Deine Freundin hat sich offensichtlich nicht von ihren Eltern abgenabelt. Ich glaube nicht, dass eure Beziehung auf Dauer Bestand haben wird, wenn ihr dort wohnen bleibt. Die Tatsache, dass du dich dort nicht wohl fühlst, birgt permanentes Konfliktpotential. Deine Freundin muss wissen, was ihr wichtiger ist.
Aus meiner Sicht hält sich die Wildromantik eines Zusammenlebens in der Drei-Generationen-Familie sehr in Grenzen, auch wenn einem die Rama-Werbung früher etwas anderes vorgaukelte.
Meine Eltern haben auch mit den Eltern und der unverheirateten Schwester meines Vaters unter einem Dach gewohnt (allerdings waren meine Eltern auch noch so blöd, sie in ihr eigenes Haus zu nehmen, obwohl sie immer schon nervig gewesen waren) und haben das später bitter bereut. Sie waren nicht Herr in ihrem eigenen Haus und wurden nur genervt und mit tatsächlichen, aber überwiegend mit eingebildeten Krankheiten unter Druck gesetzt. Von einer "Bereicherung" dieses Zusammenlebens für unsere Familie kann gar keine Rede sein. Übrigens nicht mal finanziell, weil das Mutter-Tochter-Gespann (der Opa starb vier Jahre nach dem Einzug bei uns) spottbillig bei uns zur Miete wohnte; das Finanzamt reagierte manchmal schon skeptisch deswegen und zweifelte daran, dass die Mieteinnahmen tatsächlich so niedrig sein sollten. Aber es war tatsächlich so. Meine Eltern haben dabei nur draufgezahlt. Sie hatten nichts, aber auch gar nichts von ihrer Gutmütigkeit, weder finanziell noch ideell. Ausgenutzt wurden sie, das war alles. Sie hatten wohl erst gedacht, meine Oma und die Tante würden wegen ihrer Krankheiten sowieso nicht allzu lange leben, aber dann wurde die Oma (zeitlebens eine eingebildete Kranke) 98, die Tante immerhin 81 Jahre alt. Die Oma lebte letztlich 31 Jahre bei uns im Haus, die Tante noch ein paar Jahre länger, bis sie mit 78 Jahren ins Alten- und Pflegeheim kam, weil es zu Hause nicht mehr ging und meine nur ein Jahr jüngere und selber jahrzehntelang chronisch kranke Mutter sie auch nicht pflegen konnte.
Die ganzen Jahre wurde von uns Rücksichtnahme und Unterstützung bei den einfachsten Alltagsdingen erwartet, während meine Oma und meine Tante sich dümmer und hilfloser stellten, als sie waren. Die Hauptleidtragende war meine Mutter, die mit der Situation überfordert und immer ein Nervenbündel war, aber auch meine Schwester und ich konnten uns nicht frei entfalten und mussten uns ständig die Klagen unserer Mutter über diese Verwandten anhören. Meine Eltern meckerten zwar beide hinter deren Rücken, trauten sich aber nicht, mal Tacheles zu reden und denen Grenzen zu setzen. Dann wären sie ja wieder mit deren Krankheiten emotional erpresst worden (wobei nur meine Tante wirklich krank war, und das auch erst seit 1978, nicht bereits 1967 beim Einzug in mein Elternhaus! Außerdem war es ihr wenigstens vergönnt, die schwere Erkrankung zu überleben; allein das wäre ja eigentlich schon ein Grund zur Dankbarkeit gewesen!). Ich kenne keinen Menschen, der sich derart von Verwandten hat ausnutzen lassen wie meine Eltern. Wir lebten jahrzehntelang zu sechs, anfangs sogar zu sieben Personen auf 150 qm Wohnfläche; heute ist das mancher verwöhnten vierköpfigen Familie schon fast zu wenig. Meine Oma und meine Tante hatten pro Kopf mehr Wohnfläche zur Verfügung als meine Eltern (die Hauseigentümer!), meine Schwester und ich.
Ich wäre nach diesen Erfahrungen niemals mit einem Partner bei meinen Eltern oder Schwiegereltern eingezogen, eher hätte ich auf den betreffenden Partner verzichtet.