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Schäme mich für meine Biographie

  • Starter*in Starter*in Silberstreifen87
  • Datum Start Datum Start
Jsl93i, du kannst dich leider nicht in andere Personen hineinfühlen (Siehe u.a. Freundin), deshalb verstehst du andere Probleme nicht

Ja, dieses Problem hier verstehe ich nicht. Aber ich hab ja gesagt, dass ich sie viel erreicht hat. Das ist nichts negatives. Nur was man dann noch zu jammern hat verstehe ich nicht. Ist doch netter als „Wenn ich du wäre würde ich mich auch für die Biographie schämen“. Vermutlich will die TE sowieso nur hören, wie viel sie erreicht hat.
 
Hallo S.,

ich kann dir eine gute Nachricht schreiben und eine Schlechte. Welche möchtest du zu erst hören? Vermutlich die Schlechte... das wollen alle...
Du bist Ärztin und sicherlich ist dir der Begriff Psychologie bekannt. Auf der einen Seite gibt es die vernünftige Betrachtungsweise. Und auf der anderen Seite gibt es da noch die Psyche. Das, was uns ohne Worte gelehrt wurde.
Das ist das, was du als dein Leid erkennst.
Man merkt es schon an deinem schreiben. Deine Eltern haben sich nicht um dich gekümmert, aber geliebt. Von ihnen wird wahrscheinlich das Selbe erwartet, wie von dir. Immer das Beste aus allem machen und in allem super gut sein. Wenn nicht, dann gibt es ein Problem. Wenn es kein Problem gibt, dann geht es nur weiter. Das, was man halt so im Kopf hat. Keine Tiefgründigkeit, keine Aufmerksamkeit. Nur Geld und Liebe. Und Freiheit!
So. Das war das unangenehme. Weil ich habe keine Lust dazu es genauer auszuführen. Und es wäre sowieso nur künstlich aufgebauscht.
Du bist Ärztin und eine Gute. Das kommt alles nicht von ungefähr. Du hast von deinen Eltern gute Werte vermittelt bekommen und hast echtes soziales Miteinander kennengelernt. Wahrscheinlich von den Freunden, die gesellschaftlich nicht so anerkannt waren. Du hast Freiheit gelebt, hast dich selber geformt, mit deinen schlampigen Klamotten und bist zu einem Individuum geworden, das eben auch eine Schwäche hat. Das macht dich alles zusammen einfach nur Menschlicher, als jeder deiner Kollegen.
Du hast dein Studium da gemacht, worüber andere Menschen schlecht denken würden. Du hast es gewusst und trotzdem gemacht. Weil du unbedingt Ärztin werden wolltest. Du hast die stumme Meinung gewusst und bist trotzdem diesen Weg gegangen, dass manche Patienten das Glück haben von einem guten Arzt behandelt werden zu können. Du hast dadurch auch gelernt objektiv zu sein. Die Gedanken anderer Menschen kannst du berücksichtigen und trotzdem nach deiner Einschätzung handeln. Ich denke, dass du auch deshalb eine gute Ärztin bist.
Das einzige was übrig bleibt ist, dass dein Weg nicht perfekt war. Sie hatte eine 1.0...
Oh jemand war in etwas besser als du... oh, jemand kann vor dir stolz auf sich sein... oh, man kann dich ärgern...
Denk dann doch einfach an deine Zeit mit deinen nicht so tollen Freunden. Wie war es damals. Wie seid ihr miteinander umgegangen?
Vielleicht bist du deshalb so angenehm als Mensch und Ärztin, weil du wegen deiner Psyche nicht über allem stehen kannst und deshalb auf dem Boden bleibst. Weil dein Leben ein paar Macken hat... hatte?!?
Du schämst dich für diese Macken!?
Du solltest es genießen, wenn dein Freund dich deshalb aufzieht. Du solltest an deiner humoristischen Schlagfertigkeit arbeiten. Kreativ sein, frei sein und wenns geht witzig. Weil alles, was man dir vorhalten kann ist lächerlich zu dem, wie du es empfindest. Da bist du wirklich nicht objektiv und reflektiert. Andere Menschen sind immer wohl behütet aufgewachsen, waren in einem Internat und hatten jeden Tag saubere Fingernägel. Ich bin wirklich froh, dass du eine gute Ärztin geworden bist und nicht andere.
Ich kenne viele Ärzte, Oberärzte, Chefärzte. Und irgendwo sind die alle ziemlich weltfremd. Du hast dank deiner Jugend das echte Leben kennengernt. So wie Menschen zu Menschen sind.(Ich hoffe ich stell mir deine Freunde richtig vor... würd mich interessieren, wie die waren! Vielleicht erzählst dus mir?) Und das ist bestimmt ein Grund für deine Menschlichkeit und weshalb dich deine Patienten mögen. Ich war auch schon mal im Krankenhaus und weiß, dass es wirklich miese Ärzte gibt. Diese Geschichte kann ich dir zum Austausch anbieten.
Ich fänds stark, wenn du dein Leben, deine Vergangenheit besser verstehen würdest, damit du weißt woher das kommt, dass du angeblich so gut bist. Ich kanns mir aber sehr gut vorstellen und meine Gedanken kommen mir schlüssig vor.
Ich hoffe ich konnte dir ein wenig auf die Sprünge helfen und vielleicht stimmt es ja mit deinen Erinnerungen überein.
Ich würd mich freuen, wenn ich mich ein bisschen mehr mit deiner Geschichte auseinandersetzen könnte.
Es war mir eine Freude und eine Ehre!

lg t

P.S.: Ich finde es bemerkenswert, dass du schlecht über deine Eltern und andere Dinge reden kannst und trotzdem erkennst, dass es nicht nur schlecht bzw. nicht so schlecht ist.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich bin eine gute Ärztin (das sagen mir viele Patienten, Pflegepersonal, Kollegen)
Hallo Silberstreif,
das sind die einzigen "Juroren", die Du für die Beurteilung Deiner Qualifikation brauchst.
Denn die können das auch beurteilen.
Ich muß von mir selbst sagen, ich bin kein Fan von Leuten, die besonders in Osteuropa Medizin studieren, ohne aus den Ländern zu stammen. Ich hatte mal, als ich im KH war, so einen Assistenzarzt auf Station und habe mich tatsächlich gefragt, wo der zur Schule gegangen ist. Baumschule beim Lehrer Ast?
Nach einer Woche habe ich dann gesagt, ich gehe nach Hause...und dann bekommt man ja einen Arztbrief mit, in dem auch die empfohlene Medikation für daheim steht. Er war derjenige, der mir die Papiere ausgehändigt hat...machte mich auf die Medikamente aufmerksam, und sagte, was ER für richtig hielte, was mir wahrscheinlich mehr helfen würde und begründete das auch völlig nachvollziehbar. Ich habe den Mann bis heute noch in sehr guter Erinnerung, weil er mir bis dato viele Nebenwirkungen erspart hat und dabei ist es mir völlig egal, ob er in Heidelberg oder auf dem Mars studiert hat. Er konnte mir helfen, besser als seine vorgesetzten Ärzte, ich befolge die Ratschläge von damals bis heute.

Also, wenn Dir Deine Patienten und Kollegen attestieren, daß Du eine gute Ärztin bist, dann glaube das, Silberstreif. Und NUR darauf kommt es an.
Es ist völlig ralle, wie Deine Biographie aussieht...es kommt vor allem(!) darauf an, ob Du Deinen Patienten helfen kannst. Das ist offensichtlich der Fall, also hast Du alles richtig gemacht.
 

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