AW: Neid zerfrisst mich
Ich verstehe dich, denn mir gings viele Jahre auch so. Es war weniger Neid - und ich denke, dass du da das Wort einfach etwas ungelücklich gewählt hast? - als denn die Traurigkeit, all die Dinge nicht zu können, die ich an anderen so bewunderte.
Gegönnt hab ich es den anderen schon - aber ich wollte es halt auch haben.
Doch irgendwann, als ich dann Musiklehrerin werden durfte, sah ich mich permanent Menschen gegenüber, die äußerten, sie würden "ja auch so gern, aber hätten eben null Begabungen".
Ehrlich? Ich habe zig Hunderte von Instrumentalschülern unterrichtet im Laufe der Jahrzehnte - reelle fehlende musikalische Begabung war vielleicht 5x dabei. Ansonsten nur eigene Fehleinschätzung - natürlich waren diese Begabungen unterschiedlich ausgeprägt, die Schwerpunkte lagen jeweils völlig anders. Aber talentfrei war kaum einer.
Und hier spreche ich nun nur von der Musik. Aber ich denke, es lässt sich auf alle anderen Gebiete übertragen.
Du hast Begabungen - jeder Mensch hat sie. Ich sehe es an deinen Zeilen - wie du schreibst, dich reflektierst. Aber selbst wenn du das nicht so könntest - niemand ist "begabungsfrei"!
Suche danach, frage Freunde, was sie an und in dir sehen, schau, was dich wirklich von Herzen interessiert - und mach was draus. Und das zunächst nicht auf zu hohem Niveau - daran scheitert man zu schnell.
Sondern dort, wo man grad steht.
Es erfordert Mut, ich weiß. Aber nur so kommst du aus dieser negativen Gedankenspirale raus. Ich bins auch, meine Schüler haben mich dies gelehrt und ich bin ihnen von Herzen dankbar dafür.
Magst es mal so versuchen - schauen, wo deine Interessen sind und dann dich dort orientieren?
Ich würde mich freuen.
LG
annakarina