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Nicht wichtig

Drölfchen

Aktives Mitglied
"Das ist jetzt nicht wichtig"
(Du bist nicht wichtig)

2023 zerpflückte ich mir aus dem Nichts die Schulter.
Termin beim Orthopäden, die schreienden Schmerzen Im Arm waren brutal.
Ich bekam währenddessen einen Anruf von einer Verwandten.
"Du musst dich jetzt um deine Mutter kümmern oder willst du, dass sie morgen tot im Stall liegt? Deine Schulter ist jetzt nicht wichtig, du bist noch jung."

Der Neurologe diagnostizierte 2 Monate später eine Parese in meinem rechten Arm.
Ausfallerscheinungen hatte ich ja schon. Ich konnte mit der rechten Hand nichts mehr festhalten.
An diesem Tag ging es mir sehr schlecht. Ich legte mich hin und wachte mit hohem Fieber auf: Ich hatte on top das erste Mal Corona.
Meine Eltern hatte ich leider unbemerkt auch infiziert.
Natürlich klingelte schon schnell mein Telefon. "Du musst dich jetzt um deine Eltern kümmern. Du hast zwar auch Corona, aber bist schließlich jünger." Ständig klingelte mein Telefon, ich musste nebenbei gesund werden.

In den Wochen davor mit schreienden Schmerzen im Arm half mir niemand.
Ich habe normal gearbeitet, hab versucht alles soweit mit links zu machen. Meinen Haushalt schaffte ich aber nicht mehr. Mein Partner hat nur mit den Achseln gezuckt "Dann ist halt nicht gesaugt und wen interessieren die Fenster". Ich musste viel bitten in der Zeit und um Hilfe beim z.B. Wäsche aufhängen immer wieder geradezu betteln.

Das mündete in der Diagnose einer schweren Depression Ende 2023, etwas wofür ich mich schäme. So schwach...
Immer in meinem Kopf: Stell dich nicht so an, du musst einfach nur!

Ab Februar 2024 kümmerte ich mich um meine Mutter/Eltern. Letzten Sommer starb meine Mutter. Jeden Tag in dieser Zeit wurde ich aufgefordert, etwas zu tun. "Du musst doch, kümmer dich..."

Ich habe es nicht geschafft!!! Meine Mutter lebt nicht mehr.
Ich konnte auch das Haustier meiner Schwester nicht retten, dass nur wenige Tage nach meiner Mutter starb.
Ich konnte nur versuchen, irgendwie da zu sein für sie und meinen Vater - denen ging es ja schlechter als mir. Und mein Vater bat mich jeden Tag darum, mich um meine Schwester zu kümmern.
Ich konnte auch mein eigenes Haustier nicht schützen, das 4 Wochen später notoperiert wurde und seitdem sehr sehr krank ist.
Ich habe nicht gut auf meine Tiere geachtet in der Zeit. Ich habe Schuld auf mich geladen, ich habe Leid und Schaden verursacht.
Ich konnte auch meiner Arbeit nicht mehr nachgehen, habe Leute hängen lassen...

Jetzt passiert das alles gerade ähnlich und ich packe immer weniger, versage immer mehr.
Und immer noch in meinem Kopf: Stell dich nicht so an, du musst einfach nur!
Aber ich versage gerade. So schwach...
 

Hallo Drölfchen,

schau mal hier: Nicht wichtig. Hier findest du vielleicht was du suchst.

Ich kann nur schreiben: Ich verstehe dich. Vieles habe ich ähnlich erlebt. Ohne äußeren Antreiber, weil niemand außer mir da ist, der sich kümmern kann.

Bist oder warst du in Therapie?
 
Andere sehen von Aussen andere Prioritäten und wenn es für dich in dem Moment nicht geht, dann musst du das für dich feststellen und auch nach aussen kommunizieren. Habe ich auch gemacht. Kontakte auslaufen lassen oder mich auch nicht mehr kontaktieren lassen, weil es mir zu anstrengend war und einfach zu viel.

Wer setzt dich so unter Druck.
 
Ich kann das nur bewältigen, wenn ich den Kontakt auf Sparflamme halte und sage, dass ich im Moment nicht kann und mich melde, wenn es geht. Wenn sie das nicht akzeptieren, dann eben nicht. Es ist ansonsten viel zu anstrengend und ein schlechtes Gewissen und Druck macht man sich doch selbst schon genug.
 
Man muss klar sagen, dass man selber auch seine Grenzen hat und dass es ab einem gewissen Punkt nicht mehr geht. Ich weiß, dass das schwer und belastend ist und an die Nerven geht. Aber von alleine kennen andere Menschen keine Grenzen, die gehen beliebig weit. Man muss den anderen Grenzen setzen oder man geht selber kaputt.
 
Ich hatte auch schon mal wegen einer extrem schweren Zeit, auch gesundheitlich, gesagt, dass ich im Moment nicht kann und mich melde, wenn es wieder geht.

Natürlich hat man "emotionale" Verpflichtungen, aber wenn man keine Grenzen setzt, macht man sich einfach selbst fertig ab einem bestimmten Punkt. Und oft können andere das auch nicht nachvollziehen, wenn man sagt, dass man nicht mehr kann.
 
Jetzt passiert das alles gerade ähnlich und ich packe immer weniger, versage immer mehr.
Und immer noch in meinem Kopf: Stell dich nicht so an, du musst einfach nur!
Aber ich versage gerade. So schwach.
Jeder ist irgendwann an seine Grenzen gekommen.
Du hast deine längst überschritten.
Sei mal fürsorglich zu dir selbst.
Auch du musst nicht immer stark sein!
Auch du darfst dich schwach fühlen und du darfst ( und musst ) auch auf dich aufpassen.
Ich weiß, das hört sich einfacher an , als es ist.
 

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