sie haben es mir ja nicht direkt verboten. die fragen. also er lässt mich erzählen aber dann hat er fragen und das sind teilweise fragen wegen dingen die ich absichtlich nicht sage. wenn man etwas schreibt dann steht es zwar da aber man hat es nicht ausgesprochen und es ist weniger real. leichter. hast du dich nie schuldig gefühlt wenn du schlechtes über deine eltern gesagt hast? danke.
Ich verstehe.
Wenn ich etwas nicht sagen will und danach gefragt werde, dann sage ich einfach: "Darüber möchte ich nicht sprechen/ will ich für mich behalten." Dann kann der andere in deinem Fall vielleicht ahnen, dass da was Ernstes oder Schwieriges ist, aber sie wissen es nicht.
Einmal habe ich mich schuldig gefühlt, dass ich etwas Negatives über meine Mutter erzählt habe. Aber ich denke, ich hätte mich weniger schuldig gefühlt, wenn ich es nicht der Person, sondern einer anderen erzählt hätte. Sonst nie. Ich war ja kein Gegenstand, mit dem meine Eltern 18 Jahre machen durften, was sie wollten, sie waren nicht meine Freunde.
Es gibt Bereiche, in denen meine Mutter absolut nichts dazulernen will, sie will sich nicht diagnostizieren lassen, bestimmte Therapien nicht machen, was dann negative Konsequenzen für mich und mein Geschwister hat. Sie will es in bestimmten Bereichen bequem haben, sie will sich nicht um alle ihre eigenen Angelegenheiten kümmern und darunter sollen dann andere Leute leiden, nicht sie. Und wir sind nicht die ersten, das geht eigentlich schon Jahrzehnte so. Ich werde wegen dieser Sache möglicherweise auch zu einer Beratungsstelle gehen und dort keine Sekunde Schuldgefühle haben.
Ich würde kleine Ärgernisse nicht weitererzählen, aber wenn ich sehr unter jemandem leide und der nichts einsehen will, dann würde ich anderen davon erzählen. Weil es sich dann nicht mehr um eine richtige Freundschaft handelt. Sobald es dem anderen egal ist, wie es mir mit ihm geht, ist es keine Freundschaft mehr.
Bei dir ist es ähnlich. Meiner Ansicht nach bräuchten deine beiden Eltern Psychotherapie, sie müssten ihre Kindheit und Jugend und ihr Verhältnis zu Religionen aufarbeiten, was sie aber nicht tun wollen. Es ist einfacher, sich zu sagen, dass sie selbst in Ordnung sind und diejenigen, die anders denken, falsch. Psychotherapie kann ziemlich hart sein, außerdem sind viele Leute sehr überheblich und glauben, dass SIE das doch nicht nötig hätten ... Lieber schlagen sie dich, unterdrücken dich, fragen dich nicht, wie es dir geht, anstatt sich zu fragen: Könnte es sein, dass mein Sohn unter unserem Verhalten leidet? Könnte es sein, dass wir einen grottenfalschen Weg eingeschlagen haben?
Es sind deine Eltern, sie kümmern sich um das Materielle, um deine Klamotten und Möbel (denke ich), ums Essen, um die Schule viel zu sehr - aber so, wie beide Eltern dich behandeln, sind sie dir nicht wirklich freundlich gesinnt. Sie glauben, dass sie es gut mit dir meinen - aber sie treiben dich in die Verzweiflung. Wenn du jeden Tag unterdrückt wirst, ist es keine Liebe! Sie sind dir gegenüber bestenfalls ambivalent, und Ambivalenz ist insgesamt ein Nein, kein Ja.
Die wollen nicht, dass du du selbst bleibst. Sie mögen dich nur als brave Marionette. Du hast jedes Recht der Welt, dir Hilfe zu holen!
Ich kann verstehen, dass es dir schwer fällt, über die negativen Seiten deiner Eltern zu sprechen, weil du sie zumindest manchmal magst (nehme ich an) und von ihnen geliebt werden willst. Du bist noch ziemlich nahe an ihnen dran.
Es ist das Eine, wenn Jugendliche und ihre Eltern ab und zu Zoff wegen dem Ausgehen oder ganz schlechter Noten haben. Aber es ist etwas ganz anderes, wenn sie von dir verlangen, dass du deine Persönlichkeit total verbiegst!
Meiner Ansicht nach sind deine Eltern deine größten Feinde. Auch wenn du unter ihrem Dach aufgewachsen bist. Und ja, es ist hart, sich das einzugestehen.
🙁