Hi!
Erstmal: Es ist noch gar nicht klar, ob bei dir überhaupt eine
Sucht vorliegt. Und selbst wenn – ab einem bestimmten Punkt ist Sucht kein moralisches Versagen mehr, sondern eine Krankheit. Man kann dann zwar Verantwortung
für den Umgang damit übernehmen, aber nicht für das Entstehen.
Wichtig finde ich auch:
Sich Pornos oder nackte Menschen anzuschauen ist an sich nichts Ungewöhnliches oder Verbotenes. Sexualität hat viele Formen – auch Autosexualität, also die Lust auf sich selbst, Fantasie oder Bilder. Das gehört erstmal nur dir und ist nicht automatisch ein Angriff auf eine Beziehung.
Das Problem ist für mich weniger der Konsum an sich, sondern:
1. Dass du selbst darunter leidest.
Dein sexuelles Erleben fühlt sich gerade blockiert oder „abgekoppelt“ an – kein Lustgefühl, Erektionsprobleme, wenig Verbindung. Das ist ernstzunehmen und behandelbar, und ja: Camsex oder Pornos können das beeinflussen.
2. Dass du dir eine extreme Schuldlast aufbürdest.
Sätze wie
„Ich bin das letzte A…“ oder
„Ich habe ihre Ehre verletzt“ zeigen vor allem, wie hart du mit dir umgehst. Diese Selbsterniedrigung ist für deine Beziehung, für deine Psyche – und vor allem für dein Kind – viel gefährlicher als der Pornokonsum selbst. Kinder übernehmen solche Muster.
3. Dass es heimlich gelaufen ist.
Nicht der Konsum zerstört Vertrauen, sondern das Heimliche. Das kannst du aber Schritt für Schritt reparieren – nicht durch Selbsthass, sondern durch Offenheit und Veränderung.
Wenn du etwas verändern willst, könntest du so anfangen:
- Aufhören, dich moralisch zu zerstören. Das bringt gar nichts außer Lähmung.
- Den Konsum bewusst pausieren, nicht aus Strafe, sondern um zu spüren, wie dein Körper ohne diese Reize reagiert.
- Dein Erektionsproblem ernst nehmen (Hausarzt, Sexualberatung). Das ist oft psychisch oder stressbedingt – gerade mit Baby, neuer Beziehung, Verantwortung, Druck.
- Offen mit deiner Partnerin reden, ohne dich zu geißeln. Schuldeingeständnis ja, Selbstvernichtung nein.
- Langsam wieder echte Intimität aufbauen statt Leistungsdruck: Nähe ohne Ziel, Berührung ohne „Erfolgspflicht“.
Du hast Fehler gemacht, klar. Aber du bist kein Monster und ganz sicher kein „letztes A…“. Die Tatsache, dass du dir Gedanken machst, zeigt, dass dir deine Familie wichtig ist – genau
damit fängt Veränderung an.
LG
Stardust