nicht das nötige Feingefühl. Wie gesagt, manchmal sind Hemmungen dabei. Ich möchte etwas wichtiges ansprechen, kann es aber nicht immer. Dann denke ich monatelang darüber nach und ärgere mich dann, weil es doch nötig gewesen wäre. Oder herzliche Wärme zeigen, das ist nicht so meines. Die Familien mögen mich, denke ich, wir können gemeinsam lachen und haben Small Talk. Aber außer bei Kindern, bin ich doch recht stoisch.

Letzter Punkt ist, dass ich dem sozialen System nicht so ganz traue. Wir hatten Kinderschutzfälle, die von den Jugendämtern manchmal nicht ernst genommen wurden. Dann gab es Fälle, wo das Jugendamt total übertrieb. Man soll den Menschen helfen, aber muss natürlich auch Geld machen und die Leute irgendwo halten. Mir fällt es aufgrund der mangelnden Erfahrung, sowohl beruflich als auch privat, noch schwer, die Schwere der Fälle zuverlässig einzuschätzen. Wenn dann beim Amt gefragt wird, wie es lief und ob man die Familien gehen lassen kann, sitze ich immer noch mit einem Fragezeichen da. Ich arbeite manchmal auch schneller als die Kollegen, weil ich denke: "Da ist doch etwas passendes in der Nähe, was die Familien nutzen können. Warum das Geld zum Fenster hinausschmeißen? Andere Familien brauchen dringender Hilfe.". Vielleicht können es die Leute nicht, aber muss ich dann ewig babysitten? Und wenn es für das Jugendamt nicht perfekt läuft, gibt es sofort einen Trägerwechsel und man hat die Chance für die eigene Firma versaut. Ich bin auch zu ehrlich: Wenn das Amt vorschlägt, es jemanden mit mehr Erfahrung machen zu lassen, dann sage ich ja, weil ich für die Familien eine effektive Hilfe möchte.

Ich möchte mich verbessern und nehme auch an Fortbildungen und Supervisionen teil. Mein Gefühl sagt mir aber, dass ich in diesem Bereich total versagen werde. Die Fälle, die ich bisher hatte, konnte ich nicht lange halten. Bei kurzen Zeiträumen war ich auch nicht so zufrieden, auch wenn die Familien bisher einigermaßen zufrieden waren. Ich habe teilweise mit Kollegen zusammen gearbeitet und konnte mich öffnen, aber trotzdem wirke ich auf sie scheinbar schüchtern und unausgeglichen. Sie bemuttern mich gerne.

Das fühlt sich nicht so toll an. Geweint habe ich noch nie. Aber ich möchte doch oft genug etwas anderes machen. Es gibt stets neue Herausforderungen, auf die ich mich einstellen muss. Am Ende lernt man auch, was man beim nächsten besser machen kann. Aber irgendwie scheue ich mich davor, einen Job zu machen, den ich nicht komplett unterstützen und scheinbar nicht so leicht durchführen kann.

Aber ganz ehrlich, ich weiß nicht, wo meine Talente liegen. Soziales war ein Bereich, bei dem ich schon dachte, es sei das einzige, was ich einigermaßen kann. Ich war nie gut in der Schule. Habe die Noten übers Auswendig lernen bekommen. Verschiedene Sachen habe ich ausprobiert, aber da passe ich nicht hinein. Mir wurde gesagt, ich soll im Job weiter machen. Aber die Luft ist so langsam raus.
 
Hilfe ist nie Selbstlos, nicht mal bei Mutter Theresa, der hat das was gegeben.
Warum ist das bei dir nicht so, wo sind deine Empfindungen , deine Empathie für dich selbst?
Gefühle kannst du nicht ( studieren ) die mußt du zulassen.
Was unterdrückst du in deiner Arbeit und deinem Privatleben?
Wo und wie verarbeitest du das , was du täglich an Leid, Angst, Verzweiflung u.s.w. aufnimmst.
Du mußt das ja an dich ranlassen, dich auf das Niveau der Klienten herablassen, um das zu erkennen.
Das kannst du nicht nach belieben an und abschalten, sondern mußt es einordnen.
Weißt du was Achtsamkeit ist, war das Teil deiner Ausbildung.
Achtsamkeit ist ein Teil des Geistes, nicht etwas tun , sondern es zulassen.
Bei den meisten Menschen geht morgens schon der Autopilot an, durch sind sie oft nicht bei dem, was gerade passiert.
Hinzu komme das ständige Vergleichen mit anderen, wir sind immer am Checken.
Es geht darum, dem Moment mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Dazu ist es wichtig, den inneren Autopiloten abzuschalten und das Gedankenkarussell zu stoppen.
Ziel ist es, mehr Gelassenheit zu entwickeln.
Das beginnt mit ganz einfachen Fragen: Was mache ich gerade? Wie mache ich es? Und wie fühle ich mich dabei?
Wichtig dabei ist es, nicht zu bewerten.
Kern der Achtsamkeit: ist Akzeptanz.
Das ist allerdings keine Herangehensweise, die man mühelos anwenden kann, nur weil man es sich vornimmt.
Sie muß trainiert werden, geht gut mit Meditation.
 

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