Marvin96
Neues Mitglied
Triggerwarnung (Verlust und Schicksalsschläge)
Hallo, ich wollte hier einfach mal was los werden. (Ich möchte kein Mitleid, ich möchte das einfach raushauen)
Aktuell bin ich 30 Jahre alt. Mit 14 Jahren habe ich meine Mutter verloren. Ab diesem Zeitpunkt hat sich alles verändert. Davor waren wir eine ganz normale Familie mit noch zwei Brüdern, Stiefvater, Oma, Patentante und so weiter. Familiengeburtstage, Weihnachten, eigener Geburtstag und so weiter.
Meine Oma ist dann auch 1,5 Jahre später von uns gegangen. Die ganze familiäre Struktur ist auseinander gebrochen. Meine Mutter war irgendwie der Anker, der das meiste zusammen gehalten hat. Ich hab mit 15 auch gleich eine Ausbildung begonnen. Die weiteren Jahre waren herausfordernd, aber auch weil ich keine Bezugsperson hatte bzw. auch jetzt nicht habe.
Ich habe auch zwei Ausbildungsberufe abgeschlossen, mein Fachabi nachgeholt und arbeite auch Vollzeit. Meine Patentante hat sich dem Alkohol hingegeben und ist vor 2 Jahren gestorben. Ich konnte nie den Kontakt wieder aufbauen, weil ich gesehen habe, dass sie vom Alkohol nicht wegkommt. Sie hat versucht Kontakt aufzubauen. Ich bin glaub auch aus Schutz nicht hin, weil ich selbst viel gefeiert und Alkohol getrunken habe, um unterbewusst damit klarzukommen. Was ich erst jetzt realisiere.
Ich war auch der Einzige, der dann noch Kontakt mit meinem richtigen Vater hatte. Er hatte 2022 Bauchspeicheldrüsenkrebs bekommen und ich war einer von zwei Menschen, die davon wussten (seine Frau und ich). Und ich wusste einfach nicht, was das bedeutet. Ich dachte irgendwie wird das wieder. Aber ich hatte einfach niemanden zum Reden. Er ist dann auch gestorben.
Letztes Mal wollte ich diesen Text verfassen und in das Forum stellen, und da erschien mir alles klar, wie ich den Text schreiben möchte. Jetzt springe ich von Gedanken zu Gedanken, was ich noch alles schreiben soll oder will, damit das rüberkommt, wie ich still und leise leide bzw. gelitten habe.
Wir haben nie über irgendeinen Tod gesprochen. Auch nicht als ich 14 oder älter war. Jeder war irgendwie beschäftigt, alles Mögliche hinzubekommen. Geld hatten wir auch nicht viel.
Ich weiß auch nicht. Ich habe sehr starke Probleme, Verbindungen mit Menschen herzustellen oder eine Familie mit meiner Partnerin zu gründen. Weil ich mit 25 mit allem abgeschlossen habe, dass ich auf keinen Fall eine Familien gründen werde. Auch wenn ich Kinder sehe, triggert dass die Zeit wo ich selbst 14 Jahre und älter war. Ich kann das einfach nicht, weil ich für Menschen die mir was bedeuten, dann auch gleichzeitig nichts fühlen möchte.
Das Problem ist auch, ich bin 1h 20mim von meiner Heimat nach Würzburg gezogen vor 7,5 Jahren. Weil ich in Würzburg was aufbauen wollte, auch neue Freunde finden. Aber ich habe es nie geschafft weil ich mich immer so alleine gefühlt habe und die Heimat hat mich nicht los gelassen. Da hatte ich trz Leute mit denen ich trinken konnte und so weiter. Es ist von meiner Heimat eigentlich auch fast nie einer besuchen gekommen. Ich musste immer in die Heimat fahren. Und jetzt mit meiner Freundin in der Heimat ist es noch komplizierter geworden. Ich möchte hier neue Erfahrungen machen, aber ich kann nicht weil ich eigentlich zu meiner Freundin in die Heimat ziehen muss und auch Familien gründen muss weil ich sie sonst verliere. Aber meiner Heimat ist alles schlechte passiert und wirkliche wahre Freunde habe ich da auch nicht, nur oberflächliche Freundschaften... Ach keine Ahnung ... 🙁
Seit zwei Jahren bin ich in Therapie. Bin jetzt bei der zweiten. Aber ich habe das Gefühl, dass ich nicht weiß, was richtig ist. Weil ich die letzten 16 Jahre einfach im Automodus gefahren bin.
Alles Schlechte habe ich abgeschaltet, verdrängt, ertränkt, verraucht oder irgendwas in die Richtung.
Auch mit den Leuten um mich herum hatte ich nicht das Gefühl, dass ich da einfach mal alles raushauen kann. Weil mich eh keiner versteht. Und mit Anfang 20 hatte einfach niemand die Probleme, die man in der "Regel" erst mit 50 bekommt.
Mit jeder Situation, egal welcher, bin ich selbst damit in den Kampf gegangen. Ich hatte niemanden, der mir mal einen Spiegel vor das Gesicht hält oder meine Emotionen reguliert. Sei es eine Trennung gewesen, wenn ich mal wieder über den Durst getrunken habe, oder mit einer Frau geschlafen habe und mich danach geschämt habe, oder wenn ich etwas nicht wollte, aber trotzdem gemacht habe. Oder oder oder.
Ich habe viel getan, damit ich gut nach außen ankomme. Viel getan, damit mich jemand wahrnimmt. Selbst wenn es mir selbst nicht gut getan hat.
Viele von der Arbeit beschreiben mich als glücklichen Menschen, sympathisch, immer am Lachen. Aber die meisten wissen nicht, was für einen Kampf ich seit Jahren führe. Und diejenigen, denen ich mal davon erzählt habe, hätten das nie gedacht, weil ich immer lache.
Ich wünschte, ich könnte die letzten 16 Jahre in einen Kurzfilm zusammenfassen, damit einfach irgendjemand versteht, wie es mir geht. Ich habe in jungen Jahren zu viel Verantwortung tragen müssen, die ich einfach nicht wollte.
Es ist schon lange keine Familie mehr da, mit der man über alte Erinnerungen redet, Geburtstage feiert, Weihnachten zusammen feiert oder den eigenen Geburtstag feiert. Mit niemand besteht ein Kontakt.
Es gibt noch so viele Dinge zwischen den Zeilen, bei denen ich absolute Vernachlässigung gespürt habe und mir gewünscht hätte, dass jemand da gewesen wäre, der mir irgendeine Richtung gezeigt hätte. Ich wünschte dass ich mit 16 schon angefangen hätte, darüber zu reden. Durch die lange zeit habe ich mir viele schlechte dinge angeeignet, die mich schon seit jahren im Leben ausbremsen und nicht mein Potenzial voll und ganz ausschöpfen lässt. Ich weis einfach nicht ob ich wirklich meine Vergangenheit akzeptieren soll und mehr in der Gegenwart leben muss.
Manchmal frage ich mich heute, ob ich überhaupt jemals richtig getrauert habe oder ob ich einfach immer nur funktioniert habe.
Danke fürs Lesen.
Liebe Grüße
Hallo, ich wollte hier einfach mal was los werden. (Ich möchte kein Mitleid, ich möchte das einfach raushauen)
Aktuell bin ich 30 Jahre alt. Mit 14 Jahren habe ich meine Mutter verloren. Ab diesem Zeitpunkt hat sich alles verändert. Davor waren wir eine ganz normale Familie mit noch zwei Brüdern, Stiefvater, Oma, Patentante und so weiter. Familiengeburtstage, Weihnachten, eigener Geburtstag und so weiter.
Meine Oma ist dann auch 1,5 Jahre später von uns gegangen. Die ganze familiäre Struktur ist auseinander gebrochen. Meine Mutter war irgendwie der Anker, der das meiste zusammen gehalten hat. Ich hab mit 15 auch gleich eine Ausbildung begonnen. Die weiteren Jahre waren herausfordernd, aber auch weil ich keine Bezugsperson hatte bzw. auch jetzt nicht habe.
Ich habe auch zwei Ausbildungsberufe abgeschlossen, mein Fachabi nachgeholt und arbeite auch Vollzeit. Meine Patentante hat sich dem Alkohol hingegeben und ist vor 2 Jahren gestorben. Ich konnte nie den Kontakt wieder aufbauen, weil ich gesehen habe, dass sie vom Alkohol nicht wegkommt. Sie hat versucht Kontakt aufzubauen. Ich bin glaub auch aus Schutz nicht hin, weil ich selbst viel gefeiert und Alkohol getrunken habe, um unterbewusst damit klarzukommen. Was ich erst jetzt realisiere.
Ich war auch der Einzige, der dann noch Kontakt mit meinem richtigen Vater hatte. Er hatte 2022 Bauchspeicheldrüsenkrebs bekommen und ich war einer von zwei Menschen, die davon wussten (seine Frau und ich). Und ich wusste einfach nicht, was das bedeutet. Ich dachte irgendwie wird das wieder. Aber ich hatte einfach niemanden zum Reden. Er ist dann auch gestorben.
Letztes Mal wollte ich diesen Text verfassen und in das Forum stellen, und da erschien mir alles klar, wie ich den Text schreiben möchte. Jetzt springe ich von Gedanken zu Gedanken, was ich noch alles schreiben soll oder will, damit das rüberkommt, wie ich still und leise leide bzw. gelitten habe.
Wir haben nie über irgendeinen Tod gesprochen. Auch nicht als ich 14 oder älter war. Jeder war irgendwie beschäftigt, alles Mögliche hinzubekommen. Geld hatten wir auch nicht viel.
Ich weiß auch nicht. Ich habe sehr starke Probleme, Verbindungen mit Menschen herzustellen oder eine Familie mit meiner Partnerin zu gründen. Weil ich mit 25 mit allem abgeschlossen habe, dass ich auf keinen Fall eine Familien gründen werde. Auch wenn ich Kinder sehe, triggert dass die Zeit wo ich selbst 14 Jahre und älter war. Ich kann das einfach nicht, weil ich für Menschen die mir was bedeuten, dann auch gleichzeitig nichts fühlen möchte.
Das Problem ist auch, ich bin 1h 20mim von meiner Heimat nach Würzburg gezogen vor 7,5 Jahren. Weil ich in Würzburg was aufbauen wollte, auch neue Freunde finden. Aber ich habe es nie geschafft weil ich mich immer so alleine gefühlt habe und die Heimat hat mich nicht los gelassen. Da hatte ich trz Leute mit denen ich trinken konnte und so weiter. Es ist von meiner Heimat eigentlich auch fast nie einer besuchen gekommen. Ich musste immer in die Heimat fahren. Und jetzt mit meiner Freundin in der Heimat ist es noch komplizierter geworden. Ich möchte hier neue Erfahrungen machen, aber ich kann nicht weil ich eigentlich zu meiner Freundin in die Heimat ziehen muss und auch Familien gründen muss weil ich sie sonst verliere. Aber meiner Heimat ist alles schlechte passiert und wirkliche wahre Freunde habe ich da auch nicht, nur oberflächliche Freundschaften... Ach keine Ahnung ... 🙁
Seit zwei Jahren bin ich in Therapie. Bin jetzt bei der zweiten. Aber ich habe das Gefühl, dass ich nicht weiß, was richtig ist. Weil ich die letzten 16 Jahre einfach im Automodus gefahren bin.
Alles Schlechte habe ich abgeschaltet, verdrängt, ertränkt, verraucht oder irgendwas in die Richtung.
Auch mit den Leuten um mich herum hatte ich nicht das Gefühl, dass ich da einfach mal alles raushauen kann. Weil mich eh keiner versteht. Und mit Anfang 20 hatte einfach niemand die Probleme, die man in der "Regel" erst mit 50 bekommt.
Mit jeder Situation, egal welcher, bin ich selbst damit in den Kampf gegangen. Ich hatte niemanden, der mir mal einen Spiegel vor das Gesicht hält oder meine Emotionen reguliert. Sei es eine Trennung gewesen, wenn ich mal wieder über den Durst getrunken habe, oder mit einer Frau geschlafen habe und mich danach geschämt habe, oder wenn ich etwas nicht wollte, aber trotzdem gemacht habe. Oder oder oder.
Ich habe viel getan, damit ich gut nach außen ankomme. Viel getan, damit mich jemand wahrnimmt. Selbst wenn es mir selbst nicht gut getan hat.
Viele von der Arbeit beschreiben mich als glücklichen Menschen, sympathisch, immer am Lachen. Aber die meisten wissen nicht, was für einen Kampf ich seit Jahren führe. Und diejenigen, denen ich mal davon erzählt habe, hätten das nie gedacht, weil ich immer lache.
Ich wünschte, ich könnte die letzten 16 Jahre in einen Kurzfilm zusammenfassen, damit einfach irgendjemand versteht, wie es mir geht. Ich habe in jungen Jahren zu viel Verantwortung tragen müssen, die ich einfach nicht wollte.
Es ist schon lange keine Familie mehr da, mit der man über alte Erinnerungen redet, Geburtstage feiert, Weihnachten zusammen feiert oder den eigenen Geburtstag feiert. Mit niemand besteht ein Kontakt.
Es gibt noch so viele Dinge zwischen den Zeilen, bei denen ich absolute Vernachlässigung gespürt habe und mir gewünscht hätte, dass jemand da gewesen wäre, der mir irgendeine Richtung gezeigt hätte. Ich wünschte dass ich mit 16 schon angefangen hätte, darüber zu reden. Durch die lange zeit habe ich mir viele schlechte dinge angeeignet, die mich schon seit jahren im Leben ausbremsen und nicht mein Potenzial voll und ganz ausschöpfen lässt. Ich weis einfach nicht ob ich wirklich meine Vergangenheit akzeptieren soll und mehr in der Gegenwart leben muss.
Manchmal frage ich mich heute, ob ich überhaupt jemals richtig getrauert habe oder ob ich einfach immer nur funktioniert habe.
Danke fürs Lesen.
Liebe Grüße
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