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Schwieriger Vater

Er ist über 80 und wird sich nicht ändern.
Du musst versuchen, deinen Frieden auch OHNE irgendein erhofftes Verhalten seinerseits zu finden.

Hallo Thilo,

ich kannte jemanden, der sich mit über 90 Jahren noch geändert hat - er hat eingesehen, dass er sich jemand anderem gegenüber jahrzehntelang übergriffig verhalten hat. Diese Einsicht kam, soweit ich weiß, ganz ohne Anlass von außen.

Aber man kann das natürlich nicht erwarten. Bisher hatte ich gehofft, dass mein Vater sich noch weiter ändert, hatte er ja schon im höheren Alter getan, aber wie schon geschrieben, glaube ich das jetzt eher nicht mehr.

Du hast natürlich Recht, dass ich trotzdem meinen inneren Frieden finden muss, egal, wie er sich verhält.
 
Hallo Gast,

Du schreibst mir: Es geht mir also letztendlich darum, dass er sich eine Weile schlecht fühlt. Sich nicht mehr hinter der Betonmauer versteckt, die er bei diesem Thema um sich gezogen hat. Dann würde ich ihm verzeihen. Ich könnte mir vorstellen, dass du diesen Punkt etwas anders gemeint hast als ich. Ich bin mir aber nicht sicher.“

Du schreibst Gelinda:
„Er ist darüber hinaus auch der Meinung, dass "die Gene das Verhalten" bestimmen, was natürlich in der Absolutheit Unsinn ist. …. hatte er die anscheinend perfekte theoretische Basis dafür, um alle unangenehmen Erkenntnisse verdrängen und sich Angenehmerem widmen zu können: "Ich bin nun mal so, ich kann nicht anders." "Die Gene bestimmen, ob jemand psychisch krank wird.
D. h. er ist nur gewillt, neuere … Erkenntnisse anzunehmen, wenn sie ihm erlauben, das Verdrängte in ihm weiter in der Versenkung zu lassen. Und ich finde, es gehört zum Erwachsensein dazu, neue Erkenntnisse zu akzeptieren. - Also, natürlich ist jeder von seiner Zeit geprägt und hat auch seinen eigenen Charakter - aber wenn mir neue Erkenntnisse egal sind, dann lebe ich m. E. teilweise nicht mehr in der "Realität" - auch wenn die Realität immer etwas teilweise Subjektives ist.

Wie ich schon an Nordrheiner geschrieben habe: Es geht mir eigentlich nicht so sehr um einen Satz/ein Bekenntnis, sondern um das Bewusstsein und das Fühlen, dass er Schuld auf sich geladen hat. Einen anderen Menschen kann man nie ändern, das sehe ich auch so. Man kann sich nur selbst ändern.

Du schreibst, du wünschst mir ein weites Herz ... Ich glaube, ich werde seine liebenswerten Züge nie vergessen, und meine Tür wird offen bleiben für den Fall, dass er seine Schuld eingesteht. Aber jemand, der auf dem hohen Ross sitzt…“


Ich finde, dass das Sich-Wehren gegen alle Art von Bösem sehr wichtig ist, wobei es nicht immer mich persönlich betreffen muß, sondern mein Umfeld mit einbezieht.

Das Böse muss ans Licht, sonst schwelt es – wie ein Feuer unter dem Teppich – weiter. Das Böse hat die Neigung sich zu verstecken, oft unter dem Deckmantel einer logischen Ausrede. Insofern ist hier Widerspruch und Aufdeckung der Halbwahrheiten (nette Umschreibung von Lügen) wichtig. Das Aufdecken der Lüge ist geschehen. Aber wie geht es für Dich weiter?

Eine Verletzung muss aufgedeckt werden, sonst kann sie nicht verbunden werden. Aus Deinen Worten lese ich seelischen Schmerz: Du wolltest von Deinem Vater geliebt werden und bekamst Lieblosigkeit. Der Schmerz ist fühlbar. Die Verletzung ist erkannt. Die Leser verstehen Dich. Nur können wir Dich kaum langfristig wirksam verbinden. Unser Zuspruch ist schon in wenigen Wochen vergessen, was völlig normal ist.
Wie Du gelesen hast, bin ich Christ. Daher kenne ich Gottes Möglichkeit, uns Menschen zu trösten und unseren Schmerz nicht nur zu verstehen, sondern auch eine seelische Verletzung zu verbinden. Es ist meine persönliche Erkenntnis, die vermutlich nicht Deine Erkenntnis ist. Ich denke, Du kannst alles, was Du über Erkenntnis geschrieben hast, auch auf Dich selbst beziehen. Wie heisst es so schön? „Die Wahrheit (auch die Wahrheit über uns selbst) wird uns frei machen.“ Gott spricht von unserer Schuld Ihm gegenüber. Und wir Menschen verhalten uns oft gerne wie Dein Vater Dir gegenüber, dass wir logische Erklärungen suchen, unsere Schuld nicht (ein-) sehen zu müssen. Man kann sich nur selbst ändern.
Und Änderung setzt voraus, dass wir Fehler und Schuld auch bei uns sehen. Beurteilen wir bei uns als „alles gut“, entsteht auch kein Wunsch nach Änderung. Es geht mir dabei weniger um etwaige Schuld Deinem Vater gegenüber, das kann ich nicht beurteilen. Es geht mir mehr um eine grundsätzliche Betrachtung. Du möchtest, dass der Schuldige, Dein Vater, Dein Angebot auf Liebe annimmt, dass er dazu mit einem Schuldanerkenntnis startet. Das ist für mich sehr logisch und auch richtig. Das Gleiche gilt aber auch für das Verhältnis Mensch zu Gott. Gott möchte unsere Verletzungen verbinden, uns heilen und uns den Frieden geben, den wir oft vergeblich suchen. Wir müssen nur Sein Angebot abnehmen – und sollten uns nicht so verhalten, wie Du es bei Deinem Vater als falsch beobachtet hast: „auf einem hohen Roß“ sitzen, nach Ausreden suchen. Oder wie siehst Du das?

LG, Nordrheiner

 
Kleiner Nachtrag: Rache, auch berechtigte Rache, ist ein Gift, dessen negative Folgen (auch für uns) wir kaum kontrollieren können. Dein kleiner Rachegedanke "...dass er sich schlecht fühlt" ist sehr verständlich, aber nicht hilfreich. Es ist für viele Menschen unerträglich, dass Menschen, die Schlechtes tun, sich dabei evt. nicht strafbar machen oder nicht erwischt werden, nicht der Gerechtigkeit zugeführt werden. Aber dem ist nicht so. Nur - wir müssen (und können oft auch nicht) in jedem Fall die Gerechtigkeit herstellen. Damit kann ich leben, denn ich baue auch in diesem Punkt auf Gott.
LG, Nordrheiner
 
Ich glaube, es bringt überhaupt nichts, ein Schuldeingeständnis "erzwingen" zu wollen. Das muss von der Person selbst kommen. Und im Zweifel wird es bei einem 80-Jährigen eben nicht mehr kommen. Ein solcher Mensch hat sich über ein langes Leben hinweg Mechanismen aufgebaut, die man nicht ohne Weiteres aufgibt und teilweise auch gar nicht mehr aufgeben kann.

Hallo Gast,

ich will kein Schuldeingeständnis erzwingen, das geht natürlich nicht. Ich habe bisher versucht, ihn mit Argumenten zu überzeugen. Ich werde auch nochmal einen Versuch machen, meine Position zu erklären und mit Zitaten aus der Fachliteratur zu belegen ... wird aber wohl nichts bringen.

Ich verstehe dich sehr gut. Ich weiß, wie es ist, wenn man sich danach sehnt, dass der andere einfach nur einmal von Herzen sagt: Bitte verzeih mir, ich weiß, ich habe große Fehler gemacht, die ich heute nicht mehr tun würde.

Das tut mir wirklich Leid für dich ... bei dir ist es also endgültig aussichtslos? 🙁

Und irgendwann muss man sich im Leben auch hinstellen und sagen: Es war, wie es war. Es bringt mir nichts, weiter in der Vergangenheit zu verharren. Damit schade ich nur mir selbst am meisten.

Was du dich natürlich fragen solltest, inwieweit dir der Kontakt zu deinem Vater guttut. Ich denke, diesen Kontakt solltest du sorgfältig dosieren. Es hat keinen Sinn, wenn man alte Wunden immer wieder aufs Neue aufreißt. Dann kommst du nie aus diesem Teufelskreis heraus.

Ich glaube nicht, dass ich in der Vergangenheit verharre. Ich habe meine Arbeit, meine Interessen, meine Kontakte ... und ich probiere seit Jahren, mit meinen Eltern eine tragfähige Basis herzustellen - insofern es mir dabei gut geht. Das hat auch lange Kontaktabbrüche beinhaltet.

Heute kam mir zum ersten Mal der Gedanke: Ich habe keine eigenen Kinder, wollte ich auch nie - aber in gewissem Sinne habe ich eben doch Kinder: Meine Eltern. Natürlich versuche ich nicht, mich in ihr Leben einzumischen, es geht immer nur um den Kontakt zwischen mir und ihnen - so geht ihr mit mir nicht um, und so auch nicht ... und so auch nicht, und so ebenfalls nicht! Es kommt ein Übergriff von ihrer Seite, ich bin sehr verletzt, sehr wütend, ich weine, dann beruhige ich mich langsam wieder, schreibe die fälligen Mails, lese, evtl. muss der Kontakt abgebrochen werden, weil es nicht anders geht. Dann kapieren sie was und verhalten sich respektvoller, dann kommt die nächste Runde ...
So langsam machen sie sich ;->

Aber es kann natürlich sein, dass dies der Endpunkt zwischen meinem Vater und mir ist. 🙁
 
Liebe TE!

Vielen Dank für Deine persönliche Ansprache an meine Person.
Ich möchte Dir wieder versichern, daß mir Deine Ansichten in Deinen vorhergehenden Beiträgen schon insofern gefallen, da ich daraus schließe, daß Du nicht total verbittert bist, daß meine Schreiberei bei Dir gut angekommen ist, da Du ja Dir selber schon Gedanken um das Thema, was ich schrieb gemacht hast.

Ich denke, daß er, obwohl er sich wehrt gegen Deine Vorwürfe, sich trotzdem damit innerlich beschäftigt, da Du ihm gesagt hast, daß Du nicht nur im Erinnerungsempfinden eine gänzlich andere Sicht auf sein Verhalten hast als er, sondern aus heutiger Sicht immer noch, genau so wie damals, seinen Mangel an Liebe fühlst, daß Du es heute noch von ihm doppelet fühlst, weil er heute noch solche Sachen sagt, wie "Du hättest als kleines Kind dem ollen Vater gegenüber stärker gewesen sein sollen", wie schwer Dich das heute noch immer so verletzt: sage es ihm, weil Du heute, wie damals, liebebedürftig bist und bedüftig zu verzeihen, aber es durch sein Verhalten Dir so schwer fällt. Das könntest Du ihm ruhig und mit Stolz sagen. Warum nicht?

Falls Du es noch nicht hast, so sage (schreib) ihm doch, was er heute anders machen - anders s a g e n - könnte. Beschränke Dich besser auf das Wesentliche, wie Du es uns darlegst.

Wie Du schreibst, verletzt Dich seine Ansprache noch immer oder wieder. So wird es wohl besser sein, wenn Du den Kontakt zumindest einschränkst. Aber Du weißt es nicht, ob Du am Ende zufrieden bist mit dem Kontaktabbruch, (ich wüßte es nicht von mir selber,) deshalb würde ich ihn nicht ankündigen.

Ich bin in Gedanken bei Dir, Du wirst Dir an Rat nehmen, wie es nach Deinem Gefühl paßt, daß weiß ich durch Deine Schilderungen.

Ich bin nicht gläubig, aber trotzdem habe ich so viel erlebt, daß ich glaube: das kann nicht alles Zufall sein. Ab und zu ist das Schiksal (in Friedenszeiten) gerecht, nur leider stören Menschen viel zu oft die Gerechtigkeit. Sage Deinem Vater die Wahrheit so, daß Du selber damit zufrieden bist. Deine eigene Zufriedenheit ist jetzt das Maß aller Dinge. Oder wie siehst Du das?

FG Gelinda
 
Hallo Gast,
es geht anscheinend irgendwie ausschließlich darum, was Du von "ihm" erwartest... und wie Du Dich in Deiner
Vergangenheit gefühlt hast und dafür wünscht Du Dir Gerechtigkeit.
So zumindest verstehe ich Deine Beiträge.

Lass sie ruhen die Vergangenheit - es läßt sich eh nichts mehr daran ändern.
Wünsch Dir, daß Du für Dich einen Weg findest, mit all dem was in der Vergangenheit passierte, in Ruhe und Frieden
leben kannst und daß es zwischen Dir und Deinem Vater eine liebevolle gemeinsame Gegenwartszeit gibt, in der
ihr Euch in Ruhe und Frieden begegnen könnt.
Du braucht nicht die Gespräche mit ihm, um inneren Ruhe und inneren Frieden zu finden.

Er ist 80 Jahre alt und kommt aus einer völlig anderen Generation und einem völlig anderem gesellschaftlichen Leben.
Er ist und wird immer ein Kriegskind bleiben und das damit Erlebte in sich tragen. All das hat in seinem Leben
Spuren in seiner Seele hinterlassen.
Und Du bist ein Nachkriegskind dieser Kriegskindergeneration - und auch das schließt damit verbundene Prägungen
und seelisches Leid nicht aus.

Seh nicht "nur" Dich - sondern auch ihn mit dem, was sein ganzes Leben ausmacht.

Ich wünsch Dir Vertrauen, Hoffnung, Zuversicht, Güte, Zufriedenheit, Ruhe und Frieden für all das, was für Dich
an weiteren Lebensjahren folgt.
Schau nach vorne.

alles Liebe
gaestin
 
Hallo Gast, (Beitrag heute, 00🤐7)

danke für deinen Beitrag.

Für mich gilt voll und ganz der Satz: Kein Frieden ohne Gerechtigkeit. Ich kann nicht anders. Wenn ich mich dazu zwingen würde, so zu tun, als wenn alles in Ordnung wäre zwischen meinem Vater und mir, dann würde ich innerlich immer wieder kochen vor Wut und Schmerz, weil ich dann rein äußerlich anerkennen würde, dass es ausschließlich meine Gene waren, die meine Krankheiten verursacht haben und dass es wirklich meine Pflicht gewesen wäre, mich öfters gegen ihn zu wehren und noch mehr Schläge und Abneigung zu kassieren. Es ist einfach nicht wahr, was er sagt und was er will.
Die Vergangenheit ist vorbei, aber deren Schatten nicht - ich leide heute noch unter den Folgen, und er will heute noch, dass ich alle Schuld auf mich nehme und ihn freispreche. Offensichtlich können andere Leute das tun. Sie sind vermutlich anders gestrickt sind als ich.

Ich habe mittlerweile ja eingesehen, dass er in den 1960er Jahren kaum eine Chance gehabt hätte, sich anders zu verhalten. Ich habe einen Schritt auf ihn zu gemacht. Aber ich bin nicht der Meinung, dass seine Generation sich generell gar nicht weiterentwickeln kann.

Ich habe mich eben wieder an ein Buch erinnert - durch deinen Beitrag -, das ich letztes Jahr gekauft habe. Hartmut Radebold: "Abwesende Väter und Kriegskindheit. Alte Verletzungen bewältigen" Ich hatte eine Radiosendung gehört, die mich unglaublich beeindruckt hat. (Podcast: http://mp3-download.swr.de/swr2/tan.../swr2tandem-20130821-kriegskindheit.6444m.mp3) Ein Feature und Interview mit Hartmut Radebold, seiner Frau, seiner Tochter und seinem Sohn. Radebold selber ist ein Kriegskind, etwa im Alter meines Vaters. R.s Vater starb an Kriegsverletzungen. Die Mutter ließ ihre Tränen nicht zu. Der Sohn erstarrte. Radebold wuchs unter den ständigen emotionalen Ansprüchen seiner Mutter und mehrerer Tanten auf. Er studierte Medizin und wurde Psychoanalytiker. In seiner eigenen Analyse schaffte er es, sich von den Frauen in seiner Familie zu distanzieren, er heiratete und bekam Kinder. Wie ein Vater sich gegenüber seinen Kindern verhält, wusste er nicht. Die Tochter versuchte oft, seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, aber der Vater blieb uninteressiert an ihr. Sie wurde psychisch krank. Durch ein Forschungsprojekt fing Radebold an, sich mit der Psychotherapie älterer Patienten zu beschäftigen. In seine Praxis kamen Anfang der 1990er Jahre vermehrt ehemalige Kriegskinder, bei denen die Trauer um die Väter hoch kam - und Radebold merkte, dass er selber immer trauriger und depressiver wurde. Es ging in den Therapien um abwesende Väter und die Kriegskindheit, und endlich spürte er seine eigene Trauer um den verlorenen Vater und die Leerstelle in seinem Leben. Es folgte ein intensiver Verarbeitungsprozess. Diskussionen mit seiner Tochter und schließlich ein Riesenkrach, nach dem beide weinten. Heute scheint sein Verhältnis mit seiner Tochter sehr gut zu sein, und es scheint auch ihm selber besser zu gehen.

Vermutlich werden die meisten Männer, die im Krieg ihre Väter verloren, diesen Weg nicht gehen. Aber er ist möglich. Man kann nicht von vornherein sagen, dass es unmöglich ist.
Ich werde meinem Vater unter anderem dieses Buch und den Podcast schenken. Sein Vater ist für ihn auch nie wirklich da gewesen, und seine Mutter hatte auch überhöhte Ansprüche an ihn.

Vielleicht bewegt sich doch was ...
 
Hallo bird on the wire,

danke für deinen Beitrag. Ich finde wirklich schlimm, was deine Mutter mit dir gemacht hat. Wenn du bezüglich deiner Mutter wirklich Frieden hast, dann ist das der richtige Weg für dich. Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, ob ein Mensch wirklich so geschädigt sein kann, dass er alle Zeichen dafür, dass er seinem Kind seinerseits Schaden zufügt, "übersieht" und seine Sinneseindrücke sofort ins Unbewusste gehen. Ja, vermutlich gibt es das. Wenn es Leute gibt, die im Wahn jemanden umbringen, dann muss es auch alle Zwischenstufen zwischen hellwach und völlig umnachtet geben. Dass mein Vater absolut nicht gemerkt hat, dass es da Dinge gibt, die er verdrängt, glaube ich nicht. Er hatte z. B. immer die Erinnerung, dass er selber unter seinem Vater gelitten hat.

Ich weiß nicht, ob dir das recht ist ... ich habe einen alten Thread von dir gelesen, in dem es vor allem um deine Mutter ging. Habe viel Mitgefühl (nicht Mitleid) mit dir empfunden. Ich weiß nicht, ob deine Mutter immer noch deine einzige Verwandte ist, mit der du Kontakt hast. Vielleicht ist es wirklich so, dass du deiner Mutter 100 %ig verziehen hast. Vielleicht ist es aber so, dass du deine Wut verdrängt hast - ich kann es nicht wissen.
Ich kenne seit langer Zeit zwei Frauen, die sehr unter den Folgen ihrer Kindheitserlebnisse mit den Eltern gelitten haben. Beide haben jahrelang ihren Eltern verziehen, haben mit Liebe und Güte an ihre Eltern gedacht. Beide wollten auch lange Zeit keine Psychotherapie machen - "sowas hab ich nicht nötig, es geht auch ohne". Sie haben sich zu viel zugemutet und waren dann irgendwann so kraftlos und krank, dass sie in die Psychiatrie mussten. Erst ab dem Zeitpunkt kamen sie auch an ihre tieferen Schichten und an ihre Wut heran, und heute haben sie beide den Kontakt zu einem Elternteil abgebrochen.
 
Hallo Nordrheiner,

danke für deinen Beitrag. Ich sehe aber "das Böse" anders als du, und ich habe meine eigenen Vorstellungen von positiver Energie und einem göttlichen "Etwas" - das ich auf meine Weise auch suche. Möchte in diesem Thread jedoch nicht über Gott oder Religion diskutieren.
 
Kleiner Nachtrag: Rache, auch berechtigte Rache, ist ein Gift, dessen negative Folgen (auch für uns) wir kaum kontrollieren können. Dein kleiner Rachegedanke "...dass er sich schlecht fühlt" ist sehr verständlich, aber nicht hilfreich. Es ist für viele Menschen unerträglich, dass Menschen, die Schlechtes tun, sich dabei evt. nicht strafbar machen oder nicht erwischt werden, nicht der Gerechtigkeit zugeführt werden. Aber dem ist nicht so. Nur - wir müssen (und können oft auch nicht) in jedem Fall die Gerechtigkeit herstellen. Damit kann ich leben, denn ich baue auch in diesem Punkt auf Gott.
LG, Nordrheiner

Letztendlich bist du eben doch für Rache ... du hoffst, dass Gott "für Gerechtigkeit" sorgt. Es stimmt, dass Rachegedanken etwas Zwiespältiges sind, die auch Auswirkungen auf uns haben. Aber Ungerechtigkeiten tun eben auch weh. Und was unser Rechtssystem betrifft: Da nennt man es nicht "Rache", sondern etwas vornehmer "Genugtuung", die beim Strafmaß berücksichtigt werden soll - zumindest bei manchen Strafen. Also ganz ohne den Gerechtigkeitsgedanken kommt die Gesellschaft bei Verfehlungen nicht aus.
 

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