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selbstmord von vater

Ja, er wollte es so! Das sag ich mir auch immer wieder und dass kann ich auch akzeptieren.


Ich mache mir gerade so Schuldgefühle dass ich mich nicht mehr um meinen Vater gekümmert habe, dass ich nicht noch mehr mit ihm geredet habe, die letzten Tage. Ich wußte der er bald stirbt, weil er immer wieder gesagt hat dass er nicht mehr kann und will.
Aber ich konnte damit nicht umgehen, wollte es nicht wahrhaben.
Jetzt ärgere ich mich so über mich selbst!


Ich hätte ihn so gerne noch in den Arm genommen. Ihm gesagt wie lieb ich ihn hab und dass er für mich der beste Vater war!


Ich bin ihm die letzte Zeit sehr aus dem Weg gegangen, weil er immer gesagt hat ich würde ihn an Mutter erinnern, ich wär ihr so ähnlich.
Ich wollte ihn nicht an sie erinnern, seinen Schmerz nicht vergrößern. Jetzt denke ich dass er mich vielleicht gerne um sich gehabt hätte, weil sie ihm dadurch auch näher war.


Es tut so weh solche Gedanken zu haben und ich kann sie nicht abstellen. Es geht einfach nicht.
 
Es tut so weh solche Gedanken zu haben und ich kann sie nicht abstellen. Es geht einfach nicht.

Hallo Kimmi,
die Geschichte deines Vaters ähnelt sehr der von
meinem Vater - er hat auch zuerst seine Frau durch
Krebs verloren, dann nochmal geheiratet, die De-
pressionen und Schlafstörungen sind nicht besser
geworden und nach drei Jahren hat er aufgegeben
und sich das Leben genommen. Das ist inzwischen
über 30 Jahre her, daher ist automatisch ein gewis-
ser Abstand dazwischen.
Trotzdem: die Ungeheuerlichkeit des Suizids, zu-
sätzlich zur Tatsache, dass der andere Mensch, mit
dem man viele Jahre gelebt hat und dessen Dasein
so selbstverständlich war, bleibt emotional kaum
verdaulich und begleitet einen auch über viele Jah-
re. Ich verstehe auch gut, dass du dir Gedanken
machst, ob deine eigene Problemlösungskompetenz
im Ernstfall einen gleichen Weg vorschlägt oder ob
du einen anderen findest, mit schweren Schicksals-
schlägen, Depressionen oder Krankheiten umzuge-
hen. Einer meiner Brüder hat es vor Jahren unserem
Vater nachgetan und sich auch diesen Ausweg ge-
stattet, weil er gesundheitlich in einer scheinbar aus-
weglosen Lage war (im Nachhinein stellte sich aller-
dings heraus, dass das schlimme Leiden relativ ein-
fach hätte geheilt werden können ...).

Es ist ja schon so viel geschrieben worden, das will
ich nicht wiederholen - nur soviel: auch wenn du ge-
rade niemanden hast, der dir deine Belastung tragen
hilft, kann es zumindest in Richtung der Gedanken,
die dich belasten, hilfreich sein, diese nicht im Kopf
zu behalten, sondern (wie du es hier schon so fleißig
tust) sie aufzuschreiben oder auch auszusprechen.
Ob du das mit einem Tagebuch, mit Briefen an deinen
Vater oder mit Erinnerungen machst - Hauptsache, du
bringst es in Worte. Und wenn du zehnmal das gleiche
schreibst - du wirst sehen, es tut deinem Kopf gut und
erleichtert ihn. Aber rechne mal damit, dass dich das
alles noch lange Zeit, vielleicht sogar Jahre, begleiten
wird - es ist jedoch deine Entscheidung, welche Be-
deutung du diesem Ereignis gibst: du kannst ihm ei-
nen Sinn geben durch das, wie du damit umgehst und
welche praktischen Konsequenzen du daraus ziehst!

Schön finde ich, dass du offenbar deinen Humor nicht
verloren hast und auch, dass du den Kontakt zur Freun-
din deines Vaters pflegst. Und natürlich finde ich es lo-
benswert, dass du mit deiner Tochter über ihre Gedan-
ken sprichst - denn auch sie dürfte sehr belastet und
vielleicht auch ratlos sein (ich war knapp 14 als mein
Vater sich das Leben genommen hat).

Ich wünsche dir viel Kraft und ganz besonders, dass
du dein Ziel ernst nimmst, (wieder?) eine gute Partner-
schaft einzugehen und damit Erfolg hast!

Werner
 
Liebe Kimmy,

ich kann Dich so gut verstehen. Ich denke fast ähnlich wie Du!
Doch mach Dir keine Schuldgefühle, auch wenn es Dein Papa immer wieder gesagt hat das er nicht mehr kann und will, man rechnet niemals im Leben damit das es diese Person dann wirklich umsetzt. Aber was gebe ich Dir schlaue Ratschläge, ich weiß wie man fühlt und denkt.... Leider.

Was hast Du dieses Wochenende gemacht?

Hoffe wieder von Dir zu hören.
 
Liebe dauni und auch alle anderen,
leider habe ich damit gerechnet dass er nicht mehr lange Leben wird, ich war nur so betroffen darüber wie er gestorben ist, dass er es selbst beendet hat. Ich wünsche mir einfach er hätte mir mehr Zeit gegeben mich von ihm zu verabschieden. Er hat Andeutungen gemacht, aber unbewußt bin ich nicht darauf eingegangen. Ich wollte es einfach nicht wahrhaben... und mir ging es ja selber gerade so schlecht.
Ich kämpfe seit Jahren selber mit Depressionen und Angstzuständen. Irgendwie war er mir noch so ein kleiner Halt, weil ich sonst niemanden hab der mir mal irgendwie hilft.


Am Samstag bin ich nochmal zu der Stelle gegangen wo er gestorben ist. Ich habe einen langen Spaziergang dort hin gemacht, querfeldein. Ich habe im Geiste meinen Vater darum gebeten dass er mich doch begleiten möge und meinen Weg so lenke wie er ihn gehen würde, wenn er noch könnte.
Ich habe irgendwann gelacht, weil ich erkannte dass ich wirklich so gelaufen bin wie er es gemacht hätte. Er kannte alle Wege in den Wäldern und die schönsten verstecktesten Plätze. Das ist ein Geschenk dass er mir hinterlassen hatte, was ich von ihm geerbt habe. Die Liebe zur Natur. Eigentlich beide Elternteile haben mir das gegeben.
Auf meinem Weg habe ich alles gesammelt was mich an meine Eltern erinnert hat und habe daraus dann ein Herz gebastelt dass ich dann an der Suizidstelle niedergelegt habe. Ich bin lange dort geblieben. Es war in dem Zeitrahmen als er gestorben ist. Die Sonne schien genau an diese Stelle. Ich habe seine Stimme gehört wie er meinen Namen sagte. Nur den Namen, aber in dem Tonfall hörte ich heraus dass er mir sagen möchte ich soll doch nicht so traurig sein...


Gestern war ich dann nochmal an der Stelle, mit dem Mann, der meinen Vater dort gefunden hat. Ich wollte genau wissen wie er dort lag. Ich weiß nicht wieso...? Ich will es irgendwie nachvollziehen können. Ich wüßte so gerne was er zuletzt gedacht hat. Ich würde so gerne die Kugel finden die ihn getötet hat...


Ich weiß nicht, ist das krank? Ist es falsch?
Es ist alles so seltsam. Der Tod ist so seltsam.


Heute ist die Beerdigung um 14 Uhr. Ich habe Angst davor! Es ist dann so endgültig alles vorbei. Alles wird nun anders werden. Mir graut davor!


Ich bitte alle die hier lesen mir irgendwie Kraft zu senden, damit ich das durchstehe. Nur einen Gedanken des Mitgefühls, mehr muss es nicht sein. Nur damit ich mich nicht so alleine fühle. Ich werde es spüren und ich wäre euch soooo dankbar.
 
Liebe Kimmy,

leider habe ich Deinen Beitrag erst jetzt gelesen. Sonst hätte ich ganz fest an Dich gedacht. Sorry.

Nun ist der Tag fast rum... Zum Glück, einer der schlimmsten Tage... Ist jemand bei Dir jetzt? Fühle Dich umarmt von mir!

Du bist nicht verrückt. Ich habe auch die gleichen Fragen im Kopf... Der Freund meiner Mama hat sie gefunden in ihrer Wohnung, habe ihn mal gefragt, wie sie da lag, was wo genau stand usw... Ihm fiel es schwer mir das zubeantworten, also ließ ich es wieder sein... Doch ich will auch wissen was die Gedanken, die letzten Gedanken meiner Mama waren.

Und Tot, was ist das? Ich verstehe das alles auch nicht!

Gruß
 
Ich habe die Beerdigung gut überstanden.
Mein Vater war ein sehr bekannter und beliebter Mann in seinem Heimatsort, schließlich führte er die Dorfgaststätte und war Mitglied in zahlreichen Vereinen. So kam es das sehr, sehr viele Leute ihm letztes Geleit gaben. Mir tat es gut all die Leute zu sehen und ich fühlte mich seltsamerweise sehr geborgen bei ihrer Anwesenheit.


Jetzt ist es genau eine Woche her und immer noch ist alles wie ein Taum aus dem man endlich, endlich aufwachen will. Ich besuche immer wieder die Stelle im Wald wo er gestorben ist. Es ist so ein friedvoller Ort und ich fühle mich meinem Vater dann so nahe. Es ist einfach der Ort, den er sich bewußt ausgesucht hat. Ich finde es viel schöner irgendwie, als bei meiner Mutter, die qualvoll in einem sterilen Krankenhaus gestorben ist, weit weg von dem Ort den sie geliebt hat.
Mein Vater durfte dort sterben wo er immer am liebsten gewesen ist. Hat es selbst so gewählt. Meine Mutter wollte noch nicht sterben, wollte noch einmal die Frühlingsblumen sehen...


Ich habe manchmal so eine Wut auf dieses leben und sterben müssen. Dieser Kreislauf von Leben und Tod. Ich frage mich wofür das gut sein soll, dieses Leiden immer wieder, und die Schmerzen die damit verbunden sind?
Ja, es geht um Lernen und Bewußtwerdung. Aber wenn das Leid überwiegt macht es einfach keinen Spaß mehr. Ich sehne mich so sehr zurück in ein Leben wo es mehr Freude gab als Leid. Aber ich frage mich wann das war? War die Kindheit wirklich so anders? Oder habe nur ich anders gedacht damals?
Egal eigentlich, es ist unwiederbringlich vorbei. Meine Eltern sind jetzt beide tot. Sie sind viel zu früh gegangen. Ich vermisse sie beide so sehr! Fühle mich einsamer denn je zuvor. Noch dazu bin ich gerade selber an einem Wendepunkt in meinem Leben und weiß nicht was ich mit mir selber anfangen soll. Wo soll ich hin? Was soll ich tun? Wie geht es weiter?
Mein Vater war mein letzter Angelpunkt. Ich wollte bei ihm sein solange er lebt. Jetzt hab ich zwar noch Geschwister und Freunde, aber sie alle haben ihre eigene Familie. Ich nicht. Ich bin mit meiner Tochter allein. Ziehe nur immer wieder Männer an, die mir nicht guttun, so dass ich es aufgegeben habe nach einem Partner zu suchen.
Alles was mir mal Freude bereitet hat hat keine Bedeutung mehr für mich. Jetzt nach dem Tod meines Vaters noch weniger. Ich möchte einfach trauern... solange bis keine Tränen mehr übrig sind. Ich möchte aussteigen aus dem Alltagskarusell, mich auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens besinnen. Ich schaffe es gerade nicht mehr meinen Alltag zu bewältigen...


@dauni: auch wenn du nicht gleich an mich gedacht hast, es ist egal. Ich habe es gespürt irgendwann und Kraft brauche ich die Tage immer, zu jederzeit.
Und ich wünsche auch dir Kraft!
 
Es tut so weh solche Gedanken zu haben und ich kann sie nicht abstellen. Es geht einfach nicht.

Guten Morgen, Kimmi,
wenn man bestimmte Gedanken nicht abstellen kann,
ist es ratsam zu versuchen, sie zu Ende zu denken,
aber das Denken an sich auf eine bestimmte Zeit am
Tag zu begrenzen und dann zu allen anderen Zeiten
sich zu zwingen, an etwas anderes zu denken und
dem Hirn zu sagen: ich denke darüber zwischen dann
und dann wieder nach. Auch Notizen auf kleine Zettel
können helfen, die man dann in eine Schachtel steckt
und sie erst zur vorher festgelegten Zeit öffnet, um
über die Gedanken weiter nachzudenken.

Grundsätzlich ist meine Erfahrung, dass es leichter ist,
einen Gedanken durch einen anderen zu ersetzen als
ihn "abzustellen". Unser Gehirn scheint den interessan-
teren Gedanken dem weniger spannenden vorzuziehen;
da lohnt sich schon mal die Suche und der Versuch,
was für Gedanken stark genug sind, einen anderen, un-
angenehmen zu verdrängen - zumindest zeitweise.

Das Steuern der Gedanken ist natürlich Übungssache
und der Muskel, das zu tun, ist nicht immer gleich stark.
Buchtipp hierzu: "Die Veränderung des subjektiven Er-
lebens" von Richard Bandler.

Viele Grüße,
Werner
 
Liebe Kimmy,

ach, Deine Worte kann ich so gut nachvollziehen. Ich fühle auch so! An manchen Tagen würde ich auch am liebsten nur weinen und nichts tun. Einfach mich mal in der Trauer fallen lassen. Doch mit Baby geht das schlecht. Zwar nimmt mein Mann sie mir ab aber dann kann ich mich auch nicht gehen lassen....So richtig!

Ich habe in meinem Leben auch immer für alles kämpfen müssen, sogar um mein Kind! Deswegen schätze ich sie heute umsomehr! Trotzdem.... Immer wieder kämpfen, stark sein, zum kotzen finde ich das, warum nur?

Vielleicht werden wir dadurch stärker? Ha ha ha.... Ich weiß nicht.

Liebe Kimmy, ich denk ganz arg an Dich und sende Dir ganz viel Kraft.

Gruß
 
Lieber Werner!


Du hast recht! Wenn ich den Gedanken zu ende denke, dann dreht er sich um, dann weiß ich dass ich keine Schuld habe, dass ich nichts hätte verhindern können und dass ich nur aus besten Wissen und Gewissen gehandelt habe. Und wenn ich nicht gleich eine Lösung finde so kommt sie irgendwann zu mir, aber ich brauche mich nicht quälen, sondern aus der Liebe die mich umgibt Kraft schöpfen
 

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