Mir wurde häufig Passivität vorgeworfen, ich sei zu passiv, zu abwartend und daraus erwachse auch nichts.
Es ist schwierig.
Ich bin aus mehreren Vereinen ausgetreten, nachdem ich gemerkt habe, dass es niemanden juckt, wenn ich dort fernbleibe. Oder es wurden Trainingszeiten verschoben und ich bin nicht informiert worden. Ich habe daraufhin meine Kündigung formuliert und da anschließend bis auf den Standardprozess auch nichts mehr weiter kam, war es nicht schade drum.
Leider stelle ich fest, die Leute sind heute sehr mit sich beschäftigt. Einige haben einen sehr festen Freundeskreis, einige extrem zeitintensive Hobbys und wiederum anderen ist sterbenslangweilig und sie kriegen ein regelmäßiges Melden trotzdem nicht auf die Reihe.
Gestern Abend schreibt mir eine Bekannte, die sich alle paar Wochen mal meldet, plötzlich, ob ich heute vormittag Zeit hätte, gemeinsam ins Fitness Studio zu gehen. Nö, hab ich nicht, ich habe auch mein Programm und sei es nur Wäsche waschen.
Also Planung allgemein ist zu Zeiten von Whatsapp "out", da wird Spontantität erwartet. Aber häufig lassen diese Leute dann wochenlang nichts von sich hören, weil zu beschäftigt. Wers glaubt.
Eine Kollegin hatte mich während einer längeren Krankheitsphase nicht einmal gefragt, wie es mir geht. Das Telefon klebt non stop bei ihr an der Hand. Als ich wieder im Büro war meinte sie, ich hätte ja so garnichts von mir hören lassen. Soll ich jetzt den Leuten meinen Genesungszustand schreiben? Umgekehrt habe ich dann gefragt, wieso sie nicht mal geschrieben habe. Angeblich keine Zeit. Ja - keine Zeit eine Whatsapp zu senden, gibt es eigentlich nicht.
Ich glaube, viele Leute sind heute überfordert und aufgrund von zuvieler Einflüsse nicht mehr fähig, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen.