Also, ich will die Beziehung nicht retten, die ist lange vorbei. Was ich vielleicht retten will ist die Freundschaft zwischen uns.
Da bin ich ja schon einmal beruhigt. Es kann sein, dass sich eine Freundschaft zwischen Euch wirklich retten läßt. Du klingst nicht so, als hätte Dich der Umgang in der Beziehung wirklich vom Hocker gehauen - eher so, als wärst Du einen herben Umgang gewohnt.
Das würde ich tun, aber im Moment habe ich schon Probleme damit einen Brief zur Post zur bringen und dabei nicht heulend zusammenzubrechen. Bei einer Depression ist es mit "sich mal schlecht fühlen" nicht getan, ich weiss nicht wie weit du über die Krankheit informiert bist.
Besser, als mir Recht ist.
😉
Wenn ich länger drüber nachdenke möchte ich einfach das er sein Verhalten einsieht um die Bestätigung zu erhalten das eben nicht alles meine Schuld ist. Das hat er ja sogar schonmal getan und es hat mir unglaublich gut getan.
Ich bestätige Dir gerne, dass nicht alles Deine Schuld ist.
Aber was ihn angeht, solltest Du vielleicht einen Schritt nach dem anderen gehen. Wenn er jetzt so etwas zugibt, baut sich das in Eure derzeitige Beziehung ein. Nicht, dass es dann noch einmal ins Gegenteil umkippt. Hat es nicht Zeit, bis Ihr etwas mehr Distanz habt?
Und, was ich jetzt erreichen will ist, das er eine Therapie macht. Mir liegt halt noch was an ihm. Aber als Freund.
Das hat auch Zeit. Wenn das mit der Freundschaft klappt, wirst Du ihn bei weiteren Beziehungen begleiten. Sollte dabei noch einmal eine ähnliche Situation auftreten, kannst Du ihm den Vorschlag machen - als Freund.
Ich habe den Eindruck, dass Du jetzt dabei bist, das alles noch in Eure Beziehung einbauen zu wollen.
Wahrscheinlich auch nur weil ich sonst niemanden habe? Durch die Depression und sein Verhalten und Problemen mit meiner Familie bin ich ziemlich isoliert..
Das ist wieder eine ganz andere Sache. Deine Depression gehört in eine Behandlung. Und aus der Isolierung wirst Du vermutlich eher herausfinden, wenn Du Dich nicht an eine "kaputte" Beziehung hängst. Zumindest demnächst, wenn Du Alternativen besitzt.
Naja, ich war immer an allem Schuld, hat keine Rechte, mir wurde oft Vorwürfe gemacht für Sachen für die ich nichts konnte. Mir wurden immer Dinge an den Kopf geworfen, und meine Meinung zählte gar nichts. Ich war ja Kind, ich musste ja schön brav den Mund halten. Oft wurde mir damit gedroht mich ins Heim zu stecken. Wenn ich was angestellt hatte, auch wenn es ein Missgeschick war, gabs "eine gesunde Ohrfeige". Wenn ich geweint habe, wurde ich dafür noch fertig gemacht. Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen, meine Mutter hat mich und meine Schwester abgeschoben, und ist dann abgehauen. (Irgendwann später kam sie wieder, entschuldigt hat sie sich nicht, wo sie war hat sie nicht erzählt, bis heute nicht..) Um das mal so zu sagen, nein, ich weiss nicht wie eine gesunde Beziehung auszusehen hat.
Das sind alles Dinge, die Du in Deine Therapie einbringen kannst. Ich nehme doch an, dass Du auf dem Weg bist, eine Therapie in Gang zu bringen, oder?
Nur letztlich braucht Dich nicht zu wundern, wie Eure Beziehung verlaufen ist. Du hast gelernt, bedroht zu werden, hast gelernt, die Schuld zu tragen. Hast gelernt, dass eine Ohrfeige angemessen ist. Dass Gefühle und Schwäche zu zeigen, bestraft wird.
Und ein wenig hast Du vielleicht auch gelernt, dass Beziehungen unzuverlässig, chaotisch verlaufen. Dass jemand einfach verschwindet und wiederkommt, wie es ihm gerade gefällt. Dass für Deine Sehnsucht und für Deine Fragen kein Platz ist.
Und vielleicht auch gelernt, dass Du in ein Heim mußt, damit die Zuneigung verlierst, ganz auf Dich alleine gestellt bist, wenn Du Dich "unpassend" benommen hast.
Du hast sogar gelernt, auf eine Entschuldigung zu warten, anstatt einfach zu gehen. So, wie Du es jetzt auch noch gerne bei Deinem Freund hättest. Und alleine warst Du dabei vermutlich auch, damals wie heute. Kein Mensch der zu Dir hält. Statt dessen warten, dass der andere Einsicht zeigt.
Günter