Ich weiß nicht, wie es mir damit gehen wird wenn ich mal älter bin, aber Stand heute fühle ich mich in der Zeit wohl und würde sogar lieber 10-20 Jahre später geboren sein.
Ich erinnere mich noch wie ich in meiner Schulzeit (als es praktisch kaum Internet gab) für Projekte recherchiert habe. Alte Schulbibliotheken, lange Busfahren, kaputte Kopierer und unfreundliche Angestellte, dazu der Geruch von vergilbtem Papier.
Smartphones, Internet, KI, alles was mit der Zeit kam war etwas von dem ich früher schon geträumt habe.
Und die Menschen? Als ich meine Ausbildung gemacht habe, herrschte noch der alte Personalchef. Alles war hierarchisch, langsam, verstaubt wie die Akten im Schrank. Im Büro wurde noch geraucht und von ekligen Machosprüchen bis Schubladendenken fand ich es als junger Azubi echt hart. Damals zählte noch die dicke Karre und wehe du hast dich als Nerd geoutet oder Alkohol in Gesellschaft abgelehnt.
Ich fühle mich heute freier und mehr ich selbst als jemals zuvor. Ja, das ganze kommt auch manchmal zum Preis einer Über-Korrektheit oder einigen Verboten. Ich bin ein liberaler Mensch und sehe es durchaus kritisch was man heute alles aus dem vermeintlichen Schutz verbietet. Aber das ist ein anderes Thema...
Rein technisch ist heute alles leichter. Im Jahr 1995 ins Internet zu kommen, heißt 3 Geräte zu installieren, manuell Software herunter zu laden und sich manuell ein und auszuwählen, weil Telefon unter Internet gleichzeitig ging nicht. Und Telefon? Da brauchte man ne manuelle Papierliste mit den Nummern und musste alles per Wählscheibe wählen. Das einzige was mich heute nervt: Auch wenn alles einfacher ist, ist der Service genauso mies wie früher. Wenn man also etwas nicht versteht, ist man als älterer Mensch oft echt am Hilfe suchen. Das motiviert mich allerdings auch stets mit der zeit zu gehen und Dinge wie KI aktiv zu nutzen.
Natürlich habe ich manchmal auch ein nostalgisches Bild der Vergangenheit. Menschen waren oft weniger "gehetzt", alle war entschleunigt, Kontakte oft persönlicher. Andererseits mochte ich das gar nicht so sehr. Es war eher eine soziale Last mit der Verkäuferin Smalltalk zu halten und die Romantisierung der Vergangenheit ist oft nur eine Idealisierung des Mangels. Ja, etwas fühlt sich wertvoller an, wenn man sich viel Mühe geben musste es zu erhalten; ABER wirklich in diesen Mangel zurück will doch niemand. Das ist vielleicht die Krux: In gewisser Weise war der "Wilde Westen" der Vergangenheit ein Abenteuer, gefährlich, schmutzig und spannend. Wir sind stolz darauf was wir geschaffen haben und denken gerne an diese Zeit zurück. In dieser alten Welt fühlen wir uns sicher, sei sie noch so schmutzig und wild. Und dennoch strebe ich in die Zukunft und würde lieber in Star Trek leben als in Wild West.