Hallo Sven,
wir haben ein Partnerschaftsgesetz, das Ehen unter Schwulen erlaubt, ja sogar Adoptionen ermöglicht. Es gibt diverse gesetzliche Regelungen, die Diskriminierungen verhindern sollen.
Und dennoch darf man nicht vergessen, dass der Paragraf 175 STGB erst in den 70iger Jahren weitgehend liberalisiert wurde.
Und dennoch werden Schwule immer noch als etwas Besonderes wahrgenommen. Und wenn dann ein Schwuler in der eigenen Umgebung zu seinem Schwul-Sein steht, vielleicht, wie Du ja offenbar auch, sich nach dem bekannten Klischee eines schwulen Menschen verhält, dann ist die Toleranz der Umgebung immer noch bedenklich gering.
Ich bin äußerlich als durchaus männlicher Typ und Hetero-Mann wahrzunehmen, und dennoch musste ich - als ich vor Jahren glaubte, mein Weg in die schwule Welt sei angezeigt, deutliche Ressentiments wahrnehmen. Ich sage noch etwas: Ich selbst hatte auch Probleme, mich auf Männer einzulassen, die tuntenhaft rüberkamen. Meine Welt war das nicht, und in meinem eigenen Empfinden war da etwas, das mich abstieß.
Meine wenigen und leider nur kurzzeitigen Beziehungen waren alles Männer, die ohne Not als Heteros durchgegangen wären. Dass ich eine Neigung zu Männern habe, heißt doch nicht, dass ich mich wie eine Frau und feminin geben muss.
Dabei gerät man sehr schnell in diese klischeebesetzte Randzone. Und Du wirst eher belächelt, wenn es gut geht, aber nicht ernstgenommen.
Denk mal über Deine Selbstwahrnehmung nach und über das Bild, das Du als Mann potentiellen Kandidaten vermittelst.
Liebe Grüße
Burbacher