Sei mir nicht böse. Aber einerseits sagst du, dass sich eine gesunde Partnerschaft für dich total befremdlich anhört. Und gleichzeitig jammerst du, dass du diese nicht findest. Wenn es eine solche in deinen Augen also ohnehin nicht gibt: warum suchst du dann? Ich denke, du solltest zuerst mal an deinen Altlasten arbeiten (darüber hinwegkommen), ehe du wieder auf Partnersuche gehst.
Das ist Alles leichter gesagt als getan: Wie soll ich den über Altlasten hinwegkommen, wenn ich nicht aktiv an einer Veränderung arbeite? Ich gebe zu: Eine 'gesunde' Partnerschaft hört sich für mich tatsächlich ein wenig befremdlich an - als ob mir jemand ernsthaft erklären wolle, dass die Erde flach ist -, einfach weil ich in meiner Vergangenheit viele schlechte Erfahrungen mit Liebe und Sexualität gesammelt habe.
Aber genau deswegen gehe ich doch auf Partnersuche: Weil Sachen wie 'gesunde Partnerschaft', 'glücklich verliebt' oder 'schöne Sexualität' sehr nach Oxymora anhören, ich aber bereit bin die Grautöne zwischen meinen Schwarz/Weiß Gedanken zu finden. Wie sollte ich denn sonsten von diesen Gedanken loskommen?
Das ich hier jammere, ist letztlich die Folge dessen, dass ich mich in (für mich) 'gefährliche' Situationen bringe um mich zu bessern, gleichzeitig aber auf so dreiste Weise davon abgehalten werde. Ich versuche mir selber immer wieder klar zu machen, dass meine zynischen Gedanken nicht unbedingt der Realität versprechen müssen, aber wenn ich mich durchboxe und mit dem Zug zu einem Date in eine nahegelegene Stadt fahre, nur um dann mit schlechten Ausreden ein paar Minuten vorher sitzen gelassen zu werden .. ist es da wirklich so unverständlich, dass die negativen Gedanken und mein Zynismus wieder hochkommen?
Wie gesagt: Ich will mich ja bessern, meine Gedanken kritisch hinterfragen und neue Erfahrungen sammeln aber wenn ich mehrere Male in einer Woche kurz vor dem Date faule Absagen bekomme, dann verstärkt das in solchen Momenten logischerweise meine Annahme, dass es 'gesunde Partnerschaften' nicht gibt.
Sei einfach ein Mann und stehe darüber. Wenn du für eine Frau in eine andere Stadt fährst, schau vorher im Internet nach, was du dort alleine machen kannst, für den Fall, dass sie nicht erscheint. Dann kannst du dir wenigstens einen schönen Tag dort machen. Und wer weiß? Vielleicht holst du dir dann Pommes an der stadtbesten Pommesbude, kommst da mit einem Mädel ins Gespräch (das vielleicht ebenfalls versetzt wurde) und am Ende wird dann was aus euch? Du würdest auf jeden Fall attraktiver rüberkommen, wenn du sagst "eigentlich war ich hier verabredet, aber sie ist nicht gekommen. Egal, gibt ja so viel zu entdecken", wie wenn du erst ewig darüber herziehst, dass du versetzt wurdest. Da steht die Frau dann irgendwann neben dir und denkt sich "kein Wunder, auf so einen frustrierten Mann hätte ich auch keine Lust".
Aber ist das nicht ein bisschen abstrakt und (vor Allem) sehr viel verlangt? Darf ich wirklich keine Emotionen haben, einfach nur weil ich ein Mann bin und theoretisch an der nächsten Pommessbude eine Frau kennenlernen könnte? Für mich hört sich das nach viel Idealismus und Träumereien an, denn wie groß sind denn tatsächlich die Chancen für so einen Fall? Und ist es das wirklich wert, für so geringe Chancen seine Emotionen zu verdrängen und zu leugnen?
Und ich hoffe du bist mir dafür jetzt nicht böse, aber: Für mich fühlt sich das auch nach einer ganzen Hand voll Sexismus an. Das klingt jetzt vielleicht blöd aber es wird oft davon geredet, dass Männer doch ehrlicher mit ihren Gefühlen umgehen sollen und wenn man dies dann - anonym in einem Online Forum - macht, kommt die Aussage: "Sei einfach ein Mann und steh drüber." Das gibt einem wieder den Eindruck, als wären männliche Emotionen immer falsch bzw. als müssten Männer in jeder Situation mit Allem klarkommen. Das finde ich falsch.
Ich verstehe was du mir damit sagen willst, aber letztlich äußere ich meinen Frust doch in einem Online Forum und eben nicht bei der jungen Frau an der Pommesbude. Eben weil ich weiß, dass man als Mann seine Emotionen immer kontrollieren können und über Allem stehen muss. Deswegen schreibe ich meine Probleme auch hier ins Forum und da sind solche Aussagen irgendwie kontraproduktiv.
Liebe kannst Du nicht suchen, die findet Dich.
Ich finde das ist immer eine schön pauschale Aussage, mit der man jede Konversation über Liebe und Einsamkeit sofort unterbinden kann. Denn statt aktiv nach Lösungen für das eigene Problem zu suchen wird einem geraten, einfach nichts zu tun und das wird dann schon. Und wenn man dann nichts macht, dann kommt wieder die Aussage: "Ja gut: Wer nicht sucht, der kann auch nicht finden." Und schon befindet man sich in einer schönen Gedankenspirale die einem keinen Ausweg ermöglicht.
Das ist einfach kein Rat, dem ich folgen kann. Denn wo im Leben verbessert man seine Situation schon damit, einfach 'aufzuhören' danach zu streben? In Freundschaften? Im Beruf? In der Familie? Bei persönlichen Zielen? Für Alles muss man hart arbeiten und aktiv am Leben teilnehmen. Warum sollte das in der Liebe anders sein?
Wer tinder zum dating braucht, hat eigentlich schon verloren.
Ich bin in mrinem aktivsten jahr mit 24 jeden abend mit freunden weggegagen und habe bestimmt an 4 von 7 irgendeine frau kennen gelernt mit der zumindest geknutscht wurde.
Mal war es ein ONS, mal ging es ein paar wochen oder monate und manchmal wurde eine längere beziehung daraus. Für mich klappt das noch heute gut und ich habe eine tolle beziehung so gefunden mit einer megaheissen frau.
Vielleicht hat das für dich gut funktioniert, ich muss aus eigener Erfahrung aber sagen, dass ich so nie Frauen kennengelernt habe, die mich längerfristig interessiert haben.