ich gebe euch im Prinzip zwar Recht damit, dass man seinen Eltern sozusagen "moralisch" verpflichtet ist, sie an Weihnachten und auch sonst nicht im Stich zu lassen, aber- so einfach schwarz-weiß denken ist da eben auch nicht angesagt. Mir fallen da einige Punkte zu ein.
Zum einen sollte man als Kind schon den freiwilligen, ehrlichen Wunsch auf Gemeinsamkeit empfinden, oder anders ausgedrückt, dieser Wunsch sollte sich von selbst einstellen oder eben spät das schlechte Gewissen sollte sich irgendwann melden. Das widerum ist wohl nur dann der Fall, wenn man ein halbwegs gutes und liebevolles Verhältnis zu seinen Eltern hat. Wie das Verhältnis in diesem Fall ist, wissen wir ja nicht. Man muss auch keine schlimme Kindheit gehabt haben, damit eine Distanz entsteht. Wenn man einen Besuch bei den Eltern nur noch als lästige Pflicht empfindet, dann muss ja irgendwas vorgefallen sein, oder die Eltern verhalten sich so, dass man sich extrem unwohl fühlt, wenn man bei ihnen ist.
Zum anderen, Familie ist doch nicht wichtiger als der Freund oder Lebenspartner, was soll das denn? Das mag vielleicht auf unreife Beziehungen zutreffen, wo man sich nach dem ersten Streit wieder trennt oder wo die Beziehung noch nicht gefestigt ist. Wie wichtig einem der Partner ist und welch wichtige Rolle dieser im Leben eines Menschen spielt, kann nur jeder für sich entscheiden.
Die Mutter ist ein erwachsener Mensch. So hart das klingen mag, aber sie darf und sollte sich nicht von ihrem Kind abhängig machen. Was machen denn andere Menschen, die keine Familie haben oder wo die Kinder nicht kommen können, aus welchen Gründen auch immer? So eine Abhängigkeit ist sicherlich auch nicht gut für einen Menschen. Natürlich ist es mit Familie viel schöner als alleine zu sein. Aber die Mutter sollte sich nicht so von ihrem Kind abhängig machen, dass sie quasi in Depressionen verfällt, wenn man sie an Weihnachten alleine lässt. Sie muss aktiv werden, wenn sie sich an Weihnachten zu einsam fühlt. Sie hat vielleicht keine Freunde und ist auch ansonsten sozial eher einsam und isoliert? Dann muss sie daran etwas ändern, sie könnte ja auch mit anderen Menschen etwas machen, Weihnachtsfeiern, Veranstaltungen besuchen, Menschen in ihrem Alter treffen, die auch alleine sind. Kostet natürlich Überwindung, das ist klar. Nur machen soviele Menschen den Fehler, das sie sich um keinerlei soziale Kontakte kümmern, und dann im Alter bitter enttäuscht sind, wenn ihre Kinder ihr eigenes Leben führen und nur selten vorbeikommen. Kinder sind nicht dazu da, ihren Eltern die sozialen Kontakte im Leben zu ersetzen, zumindest sollte man sich nicht ausschliesslich darauf verlassen.
Wenn die Kinder der einzige Sinn im Leben eines Menschen sind, dann läuft gehörig etwas schief.
Und sicherlich trägt auch diese Erwartungshaltung eine Menge dazu bei, dass man diese Feiertage als lästig empfindet, weil man eben jedes Jahr diese "Pflichtveranstaltung Weihnachten" über sich ergehen lassen muss. Und wenn die Eltern einem dann noch ein schlechtes Gewissen machen, indem sie sich eben genau so präsentieren, eben hilflos und einsam, damit setzen sie ihre Kinder nur unter Druck und sie kommen dann einfach nicht mehr gerne zu Besuch.
Eltern sollten auch selbstständiger sein, und ihr Lebensglück und ihren Alltag nicht von ihren Kindern abhängig machen. Was habe ich als Elternteil davon, wenn mein Kind mich nur aus einem lästigen Pflichtgefühl heraus besucht? Daran hätte ich sicherlich keine Freude.
Und dieses Gerede mit "Christenpflicht" usw finde ich einfach nur deplaziert. Ist ein Christ automatisch ein besserer Mensch als ein Atheist? Es gibt gute und schlechte Menschen. Ich kümmere mich doch nicht um andere Menschen, nur weil ich ein Christ bin. Andersrum wird doch eher ein Schuh draus. Für mich ist ein Mensch ein guter Mensch, der sich um alle Lebewesen kümmert, die Hilfe brauchen, die es schwer haben, die Not leiden, Schmerzen erleiden müssen, schlecht behandelt werden, denen Ungerechtigkeit widerfährt. Leider sind die meisten Menschen in ihrer ach so christlichen Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe dann doch eher einseitig eingestellt. Der Obdachlose ist dann eben selber schuld an seiner Situation, und wenn irgendwo ein Hund an der Kette gehalten wird und ein sehr schlechtes Leben hat, interessiert das den gemeinen Kirchgänger dann in der Regel auch nicht, genauso wenig wie die Millionen anderer Schicksale von Tieren, die Land auf Land ab und in anderen Ländern noch schlimmer, tagtäglich gequält werden. Interessiert nicht. Und für mich ist ein Mensch nur ein guter Mensch, wenn er sich für alle Lebewesen interessiert und sich vor allem informiert- und eben nicht nur Geld spendet, wenn die Kirche mal wieder einen Spendenaufruf für irgendein Projekt startet, dass der Kirche wichtig genug ist, dass man sich dafür einsetzt.