Vor vielen Jahren habe ich ein Tantra-Seminar besucht und ich war im ersten Moment sehr angetan, von der Herzlichkeit, mit der die Seminarleiterin alle Teilnehmer begrüßt und in den Arm genommen hat. Aber im Laufe des Seminares wurde so klar, dass einige Männer sich zu Konkurrenten im Kampf um die hübschesten Teilnehmerinnen sahen und entsprechend agierten. Von wegen Respekt und Achtung für das Gegenüber. Es kam sogar zu Ellenbogenstößen am Ausgang, aufgrund der aufgeheizten Stimmung.
Gegen Ende des Abends wurde es so schlimm, dass eine Teilnehmerin in Tränen ausbrach. Was soll eine Seminarleiterin machen, wenn der beabsichtigte "Energieaustausch" an den "anderen Absichten" der Teilnehmer:innen einfach scheitert, wenn der verbal inszenierte Überbau einfach in sich zusammen fällt?
Sexualität hat so viele verschiedene Seiten und Ebenen. Wenn einem dabei im Laufe der Jahre die Leichtigkeit flöten geht, dann bedarf es recht viel Einsicht und Anstand, diese Leichtigkeit wieder zurück zu holen. Sonst kann es derbe und übergriffig werden und dem folgt nicht selten eine heftige Gegenreaktion. Schön, wenn die tantrischen Spielregeln eingehalten werden können, aber das ist eben nicht selten gelogen und nur Mittel zum Zweck. Und dann wird es düster.
Nicht mehr in den Arm genommen zu werden, keine Zärtlichkeit mehr zu erfahren und keine Nähe mehr spüren zu dürfen ist schrecklich. Egal in welchem Alter. Im Alter wird das selten besser. Also sind dies Fakten, die wir überspielen und sublimieren können. Aber das Leid dahinter wird davon selten weniger. Ich würde lieber alleine leben, als zu zweit einsam zu sein.