Nordrheiner
Sehr aktives Mitglied
Einer meiner Nachbarn Gregor fährt mit mir ab und zu einkaufen, weil er kein Auto besitzt. Er ist behindert und bewegt sich öffentlich mit einem Elektro-Mobil. Weil er eher auf die ganze Welt schimpft, ist er nicht beliebt. Er ist schon eigensinnig. Im Januar hat er einen Schlaganfall erlitten. Er sprach verwirrt, hatte Verfolgungswahn. Er kam ins Krankenhaus, wurde nach mehrwöchiger Behandlung als gesund entlassen.
Vor ca. 2 Wochen rief ich ihn an, um zu erfahren, wie es ihm geht. Ich war besorgt, weil er tags zuvor wieder verwirrt sprach und sogar eine imaginäre Stimme in der Garage gehört hatte, in der er sich bei Kälte im T-Shirt 4 Stunden lang aufhielt. Er hob nicht ab. Auch auf mein Schellen und Klopfen reagierte er nicht. Ich informierte die Polizei, da ich Schlimmstes befürchtete. Die Polizei incl. Feuerwehr rückte an. Nach mehrmaligem Schellen wurde die Türe aufgebrochen. Das dauerte 15 Minuten! Was für ein Krach. Als Polizei, Feuerwehr und Notarzt bei Gregor vor dem Bett standen, drehte sich Gregor im Bett um und sagte ganz klar: "Ich empfehle ihnen, meine Herren, dass sie wieder nach Hause gehen".
Gestern fragte ich ihn, warum er bei dem Lärm nicht an die Türe gegangen sei. "So hätte doch jeder normale Mensch gehandelt." Er meinte: "Nö, ich mache das aber nicht. Ich mache was ich will."
Er gehört ins Krankenhaus, ist verwirrt, packt die Realität nicht mehr. Aber er geht freiwillig nicht ins Krankenhaus, weil man ihn vergiften könnte. Niemand kann etwas tun.... Freiheitsrechte.... und solange er niemanden angreift oder Suizidabsichten äussert, lebt er eben wie er lebt. Ich versorge ihn, soweit es mir möglich ist. Keiner der Nachbarn möchte etwas mit ihm zu tun haben. Er riecht schon mal unangenehm.
Man kann nur eben die Augen offen halten und ins Gespräch kommen... Auch er wird vermutlich eines Tages einfach "einschlafen". Ich bin sein einziger "Angehöriger" - und nicht verwandt. Auch das gehört zum Leben.
Es kann jedem von uns passieren. Alt werden, einsam sein, die Realität nicht mehr verstehen.
-------------
Eben hat bei mir der Hauseigentümer angerufen. Er erzählte, dass er Gregor die Kündigung per Einschreiben zugeschickt hätte, aber die sei nicht abgeholt bzw. entgegengenommen worden. Der Hauseigentümer fragte, ob ich so nett wäre, Gregor die Kündigung persönlich zu übergeben. Nein, ich bin nicht so nett.
Ich erzählte, dass Gregor doch krank bzw. verwirrt sei und da sei Nächstenhilfe und Nächstenliebe gefragt. "Ja" meinte der Eigentümer, "aber das geht zu meinen Lasten. Je länger Sie ihm helfen, je schwieriger wird es für mich, ihn aus der Wohnung zu kriegen."
Tja, das ist dann eben so.
Vor ca. 2 Wochen rief ich ihn an, um zu erfahren, wie es ihm geht. Ich war besorgt, weil er tags zuvor wieder verwirrt sprach und sogar eine imaginäre Stimme in der Garage gehört hatte, in der er sich bei Kälte im T-Shirt 4 Stunden lang aufhielt. Er hob nicht ab. Auch auf mein Schellen und Klopfen reagierte er nicht. Ich informierte die Polizei, da ich Schlimmstes befürchtete. Die Polizei incl. Feuerwehr rückte an. Nach mehrmaligem Schellen wurde die Türe aufgebrochen. Das dauerte 15 Minuten! Was für ein Krach. Als Polizei, Feuerwehr und Notarzt bei Gregor vor dem Bett standen, drehte sich Gregor im Bett um und sagte ganz klar: "Ich empfehle ihnen, meine Herren, dass sie wieder nach Hause gehen".
Gestern fragte ich ihn, warum er bei dem Lärm nicht an die Türe gegangen sei. "So hätte doch jeder normale Mensch gehandelt." Er meinte: "Nö, ich mache das aber nicht. Ich mache was ich will."
Er gehört ins Krankenhaus, ist verwirrt, packt die Realität nicht mehr. Aber er geht freiwillig nicht ins Krankenhaus, weil man ihn vergiften könnte. Niemand kann etwas tun.... Freiheitsrechte.... und solange er niemanden angreift oder Suizidabsichten äussert, lebt er eben wie er lebt. Ich versorge ihn, soweit es mir möglich ist. Keiner der Nachbarn möchte etwas mit ihm zu tun haben. Er riecht schon mal unangenehm.
Man kann nur eben die Augen offen halten und ins Gespräch kommen... Auch er wird vermutlich eines Tages einfach "einschlafen". Ich bin sein einziger "Angehöriger" - und nicht verwandt. Auch das gehört zum Leben.
Es kann jedem von uns passieren. Alt werden, einsam sein, die Realität nicht mehr verstehen.
-------------
Eben hat bei mir der Hauseigentümer angerufen. Er erzählte, dass er Gregor die Kündigung per Einschreiben zugeschickt hätte, aber die sei nicht abgeholt bzw. entgegengenommen worden. Der Hauseigentümer fragte, ob ich so nett wäre, Gregor die Kündigung persönlich zu übergeben. Nein, ich bin nicht so nett.
Ich erzählte, dass Gregor doch krank bzw. verwirrt sei und da sei Nächstenhilfe und Nächstenliebe gefragt. "Ja" meinte der Eigentümer, "aber das geht zu meinen Lasten. Je länger Sie ihm helfen, je schwieriger wird es für mich, ihn aus der Wohnung zu kriegen."
Tja, das ist dann eben so.