Und du hast die Größe dazu zu stehen!
Die Wenigsten schaffen das, dafür hast du meinen Respekt!👍🏼
Danke dir, ich war kein klassischer Hardcoremobber, aber hatte echt meine Phasen, wo es nicht so geil war. Zum Glück habe ich auch wenigstens in heftigen Situationen auch für andere eingestanden und mich auch nicht gänzlich auf "schwächere" eingeschossen. Aber das leichteste Ziel ist halt immer Optik, Dinge zu benennen, die eine Person nicht ändern kann, ist einfach die primitivste Form sich selbst besser zu stellen. Ich wurde zu Hause fertig gemacht und gleichzeitig wurde es mir auch vorgelebt, andere niederzumachen. Wenn du das dein ganzes Leben so erfährst, macht das was mit dir. Ich will meinen Vater auch gar nicht alleine dafür verantwortlich machen, er starb als ich 15 war und ich habe dieses Verhalten schrittweise abgelegt.
Mir ist irgendwann bewusst geworden, dass man sich viel besser vorkommt, wenn man sich für andere einsetzt. Das ging aber erst, als ich wieder Gefühle und Empathie zulassen konnte, ich habe einfach die ersten 20 Jahre meines Lebens versucht zu überleben, halt auf die falsche Weise, weil ich selbst schwach war. Man ist immer selbst dabei und muss sich reflektieren und entwickeln.
Die Quittung für mein Verhalten habe ich bekommen, die Leute, die früher ausgelacht und ausgegrenzt wurden, haben sich zusammengeschlossen, haben Jahrzehnte lange Freundschaften. Zu 90 % sind sie heute ganz andere, starke Menschen. Während ich einen beschissenen Start in mein Erwachsenenleben hingelegt habe, falsche Freunde, richtige Freundschaften verloren, ziellos und depressiv durch mein Leben getrottet bin und mit 20 Jahren drei verschiedene Medikamente einnehmen musste, um überhaupt aufzustehen und schlafen zu können, haben diese Leute echte Kontakte, Freundschaft und Liebe erfahren, etwas aufgebaut.
Ich habe dann einen Cut gemacht und mich komplett selbst geghostet, mich auf mich konzentriert, wieder zu mir gefunden, meinem ich, was eigentlich kreativ, empathisch und neugierig ist. Aber es war ehrliche Arbeit an mir selbst. Einiges konnte ich retten, einiges nicht, aber man kann es für die Zukunft besser machen. Ich habe mein Leben gut auf die Reihe bekommen, aber so manche menschliche Verbindung von damals konnte ich nie wieder herstellen. Das wirkt bis heute.
Trotz allem steckt da immer noch manchmal was in mir. Ich arbeite in der IT-Branche, da tummeln sich sehr interessante Leute. Ich habe einen Kollegen der "LARPt"
----> Live action role playing betreibt.
Als der mir das zum ersten Mal eröffnete, musste ich mir echt auf die Zunge beißen nicht zu sagen
"hattest du schon mal Sex?"
Mein erster Impuls war sofort mich darüber lustig machen zu wollen, weil ich ihn sofort in eine Schublade gesteckt, als unmännlich und Freak abgestempelt habe.
Aber warum?
Einfach weil ich seine Welt nicht verstanden habe, ich bin mit ihm damals nach Berlin gefahren, sechs Stunden hin, sechs Stunden zurück. Wir haben uns viel unterhalten, er hat damals auch sehr viel Mobbing erfahren, ist aber so klar mit sich und das strahlt so eine Stärke aus, da kann man nur Respekt haben.
Mein altes ich hätte sofort gefeuert, aber mein erster Impuls wird heute geblockt. Er ist ein ganz lieber Kollege, er würde einen niemals hängen lassen, ist so ein gutherziger Mensch, auf den ich nichts kommen lassen würde. Was er in seiner Freizeit macht, ist seine Sache, nur weil ich einen Aspekt nicht verstehe, gibt es mir nicht das Recht, ihn in den Dreck zu ziehen.
Finde ich das immer noch ein bisschen lustig? JA! Da stehe ich zu, aber ich verstehe ihn und seine Leidenschaft und das macht ihn aus.
Besser als ein 35-jähriger mit Egoproblem zu sein, der viermal die Woche in die Fitte rennt und mit sich immer noch nicht im Reinen ist und sich so annehmen kann, wer er ist.
Mein Lernprozess wird niemals aufhören und ich bin dankbar für Leute wie Kollege X, die mich immer noch schmieden und von denen ich lernen kann.
So, sorry
@dani2010, das hier ist dein Thread und nicht meiner, war so ein Impuls und ich will den gar nicht zuspammen oder vereinnahmen.
Ziehe mich hier zurück.
PS:
Meine Frau ist extrem kurzsichtig seit ihrer Jugend. Zwar keine Panzerglasbrillen, aber schon ordentlich.
Sie hat ihre Brille bis weit in ihre 20er gehasst, viel Kontaktlinsen getragen, aber das ging irgendwann nicht mehr, da die Feuchtigkeit im Auge gestört ist.
Irgendwann fing sie dann an Brillen zu sammeln, mittlerweile sind es 25 oder mehr, aus den 60er - 90er Jahren, ziemlich bunte und ausgefallene Stücke, zu jedem Anlass immer was Passendes und sie findet es mittlerweile total cool. Werde ich bei Gelegenheit mal posten, wenn die alle wieder reinigt
😉