Die Möglichkeit, seinen eigenen Wert zu erkennen und aufzubauen.
Erkennen?
Aufbauen?
Jeder Mensch, der als solcher geboren ist,
hat seine Würde als solcher, seine Rechte und ab einem gewissen Alter auch seine Pflichten. Für Christen
ist er zudem ein Geschöpf Gottes. Wir alle
sind einzigartig und
natürlich haben wir schon insofern unseren Wert.
Ja was denn sonst?
Mehr "Erkenntnis" brauche ich persönlich nicht, zumal die Menschenrechtskonvention sie sogar schriftlich bestätigt. Im Gegenteil: In einer psychosomatischen Klinik hat es mich vor Jahren sehr merkwürdig berührt, als eine Thera meinte mir in höchst besorgtem Ton erklären zu müssen, dass (auch) ich doch tatsächlich was wert sei. Gerade an so einem Ort wäre mir nicht mal in den Kopf gekommen, dass jemand an meinem Menschsein zweifeln könnte.
Ich tue das umgekehrt bei anderen auch nicht. Dies nicht mal dann, wenn es mir wütende Reaktionen einbringt - etwa wenn ich die Schadenfreude kritisiere, die sich derzeit im Netz darüber äußert, dass der mutmassliche "White Tiger" in einer Hamburger Sammeluntersuchungszelle erst mal von Mitinsassen verprügelt wurde.
Nicht mal AH sehe ich als Monster. Selbst er war ein Mensch, wenn auch einer mit äußerst monströsen Zügen und offener Aversion gegen jenes Menschsein, das ich ihm eben drum nicht abspreche. Mögen muß ich ihn deshalb nicht; auch sein Selbstmord lässt mich kalt.
Nein, Menschenrecht und unser aller selbstverständlich (!) daraus resultierende Würde darf nicht teilbar sein, das ist ein Naturgesetz. Wird sowas an deutschen Schulen denn nicht mehr unterrichtet? Gerade "wir" müssten das doch von klein auf eingeatmet haben.
Sowas ist doch Grundausstattung. Wo immer das relativiert oder missachtet wird, herrscht offene Willkür, die im Extremfall den Rechtsstaat aushebeln kann. Wehret den Anfängen, kann ich da nur sagen - so schwer das gerade in den oben genannten Fällen auch fallen mag. Im Zweifel lieber gar nicht miteinander reden. Aber sich gegenseitig den Wert als Mensch absprechen? Kommt nicht in die Tüte...
Leider gibt es Menschen, denen von Kind auf offen oder subtil eingeträufelt wurde, sie seien nichts wert - es sei denn, sie machen sich nützlich oder verbiegen sich in irgendeiner Form. Da hat die oben zitierte Ansage natürlich einen ganz anderen Sinn, geschenkt.
Davon ab finde ich aber, dass man einfach normal mit Menschen umgehen darf, ohne sich ständig wegen jedem Wort auf die Zunge beissen zu müssen. Dass das Beleidigungen und Herabwürdigungen ausschliesst: auch geschenkt.
Seit den 1990ern wird eine Kommunikationskultur gefördert, die sehr auf Befindlichkeiten abhebt. Für meine Begriffe war das ein Stück weit auch nötig damals, um gewisse Dinge zu ändern. Inzwischen geht es mir streckenweise zu weit. Ich bekomme auch nicht immer nur das zu hören, was ich gern hören will, sondern muß auch Kritik einstecken und konstruktiv umgehen damit - Geben und Nehmen ist da wohl die Devise. Der Rest ist Ansichtssache und unterliegt u.a. dem Wandel der Zeit.
Ich fände es hilfreich, Beispiele zu lesen, wenn dieses Thema vertieft werden soll. Ansonsten schreiben wir hier womöglich aneinander vorbei.