Hallo
@Drölfchen , ich war (und bin im Prinzip wieder) in einer ganz ähnlichen Situation wie du und kann dich deshalb gut verstehen.
Wie viel Betreuung und Pflege braucht dein Vater zusätzlich zu dem, was der Pflegedienst leistet, den im Augenblick? Läuft das mit diesem Dienst inzwischen soweit gut? Hätten die noch zusätzliche Kapazitäten und wären weitere Leistungen noch über den Pflegegrad zu finanzieren? Ich denke, dass man an der Stelle wirklich alles ausschöpfen muss, weiß aber auch, dass es oft nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, was professionelle Dienste leisten (können). Das gleiche gilt für eine über den Entlastungsbetrag bezahlte Haushaltshilfe/Betreuung, auch hier ist es erstens schwer jemanden zu finden und zweitens reichen die paar Stunden nicht annähernd, aber trotzdem besser etwas Unterstützung als gar keine. Warst du schon mal zu einer Beratung bei einem Pflegestützpunkt? Ich habe damit hier in unserem Landkreis ziemlich gute Erfahrungen gemacht. Eine Selbsthilfefruppe für pflegende Angehörige war weniger hilfreich (und hat für die Zeit, die ich dort war, zu Betreungsschwierigkeiten geführt) aber auch nicht verkehrt. Kommt wahrscheinlich sehr auf die einzelne Gruppe an.
Vor allem würde ich in der Familie ganz klar kommunizieren, dass du an deiner Belastungsgrenze bzw. schon darüber bist und deshalb jetzt zur Abwechslung mal deren Hilfe und Unterstützung brauchst. Und vor allem, dass du dich von denen nicht mehr weiter unter Druck setzen und dir kein schlechtes Gewissen machen lässt. Das ist sicher nicht einfach und wird auch zu keinem schnellen Einsehen führen, dafür ist es für alle zu bequem wie es bisher lief, aber es ist die einzige Möglichkeit überhaupt was zu ändern. Dir dann wirklich kein schlechtes Gewissen machen ist natürlich einfacher gesagt als getan und auch dafür wäre eine Therapie sicher sehr hilfreich. Hier beißt sich natürlich die Katze in den Schwanz, ich konnte in der Zeit, als die Belstung durch die Pflege am größten war, auch keine Therapie machen.
Den Gedanken, was passieren würde, wenn ich z.B. einen Autounfall hätte und vom Einkaufen nicht nach Hause käme, hatte und habe ich oft. Ich fürchte nur, dass es selbst dann keine auch nur ansatzweise gute Lösung gäbe. Aus der Familie könnte/wollte/würde niemand für mich einspringen und die einzige Maßnahme wäre die Unterbringung in einem Pflegeheim, was gegen den erklärten ausdrücklichen Willen einer alten Person gar nicht so einfach ist, wenn die sich völlig quer stellt. Da muss sie erst annfangen zu verwahrlosen und es muss offensichtlich sein wie hilflos sie ist, bevor da etwas passiert. Da ich nicht weiß, wie selbstständig dein Vater noch ist, wie seine körperlichen Möglichkeiten und seine gesitigen Fähigkeiten sind und wie lange er nach außen noch irgendwie "den Schein wahren" und auf sein Recht zu verwahrlosen verweisen kann, bin ich nicht sicher, ob ich dir raten würde es darauf anzulegen. Wenn er nicht mehr in der Lage ist Verantwortung für sich selber zu übernehmen und gleichzeitig (aus welchen Gründen auch immer) stur bleibt, kann ich gut verstehen, dass du keinen Druck auf ihn ausüben möchtest. Selber habe ich eine sehr gute aber auch schlechte bis sehr schlechte Erfahrungen mit erzwungener Kurzzeitpflege gemacht. Trotzdem wäre es sicher eine wichtige Möglichkeit für dich um mal kurz Luft holen zu können, wenn du deinen Vater mal für zwei oder drei Wochen (drei Wochen wird über die Verhinderungspflege bezahlt) in einem Pflegeheim unterbringen könntest.
Ich hoffe, ich habe dich nicht mit meinm Text erschlagen, wünsche dir jedenfalls, dass du möglichst schnell einen Weg findest, wie du deine Situation zumindest etwas erleichtern kannst.