Es ist nun fast auf den Tag genau sechs Jahre her, dass ich von meiner damaligen Partnerin plötzlich und völlig unerwartet wie aus dem Nichts nachts mit einem ausgeholten Faustschlag ins Gesicht bedient worden bin, der weit reichende Konsequenzen für mich hatte und immer noch hat.
Wir hatten uns Anfang 2001 als Kollegen kennen gelernt. Ein öffentlich-rechtlicher Sender hatte mich damit beauftragt, einen Dokumentarfilm zu drehen über einen Menschen, der sein halbes Berufsleben lang immer wieder Beinahe-Katastrophen ausgesetzt gewesen war, bis ein Unfall dazu führte, dass er sich schließlich einen (beruflichen) Traum erfüllen konnte. Sie war mir als Kamerafrau zugeteilt. Wir verliebten uns ineinander und zogen ein knappes Jahr darauf zusammen. Gerade waren meine beiden Kinder dazugekommen. Scheinbar hatte sie sich erst nach dem gemeinsamen Einzug richtig klar gemacht, was dies bedeutete. Jedenfalls kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung. Und ich sage dabei: zwar einer heftigen aber noch im Rahmen des Normalen. Dann schlug sie plötzlich zu. Ich fiel auf meinen Steiß. Ein halbes Jahr vorher hatte ich einen schweren Bandscheibenvorfall erlitten, der so gerade eben verheilt gewesen war.
Sie ließ mich einfach liegen, sprach die Trenung aus und kündigte am nächsten Morgen die Wohnung und war weg.
Ich stand unter Schock und fand in dieser Nacht doch meinen Weg ins Krankenhaus. Aufgrund der Hämatome wollte man mich dort nicht so ohne weiteres gehen lassen und vielmehr die Polizei verständigen. Ich erzählte, ich sei eine Treppe herunter gefallen. Man vermutete eine Schlägerei.
Meine Kinder leben seitdem mit mir am alten Wohnort.
Ich habe seitdem so starke Schmerzen, dass ich nur durch stärkste, opiatähnliche Schmerzmittel überleben kann. Diese haben Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Harninkontinenz, Depressionen. Dagegen nehme ich Kopfschmerztabletten, trage Windeln, nehme Antidepressiva.
Vor sieben Jahren war ich ein erfolgreicher Journalist. Ich habe Filme gemacht, Bücher geschrieben, bin in der Weltgeschichte herumgeflogen, habe bedeutende Personen getroffen, interviewt und porträtiert. Ich hatte ein gutes Auskommen. Ein leitendes Medium hatte mich als Redakteur angestellt.
Ich habe versucht, die damalige Beziehung und das dramatische Ende der Beziehung zu jener Frau zu verarbeiten. Ich habe ein Buch geschrieben, das fast eine Million Zeichen füllt. Es ist nicht zur Veröffentlichung bestimmt.
Ich habe versucht, die damalige Situation nachträglich zu klären, durch sehr vereinzelte E-Mail-Kontaktversuche, Karten zum Geburtstag etwa. Nie bekam ich eine Antwort. Oder mir wurde gedroht.
Ich habe viel gelesen. Etwa über das Phänomen, dass man sich als „Opfer“ (ein Begriff, gegen den sich nach wie vor alles in mir sträubt) auf die Seite eines Täters stellt und am Ende nachgerade Verständnis für dessen Verhalten zeigt.
Ich habe wegen meiner gesundheitlichen Situation meinen Job verloren. Ich musste einem Auflösungsvertrag zustimmen. Dann stand ich da mit Ende dreißig, zwei Kindern und einer ruinierte Gesundheit, für die ich nichts konnte.
Ich habe versucht mich selbständig zu machen. Ich habe sämtliche medizinische Möglichkeiten ausprobiert.
Man darf es nicht falsch verstehen, wenn ich sage: ich bin eigentlich ein Mensch, der nicht vorschnell aufgibt. Ich engagiere mich im Rahmen meiner Möglichkeiten gerne für andere. Ich nehme an, dass ich einigermaßen gebildet bin. Und vielleicht stimmt es ja, wenn mir mitunter gesagt wird, ich sei ein netter und gut aussehender Mann.
Heute leben ich und meine Kinder von Hartz IV. Mir geht es psychisch sehr schlecht. Eigentlich gehen mir die Kräfte aus, weil für mich die Hoffnungslosigkeit inzwischen überwiegt, zumal vor einem halben Jahr eine weitere Partnerschaft gescheitert ist, die mir dann doch viel Halt gegeben hatte.
Die damalige Partnerin weiß sehr wohl, was sie mir angetan hat. Sie hat sich stets in Schweigen gehüllt. Ich hätte ihr nie einen Vorsatz unterstellt. Kein normaler Mensch schädigt einen anderen für den Rest des Lebens. Aber ich hätte gerne eine Antwort auf die (natürlich etwas absurd erscheinende Frage) nach dem Warum gehabt. Oder irgendeine Art Anerkennung, sprich: Entschuldigung.
Ihr Leben geht einfach weiter, als sei nichts geschehen.
Rein rechtlich gesehen, ist die Tat inzwischen wohl verjährt.
Es ist schwer zu ertragen.
Bis heute habe ich das Gefühl, nur die offene Konfrontation kann mein Trauma auflösen.
Vielleicht mag dem einen oder der anderen die Frage auf der Zunge liegen: "ja, aber irgendwas musst du doch angestellt haben damals, damit deine Ex damals so reagierte."
Und ich sage: Nein. ich hatte nichts getan. Ich bin ein völlig gewaltfreier Mensch. Ich hatte nur eine andere Meinung zu einem Thema.
Wir hatten uns Anfang 2001 als Kollegen kennen gelernt. Ein öffentlich-rechtlicher Sender hatte mich damit beauftragt, einen Dokumentarfilm zu drehen über einen Menschen, der sein halbes Berufsleben lang immer wieder Beinahe-Katastrophen ausgesetzt gewesen war, bis ein Unfall dazu führte, dass er sich schließlich einen (beruflichen) Traum erfüllen konnte. Sie war mir als Kamerafrau zugeteilt. Wir verliebten uns ineinander und zogen ein knappes Jahr darauf zusammen. Gerade waren meine beiden Kinder dazugekommen. Scheinbar hatte sie sich erst nach dem gemeinsamen Einzug richtig klar gemacht, was dies bedeutete. Jedenfalls kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung. Und ich sage dabei: zwar einer heftigen aber noch im Rahmen des Normalen. Dann schlug sie plötzlich zu. Ich fiel auf meinen Steiß. Ein halbes Jahr vorher hatte ich einen schweren Bandscheibenvorfall erlitten, der so gerade eben verheilt gewesen war.
Sie ließ mich einfach liegen, sprach die Trenung aus und kündigte am nächsten Morgen die Wohnung und war weg.
Ich stand unter Schock und fand in dieser Nacht doch meinen Weg ins Krankenhaus. Aufgrund der Hämatome wollte man mich dort nicht so ohne weiteres gehen lassen und vielmehr die Polizei verständigen. Ich erzählte, ich sei eine Treppe herunter gefallen. Man vermutete eine Schlägerei.
Meine Kinder leben seitdem mit mir am alten Wohnort.
Ich habe seitdem so starke Schmerzen, dass ich nur durch stärkste, opiatähnliche Schmerzmittel überleben kann. Diese haben Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Harninkontinenz, Depressionen. Dagegen nehme ich Kopfschmerztabletten, trage Windeln, nehme Antidepressiva.
Vor sieben Jahren war ich ein erfolgreicher Journalist. Ich habe Filme gemacht, Bücher geschrieben, bin in der Weltgeschichte herumgeflogen, habe bedeutende Personen getroffen, interviewt und porträtiert. Ich hatte ein gutes Auskommen. Ein leitendes Medium hatte mich als Redakteur angestellt.
Ich habe versucht, die damalige Beziehung und das dramatische Ende der Beziehung zu jener Frau zu verarbeiten. Ich habe ein Buch geschrieben, das fast eine Million Zeichen füllt. Es ist nicht zur Veröffentlichung bestimmt.
Ich habe versucht, die damalige Situation nachträglich zu klären, durch sehr vereinzelte E-Mail-Kontaktversuche, Karten zum Geburtstag etwa. Nie bekam ich eine Antwort. Oder mir wurde gedroht.
Ich habe viel gelesen. Etwa über das Phänomen, dass man sich als „Opfer“ (ein Begriff, gegen den sich nach wie vor alles in mir sträubt) auf die Seite eines Täters stellt und am Ende nachgerade Verständnis für dessen Verhalten zeigt.
Ich habe wegen meiner gesundheitlichen Situation meinen Job verloren. Ich musste einem Auflösungsvertrag zustimmen. Dann stand ich da mit Ende dreißig, zwei Kindern und einer ruinierte Gesundheit, für die ich nichts konnte.
Ich habe versucht mich selbständig zu machen. Ich habe sämtliche medizinische Möglichkeiten ausprobiert.
Man darf es nicht falsch verstehen, wenn ich sage: ich bin eigentlich ein Mensch, der nicht vorschnell aufgibt. Ich engagiere mich im Rahmen meiner Möglichkeiten gerne für andere. Ich nehme an, dass ich einigermaßen gebildet bin. Und vielleicht stimmt es ja, wenn mir mitunter gesagt wird, ich sei ein netter und gut aussehender Mann.
Heute leben ich und meine Kinder von Hartz IV. Mir geht es psychisch sehr schlecht. Eigentlich gehen mir die Kräfte aus, weil für mich die Hoffnungslosigkeit inzwischen überwiegt, zumal vor einem halben Jahr eine weitere Partnerschaft gescheitert ist, die mir dann doch viel Halt gegeben hatte.
Die damalige Partnerin weiß sehr wohl, was sie mir angetan hat. Sie hat sich stets in Schweigen gehüllt. Ich hätte ihr nie einen Vorsatz unterstellt. Kein normaler Mensch schädigt einen anderen für den Rest des Lebens. Aber ich hätte gerne eine Antwort auf die (natürlich etwas absurd erscheinende Frage) nach dem Warum gehabt. Oder irgendeine Art Anerkennung, sprich: Entschuldigung.
Ihr Leben geht einfach weiter, als sei nichts geschehen.
Rein rechtlich gesehen, ist die Tat inzwischen wohl verjährt.
Es ist schwer zu ertragen.
Bis heute habe ich das Gefühl, nur die offene Konfrontation kann mein Trauma auflösen.
Vielleicht mag dem einen oder der anderen die Frage auf der Zunge liegen: "ja, aber irgendwas musst du doch angestellt haben damals, damit deine Ex damals so reagierte."
Und ich sage: Nein. ich hatte nichts getan. Ich bin ein völlig gewaltfreier Mensch. Ich hatte nur eine andere Meinung zu einem Thema.