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Seijaku

G

Gelöscht 118388

Gast
Also ich würde das begrüßen zu erfahren, was denn konkret vorgefallen ist. Ist ja recht abstrakt, sie hat was schlimmes getan, du hast was schlimmes getan.
Wenn es gefordert wird, kann ich mit offenen Karten alles auf den Tisch legen was passiert ist, alles was sie mir angetan hat und was ich so getrieben habe, und möge Gott mich erschlagen mit Blitzen wenn ich dabei lüge!

Aber es tut auch weh, das alles noch mal zu durchleben....
 

Kampfmaus

Sehr aktives Mitglied
Wenn es gefordert wird, kann ich mit offenen Karten alles auf den Tisch legen was passiert ist, alles was sie mir angetan hat und was ich so getrieben habe, und möge Gott mich erschlagen mit Blitzen wenn ich dabei lüge!

Aber es tut auch weh, das alles noch mal zu durchleben....
Das musst du nicht. Schreibe das, was für dich okay und verkraftbar ist. Wir wollen nichts verlangen und nichts fordern. Ich kann deinen Schmerz verstehen und ich finde wichtig, dass du dich nicht gezwungen fühlst dich hier komplett zu offenbaren und alles niederzuschreiben. Höre auf dich. Du bist wichtig.
 

Mandrayke

Aktives Mitglied
Also ich würde das begrüßen zu erfahren, was denn konkret vorgefallen ist.
Das musst du nicht. Schreibe das, was für dich okay und verkraftbar ist. Wir wollen nichts verlangen und nichts fordern. Ich kann deinen Schmerz verstehen und ich finde wichtig, dass du dich nicht gezwungen fühlst dich hier komplett zu offenbaren und alles niederzuschreiben. Höre auf dich. Du bist wichtig.
Wir lernten uns kennen im Mai 2017. Es war anfangs sehr schön. Wir haben auch später noch oft gute Momente gehabt, aber so gut wie damals war es nie mehr. Wir waren beide Ausländer in Japan und haben sehr bald nach Beginn der Beziehung Lust auf einen Trip gehabt. Also sind wir nach Osaka gereist und haben dort ein Wochenende verbracht.

Ich habe einer japanischen Bekannten Fotos davon geschickt, was meine Ex dann im Oktober rausfand. Ich hatte außerdem einer anderen Bekannten mein Leid geklagt, da wir wie jedes Pärchen uns eben manchmal gefetzt haben aber alles war normal und weil ich weit weg von zuhaus war, brauchte ich Leute zum reden.

Der Bekannten hab ich dann leider auch wie ein totaler Idiot Sachen erzählt wie zb meine Freundin wäre etwas langweilig, sei nicht mein Typ vom Körperbau, etc... Sehr gemeine Sachen eigentlich, und das während sie mich hat bei sich wohnen lassen gratis. Hatte ja vorher meinen Job verloren. Also da habe ich mich echt verhalten, das ging gar nicht.

Das fand sie dann also raus, und nach dem Abend war es nie mehr so wie vorher. Sie ist ausgerastet, sowas hat man noch nicht gesehen. Hat mich als Fremdgeher beschimpft, obwohl ja in der Form weder körperlich noch emotional irgendwas gelaufen war. Ich hatte halt nur einer Bekannten fiese Sachen erzöhlt wie ein gemeiner Kerl.

In der Nacht musste ich auf dem Boden schlafen ohne Decke. Sie hat mich geschlagen, getreten. Das waren dann auf ihrer Seite die ersten roten Flaggen. Danach war sie wie entfesselt. Es dauerte Wochen bis Sie wieder normal mit mir redete, aber irgendwas war kaputt. Ich hatte ihr Vertrauen missbraucht, und sie hatte in einem Maße reagiert, wo ich innerlich eigentlich schon wusste dass ich jedes Recht hatte zu sagen, ich bin weg.

Über Weihnachten flog ich heim, wo ich mit meinen Eltern darüber redete. Sie rieten mir, mich zu trennen. Meine Ex rastete aus, nannte mich einen Feigling am Telefon, als ich versuchte, zu erklären dass ich unschlüssig bin wie wir das ganze fortführen sollen, wenn überhaupt. Ich knickte ein und kam zurück zu ihr, tat mein bestes für Sie.

In der Zwischenzeit hatte ich nochmal den Job gewechselt und hatte Glück gehabt, hatte einen guten Job gefunden. Das war im April 2018. Kurz bevor es los ging, spendierte mir meine Freundin zum Geburtstag ein Wochenende in einem Kurort in den Bergen mit heißen Quellen. Ich freute mich natürlich, aber verhielt mich wieder wie der letzte Penner. Viele Situationen habe ich vergessen oder verdrängt, weiß aber, dass ich Sie oft wütend gemacht hab.

Gleichzeitig hatte sie aber auch eine Art an sich, echt wütend zu werden wegen dem lächerlichsten Kinderkram, also quasi fies und zickig zu werden wenn sie nicht bekam was sie wollte. Das zog sich wie ein roter Faden durch die Beziehung. Als wir zu dem Kurort fuhren mit dem Zug, wollte Sie dass ich an der Information nach einer Karte frage. Da mein Japanisch schlecht war, zögerte ich. Sie wurde direkt und völlig unverhältnismäßig wütend.

Im Kurort übernachteten wir in einem Hotel in den Bergen. Es lag noch Schnee. Für sie, als Filipina, was ganz besonderes. Ich hingegen, ganz der Undankbare, hatte nur Augen für den schlechten Zustand des Hotels. An allem nörgelte ich rum, obwohl ich außer meinem Zugticket nichts für das Wochenende bezahlt hatte. Pfui.

Nun war es so, dass das Hotel tatsächlich echt runter gekommen war. Aber ich hätte ja trotzdem etwas Dankbarkeit zeigen können, oder. Und das ist nun etwas, das sich bei mir selbst wie ein roter Faden durchzieht. Es war nicht so, dass ich TATSÄCHLICH undankbar war. Im Gegenteil, mir war immer bewusst, wieviel sie für mich tat, wie viel Geld sie für mich ausgab, etc... aber ich zeigte es nicht. Im Gegenteil, ich hatte immer nur Augen für das Schlechte. Stichwort von vorher, dysthyme Persönlichkeit. Zwar die guten Dinge immer wahrnehmen können, aber das nie zeigen. Sich stattdessen immer unwillkürlich auf das Schlechte konzentrieren.

Dazu muss man sagen, typisch Philippinen war ihre Familie in.... sagen wir mal höflich, sehr bescheidenen Verhältnissen. Ihre Mutter leitet eine kleine Schule aber der Vater, ein Koch, kann durch eine Rückenverletzung nicht mehr lang in der Küche stehen oder laufen. In 2018 kam dann die Regierung in Manila und sagte der ganzen Nachbarschaft: Haut alle ab, nächste Woche kommen die Bulldozer, hier werden neue Apartments und Shopping Malls gebaut. So läuft das da.

Und was tat meine Freundin, sie schloss über Nacht einen Kredit für ein Haus in Manila ab. Das Haus kostete soweit ich weiß knapp 84.000 Euro. Nach unseren Standards ein Schnäppchen, dort eine Summe an der eine Familie 30 Jahre lang knappst. Meine Freundin kaufte also sofort ein Haus für ihre Familie obwohl sie wusste, dass sie, wenn sie den Vertrag abschließt und jeden Monat 1000 Euro nach Hause schickt, selbst nicht mehr genug zum Leben hat. Sie hat keine Sekunde gezögert. Ich fand das gefährlich aber auch unglaublich bewundernswert.

Am nächsten Morgen machten wir vor der Busfahrt heim Fotos im Schnee. Sie machte einen Schneeengel. Ich war so glücklich. Ich freute mich so für sie und für uns, ich genoss den Moment. Ich lachte, ich hatte Spaß. Und was war das schlaueste was mir einfiel, als ich sah wie sie den Schneeengel machte? Ich sagte sie sieht aus wie ein gestrandeter Wal. Was bin ich eigentlich für ein dämlicher Bastard? Dass ich total happy bin und dann sowas sage. Einfach null Erfahrung habe im Umgang mit Menschen, null Einfühlvermögen.

Wobei das nicht stimmt. Ich bin extrem einfühlsam. Aber ich labere bevor ich denke. Immer wieder. Und das war so ein Moment. Echt das letzte. Klar war sie total traurig. Und ein Teil von mir will jetzt sagen, hey, das war unangebracht, aber sooo irre schlimm doch auch nicht. Aber eigentlich war es doch schon schlimm... oder? Und deswegen sag ich, ich weiß nicht mehr was ich noch glauben soll. Ob ich ein totales Scheusal war oder harmlos aber dumm, oder völlig unschuldig, oder doch was dazwischen.

Weil ich im neuen Job den ganzen Tag unterwegs war, sahen wir uns nicht mehr sehr lang jeden Tag. Sie stand jeden Morgen um 5:30 auf und kam um 18.00 heim. Ich begann jeden tag um 8:30, und arbeitete bis 21:00. Wenn ich heim kam, war sie schon im Bett, aber wir taten unser bestes. Brachten uns gegenseitig Einkäufe mit, oder Take Out Essen, etc.

Aber die riesigen Schulden machten ihr sehr zu schaffen. Oder besser gesagt, die tatsache dass sie von 30 Euro in der Woche lebte umgerechnet. In einem Land vergleichbar mit der Schweiz wo ein Kaffee schon schnell 10 Euro kostet.

Ich kaufte in der Zeit fast exklusiv die Einkäufe und was man eben braucht im Alltag. Ich beschwerte mich auch nicht. Ich hatte damals schon das Gefühl, ihr etwas schuldig zu sein dafür wie ich sie hintergangen hatte im Vorjahr. Heute denke ich, ich hab damals nur geglaubt, ich könnte diese "Schulden" finanziell abarbeiten. Dass ich quasi Frieden in der Beziehung erkaufen könnte. Aber das war natürlich total der Holzweg. Denn ich verhielt mich weiterhin unmöglich und tat ihr sehr weh.

In den Philippinen ist Familie alles. Irgendwann wurde es mir etwas zu bunt, da ich erfuhr, dass ihre Geschwister, insgesamt 4, sich nicht weiter am Hauskredit beteiligten. Ihr große Schwester gab der Mutter wohl 100 Euro. Meine Freundin gab 1000. Das ganze stand in keinem Verhältnis. Ich vergaß aber auch, dass die Schwester in den Philippinen weitaus weniger verdiente als meine Freundin und ich in Japan. Das ignorierte ich dummerweise, ganz der europäische Ignorant, und irgendwann nannte ich ihre Schwester im Zorn fett, hässlich und faul, und ob sie sich nicht schämt.

Das krasse war auch hier wieder: Mein Erbsenhirn dachte, ich sage da etwas gutes, weil ich nämlich einfach nicht wollte, dass meine Freundin sich so kaputt arbeitete und am Ende kaum ihr Lunch bezahlen konnte. Ihre Situation (Die, wie ihr gleich erfahrt, sogar noch viel schlimmer war als ich dachte) wurde immer trostloser, trauriger. Ich dachte ich tue etwas richtiges und wichtiges.

Großer Fehler. Meine Freundin ging auf mich los wie eine Berserkerin. Schlug mich viele male. Blaue Flecken hatte ich. Blutige Kratzer. An dem Tag warf sie zum ersten Mal meine ganzen Sachen hinaus auf die Straße. Das geschah dann ab da immer und immer wieder wenn wir uns stritten, sie war wie entfesselt. Obwohl sie mich an dem Tag mehrfach geschlagen hatte, sah ich das ganze als "den zweiten Schlag" nachdem sie mich schon mal geschlagen hatte. Und redete mir immer ein, wenn es zu einem dritten Schlag kommt, bin ich für immer weg.

Es wurde klar, dass meine Freundin schwer depressiv geworden war durch den Kredit und die Geldnot. Ich selbst verdiente auch nicht sehr viel, gerade genug um uns mit dem nötigsten auszufangen und sie ab und zu ins Restaurant auszuführen... Auch hier wieder dachte ich, ich könnte Frieden in der Beziehung erkaufen. Meine Freundin aß oft und viel und fast immer ungesund. Das hatte Auswirkungen auf ihr Aussehen, besonders ihr Hautbild.

Ende Teil 1/4
 
Zuletzt bearbeitet:

Mandrayke

Aktives Mitglied
Teil 2/4

Irgendwann fand ich heraus, dass ihre - bzw unsere - Geldsorgen so schlimm geworden waren, dass ihre Schuhe Löcher hatten. Und dass die Kinder in der Schule in der sie unterrichtete, sich lustig machten über ihre Stinkefüße weil sie mit löchrigen Schuhen durch den japanischen Monsunsommer musste jeden tag. Auch ich selbst hatte schon drauf hingewiesen dass ihre Füße rochen, aber war offenbar nicht in der Lage, 1 und 1 zusammen zu zählen. Ich hätte ihr ja auch einfach neue Schuhe kaufen können, tat es aber nicht.

Als die Kinder sich über sie lustig machten, brach sie zuhause zusammen. Ich war entsetzt darüber wie sehr ein Mensch weinen kann. Ich hatte es ja nicht gewusst was da abging und hatte mich wohl auch irgendwie selbst belogen darüber WIE WENIG Geld sie hatte in diesem teuren Land. Sie tat mir so Leid. Doch auch diese Situation ging wieder schief, aber diesmal war ich nicht schuld.

Ich sagte ihr, dass man kein Arzt sein muss um zu sehen dass sie krank war. Damit meinte ich natürlich ihre Depression die so offensichtlich war wie sonstwas. Sie flippte völlig aus. An dem Tag dachte ich zum ersten Mal dass sie vielleicht eine vitriolische Ader oder so hat. Die Art wie sie sich in ihrer Wut verlor wenn es dazu kam, war abnormal. Völlig cholerisch und schrecklich.

Sie flippte aus, wollte wissen wie ich es wagen könne sie behindert zu nennen. Ich war entsetzt und verwirrt. Das hatte ich ja weder gesagt noch gemeint. Erst dann begriff ich, dass Depression in Japan und den Philippinen gar nicht diskutiert wird. In Japan heißt es, mach es mit dir selbst aus, belaste dein Umfeld nicht mit deinen Problemen.

Und meine Freundin aus den Philippinen? Die konnte sich nicht mal bei ihren Eltern ausweinen, weil Religion dort eben noch sehr groß ist und ihre Eltern, die sehr liebe Menschen sind, ihr halt immer sagten, bete bete, Gott kümmert sich um alles. Das ist das einzige was ich ihren Eltern vorwerfe, dass die diese psychologischen Aspekt des Elternseins komplett an Gott abgaben. Es war wirklich krass. Als wollten oder könnten sie überhaupt nicht sehen, wie schlecht es ihrer Tochter ging. Immerzu hörte ich von der Mutter "pray pray" etc. etc. Da ich selbst mit Religion gar nichts anfangen kann, auch wenn ich die Meinung von Gläubigen im weitesten Sinne akzeptiere, wurde mir irgendwann richtig übel davon.

Sie hatte meine Aussage also als schwere Beleidigung aufgefasst. Da Depression dort fast schon als Behinderung gilt, hatte ich sie quasi schlimmer beleidigt als je zuvor. Es war so traurig.

Es wurde noch schlimmer. Ihre Oma wurde sehr krank. Sie lebt heute immer noch, aber ist über 90 und sehr schwach. Und meine Freundin hatte sie unglaublich lieb. Vor allem weil die Oma ihr immer zugehört hatte und nun nicht mehr in ihrer Nähe war. Ich versuchte, ihr als Ersatz zu dienen und es half auch immer mal wieder. Aber ich wusste, das einzige was wirklich helfen würde war eine Behandlung bei einem Arzt.

Zurück zu dem Streit. Sie flippte also wieder völlig aus und schlug mich ein drittes Mal. Da weinte ich. Doch statt zu gehen, sagte ich: Wenn du mich noch mal schlägst (also ein viertes Mal), ist es aus. Sie schlug mich umgehend erneut.

Und ich blieb.

Danach hatte sie gar keinen Respekt mehr vor mir, und ich verlor mich komplett in meinem Wunschtraum, dass ich irgendwie noch etwas tun könnte, was ihr weiter hilft, und vor allem suchte ich verzweifelt nach einem Grund um zu bleiben. Ich hatte sie so lieb, aber innerlich hatte auch ich genug. Das war im Sommer 2018 und die Geschichte ist noch nicht vorbei.

Im Herbst starb mein Hund in Deutschland, und mein Job burnte mich ebenfalls zusehends aus. Im Frühjahr war ihr eigener Hund in Manila gestorben. Die Wohnung in der wir lebten war verseucht mit Schimmel, völlig vergammelt und wurde regelmäßig von den berühmten japanischen Riesenkakerlaken heimgesucht, da sie im Erdgeschoss lag. (Kleine Info am Rande: Den Viechern entkommt man dort leider nicht mal im 99. Stock.)

Durch all das hatten wir versucht, uns ein kleines Nest zu bauen, ein Ort, an dem wir glücklich sein konnten... Wenn die Schiebetür zur Küche zu ging, und die Gammeltoilette, das winzige Gammelbad und die wiederlich schmierige Küche unsichtbar waren, wenn wir im Schneidersitz einander gegenüber saßen und zu Abend aßen, meist Reis und was ich uns dazu im Laden kaufte, dann waren wir glücklich, ganz kurz.

Zu dem Zeitpunkt war ja eigentlich schon klar, dass die Beziehung unglaublich toxisch war. Sie warf regelmäßig meine Sachen raus, rastete aus wann immer sie ihren Willen nicht bekam und belohnte mich anschließend mit Zuckerbrot wenn ich mich ihr völlig wurmgleich unterordnete. Ich selbst war gemein zu ihr, sagte ständig Sachen, die ich entweder eigentlich nicht so gemeint hatte, oder bei denen ich nicht nachgedacht hatte, wie sie auf andere Menschen wirken.

Als sie mich das fünfte Mal schlug, schlug ich zum ersten Mal zurück. Das war das einzige Mal dass ich wirklich Hand an sie gelegt habe und ich hab es mir nie verziehen obwohl es Selbstverteidigung war. Ich weiß nicht wie sie mit dem Wissen lebt, mich so oft bis aufs Blut gehauen und gekratzt zu haben und wirft mir heute vor, ich wäre gewalttätig gewesen. Ich bin daher überzeugt, obwohl ich so viel falsch gemacht habe, sie ist auch völlig sich selbst belügend.

Zu dem Zeitpunkt wollte ich immer noch einfach nur Frieden (obwohl ich eigentlich längst hätte gehen müssen) und ich weiß, auch sie wollte das. Aber wir waren ja beide völlig krank, völlig am Ende und das machte die ganze Sache so unendlich traurig. Denn wenn immer wir mal nicht völlig erschöpft waren und was unternahmen, dann war unsere gemeinsame Zeit pure Magie. Da verkläre ich auch nichts oder so. Wir hatten uns dann so unglaublich lieb und machten wundervolle Erinnerungen. Die dann doch immer wieder von der Realität zuerstört wurde dass wir beide krank waren bis zum Gehtnichtmehr, arm in einem teuren Land, und beide mit großer Angst davor, alleine zu sein.

Da ich in ihrer Wohnung wohnte, war ich selbst komplett abhängig von ihr. Und besonders natürlich von ihren Wutausbrüchen. Immer wieder sperrte sie mich aus, schrie mich hinaus, drohte mit der Polizei... Einmal spuckte sie auf meine Kleider die in einem Haufen am Boden lagen, zeriss meine Shirts, und sagte dann keine 15 Sekunden später es sei nie passiert. All das machte mich völlig fertig, und meine Performance auf der Arbeit begann zu leiden. Ich wurde mehrfach ermahnt und war verängstigt.

Zu dem Zeitpunkt find sie an, mir vorzuwerfen ich würde sie gaslighten. Obwohl es ja sie war, die mich total manipulierte. Zumindest das weiß ich mittlerweile und bin mir auch sicher. Denn ein gutes hatte ja meine dumme, grobe Art nicht nachzudenken bevor ich meine Klappe aufriss: Ich hatte es nicht in mir, sie irgendwie zu manipulieren. Sie hingegen schottete sich nach einem Streit immer völlig ab, ignorierte mich als wäre ich nicht da, und kam dann später mit Sachen an, die vorher nie passiert waren.

Nachdem mein Hund gestorben war, fiel ich so in ein totales Loch. Denn vorher hatte sie mir auch vorgeworfen, ich würde ihre Idee, mit ihr auf die Philippinen zu reisen, nicht mögen. Der Grund dafür war, dass ich es wagte, jedes Jahr an Weihnachten nach Europa zu fliegen und meine eigene Familie zu sehen. Macht keinen Sinn, und war echt fies, war aber von ihr total ernst gemeint. Sie dachte ich hab was gegen sie, ihre Familie, ihre Kultur. Das stimmte natürlich nicht, außer vielleicht dass wir beide ja uns selber belogen und eigentlich beide wussten wie krank das alles war.

Im Herbst 2018 hatten wir so um September einen Streit, bei dem sie völlig mein Herz brach. Ich weiß nicht mehr worum es ging, aber ich wusste, ich musste dort sofort raus. Ich erwischte ein teures Zimmer in einer WG in der Nähe von Tokyos Innenstadt. Dort hielt ich es nur 3 Monate aus, bis Ende des Jahres. Einerseits weil das Zimmer klein und sehr teuer war, andererseits war ich völlig miserabel und einsam. Ich datete ein Mädchen, das ich in ein Restaurant mit nahm, aber daraus ergab sich nichts.

Besonders gruselig war, dass ich zu dem Zeitpunkt irgendwie in meinem Kopf dachte, ich dürfte das nicht. Als meine Freunding - mit der ich ganz offiziell ne Pause eingelegt hatte - mir auf dem Nachhauseweg zufällig schrieb, sie sei auf dem Weg nach Tokyo hinein um zu feiern, wurde ich total panisch. Mir schlotterten richtig die Beine. Mir wurde übel. Ich dachte, sie macht mich alle, wenn sie erfährt dass ich auf einem Date war. Obwohl wir ja offiziell nicht zusammen waren. Ich war komplett hirngewaschen.

2019 kam es dann zum totalen Bruch. Nach der Rückkehr aus Europa war ich wieder bei ihr eingezogen, einerseits weil ich sie vermisste, andererseits weil es mich weniger Geld kostete. Ich war so strunzdumm es ist echt nicht normal. Nach einem Streit im Frühjahr, kurz nachdem ich wieder in Japan angekommen war, hatte ich entgültig genug. Auf der Arbeit hatte ich gehört, dass eine nette Japanerin mit mehreren Wohnungen diese ganz unbürokratisch und billig an Ausländer vermietete. Ich nahm Kontakt auf, und war binnen einer Woche raus und in meinen eigenen vier Wänden.

Ich sagte meiner Freundin auch, dass ich Zeit für mich bräuchte. Und obwohl ich zu dem Zeitpunkt eine irre Wut auf sie hatte, konnte ich es fast nicht über mich bringen, zu gehen. Ich weinte bitterlich, und sie auch, als ich auszog. Danach sprachen wir knapp 8 Wochen quasi nicht.

Ende Teil 2/4
 
Zuletzt bearbeitet:

Mandrayke

Aktives Mitglied
Teil 3/4

Dann verlor ich den Job. Der Manager machte mich total zur Sau, weil ich einer Kundin offenbar derart schöne Augen gemacht hatte, dass sie sich gegruselt hatte. Klingt vielleicht sogar für euch etwas lustig, aber für mich erreichte der Albtraum damit seinen Höhepunkt. Im Nachhinein denke ich mir ja auch, als was für ein lüsterner Typ muss ich rüber gekommen sein? Denn ich hatte ja nicht gegrapscht oder so. Aber ich bin heute noch wütend über meine Unprofessionalität, aber vielleicht hatte ich ja auch gar keine Chance, mit all dem Scheiß der vorher abgegangen war. Ich wollte einfach nur nicht alleine sein und hatte die Blicke einer Kundin total fehlinterpretiert. Ich hatte es nicht böse gemeint. Ich bin kein böser Mensch. Ich war nur allein und so so einsam.

Das Gespräch mit dem Manager traumatisierte mich derart, dass ich heute noch zittere. Der Typ war vorher schon bei uns allen unbeliebt gewesen, aber da gab er mir einen Grund, ihn zu fürchten. Und das ist zum Beispiel auch so etwas, das mich heute noch fertig macht, nämlich dass so ein Mensch heute immer noch dort Manager ist. Ich verließ das Büro zu mittag und kehrte nie zurück. All die netten Kollegen, die stabile Arbeit, all das war fort, mit einem Mal. Vom Anzugträger zum Arbeitslosen irgendwo in Asien. Und das nur ein paar Wochen nachdem ich in meine eigene Bude gezogen war. Es ist in Japan so schwer, als Ausländer stabile Arbeit zu bekommen, und ich redete mir ein, dass ich mir selbst alles kaputt gemacht hatte.

Ich fiel in ein tiefes schwarzes Loch. Ganz am Anfang, ich glaube am dritten Tag nach der Kündigung, konnte ich mich noch abfangen. Ich las zufällig, dass die japanischen Bahngesellschaften genau zu dem Zeitpunkt ein spezielles Bahnticket anboten. Damit konnte man für 20 Euro so weit fahren wie man mit dem Nahverkehr kam. Und das Angebot galt noch die nächste Woche. Ich entschied mich spontan, dass ich einen Trip alleine brauchte. Sowas hatte ich noch nie gemacht. Schon gar nicht in Japan. Als ich las, dass man mit der richtigen Zugstrecke von Tokyo an einem Tag auch mit Nahverkehr bis nach Osaka fahren konnte (460km!) entschied ich das auszuprobieren.

Also machte ich den Höllentrip von Yokohama nach Osaka mit Regionalzügen. 11 Stunden dauerte das, führte mich durch alte Ninja-Dörfer, am Fuji vorbei, entlang dem Meer von Seto, und am Ende blutete mir quasi der Hintern vom vielen sitzen. Aber ich genoss es. Ich hatte nach der halben Strecke plötzlich fest gestellt, dass ich, ganz der ADHS-Idiot, noch gar keinen Platz zum Schlafen hatte! Mit dem Handy buchte ich in Nara, wo die Hirsche frei unter den Menschen laufen, ein Bett in einem der japanischen Sarghotels. Nämlich im Nara no Mori, und dem Namen entsprechend war die ganze Inneneinrichtung aus Holz. Die Angestellte am Tresen war bei meiner Ankunft schon im Bett, da die Kirschblüte gerade erst begonnen hatte. Aber sie war freundlich und sprach mit mir Englisch so gut sie konnte.

Zum ersten Mal seit Ewigkeiten schlief ich friedlich. Die nächsten Tage erkundete ich Nara, fuhr dann nach Kyoto, sah mir dort fantastische Tempel an, und fuhr weiter nach Hiroshima. Überall schlief ich in sehr günstigen Hotels. Dort besuchte ich das Atombomben-Museum, bevor es noch mal über Nara, zurück ging. War ja ein Budget Trip. Besonders in Hiroshima war mir die Angestellte an der Rezeption so sympatisch, dass ich sie gerne noch mal wieder gesehen hätte. Aber ich traute mich nicht sie weiter anzusprechen. Denn wohin das führte, hatte ich ja gesehen, oder glaubte es gesehen zu haben.

Nach meiner Rückkehr nach Haus in Yokohama verfiel ich in die vermutlich schlimmste Depression meines Lebens bisher. Ich bin ja wie gesagt dysthym, sodass ich nie wirklich da raus komme und seit meiner Vergewaltigung im Kindergarten eigentlich mein Leben lang depressiv gewesen bin, aber da ging es hoch auf 100%.

Einen Monat nach dem Trip gen Süden erlitt ich eine Insomnia, die fast eine Woche andauerte. Ich wachte Montags auf und schlief nicht mehr bis Freitagabend. Am Donnerstagmorgen war ich nur noch ein zitterndes Bündel vor lauter Erschöpfung. Ich fuhr in die Innenstadt, um Abend zu Essen, und der gebratene Reise vor meinen Augen verwandelte sich in ringelnde Maden.

In Panik verließ ich das Restaurant, machte aus irgendeinem Grund noch eine Nacht durch ohne Schlafen zu können, kaufte mir am nächsten Morgen Schlaftabletten und als ich am Freitagabend um 19 Uhr immer noch nicht schlafen konnte, nahm ich drei. Ich wachte am Samstag um 16 Uhr auf und fühlte mich wie neugeboren, aber meine Glieder waren auch wie Gummi. Schlaftabletten sind kein Witz. Zum Glück hatte ich seither keine Insomnia mehr, aber die japanischen Schlaftabletten habe ich immer noch im Schrank. Nur für den Fall...

Nach meiner Rückkehr machte ich den Fehler, mit meiner Freundin wieder Kontakt aufzunehmen. Wir kamen wieder zusammen. ich blieb in meiner eigenen Wohnung, und das half uns auch eine Weile. Ich machte mir Hoffnungen. Sie bestimmt auch. Wir machten wieder den ganzen Sommer tolle Erinnerungen in Yokohama.

Im Herbst 2019 holte ich dann zum finalen Schlag aus. Mehr konnte ich nicht für sie tun, mehr konnte ich nicht versuchen, um zu zeigen, dass ich einfach nur mit ihr glücklich sein wollte: Ich buchte uns einen Flug nach Deutschland. Ich bezahlte auch ihren. Ich arbeitete in einem jämmerlichen kleinen Office 2 Tage die Woche als Lehrer für ein paar nette japanische Omis, was mich nicht ausreichend versorgte. Also zehrte ich das ganze Jahr über von meinen Ersparnissen, die langsam aber sicher dahin schmolzen. Natürlich versuchte ich, einen Vollzeitjob zu finden, hatte aber kein Glück.

Tief in mir drin spürte ich, meine Zeit in Japan neigte sich dem Ende zu...

Ich buchte uns eine Nacht im Europa Park, weil wir in Japan ab und an ins unglaublich tolle DisneySea gefahren waren, und auch in den Universal Studios Osaka.

Im November kam es dann zu dem Ereignis, bei dem ich im Nachhinein immer noch überlege, welche grausamen Mächte so furchtbar mit mir spielen.

Ich bewarb mich bei einer kleinen Firma in Shinjuku, im Herzen von Tokyo. Ich hatte einen Anruf, dann wurde ich eingeladen, dann noch einmal um eine Probestunde zu halten. Der Recruiter war super nett, der Chef auch, und das irre war: Das Gehalt lag bei 380.000 Yen plus Fahrtkosten und Potenzial für Extra Stunden. Im letzten Vollzeit Job hatte ich 250.000 gemacht bei doppelt so langen Schichten.

Als die Firma zufrieden war und mir einen Vertrag anbot, dachte ich dass sich endlich alles gelohnt hatte. Ich ging hinaus, und weil der Herbst und Winter in Japan sind wie bei uns der Frühling, also mild und sonnig, war strahlend schönes Wetter. Und endlich dachte ich, ich könnte mein Leben wieder in die Hand nehmen!

Ich bewarb mich für mein nächstes Einjahres-Visum, und brachte meine Freundin nach Deutschland. Wir fuhren in den Europa Park, sahen uns Neuschwanstein an und die Gegend um Garmisch. Doch als sie am Abend im Hotel am Schloss Neuschwanstein wieder ausflippte und drohte, hier und jetzt zu gehen, zerbrach irgendwas in mir. Am nächsten Morgen nahm ich sie mit hoch zum Schloss, wobei sie die ganze Zeit mich fertig machte, beleidigte etc.

Sie hatte es geschafft. Sie hatte die Erinnerung, die ich ihr am meisten von allen anderen hatte bescheren wollen, zerstört. Heute will sie nichts mehr davon wissen, aber als wir dort vor Schloss Neuschwanstein standen und sie, der ich ein paar Tage vorher Flug und Visum bezahlt hatte, Hotel im Raum Tölzer Land plus Mietwagen, zwei Tage Europa Park und 1 Nacht im Hotel Colosseo - all meine Ersparnisse waren futsch - da wusste ich, dass ich mit ihr fertig war.

Aber ich würde ja all das hier nicht schreiben, wenn ich nicht immer noch traurig wäre. Das liegt daran, dass mir das Ganze erst mehrere Monate später bewusst wurde und ich es bis heute nicht verarbeitet habe.

Den Rest kürze ich nun ab.

Nach der Rückkehr nach Japan zog ich ein letztes Mal bei ihr ein, da ich außer dem 2 Tages Job mit den Omis kein Einkommen hatte und mein ganzes Geld aufgebraucht war. Das war im Januar 2020. Prompt ging die Streiterei wieder los... Einmal flippte ich selbst aus, und drohte, dieses Mal zur Polizei zu gehen. Meine Freundin griff unter die Spüle, und bevor ich etwas tun konnte, trank sie ein Glas Bleichmittel. Nun, nicht trank, sie hielt es im Mund für ein paar Sekunden, stürzte dann zur Toilette und erbrach sich für sicher eine Stunde. Ihr Mund und Rachen blutete und ich wurde fast irre vor Schmerz und Traurigkeit. Ich wünschte, ich würde mir all das ausdenken, doch ich sagte ja bereits, soll Gott mich holen, wenn ich hier lüge.

Im Februar hörte man zum ersten Mal etwas von einem Virus, das aus China kam. Anfangs machten ich und die Omis uns noch drüber lustig.

Dann kam der Brief.

Die Einwanderungsbehörde in Tokyo setzte mit sofortiger Wirkung alle nicht-essenziellen Visumangelegenheiten aus. Mein Visum war nicht erneuert worden. Ich wurde auf die Behörde eingeladen, und in einem Hinterzimmer aufgeklärt, dass die Firma wohl auch einige Unterlagen vergessen hatte, sodass das Visum so oder so abgelehnt worde wäre.

Mit kalten Gliedern fuhr ich zurück nach Yokohama, und setzte mich in Minatomirai an die Hafenpromenade beim großen Segelschiff. Meine Freundin traf mich dort, und wir saßen ein paar Minuten auf der Bank - sie dachte, ich hätte mein Visum - bevor ich in Tränen ausbrach und ihr sagte was los war.

Ende Teil 3/4
 

Mandrayke

Aktives Mitglied
Teil 4/4

Ich verließ Japan im März 2020, eine Woche nach meinem Geburtstag, an dem sie mir einen Schokokuchen gekauft hatte, kurz bevor der Lockdown kam. Ich stand am Flughafen und ich flehe Gott an, dass ich nie wieder jemanden so traurig sehen muss wegen etwas, das ich gleich tue. Wir hatten ein letztes Mal in einem guten Ramen Restaurant gegessen, und sie hatte danach ihren Kopf auf meinen Schoß gelegt, während sie geschlafen hat. Ich saß dort am leeren Flughafen und war die ganze Nacht wach.

Ihre Augen, ihr nach vorne gebeugter Körper, die leicht nach innen gerichteten Füße in den weißen Joggingschuhen, ihre ganze Existenz drückte aus, dass ein Teil von ihr gestorben war. Ich hab ein Foto von ihr gemacht, und manchmal schaue ich darauf, und wünschte, ich hätte nie den Auslöser gedrückt.

Nie hab ich jemanden so weinen sehen wie sie in dem Moment weinte, und es sind diese Tränen, wegen denen ich weiß, dass durch diese ganze asoziale, toxische, kranke Kacke, sie mich wirklich geliebt hat, und ich weiß dass ich sie auch geliebt habe.

Und dass es nicht unsere Schuld war. Sondern dass einfach alle Karten gegen uns gestellt waren. Wir hatten keine Chance. Es war alles von Anfang an zum Scheitern verdammt. Manche würden sagen, falscher Ort, falsche Zeit, aber das sagt nicht genug aus über das, was zwischen uns gewesen ist.

Und darüber, wie sehr wir uns beide gewünscht haben, eine Zukunft zusammen zu haben.

Und wir gingen beide daran kaputt. Ich bin immer noch kaputt. Sie scheint nun jemanden zu mögen. Ich sehe da einen Japaner auf ihren Fotos, den ich nicht kenne. Und so endlos traurig ich fast 2 Jahre später bin, alles was ich immer wollte, war, dass Sie glücklich ist. Das will ich immer noch.

Ich liebe sie so sehr, mit allem was sie mir angetan hat, allem was ich angerichtet habe.

Aber wenn er sie glücklicher macht als ich, wenn ich weit fort sein muss, damit sie glücklich ist, dann muss es so sein.

Doch was würde ich geben, um sie noch einmal um 22 Uhr auf meinem Rücken die Hafenpromenade entlang tragen zu dürfen, und dann mit ihr Hot Dogs essen zu gehen, und dem Wellenrauschen zu zu hören.

Was würde ich geben, um noch einmal in ihre Augen blicken zu können, diese tiefen, schwarzen Ozeane, deren Ufer und Häfen ich gesehen habe.

Ende
 

Berdine

Sehr aktives Mitglied
Dass du wegen corona ausreisen musstest, war dein Glück. Das hat nichts mit karma zu tun oder dass sich alles gegen euch verschworen hat.

Die Beziehung war toxisch, nicht auf Augenhöhe. Wie hast su dich auf deinen Aufenthalt in Japan vorbereitet? Hättest du dort ohne finanzielle Unterstützung überhaupt auch alleine leben können?
War dir nicht klar, dass man da keine europäischen Standards anwenden kann? Was du schäbig findest, ist da eben Realität.

Nach der ersten körperlichen Auseinandersetzung war doch klar, dass das nicht funktioniert. Ja, du hast dich manchmal ungeschickt verhalten.

Aber wäre corona nicht gewesen, dann hätte diese kranke Beziehung wohl im Krankenhaus geendet.
 

Bodenschatz

Aktives Mitglied
Wahnsinn! Mich berührt die Geschichte gerade so sehr, dass ich denke, ich hätte sie selbst erlebt.
Es ist als wenn ich Drogen gefressen hätte, die mich in eine Zeit der Vergangenheit zurück versetzen.
Diese Gefühlschaos, sich in Empfindungen verlieren sodass es sich anfühlt, als stünde man auf der Stelle, aber der Kopf dreht sich immer schneller im Kreis und die Umgebung verschwimmt und wird gegenstandslos.
Gedanken, so stark, dass man sich an etwas festkrallen will um nicht davon zu fliegen.

Ich reisse die Augen auf: wo bin ich? - und stelle fest, dass ich duschen gehen sollte.

Das Hier und Jetzt und auch ich habe mich wiedergefunden, es geht weiter.

Es wird aber nicht das letzte mal sein, dass Deine Geschichte mich in ihren Bann zieht.
 
G

Gelöscht 118388

Gast
@Mandrayke was für ein unglaublicher Beitrag und was für eine Liebesgeschichte! Vielen Dank, dass du das alles mit und geteilt hast, nach dem ersten, etwas mysteriösen Brief.

Ich denke, ja, das ist alles schon sehr extrem und traurig, aber war sicher auch irgendwie eine schöne Erfahrung.

Ich denke, vor allem in den ersten beiden Teilen, bist du viel zu hart zu dir selbst. Deine Selbstkritik macht dich zwar sympathisch, aber trotzdem ist es übertrieben. Ihre extremen Ausbrüche hast du nicht mit dummen Bemerkungen erzeugt, ein anderer Mensch hätte anders reagiert. Meine Frau ist da zB anders und ich mache auch schon mal blöde Bemerkungen und denke mir immer danach, wie konnte ich das jetzt sagen, und sie bleibt meistens cool dabei oder wirft mir auch eine blöde Bemerkung an den Kopf.

Ich denke auch, du hast dir viel zu viel gefallen lassen und das wahrscheinlich, weil du dir selbst zu viel die Schuld gibst. Naja, wie dem auch sei, das weißt du sicher selbst.

Das ist jetzt 2 Jahre her?

Würdest du nochmal mit ihr zusammen kommen wollen, wenn sie nach Deutschland käme oder du zurück nach Japan gehen könntest?
 

SFX

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Hallo,

das ist ja der absolute Wahnsinn! Normalerweise lese ich mir hier gar keine längeren Texte durch, weil sie meistens total wirr sind. Aber du hast wirklich so fantastisch geschrieben, dass ich nach Teil 4/4 fast traurig bin weil es zu ende ist!

Ich sag dir mal was. Du solltest verdammt froh sein und dankbar, dass alles so gekommen ist. Das war ja eine absolut irre Zeit in Japan! Die meisten Leute würden alles darum geben, das erleben zu dürfen. Und stolz solltest du sein. Denn egal wie aussichtslos alles manchmal war und wie sehr du am Boden warst, du hast einfach immer weiter gemacht und hast einfach immer einen Weg gefunden.

Sieh das alles als eine wunderbare Erfahrung. Als ein Geschenk. Auch die schlechten Zeiten. Denn du bist unglaublich daran gewachsen und hast viel gelernt.

Werde dir darüber bewusst, dass du vielleicht gar nicht diese Frau liebst. Sondern nur das Gefühl, das du hattest. Dieses Feeling, frisch verliebt nachts am Hafen... dieses exotische Abenteuer in der Ferne. Ich glaube, DAS ist es, was dich so tief berührt.

Liebe Grüße und alles Gute,
SFX
 

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