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Mitte 20, im Lehramtsreferendariat, depressiv verstimmt, einsam und orientierungslos – was ist der nächste Schritt?

Die KI wird für Lehrer in Zukunft ein wichtiges Tool sein, aber sie wird den Lehrer nicht ersetzen. Niemand lässt seine Kinder von einem Roboter betreuen, jedenfalls nicht in den nächsten 50 Jahren.
Ich halte den Beruf Lehrer für einen der zukunftsichersten überhaupt. Wir haben eine Zeit des Lehrer mangels, allerdings weniger für Deutschlehrer. Vielleicht da noch mal informieren
Überlege dir, ob du nach drei Wochen wirklich den Beruf Lehrer einschätzen kannst.
Frage dich, ob du neben dem Ref gegebenenfalls Vorbereitungen für Alternativen vorbereiten kannst.
Immerhin verdienst du etwas Geld(ich weiß, die Bezüge sind lächerlich), das dich hoffentlich existenziell absichert.
Falls du aufgrund hoher Miete deine Kosten nicht decken kannst, wäre das Projekt Referendariat doppelt zu überdenken.
Ich habe auch das Ref gemacht, es war die härteste Zeit meines Lebens.
Ich betone: die härteste, nicht die arbeitsreichste. Im Lehrerberuf arbeitet man mehr als im Ref.
Danach zu meiner Zeit Einstellungsstopp und drohende Arbeitslosigkeit.
Dann habe ich den Beruf durchgezogen. Ich war nicht so reflektiert wie du.
Sich jetzt zu überlegen, ob das gut war, ist in meinem Fall zu spät.

Wie du bin ich introvertiert. Das Sprechen vor großen Gruppen laugt tatsächlich aus.
Aber ich kann’s jetzt.
Schüler brauchen auch introvertierte Lehrer, die stillen und sensiblen.
Aber in deiner Betrachtung soll natürlich im Vordergrund stehen, was du brauchst.
Vielleicht kannst du dich in den nächsten zwei Jahren parallel ausprobieren. Es wird sicherlich eine harte Zeit, aber sie geht vorüber.
Voreilige Entscheidungen bereut man hinterher.
Ich wünsche dir viel Erfolg.
 
Wie du bin ich introvertiert. Das Sprechen vor großen Gruppen laugt tatsächlich aus.
Aber ich kann’s jetzt.
😍👍👍👍💪👏👏👏

Was ich nicht kann, übe ich, bis ich es kann.

Bei mir war/ist das mit ein Faktor, wieso es mir gut geht in meiner Haut, wieso ich mich über viel amüsieren kann, warum ich gerne lebe und eher nicht schreckhaft bin, weil mir viele "Siege" gelungen sind. Vorher hieß es, ich kanns nicht, nachher: ich kanns!!

Das kann man wie Sport sehen, lustvoll und mit Freude so lang tüfteln, bis angeblich Schweres gelingt. Mir kommt vor, das ist doch eins der nettesten "Spiele", die man spielen kann.
 
Nennt man das nicht Lampenfieber, wenn man sich so aufregt, wenn man vor einer Gruppe reden sollte?
Bei mir war das extrem arg, hochrot im Gesicht, gezittert wie nur was, die Stimme so komisch, die Knie ganz weich- ist das nicht eine übliche Regung, wenn man anfängt?
Ich habe mich umgehört, so ging es vielen.
Ab einem bestimmten Tag hat sich das gelegt, oder war das nur kurz aufflammend, dann gleich wieder weg. Je öfter man etwas Ungewöhnliches durchmacht, umso gewöhnlicher wird es.
Das ist doch bei allem so, bei vielen Anfängen gibts Hürden, die man überwinden wird, je mehr Routine im Spiel ist.
 
Was ich nicht kann, übe ich, bis ich es kann.
Nennt man das nicht Lampenfieber, wenn man sich so aufregt, wenn man vor einer Gruppe reden sollte?
Nein, Lampenfieber ist etwas ganz anderes.
Der TE hat das treffend beschrieben. Es laugt wirklich aus, wenn man vor 25-33 Schülern spricht. Lampenfieber hingegen ist eine gewisse ängstliche Nervosität.
Was der TE meint: eine hochintensive Konzentration, die es erlaubt, je nach Augenblick adäquat zu reagieren und dabei als Vorbild geordnet, anspruchsvoll und dennoch verständlich zu formulieren. Man muss in diesem Prozess Bedürfnisse der Schüler, ihr Interesse, Desinteresse, etc. ständig im Blick haben und gleichzeitig seine Rede organisieren. Ständig Redeverhältnisse überprüfen. (Lehrer sollte nicht zu viel sprechen, er soll auch Schüler sprechen lassen. Denen muss er aufmerksam zuhören und darauf wieder reagieren können beziehungsweise andere auffordern, darauf zu reagieren. Geistig abschalten ist in solchen Momenten nicht angesagt). Entscheidungen je nach Umständen treffen.
Auch als ich locker vor vielen Leuten sprechen konnte, hat mich das noch ausgelaugt.
Besonders, wenn ich krank war.
D.h., dass man dann einfach weniger Energie für anderes hat.
Die Frage ist, wie man dieses Energiedefizit kompensiert, beziehungsweise ob man überhaupt dazu bereit ist.

Dass du lieber TE überprüfst, ob das für die nächsten 40-43 Jahren dein Ding ist, kann ich gut verstehen.
Aber prüfe mit Bedacht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Was der TE meint: eine hochintensive Konzentration, die es erlaubt, je nach Augenblick adäquat zu reagieren und dabei als Vorbild geordnet, anspruchsvoll und dennoch verständlich zu formuliere
Naja, da stellt sich die Frage, welchen Anspruch man an sich selber anlegt. Menschen sind nicht immer gleichfit. Wenn das das Kriterium wäre dürfte wohl kaum noch jemand Lehrer werden.

M.E. ist es eher das Gesamtpaket, das man sich anschauen bzw. vor Augen führen sollte. Und ja, da ist das Sprechen vor Schülern eines von vielen Kriterien (und ja, bestimmt kann man das trainieren; ob man es jemals mögen wird ist aber noch einmal etwas anderes). Viel maßgeblicher fänd ich allerdings noch den Stress und die Lautstärke und somit auch die Kraftanstrengung, sich vor Schülern und heutzutage eben auch vielen Eltern durchsetzen zu müssen und eben die Perspektive, das 40 Jahre durchzuhalten. Dass Burnout bei Lehrkräften so häugig vorkommt kommt ja ebenfalls nicht von ungefähr. Ich würde das um nix in der Welt machen wollen, finde es aber natürlich super, dass es andere tun.

Bzgl. der KI teile ich deine Meinung auch nicht, denn gerade der Einsatz von KI erfordert ein Denken out of the box, also außerhalb des bisher Bekannten. Natürlich wünschen sich Eltern auch zukünftig die persönliche Betreuung durch Lehrpersonal. Allerdings sind staatliche Schulen für Schüler kostenlos und werden nur indirekt durch die Eltern finanziert, nämlich u. a. durch Steuern. Ein paar Lehrer wird es auch weiterhin geben, aber wenn KI sich so weiterentwickelt wie es sich schon jetzt andeutet, sehe ich überhaupt nicht, dass nicht auch der Lehrerberuf spürbar betroffen sein wird. Glaub das aber gern, und lass uns mal in 5-10 Jahren hier wiedertreffen.

Hier übrigens eine superinteressante Ausarbeitung dazu, in der ebenfalls konstatiert wird, dass das Potenzial von KI in den Schulen noch nicht ansatzweise genutzt, geschweige denn ausgeschöpft wird, aber eben auch, dass noch gar nicht abzusehen ist, wohin diese Reise gehen wird.
Lediglich Beziehungsarbeit kann KI nicht. Alles andere ist m. E. nur eine Frage der Zeit.
 
Zuletzt bearbeitet:
Dass du lieber TE überprüfst, ob das für die nächsten 40-43 Jahren dein Ding ist, kann ich gut verstehen.
Es wäre auch gut zu überprüfen, wieso man meint, man muss einen Beruf lebenslang beibehalten...

Eine meiner Freundinnen hat Germanistik und Französisch studiert, sie wurde nicht froh als Unterrichtende auf einem Gymnasium, wechselte dann in die Erwachsenenbildung.
Gute Zeugnisse öffnen viele Türen und Chancen.
 
zitat TE
wirklich Spaß gemacht hat und wofür ich echte Bestätigung bekommen habe und wofür ich Talent habe sind sämtliche künstlerischen Tätigkeiten, die ich neben dem Studium ab und zu gemacht habe (z.B. Musikproduktion, Grafikdesign, Filme schneiden oder Illustrationen). Dort habe ich mich immer wohlgefühlt und gut abgeliefert. Aber ich zweifle, ob ich das schnell genug in einen stabilen Lebensunterhalt umwandeln kann.
Zitat Ende

HM - und die Frage kannst Du Dir nicht nach einem abgeschlossenen Studium beantworten ?????
Was müsstest Du wissen um es zu können ?
 
Hallo zusammen, ich bin Mitte 20, habe ein Lehramtsstudium mit Schwerpunkt Germanistik mit guter Note abgeschlossen und bin seit drei Wochen im Referendariat, allerdings habe ich Zweifel, ob dieser Weg wirklich der richtige für mich ist.

Ich war immer einer der besseren Schüler, besonders in Fächern wie Deutsch, Englisch, Ethik, Kunst und Musik, in MINT-Fächern leider eher unbegabt. Das Studium habe ich damals direkt nach dem Abi angefangen, weil ich orientierungslos war und es mir als Mix aus Psychologie, Germanistik und Philosophie wie eine gute Option schien, die meinen Interessen und Fähigkeiten entsprechen könnte. Eine bessere Alternative ist mir damals nicht eingefallen, also bin ich einfach dabei geblieben („Der Junge ist schlau, natürlich studiert er!“). Nun stehe ich an dem Punkt, an dem ich merke: So kann es vielleicht nicht dauerhaft weitergehen: Im Referendariat merke ich, dass es mich wahrscheinlich überfordern könnte – auch weil ich gerade umgezogen bin, vor Ort niemanden kenne und auch deshalb unter depressiver Verstimmung und Selbstzweifeln leide. Zudem bin ich recht introvertiert, was kein Problem sein muss, aber zusätzlich mit den anderen Problemen, die mich belasten, führt es dazu, dass es auslaugend sein kann, vor großen Gruppen gut zu performen – kleinere Gruppen sind kein Problem.

Mein soziales Umfeld war schon immer schwierig: Häufige Umzüge haben dazu geführt, dass Freundschaften immer wieder zerbrochen sind, und die problematische Ehe meiner Eltern hat Spuren hinterlassen. Auch jetzt ist meine Familie über Deutschland verteilt, es gibt Kontaktabbrüche und Streit. Das macht es schwer, sich ein nachhaltiges Support-Netz aufzubauen.

Ich habe ein bisschen Geld angespart und nehme zum Glück keine Drogen, rauche nicht und trinke nicht, um mit meinen Problemen copen und bin auch anderweitig körperlich gesund.

Was mir in der Vergangenheit wirklich Spaß gemacht hat und wofür ich echte Bestätigung bekommen habe und wofür ich Talent habe sind sämtliche künstlerischen Tätigkeiten, die ich neben dem Studium ab und zu gemacht habe (z.B. Musikproduktion, Grafikdesign, Filme schneiden oder Illustrationen). Dort habe ich mich immer wohlgefühlt und gut abgeliefert. Aber ich zweifle, ob ich das schnell genug in einen stabilen Lebensunterhalt umwandeln kann.

Gleichzeitig frage ich mich, ob der Lehrerberuf langfristig das Richtige für mich ist (und ich der Richtige für den Beruf). Hinzu kommt, dass ich generell Zweifel daran habe, dass diese ganzen Systeme in der Zukunft überhaupt noch bestehen werden angesichts der aktuellen und abzusehenden Entwicklungen (KI, Klimawandel, gesellschaftliche Veränderungen, evtl. Grundeinkommen etc.).

Es plagen mich Schuldgefühle, weil ich denke, ich sollte meinen Platz in der Gesellschaft doch finden, aber die Gesellschaft vermittelt mir das Gefühl, ich sei falsch so wie ich bin und passe an deinen meisten Stellen nicht hin. Ich weiß nicht, ob ich das Referendariat durchziehen oder mein Leben komplett umkrempeln soll und etwas ganz anderes machen soll. Ich bin offen für alles.

Zu allem Überfluss gab es in letzter Zeit auch Suizide in meinem erweiterten Bekanntenkreis, die mich pessimistisch stimmten, was das Leben ganz allgemein betrifft. Ihr seht schon, es sind einige Faktoren, die dazu beitragen, dass ich aktuell nicht in der besten Verfassung bin …

Freue mich über alle Ratschläge
Als Lehrer solltest du dich in einer Schulklasse durchsetzen können ansonsten wirst du gnadenlos von den Kindern und Jugendlichen gemobbt.

Wenn du dich nicht in einer Kindergruppe selbstbewusst und schlagfertig durchsetzen kannst würde ich einen anderen Job nehmen.

Beim Arbeitsamt kannst du dich wegen anderen Jobs ausführlich beraten lassen und Eignungstests machen.
 
Hallo Du,
mir fallen 2 Dinge dazu ein.
Es könnte Auslöser geben bzw. Themen. Dann hilft es, sich diese anzuschauen und vielleicht etwas anders zu entscheiden.
Wenn das alleine schwierig ist, hilft ja oft Austausch. Falls privat etc. nicht vorhanden, helfen da ja Psychologen, Therapeuten, Menschen von Beratungsstellen (hier war für mich fast immer von Nachteil, wenn diese Menschen zwar wohlmeinend aber unqualifiziert waren.)
Daneben kann eine depressive Verstimmung auch andere Ursachen haben. Nicht zu unterschätzen, was Du auch schon andeutest, die aktuellen gesellschaftlichen etc. Lebensumstände. Dazu kann ich gerne noch etwas ausholen, wenn Du das wünscht.
Und zuletzt scheint mir sehr wichtig aus meiner langjährigen Krankheitserfahrung,
alles was mit Depression zutun hat, da kann es eine besser Chance auf Besserung geben, je schneller man richtig behandelt wird. Viele Leute zögern zu lange und außerdem finden wieder viele Leute nicht rechtzeitig die passenden Ärzte oder Therapeuten. Also würde ich das schnellstmöglich abklären lassen, medizinisch und therapeutisch. Es ist da hilfreich schon auch einen Psychiater zu sprechen, aber auch noch jemanden außerhalb der medizin, weil Psychiater ganz oft als erste Ansprechpartner sehr wenig auskunft geben. Zusätzlich kann man sich an eine Beratungsstelle wenden.
Wenn Du noch zu irgendwas fragen kannst, gerne. Dann einfach hierauf antworten.
 

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