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Pure Ausbeute, oder? + pv

Klar ist das Ausbeutung. So wie halt die meisten Jobs im sozialen Bereich total ausgebeutet werden. Ist halt die Frage, in wieweit es sich lohnt, sich da zu wehren: Eigentlich sollten sich viel mehr menschen in diesen Jobs gegen solche Arbeitsbedingungen wehren, denn nur so kann man ja kontinuierlich bessere bedingungen schaffen.
Ist halt die Frage, ob Deine Freundin in der Lage ist, sich zu wehren?
Es ist eine befristete Stelle? Hofft sie auf eine Entfristung oder ist eh klar, dass sie dahach gehen wird?
wenn sie auf eine Entfristung hofft, würde ich persönlich an ihrer Stelle erstmal die Zähne zusammenbeißen und dann im unbefristeten Vertrag bessere Bedingungen raushandeln. (dazu sollte sie vorher unbedingt eine rechtsberatung aufsuchen)
Wenn sie eh nach dem einen Jahr aufhört, und sich den Aufwand antun möchte, könnte sie natürlich auch gleich mal zu einer Rechtberatung gehen und checken lassen, ob der Vertrag so wie er ist überhaupt rechtens ist: Jemand, der sich auskennt, findet da vielleicht Ungereimtheiten, die dann geändert werden müssen.
ich finde, man sollte sich nicht alles gefallen lassen und sich eben auch mal auf die Hinterbeine stellen, wenn man es irgendwie riskieren kann (kommt halt echt auf die Situation an, in der man ist: Wie dringend braucht man das Geld? Hat man auch noch andere Jobangebote, bzw wie leicht wäre es, notfalls was neues zu finden? usw)
ich glaube, das ist der Grund, warum Männer generell mehr verdienen: Die gehen einfach früher auf die Barrikaden: Wenn ein Mann ein paar Monate gut gearbeitet hat, geht er zum Chef und handelt besseres gehalt raus, Frauen gehen solche Schritte erst sehr viel später (oder garnicht!).
Ich glaube, das ist auch ein Grund, warum soziale Berufe so mies bezahlt werden: Sind ja "Frauenjobs"
man/Frau sollte sich aber eben nicht alles gefallen lassen: Zumindest sollte man es versuchen...
 
A

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Re: Pure Ausbeute, oder? + pv
Ich vermute ganz stark das Menschen Miete und Essen zahlen müssen. Nicht jeder will von Hartz 4 leben.

Deshalb muss man nicht jeden Schrott als Arbeit annehmen! Allerdings war es im Bereich Sozialpädagogik immer schon übel mit der Bezahlung etc.

Natürlich sollte man sich hier schleunigst wegbewerben! Ich hätte diese Arbeit nie angenommen, zumal auch ein Mann da ist, der vermutlich mitverdient.

Maya
 
Eine gute Freundin hat mir heute weinend ihr Leid geklagt. Sie war völlig am Ende.
Ich werde die Situation etwas verfremden, was zu ihrem und meinem Schutz ist.
Folgendes: Sie hat ein Kind und hat eine Stelle in der Heimbetreuung bekommen (sie ist auch Sozialpädagogin wie ich, die Stelle hat sie vor 2 Monaten angetreten)

Dazu hat sie folgende Konditionen:
- Schichtdienst (Mal Tagschicht, mal Nachtschicht--> die Nachtschicht dauert aber von 9 Uhr morgens bis zum anderen Tag
- in der Nachtschicht bekommt sie nur die ersten 4 Stunden bezahlt, sodass sie dann quasi 2 Stunden umsonst arbeitet
- sie hat (und jetzt passt auf!) 12 Kinder zu betreuen, die sich im Alter von 2 bis 11 befinden! :mad:
- der Krankenstand ist hoch und ganz häufig helfen nur FSJler oder Praktikanten mit aus
- die Stelle ist nur für ein Jahr befristet
- sie schuftet für 15 Euro die Stunde
- sie selbst hat eine 30 Stundentstelle, macht aber permanent Überstunden
- die Überstunden werden zwar vergütet, aber es erfolgt kein Ausgleich in Freizeit
- wenn jemand unerwartet krank wird, wird derjenige angerufen, der gerade frei hat


Bitte mal ganz objektiv: Das ist dich pure Ausbeute, oder?
Hab ihr geraten, sie soll sich bloß wegbewerben. Was meint ihr?

Die Sache ist, dass sich ihr Mann und sie seit Wochen nur noch die Klinke in die Hand geben, weil sie oft auch Nachtdienst hat. Sie sieht ihre kleine Tochter dann an zwei Tagen oft auch mal gar nicht.

Ich halte die Arbeitsbedingungen echt nicht für annehmbar.

Wer um Himmels Willen nimmt so eine Stelle an??? Dann noch mit Kindern und auch noch mit Schichtarbeit??

Das weiß man vorher und sollte hinterher nicht jammern.

Maya
 
Also ich würde mal behaupten, nicht in allen Bereichen ist die Ausbeute so krass wie dort.

Ich bin selbst Sozialpädagogin und habe geregelte Arbeitszeiten.
Nachtschicht würde ich definitiv nicht machen.
Das könnte ich allein deshalb nicht, weil ich chronische Migräne habe.

@Maya99: Vielleicht brauchte sie ja das Geld?
 
Ja, ich bin auch in der stationären Jugendhilfe, allerdings als Erzieherin.
Dann sind die Kollegen eben sauer - aber gerade die können das nachvollziehen, dass man nein sagt, wenn man eh schon in den Überstunden ist und die auch nicht abfeiern kann. Und man noch sowas wie ein Privatleben hat 😉
Da muss sich die Freundin auch an die Nase fassen....
 
Ganz nüchtern betrachtet ist es ja ein fieses System, das sich selbst reguliert.
Wenn man krank ist und zu Hause bleibt, werden alle Kolleginnen angerufen, ob sie einspringen.
Als logische Konsequenz traut man sich kaum noch zu Hause zu bleiben, auch wenn man es eigentlich mit Fieber müsste.
 
Ich verstehe die Aufregung ehrlich gesagt nicht. Klar, der Stundensatz könnte besser sein und ich kenne den Personalschlüssel für Kinderheime nicht. Aber allein muss sie die Kinder nicht betreuen.

Dass die Nächte nur hälftig bezahlt werden, ist zwar nicht in Ordnung (da sie ja vor Ort sein muss, geht das weit über "Bereitschaftsdienst" hinaus), aber nachts schlafen die Kinder und sie auch.

Für Überstunden kann man nicht Bezahlung und Freizeitausgleich verlangen.

Sie hätte die Stelle nicht annehmen sollen, wenn die Belastung für sie zu hoch ist.
 
Naja, wenn sie denn schlafen, die zweijährigen z. B..

Vor Ort Bereitschaftsdienst gibt es oft genug. Dann hat man ein Bett, und kann einige Stunden schlafen, wenn es die Kinder zulassen.

Ich weiß nicht, wie es heute ist, aber damals im Kinderheim, als ich im Anerkennungsjahr war (80iger Jahre), musste man 12 Kinder durchaus allein betreuen. Allerdings nicht 2jährige im Zusammenhang mit den größeren.

Bei mir waren es überwiegend Jugendliche, ein 6jähriger dazwischen und eine 8jährige. Der älteste war 18.

Die Dienste waren so getaktet, dass man von 12 Uhr Mittags bis zum anderen Tag 15 Uhr Dienst hatte, wo man davon ausging, dass man nachts schlafen kann. Wieviel Stunden das genau waren, weiß ich nicht mehr, der Nachtdienst galt jedenfalls als Bereitschaftsdienst. Zwei solche Dienste erfüllten das Wochenziel.

In der Regel war ein Erzieher allein im Dienst, abgesehen von den Überschneidungszeiten mittags.

Es war ein heilpädagogisches Kinderheim, was heißt, es waren verhaltensgestörte Kinder und Jugendliche.

Zu meiner Zeit waren es Kinder von 6 bis 18, später bis 16.

Ich musste auch als Praktikantin im Anerkennungsjahr etliche Dienste allein machen. Die ersten zwei Dienste gingen ja noch. Danach hatten wohl die Jugendlichen beschlossen, dass man mich nicht ernst nehmen muss (ich war damals 22). Sie haben mir das Leben so total schwer gemacht.

Naja, die Jugendlichen hatten alles versucht, um mich fertig zu machen. Der 6jährige hätte so viel gebraucht und war schon so geschädigt. Wenn ich ihn ins Bett brachte, bekam ich nur ein Bruchteil davon mit, was er erlebt hatte aus einen Äußerungen, und das war schon schlimm genug. Ansonsten ging er mir an die Brust.

Naja, ich bin dann irgendwie gescheitert damals. Ich hab das Anerkennungsjahr zuende gemacht, hatte aber absolut nicht das Gefühl, eine fähige Erzieherin zu sein.

So lief das damals, ich weiß nicht, wie das heute läuft.

Es gibt nicht mehr so viel Heime, heute eher Wohnguppen. Genügend Personal gibt es immer weniger. und so
 
Für Überstunden kann man nicht Bezahlung und Freizeitausgleich verlangen.

Aber dann ist es doch link, wenn sie nur den Bezahlungsausgleich bekommt.

Ich glaube, das Problem sind hier die Gurppengröße, die nicht bezahlten Arbeitszeiten und das stark unterschiedliche Alter der Kinder.

Ich vergleiche das mal mit meiner Schwester, die Erzieherin ist. Die fängt um 6 oder um 12 Uhr an und nach ihren Stunden geht sie nach Hause. Die Kinder haben allein Alter und sie betreut allein zwar 9 bis 10. Aber die sind auch nicht derart verhaltensauffällig.
 

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