ja. als kind sollst du deine eltern ehren und ihnen gehorchen. du musst dankbar sein und respekt haben. glaube nicht das es eine rolle spielt denn das ist auch im islam so. weiß nicht wie es für atheisten ist mit der erziehung.
nicht weniger wert, aber eltern bestimmen weil sie es besser wissen. als kind weiß man ja gar nicht was gut und was schlecht ist. mein vater hat immer alles bestimmt und ich habe genau das gemacht. und es war normal. aber seit ich älter bin zweifel ich an so vielen dingen die er so sagt. ich kann mit ihm nicht diskutieren aber ich habe meistens eine andere meinung. ich mag religion nicht. der zwang zu glauben egal welcher glaube. alles was geschrieben steht, egal ob bibel oder koran kann man auslegen wie man möchte. bin ein heuchler, weil ich so tue als ob ich glaube.
Ich denke, dass deine Sichtweise vor allem durch deine Erziehung entstanden ist. Dein Vater hatte die fast unumschränkte Macht in deiner Erziehung, er hat dich schon als sehr kleines Kind geschlagen, und du hast erlebt, dass deine Mutter sich fast immer nach ihm gerichtet hat. Du hast im Beitrag #163 geschrieben, dass er eigentlich nicht droht, aber doch manchmal damit, dass es „Ärger“ gibt. Meinst du damit auch Schläge? Ob er dich schon beschimpft und verbal niedergemacht hat, als du klein warst, weiß ich nicht, aber für mich ist klar, dass du in irgendeiner Weise von Anfang an klein gemacht worden bist. Du schreibst, dass du viele Jahre genau das gemacht hast, was dein Vater gesagt hat. Entweder hattest du Angst vor ihm, oder er hat dir durch Belehrungen eingeimpft, dass man sich nicht so verhalten kann, wie du es getan hast. Dass das falsch, unehrerbietig, nicht respektvoll ist. Dass „man“ sich als Kind nicht so verhält. Dass du schlecht bist, wenn du nicht gehorchst. So lange, bis du Schuldgefühle entwickelt hast, wenn du nicht gehorcht hast.
Kleine Kinder glauben ihren Eltern alles oder fast alles, weil sie nichts anderes kennen. Sie haben keinen Vergleich. Anfangs sind die Eltern für ihre Kinder sowas wie Götter. Wenn sie dann größer sind, also vielleicht 8 - 10, sind sie es schon total gewöhnt, so zu denken, weil die Eltern sie durch ihr Vorbild und durch die Wiederholungen davon, was ihrer Meinung nach richtig und falsch ist, die Kinder in eine bestimmte Richtung dirigiert haben. Alles, was du gedanklich oft wiederholst, gibt im Gehirn immer stärkere Nervenverknüpfungen. Mit der Zeit entstehen richtige Autobahnen im Gehirn – du hast etwas schon hunderte Male gedacht, dein Umfeld bestätigt dir das, und du bist immer mehr davon überzeugt, dass es richtig ist. Obwohl es nur Gewöhnung ist.
Deswegen hast du früher geglaubt, dass alles richtig ist, was dein Vater dich in Bezug auf Familie gelehrt hat. Und ich denke, dass du deshalb auch heute glaubst, dass Eltern manches besser wissen bzw. sehr viel Respekt verdienen. Außerdem hast du vermutlich nicht erlebt, wie man mit kleinen Kindern, z. B. im Kindergartenalter oder auch später, in liebevollen und gesunden Familien umgeht.
Ja, Eltern wissen natürlich fast alles besser, wenn es sich um ein Baby handelt. Aber schon Babys wissen manches besser als ihre Eltern: Wenn sie Hunger oder Durst haben, wenn ihnen zu heiß oder zu kalt ist, wenn sie das Bedürfnis nach Kontakt haben, wenn ihnen langweilig ist etc. Ja, auch Babys können Langeweile haben. Kinder, mit denen man liebevoll umgeht, wissen durch die Gespräche mit ihren Eltern und aufmerksamen Bezugspersonen immer besser, was sie gerade brauchen. Das ist wichtig, denn echte Bedürfnisse müssen erfüllt werden, Wünsche nicht unbedingt. Das heißt, wir wissen heute durch die Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie und besonders der Bindungsforschung sehr viel besser als früher (besser als vor 30 Jahren und früher), was Kinder wirklich brauchen. Ich denke, Jesper Juul, der berühmte dänische Familientherapeut, hat bestätigt, welcher Erziehungsstil der beste für Kinder ist: nämlich eine Art der Erziehung, in der die Bedürfnisse der Kinder erfüllt werden, in der es einen ständigen Dialog gibt, eben keinen Monolog der Eltern, bei der die Eltern aber wie Leitwölfe führen. Nennt sich die autoritative Erziehung (
nicht die autoritäre!): Eltern und Kinder sind gleichwürdig (haben nicht die gleichen Rechte, aber den gleichen Wert), und die Eltern müssen dafür sorgen, dass alle Familienmitglieder bekommen, was sie brauchen. Das heißt Aufmerksamkeit, Zuhören, Zusehen, Hilfe bei Problemen, wenn die Kinder allein nicht weiterkommen, zusammen spielen, geistige Orientierung bieten etc. Die Eltern stehen zwar über den Kindern, weil sie viel mehr Erfahrung haben, aber die Persönlichkeiten der Kinder müssen genauso respektiert werden wie die der Eltern. Von Anfang an.
Z. B. können Kindergartenkinder schon selbst entscheiden, was sie anziehen wollen, und wenn sie für das Wetter unpassende Kleidung anziehen, werden sie dadurch lernen, was in dem Fall sinnvoll ist und was nicht. Wenn das Kind nicht kuscheln will, müssen die Eltern das respektieren. Eine müde Mutter kann von der Arbeit nach Hause kommen und zu ihrer Fünfjährigen sagen: „Ja, ich weiß, du willst jetzt mit mir spielen, aber ich brauche jetzt eine halbe Stunde Ruhe. Dann spiele ich mit dir.“ (Während der Vater noch weiter Hausarbeit erledigt, bis die Mutter mitmacht.) - Es geht also auch um Kompromisse.
Die Kinder lernen von den Eltern, und die Eltern lernen von den Kindern. Die Kinder lehren die Eltern, wie unterschiedlich Kinder sind, sie zwingen die Eltern dazu, sich weiterzuentwickeln, denn die Kinder kritisieren die Eltern in einer autoritativen Familie natürlich auch, oder sie protestieren auf unbewusste Weise.
Jesper Juul, der der vermutlich beste Familientherapeut Europas war und viele Bücher geschrieben hat, hat die Grundpfeiler einer funktionierenden Familie formuliert: 1. Gleichwürdigkeit, 2. Persönliche Integrität, 3. Authentizität, 4. Persönliche Verantwortung.
Zu 1. hab ich was geschrieben, zu 2.: bedeutet, dass ein Kind nicht verbogen werden darf, sondern dass sich seine Persönlichkeit entfalten soll. 3. Die Eltern müssen dafür sorgen, dass die Persönlichkeit des Kindes nach außen kommuniziert werden kann. Das Kind soll die Freiheit haben, zu sagen, was es will oder nicht will. Es soll „echt“ sein dürfen. 4. Das Kind soll lernen, die persönliche Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen.
Das ist das Fundament einer gesunden Familie. Das muss so sein, wenn die Eltern wollen, dass es
allen Familienmitgliedern gut geht.
An zweiter Stelle kommen die Werte der Eltern, also die ethische, weltanschauliche, religiöse und politische Orientierung. D. h. in diesem Bereich ist jede Familie unterschiedlich.
Ich würde dir dringend raten, dir mal Videos von Jesper Juul, Karl Heinz Brisch, Nicola Schmidt, Nora Imlau oder Lieselotte Ahnert anzuschauen, Podcasts anzuhören und Interviews zu lesen. Ich hab den Eindruck, dass du dir kaum vorstellen kannst, wie frei viele Kinder in Deutschland aufwachsen. Natürlich hast du sie im Kindergarten, in der Schule und in Vereinen etc. erlebt, aber ich hab den Eindruck, dass du nicht richtig weißt, was in den Familien abläuft. Es bringt schon was, wenn man über dieses Thema kurz liest (wie diesen Beitrag), aber es ist was anderes, wenn man in Videos sieht, was diese Erwachsenen vertreten oder vielleicht sogar einige Aufnahmen aus dem autoritativen Familienleben findet.
Es gibt auch andere Erziehungsstile, z. B. den demokratischen. In dem stehen die Eltern nicht über den Kindern, sondern es sind alle gleichberechtigt, aber das kann meiner Meinung nach nicht gut funktionieren, weil dann laut Jesper Juul die Kinder früher oder später die Macht erobern. Es ist der zweitbeste Erziehungsstil, laut Studien. An dritter Stelle kommt der autoriäre oder laissez-faire-Stil, und der schlechteste ist der vernachlässigende Stil. „Gut“ oder „Schlecht“ bezieht sich hier auf ein gesundes Selbstwertgefühl, seelische Gesundheit und gute Leistungen der Kinder als Ergebnis der verschiedenen Erziehungsstile.