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Selbständig und mit den Nerven am Ende. Aufgeben oder nicht ?

  • Starter*in Starter*in Fidelity1
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Fidelity1

Gast
Ich betreibe mit einem festen Mitarbeiter und einem Aushilfsfahrer ein kleines Handelsgeschäft, das vor einigen Jahren mal 10 Mitarbeiter hatte. Wir haben momentan noch Stammkundschaft, aber jetzt sage ich euch mal wie krank das Geschäftsgebahren geworden ist und wieviel Aufwand für immer weniger Marge betrieben werden muss:

- Unsere Lieferanten sind gleichzeitig auch unsere Konkurrenten, ergo muss jeder Artikel einzeln mit unserem Logo umetikettiert werden. 1 Anruf bei denen und der Kunde wäre sonst weg.

- Internet. Schweinepreise sondergleichen, da fällt einem wirklich nichts mehr ein. Und ich muss dem Kunden immer erklären dass wir schon an Minimum kalkulieren, sonst denkt er noch wir ziehen ihn über den Tisch.

- Hersteller liefern über diverse Plattformen billiger an den Endkunden als wir beim Großhandel einkaufen, bestelle ich z.B. was bei Amazon kann schon mal sein dass der Aufkleber von unserem eigentlichen Lieferanten drauf ist,

- Die Kunden werden immer blöder, alles soll immer billiger werden, mehr Leistung aber weniger bezahlen.

- Die Kunden haben insgesamt die Preiskriege der Händler erkannt und wissen dies auszuspielen.

Zusammengefasst: Aufwand hoch 10 - Marge tendiert gegen Nasenwasser inkl. 12 Stunden-Tag.
Ich bin nervlich wirklich am Ende, zumal die Konkurrenz (mit offensichtlich Kapital im Hintergrund) Dinge tut die kein Mensch verstehen muss. Da wird schon mal Ware für 1000 EUR verschenkt um den Kunden an sich zu ziehen.

Wir mussten unser Gehalt daher schon reduzieren, und ich weiß nicht mehr was ich noch machen soll. Mein Vater meint immer lieber selbstständig mit Freiheiten z.B. Arztbesuche etc.. als irgendwo der Depp. Nur zu welchem Preis ? Damit ich mich nervlich kaputtmache ?
 
Hallo Fidelity,

was sagt denn Dein Steuerberater zur Situation? Ist es aus der Sicht noch rentabel? Gibt es die Möglichkeit zur Umstrukturierung des Warenangebotes? Es ist natürlich wahnsinnig schwer aus der Ferne eine Diagnose zu stellen... Würdest Du denn die Firma behalten, weil sie Dir ansonsten Freude bereitet? Dieser Preiskampf muß auch bedrückend sein, gerade in Zeiten des Internets und Preissuchmaschinen...

Tja, so richtig helfen konnte ich sicherlich nicht. Meine damaligen Gründe die Selbständigkeit aufzugeben, waren Unternehmensberater, Steuerberater und die Bankkredite. Zukunftsmäßig sah es nicht rosig aus und dann lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende... Ich hab's nie bereut, dennoch lange gebraucht mich neu zu organisieren.

Frag' Dein Bauchgefühl und viel Mut bei der Entscheidungsfindung!

Lg. Felimaus
 
Hallo Felimaus. Ansich würde es mir Spaß machen, auch die Mehrarbeit die eine Selbständigkeit fordert würde mir nicht ausmachen.

Nur, es kommt einfach nichts dabei rum. Im Gegenteil, ich habe ständig Angst morgen diesen oder jenen Kunden nicht zu haben weil wieder jemand anderes billiger anbietet. Ich versuche mich ja schon durch den persönlichen Weg und Service etwas abzuheben, aber als One-Man-Show ist der Tag schnell zu Ende und ich bin es langsam auch, weil ich vermutlich schon Depressionen bekommen habe durch diese Ohmacht mit Gewalt erfolgreicher sein zu wollen, und andererseits aber keine Möglichkeit zu sehen.

Umstrukturierung wüsste ich nicht wie. Wer hat schon das goldene Produkt dass jeder will und dabei noch ordentlich Marge daran? Ich habe eben auch riesige Angst wie es wieder sein würde wenn ich aufgebe und wieder Angestellter bin, bzw. ob ich so überhaupt Chancen habe wieder was zu finden, da ich ja hier gescheitert bin.
 
verrückt machen gültet nicht. habt ihr noch (fin.) reserven, um euch mal für ne kleine zeit in ruhe zurückzuziehen und mal ohne druck zu überlegen, wie ihr euer geschäft wieder flott kriegt???? mal 4-8 wochen brainstorming recherche machen? ne fin. reserve, wo ihr nicht unbedingt unter "verdienstdruck" steht, die ihr mal anzapfen könnt? neue produkte/großhändler/lieferanten suchen, behutsam nen neues sortiment aufbauen (erstmal wenig einkaufen, schauen wie es läuft), sich mal an absolut unkonventionelles rantrauen. ohne internet(handel) läuft heute fast nix, da kann jeder schimpfen wie er will, dort eure präsenz verstärken. preiskampf muss man nicht mitmachen, ich (intenethändler) habe durch zufall nen produkt für mein sortiment entdeckt, nen pfennigartikel, biete das teil doppelt so teuer an wie die "konkurenz", bzw. fast dreifach so teuer wie der eigentliche hersteller, der mit seinen produkten auch nen onlinehandel für den endkunden betreibt (was heute nicht unüblich ist!)... das teil ist bei mir der renner, keine ahnung warum, gut gelistet bei google und co (ohne mein zutun).
 
Hallo Rainer. Also das klingt jetzt etwas merkwürdig, dann wäre ja Media Markt auch unmoralisch nicht wahr ?
 
ich finde das du selbst garnicht zum selbstständigen dasein passt..also wenn ich lese wie du kunden so abstempelst...so kannst du keine anziehen...dein frust packst du ja ins geschäft und deine innerliche einstellung wird auf jeden fall in deiner arbeit sich wiederspiegeln.😉


ich würde auch eher darüber nachdenken,ob du das machst weil dein vater das toll findet oder ob du nicht viel leiber nennormalen job machen würdest und gut is? etwas zu machen ,weil ein anderer ne gute meinung darüber hat,kann nicht funktionieren. ich denke, trotzdem ich weiss das selbstständigkeit nicht einfach ist ( bin nebenberuflich selbstständig) muss trotzdem herzblut in dieser arbeit stecken, was es bei dir nicht tut oder?
du musst deinen eigenen weg suchen...nicht nur des geldes wegen etwas tun,klar auch,doch in der selbsständigkeit ,allein in dem wort leigt so vieles....schau es dir mal genau an....musst mir meine fragen nicht beantworten,sondern sie dir eventuell selbst mal beantworten.

was genau willst du?😉
 
Hallo Schmetterling. Dazu fehlt dir wahrscheinlich der Einblick wieviel "Herzblut" ich in 6 Jahren da reingesteckt habe. Irgendwann sagst du dir warum ist die Geschäftsmoral so weit gesunken, wem kann ich noch trauen und wie soll ich als One-man-Show gegen die massenhafte Konkurrenz anstinken, wenn sogar deine eigenen Lieferanten auch Endkunden beliefern ? Und warum trägt dein täglicher 12-Stunden Einsatz keine Früchte?

Dass es da irgendwann keinen Spaß mehr macht wieder einmal beim Kunden XY auf der Matte zu stehen und um einen Auftrag zu betteln, der am Ende noch ein paar Euro bringt ist doch klar.

Wenn ich selbständig bin, dann möchte ich davon auch besser leben können als einfacher Angestellter, aber das was ich momentan verdiene ist dafür eben viel zu wenig. Als Angestellter hätte ich wohl das gleiche Gehalt.

Warum gibt ein Freund von mir sein kleines Bekleidungsgeschäft nicht auf, obwohl er stundenlang im Laden steht, keine Sau kommt, und er fast jeden Monat noch drauflegt? So einfach ist das alles nicht mehr.
 
Ich kann sehr gut verstehen, wieviel Herzblut du da reingesteckt hast.
Wenn du immerhin noch so viel wie ein Angestellter verdienst, ist ja noch nicht alles verloren.
Vielleicht solltest du dir tatsächlich mal Gedanken über neue Produkte/ Sortiment und ggf. Vertriebswege machen.
Ich wünsche dir jedenfalls, daß du eine Lösung findest.
 
Ja, ich würde mich da auch nicht von irgendwelchen Pseudo-Spezialisten beratschlagen lassen.
Denn selbstverständlich ist Deine Arbeit "reel". Um Tipps zu geben, müßte man aber mehr wissen - ob es andere Produkte gibt und wie sich diese zusätzlich vermarkten lassen würden.
 
Hallo Mike. Natürlich ist meine Arbeit reel. Das mit dem Unmoralischen überlese ich eigentlich. Jeder der also Produkte verkauft um daran zu verdienen handelt unmoralisch - omg.

Wir verkaufen Verbrauchsmaterial für Drucker, Plotter und sämtliche IT- Hardware. Natürlich ein markt, der - wie wir alle wissen - extrem umkämpft ist. Unseren Mitbewerbern geht es ja wenn man bei den Geprächen genauer hinhört genauso.

Das Schlimme ist, alle Lieferanten gehen auch direkt an Endkunden, so dass wir jeden einzelnen Artikel wie z.B. Papierrollen (an denen eh schon nichts verdient ist) auch noch mühevoll umetikettieren müssen. Ein Hinweis woher die Ware kommt und der Lieferant unterbietet uns gnadenlos.

Ich sehe momentan einfach keinen Weg wie man das als Ein-Mann-Betrieb verbessern könnte, und jeder Versuch mit neuen Lieferanten in Kontakt zu treten endet mit der Erkenntnis, dass immer gleich Masse erwartet wird. Die Kunden haben das Spiel längst erkannt und wissen genau wie sie einen drücken können, denn einer liefert immer billiger. Ich bin so langsam demotiviert und auch irgendwo hilflos. Deswegen bin ich auch öfters agressiv. Zwar nicht gegen Kunden aber es ist einfach das Resultat der permamenten Schufterei ohne nennenswerten Erfolg.
 

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