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Raus aus der sozialen Arbeit

.Ich mag sie doch oder unterstützen das alleine auf die Kette zu bekommen,ich werde ja nicht immer da sein,die Ressourcen sind auch da,ich sehe sie,ich kann sie aber nicht fördern,wenn das gegenüber das so nicht will
Ich mache einen ähnlichen Job. Und ich bin selbst Betroffener.

Was mich total frustriert, sind die Klient*innen, die in mein Büro kommen und auf die Frage, was sie denn können, antworten "nichts". Die sind im System so kaputt gemacht worden, dass sie sich nichts mehr zutrauen. Und gar nicht so selten hören sie von Ärzt*innen "sie sind jetzt psychisch krank, ihr Leben ist vorbei, finden sie sich damit ab."

Nicht einer dieser Klient*innen war auch nur im Ansatz zu unfähig, wie es sie hat Glauben lassen.

Mit einer psychischen Erkrankung liegen einem eine Menge Steine im Weg. Man macht wieder und wieder negative Erfahrungen. Ich war in meiner schlimmsten Krise an einem Punkt, wo ich nicht mehr entscheiden konnte, welche zwei Farben zusammenpassen, wenn ich ein paar Stulpen stricken wollte. Ich hatte gelernt, dass alle meine Entscheidungen in der Katastrophe enden. Und das habe ich auf die Wollknäuel übertragen. Meine Ergotherapeutin hat mir damals mit viel Geduld und ein wenig Geschick zurück auf die Füße geholfen. Das hat Jahre gedauert, nicht Monate. Und wir reden nur von zwei Farben.

Ich sehe es heute an meinen Klient*innen, wie verschreckt die sind. Und als Genesungsbegleiter habe ich einen tollen Job. Ich darf die Menschen begleiten und bin an ihrer Seite, während sie ihren Weg gehen. Ich habe keinen Heilungsauftrag sondern bin einfach nur da. Ich merke, genau diese Absichtslosigkeit tut den meisten sehr gut.

Ich hatte vor zwei Wochen ein Gespräch mit einer Klientin und wir sind spazieren gegangen. Es war das Erstgespräch. Sie sagte zu mir, sie ist überhaupt nur da, damit der Psychiater aufhört, sie damit zu nerven, sie soll mal zu mir gehen. Sie hat keinen Antrieb, sie kann sich regelmäßige Termine nicht vorstellen. Sie ist fertig mit der Welt. Sie will ihre Ruhe.

Die ganze Zeit über sagt sie mir "nur damit du es weißt, ich kann nichts. Ich kann überhaupt nichts." Ich habe es als Status Quo akzeptiert. Darf sein. Ihre Entscheidung. Ich verstehe ihre Angst vor Überforderung, vor dem Scheitern. Und genau das habe ich stehen lassen. Es ist nicht an mir, das zu beurteilen oder gar zu verurteilen. Es ist eben so. Und wir schauen, wie es weitergeht. Jetzt freue ich mich darauf, wenn sie ins Büro kommt, in einer Ecke sitzt, einen Kaffee trinkt und wieder geht. Ich weiß, was für ein Kraftakt das für sie ist. Und sie spürt, da ist plötzlich Raum für sie, in dem sie sich entfalten darf.

Das ist wie bei traumatisierten Tieren. Da setzt man sich eine Weile daneben und tut nichts. Irgendwann ist die Neugierde größer. Aber erst muss das Tier wissen, dass es in Sicherheit ist.

Ich bin einfach neugierig auf meine Klienten, gebe ihnen den Raum, sie selbst zu sein. Es ist oft so erstaunlich, was sie mir nach kurzer Zeit anbieten.

Hilfe anzunehmen ist schwer, gerade wenn man schon viel Erfahrung im psychiatrischen System gesammelt hat. Vieles ist schlichtweg unpassend, überfordernd, unzuverlässig ... glaub mir, man fällt da ganz ganz oft auf die Schnauze und das macht misstrauisch.

Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, Du bist im Grunde erst mal nur ein weiterer Feind. Eine weitere Gefahr. Wenn man das akzeptiert und sich nicht aufdrängt, öffnet sich die Beziehung.

aber die wollen teilweise keine Lösungen sondern jammern.
Nur weil etwas für Dich eine Lösung ist, ist das nicht gleich für alle Menschen eine Lösung. Meist hat man es in diesem Bereich mit Menschen zu tun, die lange Zeit fremdbestimmt gelebt haben. Sie werden stigmatisiert, angefeindet. Das macht etwas mit einem. Und bevor man Lösungen im Alltag finden kann, muss man erst durch die Fremdbestimmung und die Stigmatisierung.

Psychisch erkrankte Menschen nennt man nicht umsonst auch "verrückt". Ver-rückt aus der Gemeinschaft. Da braucht es einen anderen Zugang. Man muss sich einlassen können, ein Stück weit bereit sein, die Welt zu verstehen, in der sich dieser Mensch befindet.

Nach meiner Erfahrung ist ganz häufig die Lösung einfach nicht passend, weil das Gegenüber sich nicht die Mühe gemacht hat, das wirkliche Problem hinter dem Symptom zu entziffern. Wie beim Thema Einsamkeit. Wenn der Vorschlag mit der Volkshochschule kommt, werde ich mittlerweile echt aggressiv. Thema verfehlt. Setzen. Sechs.

Hast Du Dich schon mit Empowerment auseinander gesetzt? Menschen brauchen Zeit und Raum, um in die Eigenverantwortung zu kommen. Das sind ganz oft Minischritte und als Fachkraft bekommt man die Erfolge häufig nicht mit. Damit muss man klar kommen, dass man Patient*innen immer nur ein kurzes Stück begleiten kann.

Aber das sollte auch gar nicht das Ziel sein. Menschen mit psychischen Erkrankungen brauchen vor allem belastbare Beziehungen, in denen sie heilen können. Wenn man das anbieten kann, arbeitet man auf der passenden Ebene mit Patient*innen.

Wenn man das erste Mal in der Psychiatrie ist, bricht eine Welt in dir zusammen. Das ganze Selbstbild bricht zusammen. Was wissen wir denn über die Psychiatrie? Das ist der Ort, wo die Durchgeknallten, sind, die Sabbernden, die eins an der Latte haben. Das sind die Aggressiven, die Unberechenbaren. Versuche Dir vorzustellen, Du wachst eines Tages auf und bist plötzlich "einer von denen"? Das macht ganz viel mit einem.

Der erste Schritt zu einer Besserung ist es, diese Krankheit zu akzeptieren. Es geht darum, die Einschränkungen zu akzeptieren, ohne an ihnen zu scheitern. Genau wie jemand, der ein Bein verliert. Dessen Leben ändert sich auch. Deshalb ist er nicht weniger produktiv, nicht weniger lebendig oder was auch immer, aber er muss sich neu entdecken, sich an die Umstände anpassen. Aber statt sich neu orientieren zu können, kämpft man mit der Stigmatisierung, ein Loser zu sein, ein Verlierer, der Abfall der Gesellschaft. Man stigmatisiert sich selbst und akzeptiert den zugewiesenen Platz als Versager. In einem wächst die Scham.

Auch ich muss damit klar kommen, dass ich mir nichts mehr merken kann. Auf der Arbeit habe ich ungefähr zehn Listen. Ich muss mir alles aufschreiben. Eigentlich war ich ein Jahr nur damit beschäftigt einen Weg zu finden, wie ich mich selbst organisiseren kann. Das ist schambehaftet. Deine Patient*innen merken, dass Du ungeduldig mit ihnen bist, wenn sie die Krankenkassenkarte vergessen haben oder was auch immer. Das ist eine Verletzung in die Scham hinein. Die machen sofort zu und Du bekommst ihr Vertrauen nicht.

Akzeptiere es. Du arbeitest mit psychisch kranken Menschen, da laufen ein paar Dinge anders. Nicht schlechter, nur anders. Und da braucht es Flexibilität und immer wieder neue Strategien.

Das wäre Dein Job. Da vergisst jemand etwas. Finde raus, warum. Und dann erarbeite eine Strategie mit demjenigen. Und manchmal lautet die Strategie: Ich übernehme die Verantwortung und Du arbeitest mir zu. Das nimmt für die Leute so viel Druck raus. Auch das kann Augenhöhe sein. Man akzeptiert die Einschränkungen des Klienten und ist an seiner Seite, wo er Unterstützung braucht, aber der Rest fällt unter seine Verantwortung.

Mach Dir klar, Du bist "die Tante vom System". Eine, die alles kann. Und mein Gefühl sagt mir: Ich spiele überhaupt gar nicht in Deiner Liga! Wenn ihr Profis anspaziert kommt, fühlt sich so an, als wäre man ein Nachwuchskicker, der das eigene Potential noch gar nicht wahrnehmen kann, aber vom Trainer der Nationalmannschaft aufgefordert wird, das nächste Länderspiel zu bestreiten, weil er überzeugt ist, man kann das.

Und die Wahrheit,das nämlich Fleiß,Engagement und Stärke einen weiterbringen wollen die gar nicht hören,sondern das man ihnen ihre dysfunktionalen Verhaltensmustern bestärkt.
Klar, natürlich wollen die bei ihren dysfunktionalen Verhaltensmustern bleiben. Weil diese Muster Sicherheit bieten. Bevor Du ihnen das Muster wegnehmen kannst, musst Du erst an anderer Stelle eine Sicherheit aufbauen.

Aber weißt du, Fleiß, Engagement und Stärke werden von Machern für Macher definiert. Psychisch erkrankte Menschen stecken häufig in einem inneren Gefängnis und während ihr Profis euch im Außen orientiert, geht es aber eigentlich erst mal darum, Fleiß, Engagement und Stärke gegen die eigenen Mauern einzusetzen.

Viel von dem Frust, den Du mit Dir herumträgt, macht Dir erstens bei Deinen Patient*innen das Leben schwer, weil Du ihre Mitarbeit verlierst, und zweitens wäre das gar nicht nötig, wenn Deine Haltung eine andere wäre.

Ich weiß nicht, ob Du diesen Job machen solltest oder willst, aber ich kann Dir sagen, so bringt es wirklich nichts. Du schadest den Patient*innen oder im besten Fall hilfst Du einfach nicht, dafür machst Du Dich kaputt. Und wenn Du aus welchen Gründen auch immer keinen neuen Zugang zum Job finden kannst/willst, finde ich auch, wäre eine Neuorientierung keine schlechte Idee.
 
Das sind kluge und wichtige Lebensweisheiten.
Diese Erfahrungen machte ich in meiner langjährigen Tätigkeit als Sozialpädagogin beim Sozialpsychiatrischen Dienst und Jugendamt auch.
 
Ich versuche jeden Tag meine Einstellung zu dem Job zu ändern.Dankbar und positiv zu sein,mein bestes zu geben.
Es gelingt mir nur phasenweise und mittlerweile bin ich an einem Punkt,wo ich denke,das vielleicht nicht ich mich immer wiederum eine Aufgabe zwängen muss ,die mich belastet.

Wenn du dich im Job selbst schon falsch fühlst, die Belastung zu viel ist, du keinen Sinn in deiner Arbeit siehst usw., solltest du auf jeden Fall in eine andere Richtung wechseln.
So kannst du nicht gut abliefern und gefährdest deine Gesundheit.

Wäre da nicht das Klientel🙂
Mir ist ja bewusst,das ich mit psychisch kranken arbeite,aber die wollen teilweise keine Lösungen sondern jammern.

Ich arbeite nicht in diesem Bereich, habe jedoch Berührungspunkte. Und mein kleiner Einblick hinterlässt bei mir den Eindruck, dass dies auf ziemlich viele Fälle zutrifft.
Also mehr oder weniger normal ist. Und eher wenige Kraft zum kämpfen haben.

Ich komme mir vorwie eine Prostitutierte(künstliche emotionale Uuwendung) für sozial abhängte die sich über das System beschweren aber nie aktiv versuche unternommen haben,das sie eine gute Zukunft haben.

Deine Sicht auf deine Klienten finde ich ziemlich krass und hart. Wie willst du mit dieser Denkweise geduldig, mitfühlend, motivierend für diese Menschen da sein?

Und die Wahrheit,das nämlich Fleiß,Engagement und Stärke einen weiterbringen wollen die garnicht hören,sondern das man ihnen ihre dysfunktionalen Verhaltensmustern bestärkt.Denn wenn man versucht dasanzusprechen,wird sich ja beschwert über die böse Souialarbeiterin die sie nicht unterstützt.

Auf welche Weise sprichst du das an, wenn dies Anlass für Beschwerden liefert?

Ich habe überlegt in Richtung Heilpraktiker,Kunsttherapeut etc. zu gehen weil ich mir vorstelle,das ich da mehr Erfolge habe.

Auch da wird dir das Jammern begegnen.

(...)

[Bezug entfernt]
(...)
Eigene Grenzen zu erkennen mag manchmal unangenehm sein, doch es sind eben EIGENE Grenzen. Und eigene Eignungsfähigkeiten.
Für die kein anderer Mensch etwas kann.


Ich bin psychisch und körperlich krank.
Ich bin ein Kämpfer mit einer inneren Stärke, die ich so bei anderen nicht erwarten und voraussetzen darf.
Und dennoch bin ich kaum belastbar, kann nur wenige Stunden arbeiten - was auch nicht bis zum Rentenalter funktionieren wird.
Egal, was ich will.
Und dennoch gibt es Phasen, in denen ich ausfalle und gar nichts geht.
Egal, was ich will.
Und dennoch habe ich letzte Woche zum ersten Mal einen Kundentermin vergessen.
Egal, wie wichtig mir meine Arbeit ist und was ich will.
Und wie sehr ich Gejammer auch verabscheue, als Energieverschwendung betrachte und mich lieber darauf konzentriere, wie ich halbwegs am Leben teilhaben kann, falle selbst ich immer wieder in stärkere depressive Phasen.
Und gestehe mir dann auch mal zu, jammerig zu sein. Kurz. Weil ich hart zu mir selbst bin. Oft schädlich, hier nützlich.
Phasen, aus denen ich mich wieder befreien kann, ja. Weil ich diese innere Stärke habe.
Und selbst als ungeduldigem, oft hartem Privatmenschen ist mir klar, dass ich das nicht von anderen erwarten kann. Und wie sehr ein anderer Teil in mir auch im hohen Bogen kotzt bei Gejammer, diese andere Seite hat Verständnis.
Im Job mit dieser angekotzten Haltung gegenüber Klienten: ein no-go!
 
Zuletzt bearbeitet:
Und nochmal zur Erinnerung, worum es der TE hier geht.
Es geht hier nicht darum, dass sie sich besser mit dem Feld arrangiert.
Offenbar hat sie ja mental schon gekündigt. Das hier war ihre Ausgangsfrage:
Geht es jemandem ähnlich und hat berufliche Wege gefunden raus aus der intensiven Klientenarbeit?
 
[Bezug entfernt]

Wie könnte ein Weg richtig, sinnvoll, zielführend sein, wenn Klienten deshalb meist (!) nicht wiederkommen?
Dann habe ich die Klienten durch die Art des Arbeitsansatzes verloren.


TE, wie stellst du dir die Abläufe bei der Näherei vor?
 
Zuletzt bearbeitet:
🤔 Ich möchte mir auch gar nicht vorstellen, was in dem Kämmerchen vor sich geht, wenn das Pflegepersonal unter sich ist. Habe nur mal ein oder zwei Sekunden mitbekommen, als ein Pfleger reinging und losgelegt hat und die Türe war noch nicht ganz geschlossen...
 
Wenn so mancher mal Mäuschen in Kitas, Pflegeheimen oder Krankenhäusern und anderen sozialen Einrichtungen spielen würde, wäre er sicher entsetzt.
Ich bin selbst schon als Außenstehende in den Genuss gekommen.
Hier mal ein paar Beispiele, an die ich mich noch erinnere:

"Ingrid, hat der Mann auf Zimmer 6 schon wieder geklingelt? Der will alle zwei Minuten was. Und seine Frau, die ist auch jeden Tag da. Das ist kaum zum aushalten. Super nervig ist das?" (erst gestern beim Krankenhausbesuch in der Chirurgie)

"Hat Frau T. im Zimmer schon wieder den Fernseher so laut gestellt? Das hört man bis hier raus. Ist ja eine Zumutung für die anderen Heimbewohner." (Pflegeheim)

"Die Mama von der kleinen Amélie, die ist sowas von anstrengend. Die schreibt mir ständig Zettel, weil Amélie ja keine Milch verträgt. Ich bin doch nicht dement. Nach dem zweiten Mal habe ich das auch kapiert. Hätte sie sich in der Schwangerschaft mal besser ernährt. Da wäre das Kind auch nicht gegen alles allergisch" (Kindergarten)

"Der Vater von der Sophia der trinkt sicher. Der hatte eine richtige Alkoholfahne beim letzten Elternabend. Ich merke das genau. Mein Ex Mann hatte ja auch ein Alkoholproblem. Ich hab eine Nase für sowas." (Schule)

"Wenn der Herr F. wieder nicht die Rechnungen bezahlt, stellen sie dem den dritten Mal in Folge den Strom ab. Und dann kommt der meistens kurz vor Feierabend. Beim nächsten Mal soll Kerstin sagen, ich bin nicht mehr da.. Ich hab gar keine Lust auf den" (Beratungsstelle)

Ich würde den Leuten per se nicht mal böses unterstellen. Die sind überfordert, ausgebrannt und mit der Zeit einfach resigniert. Dieser böse Unterton kommt ja irgendwoher. So redet ja keiner, der mal einmal in der Woche irgendwo eine Selbsthilfegruppe leitet oder es sich in seiner Finka gut gehen lässt und das ist das was ich meine. Viele, die Elend sehen und überlastet sind reagieren, indem sie ihren Stress durch kommunikatives Verhalten mit anderen kommunizieren. Natürlich sollte man so niemals über Menschen reden, aber das passiert eben, wenn das nicht professionell bei der Supervision angegangen wird.
 
Soziale Arbeit ist keine Hilfe zur Selbsthilfe. Soziale Arbeit ist eine Dienstleistung. Der Klient bekomnt genau das, was er nicht selbst leisten kann, im Rahmen bestimmter gesetzlicher Maßstäbe. Der Staat legt also fest, was jemand bekommen kann vom Sozialarbeiter und was er nicht bekommt, auch wenn es vielleicht nötig wäre. Und wenn einer nichts zu leisten im Stande ist, kann er die Hilfe auch dauerhaft bekommen.

Man sollte Hilfe gegen Geld (=Dienstleistung) nie moralisch betrachten. In der Autowerkstatt wird auch keiner beschimpft, weil er die Reparatur auch selbst ausführen könnte und zu wenig Interesse an der Technik zeigt.

Was man als Sozi machen sollte, ist bei Frustration in einen anderen Bereich gehen. Etwa von der Betreuung psychisch Kranker in den Sozialen Dienst eines Kranlenhauses. Die Vermitteln Anschlusshilfen bei Entlassung aus der Klinik. Also wem es auf Arbeit zu persönlich wird, der kann etwas mehr administratives machen. Und wer ganz sicher den Erfolg seiner Arbeit sehen will, der muss wohl Handwerker werden. Als Sozi gibt's das so nicht.
 
Ich werde selbst so lethargisch und hoffnungslos, vielleicht ist das ja der Weg. Ich resigniere und gehe immer so weiter, bis ich selbst ein Fall für den Sozialarbeiter bin.

Falsch.
Es gibt das "Gelassenheitsgebet":
"Gib mir die Kraft zu ändern was ich vermag, das sein zu lassen was ich nicht vermag, und das eine vom anderen zu unterscheiden".

Wer im Alter jammert, der empfindet seine Situation als real.
Es ist völlig natürlich, wenn Leute sich anhand des Jetzt mit den Vorher vergleichen: "Ich kann nicht mehr, wie früher."

Für den, der damit konfrontiert wird, gibt es zwei Möglichkeiten:
Entweder entschließt man sich, mit zu leiden und Aufgaben auf sich zu übertragen, was beruflich eine unendliche Schleife bedeuten würde, bis man selber bedürftig ist.
Oder man hört zu, äußert auch Mitgefühl, bleibt aber professionell insoweit, als man seine berufliche Kraft auf die Leute verteilt, die zugewiesen wurden.
Beachte: berufliche Kraft!

Das klingt hart - ich weiss.

Allerdings wird es niemandem gelingen, sein eigenes Leben zu leben, das eines weiteren dazu, am Ende noch das eines dritten und vierten. Auch weil Gewöhnung eintritt.
Es wird "mehr werden" bis zur Unerfüllbarkeit.

Danach tritt das ein, was du voraus siehst: der Pfleger wird zum Pflegefall.
 
Manchmal habe ich das Gefühl, es gibt Klienten, die in einem Sozialarbeiter oder einer Sozialarbeiterin so eine Art menschliche eierlegende Wollmilchsau sehen. Sie oder er soll immer empathisch und verständnisvoll sein, die Klienten an der Hand nehmen, sie beraten, verstehen, anleiten, ihnen unbegrenzt zuhören - im extremsten Fall auch so etwas wie Mama oder Papa sein.

So sehr ich all diese Bedürfnisse verstehen kann - Leute, die in sozialen Berufen arbeiten, sind nun mal auch nur Menschen, und sie haben jedes Recht der Welt, einen schlechten Tag zu haben, genervt und frustriert zu sein und auch mal eine Wut zu haben auf diejenigen, denen sie doch wirklich helfen wollen, es aber oft nicht schaffen. Das nennt man authentisch sein! Und das ist für jemand, der in einem Helferberuf Tag für Tag Großartiges leistet, genauso wichtig wie Wertschätzung und Verständnis. Das eine schließt nämlich das andere nicht aus.

Ich glaube nicht, dass die TE ihren Job verfehlt hat. Aber es scheinen einige Bedingungen so kräftezehrend zu sein, dass immer mehr Zweifel kommen. Das darf sein, und das darf auch offen so benannt werden. Ich habe daran nichts Abwertendes gefunden.
 

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