Hallo Rotfuchs7,
so etwas kann dir leider immer wieder passieren, dass du in Situationen gerätst, in denen Durchhalten gefordert ist und man aufpassen muss, gesundheitlich nicht unter die Räder zu kommen. Die Aspekte, die du genannt hast, würden mich auch massiv stören und ich würde ebenfalls in dieser Firma keine Perspektive sehen - es sei denn, die Vorgesetzte ändert sich, denn damit geht ganz oft auch ein Wandel in der Atmosphäre und im Kollegenmiteinander einher. Bei der Kürze der Zeit, die du noch im Unternehmen bleibst, ist das aber nicht zu erwarten. Sonst hätte ich auch empfohlen, das Gespräch mit (sofern vorhanden) Betriebsrat oder dem Chef-Chef zu führen. Da du die Umstände nicht so kurzfristig ändern kannst, kannst du wirklich nur deine Haltung ändern. Das ist durchaus möglich und ist das, was man im allgemeinen Sprachgebrauch auch ein dickeres Fell nennt. Auf Knopfdruck wächst das leider nicht, beim einen klappt es schneller als beim anderen, bei weiteren gar nicht - häufig, weil sie zu schnell resignieren, denn das muss man trainieren (s.u.).
Falls dir alles zuviel wird und du es dir nicht leistne kannst, den Job zu schmeißen, dann nimm das Angebot der Psychiaterin (?) an und lass dich krankschreiben. Da das Überstehen der Probezeit für dich irrelevant ist kannst du dir das in diesem Unternehmen schon leisten - und letztlich hat diese grottige Vorgesetzte das ja auch mitzuverantworten, so dass sich dein schlechtes Gewissen in Grenzen halten sollte.
Dennoch kannst du zuvor auch mal versuchen, dich selber umzusteuern hin zu einer entspannteren Haltung. Schließlich kann dir so etwas immer wieder passieren und dann kennst du schon eine Strategie, wie du dem Ganzen begegnen kannst. Tatsächlich kenne ich auch den Tipp, sich zeternde Vorgesetzte nackt vorzustellen, um der Situation den Ernst zu nehmen.
Du weißt ja mittlerweile auch, dass das Problem in der Vorgesetzten begründet ist, es nicht an dir liegt. Das hilft schon einmal sehr bei der Abgrenzung. Und dann lass die Chefin einfach reden und denk dir, jaja... nick freundlich, lächele, dann dreh dich um und zeig ihr im Geiste den Mittelfinger. Arbeite in deinem Tempo, lass dich nicht hetzen. Überzeichne ruhig ein wenig mit deinen Reaktionen; Widerstände lassen sich schneller durchbrechen, wenn du gedanklich mitgehst. Das kannst du dir schön an einem knorrigen Baum veranschaulichen. Stell dir Wind vor, der dagegen drückt. Das ist sehr anstrengend, dem Druck standzuhalten. Und dann stell dir Bambus vor, der sich zur Seite drücken lässt.. aber nicht bricht. Es geht hier wirklich um deine innere Haltung. Die Frau kann dir doch eigentlich nichts, denn du gehst eh bald.
Dann such dir Verbündete unter den Kolleg*innen, die ebenfalls leiden. Sich voreinander auszukotzen hilft ebenfalls um Spannungen abzubauen. Das Mit-Leid ist da ein wesentlicher Faktor. Geteiltes Leid ist halbes Leid, heißt es nicht umsonst. Schafft euch schöne Momente z. B. in den gemeinsamen Pausen - denn es heißt auch, dass geteilte Freude doppelte Freude bedeutet. Back doch einfach mal einen Kuchen und dann sagst du, dass du einfach mal einen Anlass zur Freude schaffen wolltest.
Weiterhin kannst du dich mal mit Übungen zur Förderung der Achtsamkeit auseinander setzen. Sehr effektiv sind da Atemübungen. Wenn dich etwas ärgert, mach eine Toilettenpause und verbinde die mit einer Atemübung. Mit dem Atem lassen sich Spannungen wirklich toll herunterregulieren. Ich habe dir
hier mal eine sehr effektive Übung verlinkt, die 4711-Methode. Im Netz findest du viele weitere Atemübungen. Krankenkassen stellen dazu auch ganz viel bereit und ich weiß von der AOK und von der Barmer, dass sie dazu etwas bereit halten. Und natürlich kann man auch Achtsamkurse belegen. Online, aber auch in Präsenz. Schau dann zu, dass das ein zertifizierter Kurs ist. Dann kostet dich die Teilnahme nämlich i. d. R. gar nichts, da die gesetzlichen Krankenkassen für jeden Versicherten ein individuelles Präventionsbudget im Gegenwert von ca. 200 Euro/Jahr bereit halten. Google mal nach Präventionsdatenbank + Name deiner gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) - da findest du viele zertifizierte Angebote auch in Nähe deines Wohnortes.
Es gibt einen sehr schlauen Ausspruch des Psychiaters und Neurologen Viktor Frankl "Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit" Will sagen: Du hast immer mehrere Handlungsoptionen auf äußere Reize. Das muss nicht zwingend der Ärger sein. Du musst dir darüber nur klar werden und du musst diese Zeit nutzen, um dir zu überlegen, wie du darauf reagieren willst. Probiere das mal aus.
Um das besser zu veranschaulichen findest du zum Schluss
hier noch ein kleines Video. Vielleicht kommst du damit ja weiter. Achtsamkeit kann ein echter Schlüssel zu mehr Lebensfreude sein. Probier es einfach mal aus. DU entscheidest, wie du mit dieser ätzenden Vorgesetzten umgehst.