Danke Trampelzwerg für deinen sachlichen Beitrag.
Das Problem ist, dass an vielen Orten Deutschlands Integration hoffnungslos gescheitert ist.
Richtig. Diese Probleme muss man aber doch da angehen, wo sie sind. Man beseitigt sie nicht, indem man Hilfesuchende ablehnt. (Ich weiß, dass ich dir das nicht zu sagen brauche. Ich wollte es nur nochmal allgemein betonen.) Natürlich verstehe ich, dass Menschen, die diese Probleme hautnah erleben, Angst haben vor noch mehr Flüchtlingen und Zuwanderern. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass wir (die Politik, die Gesellschaft) inzwischen viel dazugelernt haben und viele Fehler, die früher hier gemacht wurden, nun vermeiden werden. Mein "Ziel" ist es, Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass die Gefahr von immer noch mehr solcher Problemviertel, auch anders gelöst werden kann, als durch eine möglichst gering gehaltene zukünftige Einwanderung bzw. Aufnahme von Flüchtlingen.
Es existieren Parallelgesellschaften mit eigenen Regeln und Gesetzen, durch manche Viertel fährt nicht mal mehr die Bullerei, die Gewaltbereitschaft vor allem junger Migranten wächst. Statt Gemeinsamkeit ist oftmals Unvereinbarkeit vorhanden. Und das ist nun keine Phantasie oder rassistisches Gedankengut meinerseits, es ist an vielen Orten für viele Menschen Realität. Menschen, die auch nach zig Jahren kein Wort deutsch sprechen und somit isoliert sind von der Gesellschaft außerhalb ihres Mikrokosmos, frustrierte Jugendliche, die nie irgendwo zugehören und Menschen, deren Werte und Normen extrem von unseren abweichen - da sind Erfolge radikaler Rattenfänger vorprogrammiert (zum Thema Islam).
Es ist natürlich völlig richtig, dass man diese Probleme nicht einfach unter den Tisch kehren, ignorieren oder gar vertuschen darf. Und ich denke auch, dass teilweises Vertuschen oder Verharmlosen dieser Probleme, mit dazu beigetragen hat, das nicht wenige Menschen jetzt so frustriert, wütend oder verängstigt sind. Das Problem ist, dass das Pendel immer von einem Extrem zum anderen schwenkt. Wenn es auf der einen Seite zuviel verharmlost wird, wird es auf der anderen plötzlichen zu einem riesigen Monster. Das Monster heißt "Islamisierung" und wird so gefährlich dargestellt, dass die einen es völlig lächerlich finden, die anderen sich aber leider in ihren Ängsten so sehr bestätigt sehen, dass sie immer tiefer in diesen Strudel geraten.
Du hast sicher Recht, wenn du der Meinung bist, dass man die (ja nicht völlig unberechtigten) Sorgen der Menschen ernst nehmen muss, wenn man sie nicht tatsächlich völlig in die Arme von fremdenfeindlichen Gruppierungen treiben will. Aber den Pegida-Anhängern einfach Recht zu geben, damit sich die besorgten Bürger ernstgenommen fühlen, kanns eben auch nicht sein.
Ich habe übrigens ganz und gar nicht das Gefühl, dass PEGIDA irgendwelche sinnvollen Lösungen für die von dir oben aufgeführten Probleme bietet. Da wird vor allem nach Abschiebung krimineller Ausländer geschrien. Schön und gut, aber in Problemvierteln wie du sie beschreibst, kann man auch eine Abschiebung überhaupt nicht mehr durchsetzen. Wie denn, wenn nicht mal mehr die Polizei sich da rein traut. Genaugenommen, werden in so einem Fall gar keine kriminellen Taten mehr festgestellt, geschweige denn, Täter ermittelt... Bleibt da nur noch rohe Gewalt? Ich hoffe nicht!
Die Zahl der gewaltbereiten Islamisten wächst immer mehr. Dies alles sind Fakten.
Ja, aber die Gefahr, die von ihnen ausgeht und deren Anzahl, werden wir nicht verringern, indem wir Menschen radikal abweisen, ausweisen oder schlecht behandeln. Das ist eine Form von Gewalt, die auch wieder nur Gegengewalt erzeugt. Außerdem sich gewaltbereite Islamisten, ein fast völlig von Zuwanderern oder Flüchtlingen unabhängiges Problem. Wenn das ständig unreflektiert in einen Topf geschmissen wird, steigt bei vielen die Überzeugung, dass fast jeder Ausländer ein potentieller Gewalttäter ist.
Hm... 2014 wurden über 30% der Asylanträge abgelehnt. (vorletzte Seite)
http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlag...lle-zahlen-zu-asyl.pdf?__blob=publicationFile
Was macht dich so sicher, dass bei denen, die bewilligt wurden, eine ernstzunehmende Zahl von Wirtschaftsflüchtlingen dabei ist? Ich denke, dass bei unserem Asylverfahren in Deutschland, die Fälle, in denen Menschen unberechtigterweise versuchen, Hilfe zu erhalten, recht gut herausgefischt werden. Mir scheint, dass das Asylrecht viel strenger ist, als es von vielen dargestellt oder angenommen wird. Woher sonst kommen solche Aussagen, dass man natürlich niemandem die Hilfe verweigert, der tatsächlich verfolgt wird, wettert aber gleichzeitig, dass viel zu viele Ausländer nach Deutschland kommen? Das kann doch nur heißen, dass man dem Asylverfahren nicht traut. Mich würde mal interessieren, welche Grundlage dieses Misstrauen hat.
Was auch Frust schafft, ist: 1,5 Mio Aufstocker in Deutschland, Tendenz steigend - Menschen gehen Vollzeit arbeiten, aber nicht mal das reicht. Rentner haben auch nach zig Arbeitsjahren für den Staat immer weniger im Sack, die Altersarmut wächst, das Flaschenpfand wird erhöht, damit arme Menschen mehr daran verdienen (es ist so bizarr, dass es kaum auszuhalten ist). Das Bildungsniveau sinkt, immer weniger Jugendliche finden Arbeit oder wollen sie finden, der Sozialstaat pfeift auf dem letzten Loch. Und für Asylanten ist Geld da - das empfinden viele Mensch als ungerecht.
Es ist aber ziemlich naiv, zu glauben, dass die Probleme gelöst oder zumindest leichter in den Griff gebracht werden können, indem man möglichst wenig Ausländer rein lässt.
Und das sind alles reale Probleme, die Menschen Angst machen, die sie frustrieren. Und dann wedelt ein Depp mit tollen Vesprechungen und einem schwülstigen Namen (Pegida) und neben den paar irren Xenophobikern rennen die besorgten und frustrierten Bürger hinter ihm her. Würden die Probleme endlich mal ganz sachlich angesprochen und bestehende Gesetze wirklich angewendet bzw. finanzielle Mittel anders verteilt, gäbe es Pegida gar nicht.
Ich vermute, du hast Recht, aber das klingt einfacher als es ist.
Man kann diese Menschen dumm finden, sie belächeln, ihre Meinung blöd finden, ihre Ängste nicht nachvollziehen können. Aber sie haben das demokratische Recht darauf und auch das Recht, sich zu offenbaren und zu äußern. Es ist ebenso erlaubt, die Ansicht nicht zu teilen und auch das zu äußern - aber beide Seiten müssen damit leben. Punkt.
Und selbst wenn diese Ängste unbegründet sind - dann kläre ich doch auf statt zu stigmatisieren und vorzuverurteilen.
Du hast Recht, dass Vorwürfe, Vorurteile und Schubladendenken nicht weiterbringen. Und ich gebe zu, dass mir das manchmal schwer fällt. Bei mir ist eben im Hinblick auf diese Menschen Wut und Angst mit im Spiel, sodass es eben leider nicht immer gelingt, sachlich zu bleiben.
Aufklärung... hm... Wen klärst du worüber auf? (Nicht als provokante, sondern ganz sachliche Frage gemeint.) Das Problem, bei dem Versuch, aufzuklären, scheint mir zu sein, dass die Informationen und Hinweise, kaum bei den Pegida-Sympathisanten ankommen. Selbstverständlich liegt das nicht einfach nur daran, dass sie so stur wären, und auf nichts mehr hören, sondern wohl oft genau an dem, was du eben auch kritisierst, dass sie sich nicht ernstgenommen fühlen. Von jemandem, der meine Probleme pauschal als Unsinn abtut, lasse ich mir auch nichts sagen. Eigentlich verständlich, aber eben doch auch frustrierend, für diejenigen, die eigentlich versuchen, ihr Gegenüber ernstzunehmen, aber von denen trotzdem als "verständnislose Gegner" wahrgenommen werden. Darum liegt es vielleicht auch und gerade in der Hand von Menschen wie dir, die deutlich mehr Verständnis haben, Aufzuklären, und andere Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Jemand wie ich, hat da keine Chance, dessen bin ich mir ziemlich bewusst. Ich hoffe eher, dass meine Beiträge und meine Gedanken, diejenigen zum Nachdenken bringen, die irgendwie unschlüssig sind und gar nicht mehr wissen, was sie von dem Ganzen halten sollen. Außerdem geht mir grade noch durch den Kopf, dass es mich sehr freuen würde, wenn Menschen wie du, die versuchen, mit viel Verständnis aufzuklären, von meinen Gedanken profitieren und etwas davon bei ihren Aufklärungsversuchen brauchen können.
Und ganz ehrlich - glaubt irgend jemand hier wirklich, diese Massenhysterie und das Geplärre der Medien und hochrangigen Politik in Bezug auf Pegida entspringt der wirklichen Sorge um ein paar Migranten?
Um ehrlich zu sein, die Motive der Politiker, etc. sind mir relativ egal, solange sie das menschenwürdigere tun...
Liebe Grüße
M.